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Award / Auszeichnung | 04/2023

Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2023

ARGE LOMA architecture . landscape . urbanism + Riehl Bauermann Partner

ARGE LOMA architecture . landscape . urbanism + Riehl Bauermann Partner

"Brutalism Reloaded" Neugestaltung Gustav-Mahler-Treppe in Kassel

DE-34117 Kassel

Auszeichnung | Kategorie: Historische Anlagen

LOMA architecture. landscape. urbanism

Landschaftsarchitektur, Architektur, Stadtplanung / Städtebau

RB+P Landschaftsarchitektur Bauermann Otto Ludwigs

Landschaftsarchitektur

Projektdaten

  • Geb√§udetyp:

    Landschaft und Freiraum

  • Projektgr√∂√üe:

    keine Angabe

  • Status:

    Realisiert

  • Termine:

    Baubeginn: 10/2020
    Fertigstellung: 05/2022

Projektbeschreibung

VERORTUNG UND HISTORIE

Die Gustav-Mahler-Treppe liegt an der Hangkante von Friedrichsplatz in die barocke Karlsaue und wurde als Hauptverbindung der Stadt Kassel in die historische Parkanlage gebaut. Sowohl die barocke Grundstruktur des sogenannten Rosenhangs als auch die Planungen von Hermann Mattern zur Bundesgartenschau (1955) wurden an dieser Stelle von der neuen Treppenanlage radikal √ľberschrieben. Planung und Ausf√ľhrung erfolgte durch Landschaftsarchitekt Hans-Herbert Westphal, Hannover. Die Treppe wurde seit ihrer Er√∂ffnung zur documenta III im Jahr 1964 baulich nicht ver√§ndert und war dem Verfall preisgegeben. Lediglich der Rahmenbau, ein Kunstwerk der Architekten- und K√ľnstlergruppe Haus-Rucker & Co. wurde 1977 im Zuge der documenta VI integriert.


DISKUSSION DER DENKMALW√úRDIGKEIT UND FRAGEN DER ZUKUNFTSF√ĄHIGKEIT

Im Zuge der Planungen wurde eine intensive Auseinandersetzung ob der Zukunftsf√§higkeit der vorhandenen Schichten in der weitl√§ufigen Parkanlage gef√ľhrt. Kann eine in der breiten Bev√∂lkerung als grob empfundene bauliche Anlage aus billigen Waschbetonplatten √ľberhaupt denkmalw√ľrdig sein? Die zu sanierende g√§rtnerische Struktur von Hermann Mattern mit seinem lokalen Sandstein und √ľppigem Pflanzbild stand in der Diskussion der ‚ÄěB√©ton-brut‚Äú-Treppe gegen√ľber. Die Entscheidung fiel nach langwieriger Abw√§gung zugunsten von Erhalt und Ert√ľchtigung der Westphal-Struktur. Gerade die Seltenheit von landschaftsarchitektonischen Artefakten im Entwurfsgedanken des Brutalismus zwischen den Jahren 1960 und 1970 spielten aus Sicht des Denkmalschutzes nun eine Rolle. Die zeitaktuell dr√§ngenden Fragen zur CO2-Bilanz von Bauteilen aus Beton und das Denken in Lebenszyklen und Laufzeiten von Betonbauwerken bildeten aus Gr√ľnden des Klimaschutzes einen tragenden Baustein in der Debatte. Barocke Grundstruktur, Zeitschicht Bundesgartenschau 1955 und auch die Zeitschicht der Treppe Mitte des 20. Jahrhunderts wurden gleicherma√üen als erhaltenswert eingestuft. Die Gustav-Mahler-Treppe konnte nun im Sinne einer Verbesserung von Barrierefreiheit und Lichtf√ľhrung stimmig aktualisiert werden.


DENKMAL DES BRUTALISMUS UND NEUE HINZUF√úGUNGEN

Im Zuge der Tr√ľmmerbeseitigung des Bombardements des zweiten Weltkriegs wurde der Schutt der Kasseler Oberneustadt mittels Loren √ľber die Hangkante verbracht. Die Konstruktion des Betonbauwerks der Gustav-Mahler-Treppe √ľberspannt diesen labilen Horizont aus Kriegsschutt. Die Unterkonstruktion der Treppenanlage mit ihren Stufen, Pl√§tzen und Podesten bestand aus 25 cm Stahlbeton auf 5 cm Magerbeton und 20 cm Kies. Der 1600 m2 gro√üe Plattenverband wies unterschiedliche Formate von 100x100 cm, 75x50 cm, 50x50 cm, 50x25 cm und 25x25 cm auf. Durch fehlende Stufenfixierung war die Gangbarkeit der Anlage durch Verschiebungen kaum mehr gegeben. Die oberirdischen Bauteile wurden ausgebaut, gereinigt und im bestehenden Duktus wieder eingebaut. Jeweils die obere und untere Stufenreihe wurde mit dem Betonfundament verankert. Das Ziel war die Wiederverwendung des historischen Materials aus denkmalpflegerischer Sicht mit gleichzeitigem Fokus auf Schonung von Ressourcen. Die CO2-Bilanz der Bauma√ünahme konnte m√∂glichst gering gehalten werden. Durch geschickte Wiederverwendung und Anpassungen im Einbau mussten lediglich 200 m2 an Plattenbel√§gen und 5 m Stufen nachgegossen werden.


