modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Offener Wettbewerb | 03/2025

Daueranlagen zur Landesgartenschau Nürnberg 2030

Naturgraben
9

Naturgraben

2. Preis

Preisgeld: 69.500 EUR

GM013 Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

LGS Nürnberg 2030 – Stadt der Gärten

ZIEL & KONZEPT
Die Geschichte Nürnbergs als „Stadt der Gärten“ wird zukunftsfähig und klimaresilient weiterentwickelt. Die urbane und dichte Nürnberger Altstadt wird durch neue Ebenen von Stadtgrün ergänzt, welche die drängenden sozialen und klimatischen Fragen aufnehmen und bewältigen: Altstadtgrün / Gartenring / Naturgraben. Es entsteht ein verknüpfender Freiraum der sich über grüne Adern mit der Altstadt verbindet. Aus den vermeintlichen Gegensätzen von Stadt und Grün entwickeln sich zukunftsweisende Orte, besondere Atmosphären und eine erlebbare Stadtnatur. Es entstehen Orte des Austauschs, der Kommunikation und Aneignung ebenso wie der Naturvermittlung und -erfahrung im urbanen Kontext. Die Altstadt von Nürnberg wird zu einem Modellprojekt für die Verknüpfung von städtischen, sozialen und ökologischen Zukunftsfragen.

ZONIERUNG
Es entsteht ein Trialog zwischen der urbanen Altstadt, dem inneren Gartenring mit Stadtbalkon auf dem Mauerzwinger und dem äußeren Naturgraben – von Urbanität über artifizielle Natur hin zu naturnahen Biotopen. Die unterschiedlichen Bereiche ergänzen einander in der Nutzung und Atmosphäre.

Altstadt
Die Altstadt wird durch verbindende, klimapositive Freiräume zu einem zukunftsfähigen Wohn- Arbeits- und Lebensraum entwickelt. Grüne Adern verbinden den Graben und die Pegnitz mit der Altstadt - die Stadteile Lorenz und Sebald werden in Nord-Süd aber auch parallel zur Pegnitz in Ost-West verknüpft.
Neue Fußgängerbereiche und grüne Quartiersplätze beleben die Altstadt und bieten bis dato fehlende Aufenthaltsqualitäten. Neben kurzen Wegen für Fuß- und Radverkehr entstehen klimapositive Treffpunkte und Aufenthaltsorte auf Quartiersebene. Tiefbeete sammeln und speichern das Regenwasser zur Verdunstung und Kühlung der Altstadtgassen, klein- bis mittelkronige Bäume bringen Verschattung und Staubbindung ohne den historischen Charakter des steinernen Nürnbergs entgegenzustehen. Das Element Wasser wird durch Spiel-, Zier- und Trinkbrunnen aber auch durch den erlebbaren Umgang mit Niederschlag in die steinernen Gassen und Plätze gebracht.

Gartenring & Stadtbalkon
Die Historie Nürnbergs als Gartenstadt und die lebendige Geschichte von Gartenanlagen um den Mauerring - kleine Paradise für Bürger aller Schichten – werden aufgegriffen und weiterentwickelt. Die ehemals vor den Toren der Stadt gelegen Gärten, werden als gärtnerisches Band auf dem Mauerzwinger um die Stadt gelegt. Bereits vorhandenen Impulse von bestehenden Gärten wie dem Heilkräutergarten, dem Bürgermeistergarten aber auch dem Skulpturengarten werden aufgegriffen und zu einem zusammenhängendem, vielfältigen und lebendigen Gartenring entwickelt. Neben historischen und klassischen Gartenthemen wie Rosen-, Bauern- oder Obstgarten, finden auch kulturelle Themen wie Garten des Gedenkens oder Kunstgarten, ökologische Themen wie der essbare Garten oder Klimagarten und soziale Themen wie Garten des Austauschs, Lesegarten, Cafégarten, urban gardening, Wassergärten und aneigenbare Bürgergärten Platz. In dem robusten Rahmen des Gartenrings, bleiben die Inhalte spielerisch und flexibel. Der Gartenring kann sich durch die Nutzung und Aneignung mit der Stadt weiterentwickeln und wachsen.
An der durchgehenden Flanierpromenade an der Grabenmauer liegen die unterschiedlichen Gärten wie an einer Perlenkette. Zwischen den Gärten entstehen wandelbare Quartiersplätze als neue Treffpunkte für die Bewohner/innen der Innen- und Altstadt und laden zu einer Partie Boule, Tischtennis, an Spieltische oder auch nur zu einem Picknick zwischen blühenden Gärten ein. Infrastruktur von Fahrradanlehnbügel bis hin zu Trinkbrunnen wird dezentral an den Eingängen zum Mauerzwinger angeboten. Es entsteht ein grüner und lebendiger Stadtbalkon für alle, ein Austritt aus der steinernen Altstadt mit Blick über den Naturgraben.

