Award / Auszeichnung (auch für Studierende) | 11/2025
competitionline CAMPUS Award 2026
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©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
Raum durch Fügung: eine Schule als reversible Struktur
Preis | Kategorie: Studierenden- und Bachelorarbeiten
Preisgeld: 1.000 EUR
Architektur
Architektur
Erläuterungstext
Raum durch Fügung: eine Schule als reversible Struktur
Der Entwurf untersucht ein Schulprovisorium, das als temporäre Erweiterung und wiederverwertbare Struktur dem Prinzip des Design for Disassembly folgt.
Warum ist das Projekt besonders einzigartig?
Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem entwickelten Stahl-Lehm-Hybrid, bei dem das Zusammenspiel der Materialien durch sichtbare Fügung zum prägenden architektonischen Ausdruck wird.
Projektbeschreibung
Der Entwurf entstand im Rahmen des Studios Design for Disassembly an der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Jeanette Kuo am Lehrstuhl für Architecture & Construction. Ausgangspunkt ist die Konzeption eines temporären Schulprovisoriums mit sechs Klassenräumen und einer Einfeldsporthalle, das an unterschiedlichen Standorten wiederverwendet werden kann. In diesem Fall wurde das Konzept am Pestalozzi-Gymnasium in München erprobt.
Das Studio widmete sich der Frage, wie Gebäude so konstruiert werden können, dass sie nach ihrer Nutzung ebenso effizient zerlegt wie erneut aufgebaut werden können. Vor diesem Hintergrund untersucht der Entwurf den Einsatz von Lehm als wiederverwendbares Baumaterial mit dem Ziel, dessen Potenzial für zirkuläres Bauen neu zu interpretieren.
Lehm bietet aufgrund seiner Masse hervorragende Eigenschaften hinsichtlich Raumklima und Schallisolierung - Qualitäten, die besonders für Lernräume entscheidend sind. Dennoch wird das Material traditionell recycelt, anstatt als Element wiederverwendet zu werden. Damit gehen erhebliche Mengen an Energie, Arbeitszeit und Materialpotenzial verloren.
Der Entwurf sieht daher vor, gestampften Lehm in gerahmte Wand- und gewölbten Deckenelementen einzusetzen und mit einem eigens entwickelten Stahlskelettbau zu kombinieren. Sämtliche Verbindungen funktionieren durch gezielte Profilierungen und Steckmechanismen, wodurch sich Skelettstruktur und Lehmelemente formschlüssig fügen. Diese Technik ermöglicht eine zerstörungsfreie Montage und Demontage.
Der Entwurf zeigt, wie die konstruktive Logik der demontierbaren Stahl-Lehm-Struktur selbst zum architektonischen Ausdruck wird. Die sichtbaren Fügungen prägen das räumliche Erscheinungsbild und machen den Prozess des Bauens und Rückbauens ablesbar. Damit versteht sich das Projekt als Beitrag zur Diskussion über zirkuläres Bauen und als Versuch, Materialkompetenz, Konstruktionslogik und Präzision in eine klare architektonische Gestalt umzusetzen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Projekt widmet sich einer der drängendsten Aufgaben aktueller Stadtplanung: der kurzfristigen Bereitstellung temporärer und doch hochwertiger Schulbauten. Der Entwurf für ein reversibles Schulgebäude mit sechs Klassenräumen und einer Sporthalle liefert dafür eine realistische Antwort. Anstatt auf gängige Containerlösungen zu setzen, kombiniert die Arbeit massive Lehmelemente mit einem Stahlskelett zu einer Struktur, die sich zerstörungsfrei fügen, demontieren und wiederverwenden lässt.
Die Jury würdigt die tiefe Durcharbeitung und architektonische Finesse dieses Ansatzes. Dem Entwurf gelingt es, konstruktive Logik in eine hohe räumliche Qualität zu übersetzen: Die sichtbaren Fügungen werden zum gestalterischen Prinzip; die Sporthalle und die Klassenräume überzeugen durch ihre Atmosphäre und den geringen Flächenverbrauch. Technisch funktioniert hier alles bis ins Detail – ein Aspekt, der "das Herz jedes Konstrukteurs höherschlagen lässt". Insgesamt sieht die Jury in dem Entwurf eine unmittelbar anwendbare Lösung für Kommunen mit akutem Raumbedarf und zugleich den Nachweis, dass temporäres Bauen nicht mit einem Verlust an Baukultur oder klimagerechten Materialien einhergehen muss.
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
Perspective Section
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
Isometric Facade
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
Isometric Steel & System
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
Isometric Explosion
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko
Isometric Clay Profiling
©Niklas Murmann, Elisabeth Valko