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Offener Wettbewerb | 08/2012

Darrplatz und Melanchthonplatz - Verkehrsanlagen. Freianlagen. StÀdtebau

2. Preis

Landschaftsarchitektur+ Holzapfel-Herziger & Benesch PartG mbB

Landschaftsarchitektur

BĂŒro DĂŒsterhöft - Architektur und Stadtplanung

Stadtplanung / StÀdtebau

ARGUS Stadt und Verkehr

Verkehrsplanung

Burkhard Wand Lichtplanung

Lichtplanung

ErlÀuterungstext

1. Historische Situation | Bestand
Der Melanchthonplatz und der Darrplatz sind in ihrer Historie freie öffentliche RÀume mit
klaren Raumkanten. Dieses zeigen Fotoaufnahmen um 1910 bis 1918 und der Stadtplan von 1898. Die Lutherkirche auf dem Melanchthonplatz, ehemals Antonienplatz, war von einer PlatzflĂ€che umgeben, welche zur Dornsgasse und zur Südseite durch eine Baumreihe gefasst wurde. Nach Norden zur Dornburger Straße war zudem ein Gartenparterre angelegt, über einen Bogenweg bewĂ€ltigte man die Böschung im Bereich Dornburger Straße und Kirchenportal. Auch die diagonale Wegebeziehung vom Kreuzungsbereich Dornburger Straße / Ecke Dornsgasse zum Haupteingang im Osten gab es bereits. Mit fortschreitender Entwicklung Apoldas nahm der Verkehr diese öffentlichen RĂ€ume in Beschlag. So entstand um die Lutherkirche eine große ParkplatzflĂ€che. Zudem wurde im Bereich des Darrplatzes die platzrahmende Bebauung auf der Nord- und auf der Nordwestseite entfernt. Inzwischen ergĂ€nzt das Sophien- und Hufelandklinikum wieder die westliche Platzkante. Der Darrplatz wird zur Zeit durch den Garten des ehemaligen Bankhauses Böhme und einer Stellplatzanlage auf der nordöstlichen Seite begrenzt. Dahinter steht kaum wahrnehmbar die Stadthalle, auch der Darrplatz gibt ihr kein angemessenes Entree.

2. Entwurf FreiflÀchen - öffentliche RÀume
Die Gestaltung der FreiflĂ€chen greift die beiden zentralen Aspekte in Apoldas Stadtentwicklung auf und interpretiert diese neu. Das ist zu einem die Erhaltung und Sanierung der historischen SchĂ€tze und zum anderen ein kreativer Umgang mit den entstandenen Baulücken. Für die beiden PlĂ€tze - Melanchthonplatz und Darrplatz - ergibt sich ein neuer Platzcharakter, der die notwendige MultifunktionalitĂ€t für Veranstaltungen bietet und zusĂ€tzlich eine klare und identitĂ€tsstiftende Gestaltung formuliert. Die Idee ist, FlĂ€chen vom Autoverkehr zurückzugewinnen und neue GrünqualitĂ€t zu schaffen.
Der Melanchthonplatz wird an den RĂ€ndern durch eine Baumreihe gefasst und in Richtung Dornburger Straße und Dornsgasse geöffnet. Eine Stufenanlage stellt die Lutherkirche gleichsam auf einen Sockel und rückt den Nordeingang wieder deutlich in das Stadtbild. Der sich in Richtung Dornsgasse öffnende Bereich wird zum Hauptzugang. Die RasenflĂ€che im Süden kann als temporĂ€re AufstellflĂ€che für eine Bühne bzw. Veranstaltungen genutzt werden.
Auf der nordöstlichen Seite des Darrplatzes entsteht auf der Stadtbrache ein neuer Grünraum und das „Apfelhaus“. Als Neubebauung schließt es die Giebelseite des Hauses am Darrplatz 10. Auf der nordöstlichen Platzseite bietet es sich an, die Mauer des Böhme-Parks bis auf Sitzhöhe abzureißen und die Grünanlage durch eine Erschließung und die Reaktivierung des GartenhĂ€uschens für z.B. Gastronomie nutzbar zu machen. Sie bildet so die neue Vorzone und das Entree zur Stadthalle.