Naturgraben
Der Parkgraben wird in seiner Grundkonzeption als ökologisch wertvoller Naturgraben entwickelt. Er bildet den grünen Gegenpol zur steinernen Altstadt, eine naturnahe Welt die den artifizielleren Gartenring in seiner Atmosphäre und Nutzung ergänzt. Der Naturgraben nimmt unterschiedliche Biotope auf und verbindet diese im Sinne des animal aided design untereinander und auch mit dem Pegnitztal. Die Biotope verändern und ergänzen sich im Grabenverlauf und erzeugen so eine hohe Biodiversität in Fauna und Flora. Bestehende Vegetationsstrukturen werden integriert und mit klimaresilienten Vogelnährgehölzen weiterentwickelt. Neben multifunktionalen Rasenflächen begleiten blühende Wildwiesen als Bienenweiden die Grabenpromenade. Regenwasser des Mauerzwingers wird in definierten Bereichen sicht- und erfahrbar in Retentions- und Versickerungsmulden gesammelt, kurze Stege inszenieren und führen über diese Naturfenster. Durch unterschiedliche Intensitäten von Vegetation und Nutzungsangeboten werden abwechslungsreiche Atmosphären und Charaktere geschaffen. Von offenen Wiesenbereichen, über feuchte Senken lichte Baumhaine bis hin zu in den Naturgraben eingebetteten Aktivitätsorte. Es entsteht eine Abfolge von intensiven, gärtnerischen Bereichen zu nutzungs- und pflegextensiven Bereichen der gesteuerten Vegetationsdynamik. Die Besucher/innen werden für Umweltbelange, Biodiversität und die Bedeutung von Klimaschutz sensibilisiert.
Vertikale Schaurahmen aus Stahl betonen unter Beachtung der technischen und denkmalpflegerischen Belange die Grabensituation und stehen abgesetzt vor den Grabenmauern. Sie können mit dem Start der Gartenschau aber auch darüber hinaus flexibel mit ökologischen Themen mit kulturellen Themen (Hinweise zu Ausstellungen / Veranstaltungen) aber auch materiell mit Vogelnisthilfen oder schmückendem, vertikalem Grün bespielt werden.

