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Award / Auszeichnung (auch für Studierende) | 11/2025

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Lebenslabor. Visualisierung
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Lebenslabor. Visualisierung

Lebenslabor. Weiterbauen am ULAP-Quartier

Preis | Kategorie: Master- und Diplomarbeiten

Preisgeld: 1.000 EUR

Natasha Lvova

Architektur

Erläuterungstext

Lebenslabor. Weiterbauen am ULAP-Quartier

Thesis:

Dieses Projekt hinterfragt kritisch die zeitgenössische Architekturpraxis im Umgang mit dem baulichen Erbe des Westberliner Modernismus der 1970er Jahre. Am Beispiel des ehemaligen Landeslabors Berlin-Brandenburg, nahe dem Hauptbahnhof, wird eine alternative Strategie zum Umgang mit Bestandsbauten vorgeschlagen. Während das Gebäude aktuell abgerissen wird, sollen auch angrenzende Grundstücke – ein ALDI-Markt und eine Polizeistation – neu entwickelt werden. Ein städtebaulicher Wettbewerb von 2022 schlägt dafür den vollständigen Abriss und einen 97 Meter hohen Neubau mit 120.000 m² Fläche vor.

Angesichts der heutigen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Lage erscheint ein solcher Großmaßstab zunehmend unrealistisch. Die Risiken hoher Kosten und Verzögerungen sind erheblich. Gleichzeitig fehlen in der Übergangszone zwischen Moabit und Mitte weiterhin bezahlbarer Wohnraum und offene soziale Infrastrukturen – was in der Wettbewerbsplanung unbeachtet bleibt.

Das Projekt schlägt daher einen anderen Weg vor: bestehende Strukturen werden in ein neues räumliches und typologisches System integriert. Die Dichte wird über vertikale Erweiterungen und gezielten Lückenschluss erhöht. Im Zentrum steht ein Umdenken gängiger Entwicklungsmodelle, die Abriss dem Weiterbauen vorziehen. Solche „Tabula-rasa“-Strategien ignorieren jedoch räumliche, kulturelle und ökologische Werte des Bestands. Das Projekt zeigt das transformative Potenzial von Kontinuität – architektonisch, sozial und ökologisch.

ULAP-Quartier:

Neben einer architektonischen Neuordnung schlägt das Projekt auch eine Neuverteilung von Verantwortung und Eigentum vor. Das Grundstück könnte per Erbbaurecht an Genossenschaften übergehen, die auf Basis konkreter Nachbarschaftsbedürfnisse entwickeln. Eine Sozialumfrage zeigt breite Nachfrage nach gemeinschaftlich genutzten Flächen für Familien, Studierende, Seniorinnen, Migrantinnen und andere Gruppen. Diese Vielfalt bildet die Grundlage für eine gemischte Nutzung mit thematischer Gliederung.

Der Erhalt der Substanz vermeidet rund 8.687 Tonnen CO₂ – ohne Neubauemissionen. Zugleich ermöglicht die kooperative Entwicklung dauerhaft bezahlbaren Wohnraum.

Ehemaliges Landeslabor:

Das erste abzureißende Gebäude ist das ehemalige Landeslabor Berlin-Brandenburg, entworfen in den 1970er Jahren von Peter Brinkert. Mit 14.147 m² NRF und Vierendeel-Trägern bietet es große Spannweiten und 3,8 Meter Raumhöhe – ideale Voraussetzungen für Umnutzung.

Im Projekt wird es zum "Lebenslabor": ein Ort für neue Wohn- und Arbeitsformen, die auf Vielfalt und Flexibilität im Berliner Wohnungsbau reagieren. Das Erdgeschoss öffnet sich zur Nachbarschaft, während die Obergeschosse drei unterschiedliche Wohnszenarien beherbergen – als Beispiel für zukunftsorientierte, sozial gerechte Stadtentwicklung.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Projekt "Lebenslabor" entwirft eine Alternative zum Abriss des ehemaligen Landeslabors im Berliner ULAP-Quartier. Statt eines Neubaus transformiert der Entwurf den sperrigen Bestand der 1970er Jahre in ein dichtes genossenschaftliches Wohnquartier.

Die Jury hebt die Entscheidung positiv hervor, dieses "profane und oft vernachlässigte Erbe" der Westberliner Moderne zu erhalten. Die Verfasserin macht es sich dabei nicht leicht: Mit "großer Ernsthaftigkeit" durchdringt sie alle Maßstabsebenen, um den komplexen Zweckbau in ein lebendiges Stück Stadt zu verwandeln. Dass dabei auch Eigentumsfragen im Sinne einer kooperativen Entwicklung neu gedacht werden, unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit.

Auf konzeptueller Ebene besticht der Mut, sich einer widerständigen Bestandstypologie zu stellen. Die enormen Gebäudetiefen und geschlossenen Kernzonen eines Labors stehen einer Wohnnutzung nach Ansicht des Preisgerichts eigentlich unversöhnlich entgegen. Doch genau in dieser Auseinandersetzung liegt die Stärke der Arbeit: Anstatt die Hürden des Bestands zu umgehen, wird die sperrige Struktur zum Ausgangspunkt für eine "spannende Transformation". Die Jury lobt dabei besonders den Umgang mit dem Hochhausteil des Ensembles als gelungene Antwort auf die Fragen nach urbaner Dichte und dem Weiterbauen im Bestand.
Thesis: Weiterbauen und weiternutzen

Thesis: Weiterbauen und weiternutzen

(I) ULAP-Quartier. Konzept

(I) ULAP-Quartier. Konzept

(I) ULAP-Quartier: Qualitativer und quantitativer Vergleich

(I) ULAP-Quartier: Qualitativer und quantitativer Vergleich

(II) Lebenslabor. Konzept

(II) Lebenslabor. Konzept

(II) Lebenslabor. Zeichnungen

(II) Lebenslabor. Zeichnungen

(II) Lebenslabor. 2. Teil. Büro/Wohnung

(II) Lebenslabor. 2. Teil. Büro/Wohnung

(II) Lebenslabor. 2. Teil. Wohnung

(II) Lebenslabor. 2. Teil. Wohnung

(II) Lebenslabor. EG

(II) Lebenslabor. EG

(II) Lebenslabor. Verbindung zwischen EG und UG

(II) Lebenslabor. Verbindung zwischen EG und UG

(II) Lebenslabor. Fassadenkonzept

(II) Lebenslabor. Fassadenkonzept

(II) Lebenslabor. Fassadenkonzept

(II) Lebenslabor. Fassadenkonzept