Award / Auszeichnung (auch für Studierende) | 11/2025
competitionline CAMPUS Award 2026
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Titelblatt
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Wohn (+) Markt
Engere Wahl | Kategorie: Studierenden- und Bachelorarbeiten
Architektur
Architektur
Erläuterungstext
Prototyp für gemeinschaftliches Wohnen über Supermarkt-Filialen
Der „JOANES-Wettbewerb – studentischer Entwurfswettbewerb für genossenschaftliches Wohnen und Gewerbe“ wurde im Oktober 2024 für Studierende ausgeschrieben. Ziel der Stiftung ist es, durch die Entwicklung eines Prototyps gemeinschaftliches Wohnen mit Gewerbe – in Form eines Supermarkts – zu kombinieren, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.
Das untersuchte Grundstück befindet sich in Berlin neben dem S- und U-Bahnhof Tempelhof und wird derzeit (Stand 02.2025) von einer Aldi-Filiale mit einer Fläche von 860 m² sowie einem angrenzenden Parkplatz mit einer Größe von 1.500 m² genutzt. Die Stiftung gibt vor, dass der zukünftige Supermarkt eine größere Grundfläche erhalten soll, plus eine erheblich ambitionierte Fläche für Wohnungen.
Diese Anforderungen implizieren den vollständigen Abriss des Bestandes – eine Entscheidung, die im Rahmen des Wettbewerbs nicht hinterfragt wurde. Während das Konzept des genossenschaftliches Wohnens über einem Supermarkt als innovativer Lösungsansatz für urbane Verdichtung betrachtet werden kann, erachten wir die fehlende Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit eines Abrisses als durchaus kritisch.
Um eine fundierte Grundlage für unseren Entwurf als Prototyp zu schaffen, haben wir eine umfassende Analyse der Aldi-Filialen in Berlin hinsichtlich verschiedener architektonischer und konstruktiver Eigenschaften durchgeführt. Zudem wurden unterschiedliche Tragwerkskonzepte statisch berechnet sowie eine CO₂- und Kostenbilanzierung vorgenommen. Alle durchgeführten Berechnungen stellen überschlägige Abschätzungen dar und erfordern eine detailliertere Analyse. Dennoch bildet unser Ansatz eine solide Grundlage für die weitere Ausarbeitung und Verfeinerung der berechneten Eigenschaften.
CASE STUDY - ALDI
Um eine fundierte Grundlage für unseren Prototyp-Entwurf zu schaffen, haben wir alle 139 Aldi-Nord-Filialen in Berlin hinsichtlich relevanter Merkmale analysiert. Dabei wurden die Bebauungssituation (überbaut oder nicht überbaut), die Dachform (Flach- oder Satteldach), die Parkplatztypologie (Tiefgarage, freier Parkplatz, Dachparkplatz oder kein Parkplatz) sowie die Gebäudeabmessungen erfasst. Zudem haben wir die Größe der Parkflächen und die angrenzende Bebauung untersucht.
Diese Analyse ermöglicht eine differenzierte Bewertung der Machbarkeit eines Wohnungsbaus über einem Supermarkt und dient als Grundlage für nachhaltige Planungsstrategien.
Unsere Analyse zeigt ein erhebliches Potenzial für die Überbauung von Aldi-Filialen als Prototyp zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums. Dies liegt insbesondere an der einheitlichen Typologie der Märkte: Die Mehrheit der Filialen ist nicht überbaut, weist ähnliche Abmessungen auf, verfügt über ein Flach- oder Satteldach, befindet sich in lauter Umgebung und besitzt einen freien Parkplatz.
Außerdem, obwohl sich die Märkte in einem städtisches Kontext befinden, haben die Mehrheit der Filialen keine seitliche Grenzbebauung. Diese Merkmale haben unseren Entwurfsprozess maßgeblich beeinflusst.
Unser Wohnkonzept wurde so entwickelt, dass es auf etwa 67 % der nicht überbauten Aldi-Filialen in Berlin anwendbar ist. Das sind insgesamt 62 Supermärkte. Diese hohe Anpassungsfähigkeit unterstreicht die prototypische Relevanz unseres Entwurfs und spricht stark für die Machbarkeit einer systematischen Überbauung von Supermärkten als nachhaltige Strategie zur städtischen Nachverdichtung.
ENTWURF
Unser Konzept setzt auf gemeinschaftliches und soziales Wohnen und sieht großes Potenzial darin, den Wohnungsbau über einem Supermarkt zu realisieren, um eine mögliche Antwort auf die aktuellen Krisen auf dem Wohnungsmarkt zu geben. Der Entwurf basiert auf dem Prinzip des modularen Bauens, um eine schnelle und flexible Umsetzung zu ermöglichen. Es sind verschiedene Wohnungstypen vorgesehen, die sich aus drei unterschiedlichen Modulen zusammensetzen. Diese Wohnungen werden über breite Laubengänge erschlossen, die gleichzeitig als gemeinschaftliche Bereiche fungieren und den Bewohnern Raum für soziale Interaktionen bieten. Zur Förderung des gemeinschaftlichen Lebens sind im ersten Geschoss verschiedene Gemeinschaftsräume wie eine Gemeinschaftsküche, ein Waschraum, eine Werkstatt und Lagerräume geplant. Darüber hinaus wird ein Dachgarten für die Bewohner eingerichtet. Im ersten Obergeschoss befinden sich zudem Büro- und Coworking-Spaces, die den Bewohnern zugänglich sind, sowie ein Café, das sowohl für die Bewohner als auch für die Öffentlichkeit geöffnet ist.