Neben dem durchgehenden Biotopverbund wird der Parkgraben auch multifunktional entwickelt. Entlang der Grabenpromenade als Spazier- und Laufstrecke entstehen Räume für große Festlichkeiten und Veranstaltungen ebenso wie kleinere Spiel- Sport- und Bewegungsangebote. Wie auch im Gartenring wird auf Freiräume zur persönlichen Entfaltung Wert gelegt. Die Idee der ‚thematischen Meilen‘ – Kulturmeile, Freizeitmeile, Geschichtsmeile und Zukunftsmeile – wird in die Gestaltung integriert und kann weiter ausgearbeitet werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Ausgehend vom Slogan `Stadt der Gärten` will der Entwurf zum geschichtlichen Erbe der mittelalterlichen Stadt neue Ebenen von Stadtgrün hinzufügen. Vor diesem Hintergrund baut das Konzept auf drei inhaltliche Themen, die sich aus der räumlichen Struktur des Ortes nachvollziehbar ableiten. Der von den Entwurfsverfassern benannte Trialog aus urbaner Altstadt, dem inneren Gartenring als Stadtbalkon und dem tieferliegenden Naturgraben mit sowohl artifiziellen als auch naturnahen Vegetationsflächen ist nachvollziehbar dargestellt. Für die Altstadt werden kleinere Begrünungen auf Quartiersplätzen vorgeschlagen, um die Stadt zu kühlen. Die Gartenstrukturen auf der oberen Stadtebene sind, z. B. im Bereich der Frauentormauer, gut entwickelt. Sie sind als Inlay in Flächen aus wassergebundener Decke entworfen, was dem urbanen Ansatz auf der Stadtebene entspricht. So entsteht ein Gartenband auf der Mauerzwingerebene, das vielfältige Gartenthemen erwarten lässt und der Ebene ein durchgehendes Gestaltungsmotiv verleiht. Der Naturgraben soll im Kontrast zum oberen Gartenband stehen und ist entsprechend naturnaher programmiert. Verschiedene Biotoptypen sollen dort zum einen aus dem Bestand, zum anderen aber auch neu entwickelt werden. Im Kontrast zur flächenartigen Gestaltung des Gartenbandes verläuft im Graben ein schwingender Rundweg, der die verschiedenen Biotopzonen miteinander verbindet. Das wird grundsätzlich positiv bewertet, wobei die einzelnen kleinen Stiche zu Sitzbereichen im Graben auch kritisch diskutiert werden. Auch der gezeigte Holzsteg mit Geländer über die feuchte Mulde konnte nicht überzeugen und wurde grundsätzlich in Frage gestellt.

Am Maxtor wird der umlaufende Grünring nachvollziehbar konsequent weitergeführt und die verkehrlichen Nutzungen, z.B. für die Busspur, auf ein Minimum reduziert.
Die bestehenden Schulen mit ihren Schulhofflächen und Sportbereichen werden im Konzept durch ähnliche Nutzungen sinnvoll erweitert.

Im Südlichen Abschnitt des Grünen Rings wird die Grasersgasse als Eingang in die Altstadt und als Verbindung zum Kornmarkt neu strukturiert. Tiefbeete nehmen Oberflächenwässer auf und versickern vor Ort. Sie nehmen Bezug auf die historische Bebauungsstruktur. Ein kleines archäologisches Fenster wird integriert, wobei die Freilegung mittelalterlicher Fragmente auch kritisch von der Denkmalpflege bewertet wurde, denn die offengelegten Strukturen werden durch die Verwitterung langfristig verloren gehen. Das vorgestellte Sitzobjekt wurde kontrovers diskutiert. Mit den Neupflanzungen soll der schützenswerte Erhalt der archäologischen Relikte berücksichtigt werden.

Die Gestaltung des Platzes an der Egidienkirche wurde kontrovers diskutiert. Der Entwurfsansatz ist zu wenig aus dem Kontext entwickelt. Zwar wird die Minimierung des MIV, die Begrünung des Platzes und die barrierefreie Wegeführung mit den Retentionskaskaden positiv bewertet, das Gestaltungsmotiv der grünen Wiesentrapeze wirkt jedoch zu barock und starr. Warum das Plateau um das Reiterdenkmal nicht in die formale Sprache integriert wird, ist nicht nachvollziehbar.

Der Theresienplatz erhält kein eigenes Gestaltungsmotiv, sondern trägt das Thema Retentionsbeet weiter.

Die Grundidee, auf der Insel Schütt einen Quartierspark zu entwickeln und nach Süden mit Stufen das Wasser erlebbar zu machen, wird positiv bewertet. Allerdings können die formale Gestaltung der zentralen Wiesenflächen, der Spiel- und Sportflächen sowie der kleineren Platzaufweitungen nicht vollends überzeugen. Der vorgeschlagene neue Steg wurde von den Sachpreisrichtern kritisch bewertet, denn hier können neue Bezüge in die Stadtstruktur nur schwer hergestellt werden.
Naturgraben I Gartenring I Grasersgasse

Naturgraben I Gartenring I Grasersgasse

Grasersgasse

Grasersgasse

Insel Schütt I Hans-Sachs-Platz I Theresienplatz I Egidienplatz

Insel Schütt I Hans-Sachs-Platz I Theresienplatz I Egidienplatz

Egidienterrassen

Egidienterrassen

Insel Schütt

Insel Schütt