Offener Wettbewerb | 03/2025
Daueranlagen zur Landesgartenschau Nürnberg 2030
©faktorgruen
Perspektive-Staftgraben
Anerkennung
Preisgeld: 13.900 EUR
Rendercircle - Christian Marrero
Visualisierung
Erläuterungstext
„Nürnberg wird grün“ – Die Landesgartenschau 2030 als Motor einer klimaresilienten Stadt
Mit der Bayerischen Landesgartenschau 2030 erhält Nürnberg die Chance, städtische Transformation sichtbar und erlebbar zu machen. Unter dem Leitmotiv „Nürnberg wird grün“ wird die Innenstadt zur Bühne einer nachhaltigen Stadtentwicklung – ökologisch, zukunftsorientiert, bürgernah.
Zentrales Projekt ist die Aufwertung des historischen Stadtgrabens zum „Grünen Ring“ – ein durchgängiger, barrierefreier Landschaftsraum, der Historie, Natur und Freizeit verbindet. Der Graben wird in vier thematische Abschnitte – Geschichts-, Freizeit-, Kultur- und Zukunftsmeile – gegliedert, um unterschiedliche Stadterlebnisse zu ermöglichen.
Vielfältige Nutzungen schaffen neue Lebensqualität: Ruhige Gartenbereiche im tieferliegenden Graben treffen auf Aktivzonen im Mauerzwinger mit Bürgergärten, Heilkräutergärten und Skulpturenflächen. Sport- und Freizeitangebote wie Calisthenics, Beachvolleyball, Bewegungsparcours oder ein Kleinspielfeld sprechen alle Generationen an – ebenso wie Bouleflächen, Motorikgeräte und ein Outdoor-Makerspace.
Barrierefreie Zugänglichkeit wird über neue Rampen, Treppenanlagen und Aufzüge sichergestellt – insbesondere an wichtigen Punkten wie Maxtor, Fürther Tor und Burg –, die auch als Fluchtwege für Veranstaltungen dienen.
Grüne Impulse für die Altstadt: Plätze wie Egidienplatz, Theresienplatz, Insel Schütt und Grasersgasse werden modellhaft entsiegelt, begrünt und gestalterisch aufgewertet. Neue Wasserspiele, klimaresiliente Baumarten und schattige Aufenthaltszonen verbessern das Mikroklima spürbar. Der Maxtorplatz wird vom Kreisverkehr befreit und als neuer Stadteingang mit Brunnen, Kiosk und Aufenthaltsqualität neu inszeniert.
Starke Verbindung zwischen Altstadt und Umgebung: Neue Eingangssituationen – etwa an Plärrer, Bahnhofsplatz oder Tetzelgasse – verbessern die Anbindung an die Altstadt. Über Stege, Treppenabgänge und Bastionen wird auch die Pegnitz stärker erlebbar gemacht.
Wasser als Ressource: Das Regenwassermanagement sieht vor, Niederschläge lokal in Grünflächen zu versickern, zu verdunsten oder zur Pflanzenbewässerung und für Wasserspiele nutzbar zu machen. Ergänzt durch unterirdische Zisternen entsteht ein System, das den Wasserhaushalt stützt und gleichzeitig das Stadtklima verbessert.
Lichtgestaltung mit Feingefühl: Das Beleuchtungskonzept unterscheidet gezielt zwischen Aktivbereichen und Gartenräumen: Sportflächen werden akzentuiert beleuchtet, während ruhige Zonen gedimmt bleiben. Sensorisch gesteuertes Licht sorgt für Sicherheit ohne Lichtverschmutzung, Leuchten aus Cortenstahl fügen sich harmonisch in das Gestaltungskonzept ein.
Nachhaltig in jeder Dimension: Materialien und Beläge folgen konsequent dem „cradle to cradle“-Prinzip: langlebig, recycelbar und – wo möglich – aus regionaler Herkunft wie Holz, Naturstein oder Kies. Das vorhandene Pflaster wird gesägt und wiederverwendet, um historische Authentizität mit moderner Barrierefreiheit zu verbinden. Auch Photovoltaik, Wärmerückgewinnung und LED-Technik sichern den klimaneutralen Betrieb der Anlagen.
Ein Stadtlabor für morgen: Die Landesgartenschau wird zur Plattform für urbane Zukunftsthemen – mit Modellcharakter für andere Städte. Nürnberg zeigt, wie Geschichte, Ökologie und Aufenthaltsqualität im Stadtraum zusammenfinden können.
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Beurteilung durch das Preisgericht
Mit der Leitidee “Nürnberg wird grün!“ soll die grüne Stadtentwicklung vorgetrieben werden. Dies wird verdeutlicht durch grüne Achsen und Baumreihen, die sich mit der Altstadt und den angrenzenden Stadtteilen verbinden sollen.
Der Stadtgraben wird unter Wahrung der historischen Bedeutung zum Grünen Ring weiterentwickelt. Auf die Durchgängigkeit und barrierefreie Wegeführung wird großer Wert gelegt, dies wird konsequent durchgearbeitet. An drei Stellen werden neue Brücken über die Pegnitz vorgeschlagen.
Die Idee wird begrüßt, den tiefer gelegene Graben und die Zwingerbereiche unterschiedlich zu entwickeln. Der Stadtgraben wird zum ruhigen grünen Landschaftsraum, der durch einen leicht geschwungenen Weg erschlossen wird. Der Landschaftsraum ist offen und zurückhaltend gestaltet.