3. Konzept StĂ€dtebau | Kultur pflanzen! Ran an die Lücken, 
 eine neue Stadtkultur

Apolda ist reich an Traditionen. Apfel- und Hopfenanbau, Glockengießerei und Strickerei haben über viele Epochen die Stadtgeschichte geprĂ€gt. Mit dem demografischen Wandel schlĂ€gt Apolda heute ein neues Kapitel auf. Die Stadt steht vor der Herausforderung, Lücken im Stadtbild und Stadtleben zu schließen. Rückbau muss nicht mit Rückzug einhergehen, Baulücken geben Raum für neue Möglichkeiten und Wachstum. Mit jeder neuen BrachflĂ€che hat Apolda die Chance, mehr Frei- und GrünrĂ€ume in die Stadt zu holen und ihre Bewohner bei der Gestaltung einzubinden. Außer guten Ideen braucht es die Gemeinschaft, um die Lücken nachhaltig zu füllen und neue Stadtgeschichte zu schreiben. Kultur( )pflanzen... Der Verein „Apolda blüht auf“ hat vorgemacht wie man mit
Gemeinschaftserlebnissen Stadtkultur schaffen kann, an der sowohl Bewohner als auch GÀste teilhaben wollen. Brachliegende FlÀchen werden zu StadtgÀrten oder StadtÀckern, die die Bewohner gemeinsam bewirtschaften. Sie gestalten mit eigenen HÀnden das Stadtbild und ihr direktes Wohnumfeld mit.
Bei der Auswahl der Kulturpflanzen kann Apolda an alte Traditionen anknüpfen. Wo denn,
wenn nicht in Apolda, kann der Apfelanbau StadtidentitÀt mitprÀgen? Der Apfel ist zudem ein Symbol des Lebens und der Zuversicht. Nach einer Volkslegende wollte Martin Luther am Tag vor dem Weltuntergang noch einen Apfelbaum pflanzen. An der Lutherkirche in Apolda soll er wieder wachsen. Mitten in der Stadt und mitten im Leben.
und in den suÌˆĂŸen Apfel beißen! Der Apfelbaum kann in den Alltag Apoldas zurückkehren.
Die Jahreszeiten und der Zyklus der Natur geben den Rhythmus vor, in dem die Bürger der Stadt und ihre GĂ€ste zusammen kommen: zum Pflanzen, zum Apfelblütenfest oder zum Ernten.
In den kalten Monaten kann eine gemeinschaftliche Baumschnittaktion mit einer Schulung zu alten Apfelsorten und deren Pflege verbunden werden. Apfelgerichte erweitern das kulinarische Angebot von bestehenden Festen wie „Gramont bittet zu Tisch“. Apolda hat die Chance, sich als „Apfelkulturstadt“ einen Namen zu machen. So könnte zum Beispiel auf den Streuobstwiesen in den Baulücken und an den zahlreichen GiebelwĂ€nden alte regionale Apfelsorten wie der „Meininger Zwiebelborsdorfer“ angebaut werden. Alte Sorten sind weniger ertragreich und robust als die heutigen KulturĂ€pfel, dafür schmecken sie aber umso intensiver.
Das neue hölzerne „Apfelhaus“ steht als Symbol für diese neugepflanzte Stadtkultur. Hier gibt es Gelegenheit, Informationen rund um den Apfel weiterzutragen: Kunstinstallationen,
AustellungsflĂ€chen, Infobox, SeminarrĂ€ume, Ausschank und Verkostung gepaart mit einem kleinen CafĂ©. Daneben gibt es als Erweiterung im Freien temporĂ€re, wettergeschützte, aber offene Verkaufs- und AusstellungsflĂ€chen: das „Stadtregal“.
Die Gassen und PlĂ€tze Apoldas werden innerhalb des Bereichs „Stadtblüte“ Teil der
Landesgartenschau 2017 sein. Die neu gestiftete Tradition des Apfelanbaus wird die
Gartenschau um eine weitere Attraktion bereichern.

4. Verkehrsplanung
GrundsĂ€tzlich wird das in der Auslobung vorgeschlagene Verkehrskonzept übernommen. Durch die Aufwertung des öffentlichen Raums kann die AttraktivitĂ€t für den Fußverkehr gesteigert und die Wegebeziehungen ausgebaut werden. Der Radverkehr wird grundsĂ€tzlich weiterhin auf der Fahrbahn abgewickelt. ZusĂ€tzlich strategisch positionierte Abstellmöglichkeiten erhöhen die Benutzerfreundlichkeit für Radfahrer. Der ruhende Verkehr wird neu geordnet und dort, wo es erforderlich ist, kompakter organisiert. Die Einmündung Dornburger Straße / Bernhardstraße kann mit einem Minikreisverkehr (Durchmesser 15 m) leistungsgerecht gestaltet werden. Die Querungshilfen in der Bernhardstraße und der Dornburger Straße werden die Trennwirkung dieses Straßenzuges für FußgĂ€nger merklich verringern.

5. Beleuchtung und Möblierung
Grundgedanke des Beleuchtungskonzeptes ist, die Lutherkirche und die umliegenden
FreirÀume auch wÀhrend der Dunkelstunden als Ortsmittelpunkte stÀrker hervorzuheben.
Lichtstelen, in die jeweils mehrere Leuchtenmodule integriert sind, beleuchten Platz und Kirche mit einem flĂ€chigen, warmweißen Grundlicht mit guter Farbwiedergabe. Vorgegeben wird eine Hauptlichtrichtung aus Nord-Ost zur plastischen Anstrahlung des Hauptturmes. Fassadennahes Licht am Boden modelliert das GebĂ€ude und setzt Akzente. Die Beleuchtung am Darrplatz und der umliegenden Straßen erfolgt über die bereits am Marktplatz verwendete Mastaufsatzleuchte mit symmetrischer Abstrahlung, damit die Stadtmöblierung eine einheitliche Gestaltung erfĂ€hrt. Für die Möblierung und BĂ€nke wird ein elegantes und zurückhaltendes Design vorgeschlagen.
Ziel ist, die genaue Abfolge und Struktur der Möblierungselemente im weiteren
Planungsprozess gemeinsam mit den Beteiligten zu entwickeln. An den ZugÀngen zum
Melachthonplatz wird ein Informationssystem vorgeschlagen, das auf die historische
Bedeutung und auf Veranstaltungen hinweist.