BARRIEREFREIHEIT UND BESTANDSERHALT

Um das Bild des homogenen Treppenkörpers aus Waschbeton in seiner Stringenz zu erhalten und gleichzeitig die Anforderungen an Barrierefreiheit zu verbessern, wurde eine Differenzierung in den Oberflächen vorgenommen. Zwischen hellen Bestandsstufen aus Leinekies und den grau-bunten Belägen aus Weserkies wurde ein taktiler Streifen aus hellem Beton eingespannt. Das glatte, kontrastierende Orientierungsband am Anfang und Ende der Stufenpakete optimiert deren Erkennbarkeit.


LICHTKONZEPT UND LICHTHANDLAUF

Das minimalistische Beleuchtungs- und Farbkonzept sah eine Schichtung von Mastleuchten und LED-Lichthandlauf, reversibel gemäß Charta von Venedig, seitlich vom Betonkörper vor.
Die Eröffnung der Gustav-Mahler-Treppe erfolgte 1964 mit der documenta 3. Das Bauwerk, gedacht als städtebauliche Verlängerung von Friedrichsplatz in die barocke Karlsaue, wurde als Hauptverbindung der Stadt Kassel in den Park projektiert.

Die Eröffnung der Gustav-Mahler-Treppe erfolgte 1964 mit der documenta 3. Das Bauwerk, gedacht als städtebauliche Verlängerung von Friedrichsplatz in die barocke Karlsaue, wurde als Hauptverbindung der Stadt Kassel in den Park projektiert.

Der wiederhergestellte Platz am Antritt der Treppe, mit dem im Zuge der documenta 6 integriertem Kunstwerk der Architekten- und K√ľnstlergruppe Haus-Rucker&Co. aus dem Jahr 1977.

Der wiederhergestellte Platz am Antritt der Treppe, mit dem im Zuge der documenta 6 integriertem Kunstwerk der Architekten- und K√ľnstlergruppe Haus-Rucker&Co. aus dem Jahr 1977.

Die Treppenanlage besteht aus einem gro√üen Platz und drei kleinen Pl√§tzen als Podeste mit Aufenthaltscharakter, welche als ‚ÄěGelenke‚Äú an den Richtungswechseln der Treppenanlage fungieren.

Die Treppenanlage besteht aus einem gro√üen Platz und drei kleinen Pl√§tzen als Podeste mit Aufenthaltscharakter, welche als ‚ÄěGelenke‚Äú an den Richtungswechseln der Treppenanlage fungieren.

Die Gustav-Mahler-Treppe als Denkmal des Brutalismus (‚ÄěB√©ton-brut Treppe‚Äú) bleibt trotz zeitaktueller Hinzuf√ľgungen, wie Licht und Orientierungsb√§nder im Belag als historisches Bauwerk lesbar.

Die Gustav-Mahler-Treppe als Denkmal des Brutalismus (‚ÄěB√©ton-brut Treppe‚Äú) bleibt trotz zeitaktueller Hinzuf√ľgungen, wie Licht und Orientierungsb√§nder im Belag als historisches Bauwerk lesbar.

Zwischen hellen Bestandsstufen aus Leinekies und den grau-bunten Belägen aus Weserkies wurde ein taktiler Streifen aus hellem Beton eingespannt. Die kontrastierenden Orientierungsbänder optimieren die Erkennbarkeit der Stufenpakete.

Zwischen hellen Bestandsstufen aus Leinekies und den grau-bunten Belägen aus Weserkies wurde ein taktiler Streifen aus hellem Beton eingespannt. Die kontrastierenden Orientierungsbänder optimieren die Erkennbarkeit der Stufenpakete.

Ein neuer LED-Handlauf begleitet die s√ľdwestliche Treppenseite, abger√ľckt vom Betonk√∂rper aus Gr√ľnden des Denkmalschutzes.

Ein neuer LED-Handlauf begleitet die s√ľdwestliche Treppenseite, abger√ľckt vom Betonk√∂rper aus Gr√ľnden des Denkmalschutzes.

Die minimalistische Beleuchtung mit ihrem zeitaktuellen Farbkonzept versucht mit der reduzierten Sprache des groben Betons in Beziehung zu treten.

Die minimalistische Beleuchtung mit ihrem zeitaktuellen Farbkonzept versucht mit der reduzierten Sprache des groben Betons in Beziehung zu treten.

Um den Körper des Betonbauwerks nicht zu tangieren, wurde die neue Beleuchtung als Schicht additiv und somit prinzipiell reversibel an den Treppenverlauf gelegt.

Um den Körper des Betonbauwerks nicht zu tangieren, wurde die neue Beleuchtung als Schicht additiv und somit prinzipiell reversibel an den Treppenverlauf gelegt.

Diverse Zeitschichten wurden bearbeitet: die barocke Grundstruktur am Ehrenmal, die Zeitschicht der Bundesgartenschau 1955, der Brutalismus von 1964, sowie die Verbindungen der Neuplanung.

Diverse Zeitschichten wurden bearbeitet: die barocke Grundstruktur am Ehrenmal, die Zeitschicht der Bundesgartenschau 1955, der Brutalismus von 1964, sowie die Verbindungen der Neuplanung.