Zusätzlich haben wir verschiedene Fassadenelemente entwickelt, die je nach Ausrichtung des Gebäudes variieren – ob Sonnenseite, Schallseite oder normale Seite. Dadurch erhält jeder Prototyp einen individuellen Charakter, der sich an den spezifischen Gegebenheiten des Standorts orientiert und gleichzeitig die Funktionalität und Ästhetik des Gebäudes optimiert. Die Treppenanlage wurde so konzipiert, dass sie sich harmonisch in die Umgebung einfügt und somit dem prototypischen Charakter des Entwurfs entspricht. Der bestehende Parkplatz wird einer Umnutzung zugeführt und in einen Sportplatz sowie einen Bereich für Freizeitaktivitäten umgewandelt, um der Überkapazität an Parkplätzen entgegenzuwirken.
Ein weiteres bedeutendes Potenzial liegt in den Zukunftsszenarien: Sollte der Aldi-Markt verschwinden oder verändert werden, bleibt die Wohnstruktur erhalten. In diesem Fall könnte der freie Raum unter dem Gebäude für verschiedene Nutzungen zur Verfügung stehen, etwa für Flohmärkte, Sportplätze oder sogar für zwei-geschossige Neubauten wie Museen, Büros oder einen neuen Supermarkt.
ANALYSE ERGEBNISSE
KOSTEN BILANZIERUNG
In unserer Kostenbilanzierung haben wir die Kosten für einen Abriss und Neubau mit denen für einen Auf- bzw. Anbau ohne Abriss verglichen. Im ersten Szenario nehmen wir an, dass die 800 m² des bestehenden Supermarktes abgerissen werden, um 1.500 m² neuen Raum zu schaffen, wobei zusätzlich ein weiteres Stockwerk als Rohbau auf gesetzt wird. Im zweiten Szenario erfolgt kein Abriss, sondern es wird lediglich ein oberes Stockwerk (1. OG) von 800 m² als Rohbau auf die bestehende Struktur aufgesetzt. Dieser Vergleich zeigt die Kosteneffizienz der Umnutzung ohne Abriss im Vergleich zum vollständigen Neubau.
CO₂ BILANZIERUNG
Um die ökologische Sinnhaftigkeit einer Umnutzung gegenüber einem Abriss zu bewerten, haben wir eine CO₂-Bilanzierung durchgeführt. Unsere CO₂-Bilanzierung basiert auf den Angaben der Stiftung zu den Emissionen eines Abrisses und Neubaus. Diese Werte haben wir mit den Emissionen unseres Entwurfs – einer Erweiterung bzw. Aufstockung ohne Abriss – verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass durch den Erhalt der bestehenden Struktur und unseren Ansatz des Entwurfes erhebliche CO₂-Einsparungen möglich sind.
ERGEBNISSE
Die Berechnungen zeigen, dass unser Entwurf in den Gesamtkosten günstiger ausfällt, auch auf die Quadratmeter bezogen, obwohl wir große Stahlträger und eine Pfahlgründung annehmen.
Der Vergleich basiert auf den Annahmen, die die Stiftung bezüglich des Abrisses und Neubaus impliziert hat. Dabei haben wir ebenfalls berücksichtigt, wie der Abriss und Neubau aus unserer Sicht durchgeführt werden würden und wie der Auf- oder Anbauprozess ablaufen könnte. Unsere Annahmen zum Baustellenprozess und der Logistik eines solchen Umbaus zeigen, dass die Option des Überbauens nicht nur CO₂-effizienter, sondern auch kostengünstiger und logistisch sinnvoller ist.
Ein weiterer Vorteil unseres Prototyps besteht darin, dass eine Schließung des Supermarktes – und damit verbundene Umsatzeinbußen – vermieden werden kann.
Unser Prototyp zeigt großes Potenzial für die nachhaltige Nachverdichtung in Berlin. Durch die systematische Überbauung von 62 geeigneten Aldi-Filialen könnten insgesamt 2.976 neue Wohnungen mit ingesamt 220.00 m² entstehen. Gleichzeitig ermöglicht unser Konzept eine Einsparung von bis zu 20.000 Tonnen CO₂ im Vergleich zu einem vollständigen Abriss und Neubau, wie ihn die Stiftung vorschlägt. Unser Entwurf versteht sich als systematisch übertragbare Lösung für genossenschaftliches Wohnen über Supermärkte.
Case Study
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Umgebungsmodell
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Konzept
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Module
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Öffentliches/Gemeinschaftliches Geschoss
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Wohngeschosse
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Dachgarten
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Schnitte
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Zukunftsszenarien
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Andere Standorte
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara
Ergebnisse
©Lucas Bogunovic, Emilio Lara