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Mehrfachbeauftragung | 10/2015

Der Saarpark

Gewinner / Zur Realisierung empfohlen / Stadtpark

Ernst + Partner

Landschaftsarchitektur

WW+ architektur + management

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

Ney & Partners

Bauingenieurwesen

Erläuterungstext

Erlebnis Saarmitte Merzig

Die heute von der starken Barriere Saar getrennte Kernstadt und der vis-a-vis gelegene Stadtbereich mit seinen beliebten Sport- und Freizeitangeboten werden durch das neue Gesamtkonzept Erlebnis Saarmitte Merzig miteinander verbunden. Die Saar mit ihren Uferbereichen wird wieder in die Mitte der Stadt gerückt und von einem trennenden zu einem verbindenden Element transferiert. Mithilfe eines „Roten Wegebandes“ für Fußgänger und Radfahrer, welches die Gegebenheiten der Stadt aufgreift und bestehende Freiräume miteinander vernetzt, wird eine Vereinigung und funktionale Erweiterung der ehemals getrennten Stadtseiten erreicht. Das Band verläuft wie natürlich durch die Stadtlandschaft und schafft es, harte Barrieren wie die Bahnlinie und die Bundesstraße zu durchbrechen.

Neben dem übergeordneten städtebaulichen Konzept werden drei weitere räumliche Schwerpunktbereiche vorgestellt:
• die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke,
• der Stadtpark und das östliche Saarufer,
• der Sport- und Freizeitpark und das westliche Saarufer
Resultierend aus der anzunehmenden Katalysatorwirkung, welche sich aus den GesamtmaĂźnahmen ergibt, wird ebenfalls der angrenzende Bereich um den Seffersbach als fakultative Entwicklungsoption beleuchtet.

Das Erlebnis Saarmitte Merzig ist weit mehr als nur eine Stadteilverbindung durch eine Rad- und Fußwegebrücke. Die Brücke bildet zwar ein wichtiges und unverzichtbares Element, ist aber nicht alleiniger Hauptakteur der Konzeption. Ausschlaggebend ist die Vision eines „Roten Wegebandes“, das sich wie selbstverständlich in die Stadttopografie und -morphologie einfügt und teils vorhandene, teils neu geschaffene Freiräume miteinander verbindet. Es bildet ein starkes Rückgrat für den nicht-motorisierten Verkehr der Stadt Merzig und lässt sich dabei intuitiv und ohne Stadtplan benutzen. Das vorhandene und in der Stadt Merzig bereits schlummernde Potential als Stadt der kurzen Wege, wird erst durch dieses „Rote Wegeband“ aktiviert. Die wohldosierte und definierte Angebotserweiterung aus dem Bereich Erholung, welche sowohl die täglichen Erholungsbedürfnisse, als auch die besonderen nichtalltäglichen Erholungsformen beinhaltet, führt zu einer Funktionsstärkung der beidseitigen Frequentierung der Brücke. Die Funktionserweiterung stellt eine weitere wichtige Komponente für die Stadtteilvernetzung mit dem Herzstück der neuen Saarbrücke dar.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Gesamtkonzept führt eine neue Verbindungslinie vom Bereich Seffersbach aus der Innenstadt am Stadtpark vorbei über die neue Saarbrücke, das Sport- und Freizeitgelände und konsequenterweise über eine neue Anbindung bis zum Stadtteil Hilbringen. Die neue Anbindung nach Hilbringen ist die konsequente Fortführung der funktionalen Querbezüge, erfordert aber eine zusätzliche bauliche Querung der Autobahn.

Die Idee Stadt und Freizeitpark über die lange Brücke zu verbinden ist als tragendes Element überzeugend und gestalterisch gut entwickelt. Es entspricht dem Wunsch, die Stadtseite städtisch zu stärken und dem Freizeitpark auf der westlichen Saarseite einen starken Akzent zu verleihen.

Das Konzept befasst sich auch auf der Innenstadtseite mit dem Seffersbach und bildet dort neue qualitätvolle städtische Uferzonen aus.

Auf der Seite des Freizeitparkes befasst sich der Entwurf nur mit dem Bereich Jachthafen, Folgelandschaft Kiesabbau, verpasst jedoch die Chance, die bestehenden Bereiche Schwimmbad, Zeltpalast, Tennisplätze etc. konzeptionell einzubinden. Der neue Bereich um die Freizeitseen ermöglicht interessante Wegeführungen, ist aber mit zahlreichen Aktivitäten überfrachtet und vermutlich pflegeintensiv. Die benannten Aktivitäten der neuen Freizeitnutzung lassen vermuten, dass keine offene landschaftliche Nutzung entstehen wird, sondern ein prominenter Weg zwischen unterschiedlichen Freizeiteinrichtungen, Parkplätzen und eingefriedeten Bereichen entsteht. Es fehlt der Blick über den Tellerrand.

Das Erschließungskonzept für den MIV wird im Bereich des Sport- und Freizeitbereichs beibehalten und ergänzt. Aussagen über den ruhenden Verkehr werden nicht getroffen.

Der BrĂĽckenentwurf ist zur Imagebildung gut geeignet.
Die Brückenbreite beträgt 4m (Gehbahn). Es handelt sich um eine „übliche“ Konstruktion, die statisch beherrschbar ist.
Es wird ein Materialmix vorgeschlagen: Bogen Baustahl vollverschlossene Seite, Ăśberbau wetterfester Stahl (Rostfassade).

In der weiteren Planung sollte im Hinblick auf den wetterfesten Stahl auf Detailgenauigkeit höchsten Wert gelegt werden; „korrosionsbedingte“ Planung ist erforderlich. Die jetzt sehr filigran dargestellten Geländer mit Edelstahlnetzen werden nach der statischen Bearbeitung sicher kräftiger ausfallen.
Grundsätzlich entstehen im Vergleich zu Brücken aus anderen Materialen aufgrund des Rostzuschlags höhere Materialkosten.
Die Unterhaltung ist wegen des exzentrischen Bogens und den Seilen aufwendig.
Die Kostenschätzung beinhaltet einige „unübliche Kostenansätze“, vieles wurde berücksichtigt, manches viel zu hoch und manches zu gering, z. B. Planungskosten und Bauüberwachung.
Die Kostenschätzung wird von 7,35 Mio € auf netto 8,0 Mio € angehoben.

Die Nutzbarkeit der Wege und Brücken für alle Benutzergruppen (einschließlich Rollstuhlfahrer) wird durch ausreichende Rampenlänge gewährleistet. Eine direkte Anbindung an den Leinpfad wird über Treppen beidseitig erreicht.

Die zweimalige Überquerung des Seffersbaches durch die Brücke ist aus der Fußgängerperspektive nicht überzeugend gelöst und wird daher vom Preisgericht überwiegend kritisch gesehen. Auch wird der Einstiegspunkt für die Brücke nördlich des Pumpenhauses kritisch diskutiert.

Der Bereich des Stadtparkes wird behutsam in den Randbereichen ergänzt und aufgewertet. Besondere Anerkennung findet der Vorschlag der direkten Wegeverbindung aus der Stadt nördlich der Stadthalle hin zur Saar und zur neugestalteten Anlegestelle. Das neue Portalgebäude am Beginn dieses Weges wird vom Preisgericht ebenso begrüßt wie die Aufwertung des Umfeldes der Stadthalle.