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Award / Auszeichnung | 04/2023

Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2023

Hafenumfeld Bad Karlshafen

DE-34385 Bad Karlshafen

Auszeichnung | Kategorie: Landschaftsarchitektur im Detail

GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt

Landschaftsarchitektur

Oppermann GmbH

Bauingenieurwesen

Ulrike Brandi Licht

Lichtplanung

Projektdaten

  • GebĂ€udetyp:

    Landschaft und Freiraum

  • ProjektgrĂ¶ĂŸe:

    keine Angabe

  • Status:

    Realisiert

  • Termine:

    Baubeginn: 03/2020
    Fertigstellung: 12/2021

Projektbeschreibung

1699 wurde die barocke Planstadt mit dem heutigen Namen „Bad Karlshafen“ von Landgraf Carl von Hessen mit dem Ziel gegrĂŒndet, zwischen Weser und Diemel eine Industrie- und Handelsstadt in Nordhessen zu etablieren. Im Herzen der Stadt liegt das Hafenbecken, welches seit dem 20. Jahrhundert nicht mehr als Hafen genutzt wurde und inkl. der Schleuse verfiel, da der Diemelkanal nie bis Kassel gebaut werden konnte. Der Hafen hat seine Funktion als Kern der barocken Altstadt verloren. In den vergangenen Jahren war das Hafenumfeld maßgeblich von ruhendem sowie Park-Such-Verkehr geprĂ€gt. Die Reaktivierung des Hafenbeckens begann mit der Wiederanbindung des Hafens durch den Neubau der Schleuse an die Weser und mĂŒndet in die Neugestaltung des Hafenumfelds.
K O N Z E P T. Das Ziel des Entwurfes ist es, das Hafenbecken inkl. umgebendem Hafenplatz als Herz der barocken Altstadt in seiner historischen Bedeutung und identitĂ€tsstiftenden Wirkung zu reaktivieren. Dabei steht v.a. die historische Nutzung als Marktplatz und Treffpunkt im Vordergrund. Die Gestaltung der FreiflĂ€chen fĂŒgt sich harmonisch in das historische GebĂ€udeensemble ein und erhöht zugleich die AufenthaltsqualitĂ€t der Gesamtanlage durch großzĂŒgige und barrierefreie RĂ€ume. Die gesamte Formensprache ist dabei durch Symmetrie an den Barock angelehnt. Dennoch werden die neuen funktionalen Anforderungen an den Hafenbetrieb, an den ruhenden Verkehr sowie an eine barrierefreie Gestaltung, an den Klimaschutz und an die AufenthaltsqualitĂ€ten fĂŒr GĂ€ste und Anwohner berĂŒcksichtigt. Um das historische Stadtzentrum zu reaktivieren, wurden die Verkehrsanlagen und ParkflĂ€chen massiv reduziert und auf einen in der NĂ€he befindlichen Parkplatz verlegt. Dadurch wird ein großzĂŒgiger Raum geschaffen, der in seiner FlĂ€chenaufteilung eine multifunktionale Nutzung zu lĂ€sst. Gegliedert wird dieser durch die bestehenden dachförmigen Linden und die symmetrische ErgĂ€nzung dieser auf der gegenĂŒberliegenden Seite vor dem Rathaus. Dadurch werden auf beiden Seiten des Hafens zusammenhĂ€ngende PlĂ€tze mit Aufenthaltsbereichen, FlĂ€chen fĂŒr Gastronomie und Platz fĂŒr Veranstaltungen geschaffen. Durch die Promenade entlang des Hafenbeckens wird dies erlebbar gemacht.
M A T E R I A L I T Ä T. Die OberflĂ€chen des Hafenumfelds bestanden bereits vor dem Umbau aus Wesersandsteinplatten entlang der GebĂ€ude und Segmentbogenpflaster in den Park- und FahrflĂ€chen. FĂŒr die Kanalsanierung und die neue FlĂ€chenaufteilung wurden die BelĂ€ge werterhaltend aufgenommen und gereinigt. So wurden die Parkstreifen beispielsweise komplett aus vorhandenem roten Großsteinpflaster gebaut. Das vorhandene Kleinsteinpflaster 8/10 wurde mit neuem Material aus den nur 10 km entfernten SteinbrĂŒchen in WĂŒlmersen und Helmarshausen / Bad Karlshafen ergĂ€nzt. Die Mischung aus alten und neuen, sowie roten und grauem Wesersandstein wurde nach historischem Vorbild im Segmentbogen verlegt und ergibt ein harmonisches Bild. Zudem erzeugen die Platten aufgrund ihrer geflammten OberflĂ€che und per Hand bearbeiteten Kanten ein lebendigeres Bild und passen optische zu den vorhandenen Platten. Durch die Wiederverwendung des vorhandenen Materials wurde eine ressourcenschonende, kostengĂŒnstige und nachhaltige Methode gewĂ€hlt, um das historische Umfeld zu sanieren. Die neuen Steine und Platten passen optisch sehr gut zum Bestand, ohne diesen zu imitieren. Da der Wesersandstein in Bad Karlshafen bereits seit Jahrhunderten verwendet wird, ist eine lange Haltbarkeit der neu hergestellten OberflĂ€chen gesichert. Eine Besonderheit ist der verwendete schwedische Granit fĂŒr die Borde und Treppenstufen aufgrund der höheren Festigkeit. Es wurde ein hellgrauer Stein mit roten EinschlĂŒssen gewĂ€hlt. Dieser passt optisch zum Weserstandstein und hebt sich gleichzeitig ab.
L I C H T. Die barocke Planstadt mit Innenstadthafen erhielt eine Effektbeleuchtung um wichtige GebĂ€ude und die TreppenabgĂ€nge in der Hafenmauer mit einem dezenten Lichtschimmer in Szene zu setzen. Zusammen mit der neuen Straßenbeleuchtung ergibt sich ein harmonisches Bild in den Abendstunden.
Die Neugestaltung des Hafenumfelds in Bad Karlshafen reagiert auf bestehende und zukĂŒnftige VerĂ€nderungen. Die Innenstadt wird belebt und ein Ort fĂŒr zukĂŒnftige Generationen. Die regionalen Natursteine werden recycelt, der Rad- und Fußverkehr gefördert und es wird behutsam mit der Historie, unter Beachtung moderner BedĂŒrfnisse, umgegangen. Das Projekt ist ein gutes Beispiel fĂŒr die nachhaltige Sanierung und Reaktivierung einer historischen Innenstadt.

Lageplan

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