Die höher gelegenen Zwingerbereiche werden mit teils vorhandenen Gärten integriert und konsequent weiterentwickelt. Die neuen Gärten werden stimmig mit ortsspezifischen Themen neu gedacht. Insbesondere im Bereich des Frauentorgrabens wird die Bürgerschaft in die Nutzung und Gestaltung der Gärten mit einbezogen.
Die neuen Zugänge und Treppen zur Erschließung des Stadtgrabens werden durchaus begrüßt, jedoch in einer deutlich zurückhaltenderen Ausführung. Die massiven Treppen werden vom Denkmalschutz kritisch gesehen. Grundsätzlich sind im Grabenbereich bei Abgrabungen und Aufschüttungen die Belange des Denkmalschutzes zu berücksichtigen.
Die Aufteilung des Stadtgrabens in die vier Meilen ist gut ablesbar. Vorhandene Strukturen und Nutzungen werden aufgegriffen und mit neuen Nutzungen ergänzt.
Das Thema der Grabenterrassen (Sitzterrassen/ Rasenstufen) findet sich entlang des Stadtgrabens immer wieder. Es ist zu prüfen, ob sie tatsächlich an allen Stellen Sinn machen.
Wasserelemente sollen vier wichtige Eingänge in die Altstadt und den Stadtgraben markieren. Nicht an allen Stellen scheint das Element Wasser sinnvoll. Am Maxtor und zum Auftakt in die Grasersgasse werden deutliche Akzente gesetzt.
Die Impulsprojekte sowie der Egidienplatz und Theresienplatz werden mit grünen Wegenetzen neu verbunden. Der Egidienplatz wird stark entsiegelt. Über Biodiversitätkissen soll auch Regenwasser versickert werden. Der MIV wird im südlichen Bereich aus dem Platz herausgenommen. Durch die neue Gestaltung wird der Platz neu gegliedert. Der Kirchenvorplatz mit dem Reiterdenkmal ist offen und wird betont. Die gezeigte Perspektive steht im Widerspruch zum dargestellten Konzept, da die Biodiversität nicht ablesbar ist.
Der Theresienplatz wird gestalterisch gleichbehandelt wie der Egidienplatz. Hier wäre eine Gestaltung wünschenswert, die mehr Nutzungsmöglichkeiten als Stadtplatz zulässt und mehr auf die Örtlichkeit eingeht.
Die Insel Schütt wird als grüngeprägter Stadtplatz weiterentwickelt. Der Platz wird großflächig entsiegelt. Die grünen Flächen sollen leicht erhöht werden, um mehr Baumpflanzungen zu ermöglichen. Die Setzung der Bäume ist mit den statischen Gegebenheiten der darunterliegenden Tiefgarage zu überprüfen.
Der Ort wird zum neuen Spiel- und Sportpark weiterentwickelt. Im Südosten ist ein Raum, unter Beibehaltung der bisherigen Nutzungen, für Veranstaltungen vorgesehen. Jedoch wirkt der Freiraum formal zu sehr überformt.
Bastionen an Nordseite sollen den Fluss erlebbarer machen; ebenso die Sitzstufenanlagen beidseits zur Pegnitz. Jedoch ist eine großzügige Zugänglichkeit zum Wasser wünschenswert.
Die formale Gestaltung der Grasersgasse wird gelobt und betont an dieser Stelle den Eingang in die Altstadt, der deutlich entsiegelt wird. Ein Archäologisches Fenster öffnet den Blick auf das Bodendenkmal. Die unter den Stauden- und Retentionsbeete liegenden Befunde müssen jedoch durch vegetationstechnische Maßnahmen vor künftigen Schäden geschützt werden.
Die Kreisverkehrsführung am Maxtor wird aufgelöst. Somit entsteht eine Platzsituation, die zwischen dem westlichen und östlichen Graben gut vermittelt.
Die Verkehrsführung der Landauer Gasse zum Webersplatz darf nicht als Abkürzung benutzt werden. Eine Anknüpfung an die Tetzelgasse ist nicht erwünscht. Die Verkehrsführung muss hier deutlicher herausgearbeitet werden.
Die Themen im Umgang mit Regenwasser und Klimaresilienz werden gut und nachvollziehbar berücksichtigt und sollen konsequent für die Altstadt entwickelt und umgesetzt werden. Retentionsflächen im Stadtgraben sollen die Innenstadt entlasten.
Die Arbeit wird grundsätzlich positiv bewertet, es werden jedoch Bedenken bezüglich der gewählten Materialität (massive Verwendung von Corten-Stahl) geäußert. Sie scheint im Widerspruch zur beabsichtigten Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit zu stehen.
Ausdrücklich gelobt wird das differenzierte Beleuchtungskonzept mit Berücksichtigung der historischen und faunistischen Aspekte.
Auch der Ansatz mit drei neuen Brücken über die Pegnitz wird begrüßt, da sie die Wegeverbindungen innerhalb des Grabens deutlich verbessern. Sie sind jedoch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit ist zu prüfen.
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Perspektive-Egidienplatz
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Perspektive-Grasergasse
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Perspektive-Insel-Schütt
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Beleuchtungskonzept
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Treppenaufgänge
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Lageplan
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Lageplan-Insel-Schütt
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Lageplan Beleuchtung
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3D-Pikto-Schnitt-v.-Graben
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3D-Pikto-Fünfeckturm
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3D-Pikto-Sitzbänke
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3D-Pikto-Liegebänke