Award / Auszeichnung (auch für Studierende) | 11/2025
competitionline CAMPUS Award 2026
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©Max Rubach
Transformation einer Lagerung
Preis | Kategorie: Master- und Diplomarbeiten
Preisgeld: 1.000 EUR
Architektur
Erläuterungstext
Transformation einer Lagerung
Als Gegenthese zu dem geplanten Neubau des Archäologischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern in der Hanse- und Universitätsstadt Rostock wird auf Grundlage einer Bestandsanalyse, ein Entwurf formuliert, welcher das Museum in zwei leerstehende und denkmalgeschützte Getreidespeicher im Rostocker Stadthafen integriert, dadurch deren Erhaltung gewährleistet und so dem geplanten Neubau entgegenwirkt.
Warum ist das Projekt
besonders einzigartig?
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Das Projekt leistet einen Beitrag zum aktuellen Diskurs über das Bauen im und mit dem Bestand. Gleichzeitig setzt es sich mit der Auslegung denkmalpflegerischer Prinzipien auseinander. Entgegen etablierten Ansätzen, wie der Suche nach einer dem Bauobjekt entsprechenden und respektvollen Nachnutzung, verfolgt der Entwurf das Ziel, ein zuvor definiertes Raumprogramm in ein bestehendes Gebäudeensemble zu integrieren. Dies geschieht unter der Prämisse, den Fokus auf den Bestand weiter zu schärfen und die Potenziale für „objektfremde“ Umnutzungen aufzuzeigen. Durch ein Umdenken zugunsten des Erhalts und der Weiterverwendung bestehender Strukturen kann eine Alternative für geplante Neubauten aufgezeigt werden.
Projektbeschreibung
Das Projekt beschäftigt sich mit der Revitalisierung der letzten zwei erhaltenen, leerstehenden und denkmalgeschützten Getreidespeicher im Stadthafen der Hansestadt Rostock. Im Sinne eines nachhaltigen Umdenkens und zur Vermeidung weiterer Flächenversiegelung, wird das Archäologische Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern in die bestehenden Speicher integriert. Dadurch entsteht eine Gegenthese zu dem geplanten Neubau: Eine Transformation im Spannungsfeld zwischen dem Feinen der Archäologie und dem Groben des Industriebaus.
Die museale Nutzung verteilt sich auf beide Speicher. Durch die bauphysikalische Aktivierung von innen bleibt die denkmalgeschützte Fassade in ihrem Erscheinungsbild erhalten. Die ehemalige Lagerung von Schüttgut wird zu der zukünftigen Lagerung von archäologischen Exponaten re-interpretiert. Dadurch werden die bestehenden räumlichen Strukturen, wie Verteilerräume, Silokammern und Schächte mittels minimalinvasiver Einbauten zu neuen Ausstellungsgeschossen, welche mit jeweils einem neuen Erschließungskern angebunden werden.
Den Bestand respektierend, gleichzeitig aber die Revitalisierung nach Außen tragend, entsteht im Zwischenraum beider Speicher ein neues Foyergebäude. Dieses vermittelt zwischen der Hauptstraße und der Flaniermeile am Wasser. Die neue Formensprache lehnt sich an die Typologie der Reichstypenspeicher an: modularer Industriebau wird neu gedacht. Neben Cafébereich, Theke und Museumsshop erfolgt hier auch die Verteilung in die zwei Museumsbereiche innerhalb der Getreidespeicher. Da die bauzeitliche Anlieferung des Schüttgutes über ein Eisenbahnnetz erfolgte, werden auch die zukünftigen Besucher*innen mittels einer pavillonartigen Gangtypologie über die bestehenden Gleisanlagen in die Speicher geleitet.
Die neue Setzung führt zu einem städtebaulichen Konglomerat, das sich respektvoll dem Bestand annimmt und gleichzeitig in die revitalisierte Nutzung einleitet - Transformation einer Lagerung.
Die neue Setzung führt zu einem städtebaulichen Konglomerat, das sich respektvoll dem Bestand annimmt und gleichzeitig in die revitalisierte Nutzung einleitet - Transformation einer Lagerung.
Beurteilung durch das Preisgericht
Als Gegenthese zum geplanten Neubau des Archäologischen Landesmuseums schlägt der Verfasser vor, die museale Nutzung in zwei bestehende denkmalgeschützte Getreidespeicher zu integrieren. Ein neu eingefügtes Foyergebäude verbindet die beiden Industriebauten und vermittelt städtebaulich sensibel zwischen der rückwärtigen Straßenfront und der prominenten Uferkante.
Die Jury hebt die Haltung des Verfassers hervor, die ursprüngliche Aufgabenstellung kritisch zu hinterfragen und das Potenzial des Bestands als Ausgangspunkt des Entwurfs zu nutzen. Die Transformation vom Kornspeicher zum "Geschichtsspeicher" wird als funktional schlüssig und inhaltlich überzeugend bewertet: Sie führt dem Denkmal eine zeitgemäße Nutzung zu und vermeidet das problematische Nebeneinander von Neubau und leer stehender Bestandshülle. Vor dem Hintergrund, dass denkmalgeschützte Gebäude häufig rein konservierend und ohne tragfähiges Nutzungskonzept erhalten bleiben, erkennt das Gremium in diesem Ansatz eine besondere politische und baukulturelle Qualität.
Architektonisch besticht die Arbeit durch eine subtile Intervention, die das robuste Erscheinungsbild des Industriedenkmals respektiert und zugleich die Anforderungen einer modernen Museumsnutzung integriert. Positiv bewertet wird auch die ästhetische und feine Darstellungsweise. Die Präsentation – getragen von einer stimmigen Auswahl prägnanter Zeichnungen – lässt eine gewisse Unschärfe zu, die von der Jury als Qualität gelesen wird. Insgesamt sieht das Preisgericht in dem Entwurf einen sensibel ausgearbeiteten Beitrag, der den Bestand überzeugend weiterentwickelt und dem Ort eine neue, identitätsstiftende Perspektive verleiht.
©Max Rubach
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