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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2024

Dreifeldsporthalle auf dem Dr. Pfleger Campus Hallstadt

Perspektive Außen
7

Perspektive Außen

Anerkennung

Preisgeld: 3.000 EUR

umarchitekt

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

arc.grün landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh

Landschaftsarchitektur

Schütz Grafik-Design

Visualisierung

Erläuterungstext

Konzept - Leitidee
Das Grundgerüst zur Neuordnung des Dr. Pfleger Campus leitet sich aus der Idee ab, die besondere Insellage in der Tradition des Gärtnerlandes Hallstadt-Bamberg zwischen Bundesbahn und Staatsstraße als grüne Kulturoase weiterzuentwickeln. Als konzeptionelles Leitbild dient dabei das Wechselspiel aus ungerichteten Wegeführungen zwischen intensiven Vegetationflächen aus Heilkräuternbeeten, Blumenwiesen und Sträuchergärten, sowie dem mächtigen Baumbestand. Mit naturnahen Lernbereichen für Schüler und Kleinode für Besucher im Einklang mit dem Bestandsbau und den neuen Gebäudekubaturen entsteht so eine bewegte Phytolandschaft als anmutendes Naturerlebnis - ein „analoger“ HERBARIUM CAMPUS mit Alleinstellungsmerkmal.
Freiraum HERBARIUM CAMPUS
Der Leitgedanke für den Freiraum HERBARIUM CAMPUS beruht auf der Schaffung einer lebendigen Wiesenlandschaft mit Wildblumen, Heilkräutern, Sträuchern, Laub- und Obstbäumen, die mit abgewinkelte Wegen ungerichtet den verwunschenen Biotopgarten durchkreuzt. Kleine Hügelbeete, die zur offenen Wiese mit qualitätsvollen Aufenthaltsbereichen für verschiedene Aktivitäten wie Spielen, Verweilen und Entspannen wieder abfallen, säumen den Wegraum und erzeugen so wellenartig eine bewegte Pflanzenwelt mit besonderer Anmutung. Eine Schlüsselkomponente dieses Konzepts ist die Integration der schattenspendenden Bestandsbäume, die im Wechselspiel mit der Feenlandschaft aus dichten bzw. lichten Vegetationen die Phantasie der Schulkinder für Kreativität und Abenteuer anregt. In diesem Lehrgarten können Insekten beobachtet, Gerüche wahrgenommen sowie die Lust am Entdecken in angenehmer Atmosphäre geweckt werden.
Befestigte Wegeflächen werden auf ein Minimum an der Sporthalle bzw. KITA und am Pausenhof reduziert. Somit ist eine maximale Oberflächenentwässerung sichergestellt. Sämtliche Dachentwässerungen werden in Senkmulden mit Untergrundrigolen zur freien Versickerung („Schwammstadt“) eingeleitet, die temporäre kleine Wasserstellen ausbilden können.
So wird ein einmaliger Grünraum geschaffen, der als „Grüne Lunge“ neben der Verbesserung des Mikroklimas auch zum Umweltschutz beiträgt und Raum für ökologische Diversität bietet.
Städtebaulicher Leitgedanke
Der Neubau der Dreifachsporthalle modelliert gemeinsam mit der KITA die nördlöstliche Raumkante des HERBARIUM CAMPUS und gliedert dort die Grünstruktur mit leichten Geländeböschungen bzw. intensiv bepflanzten Kräuterhügeln lärmgeschützt den Übergang zur Montessorischule. Neben leicht erhabenen begrünten Erdschollen im Pausenhof bildet die Pflegeschule mit Parkdeck die räumliche Topographiekante des HERBARIUM-CAMPUS im Süden. Die geforderten Stellpätze werden zum Lichtgraben Untergeschoß Montessorischule bzw. Erweiterung Pflegeschule halbgeschossig eingegraben und sind wie die Stellplätze der Sporthalle mit begrünten Dächern bzw. Rankpflanzen überdeckt. Während die Emil-Kemmer-Str. als Haupterschließung die Adressbildung verstärkt, ist das gesamte Gelände im freien Zugang allseitig begehbar. Die klare Wegeführung auf der Südwestseite des HERBARIUM CAMPUS stellt eine gute Orientierung auf dem Gelände sicher und führt jeweils zu den Haupteingängen der Gebäude. Im der rückwärtigen Vegetationslandschaft lädt ein Wechselspiel aus verwunschenen Pfaden und Kräuter-Duftgarten zu einem berührenden Naturerlebnis ein, bis hinauf zum Allwetterplatz auf der Sporthalle mit Ausblick in die Fränkische Schweiz.

Architektonischer Leitgedanke
Das Gebäudevolumen der Sporthalle folgt dem modellierten Grünkonzept und gräbt sich mit Spielfeld bzw. Umkleiden Geräteräumen im Untergeschoß sowie mit angeböschten Grünhügeln zu den Außenwandflächen im Erdgeschoss ein. So wird durch die geringe Gebäudehöhe und die sanft eingebetteten Geländemodellierungen das Grünkonzept des HERBARIUM CAMPUS verstärkt. Am Foyervordach steigt die Geländekante mit der Topographie und führt über dem Haupteingang bis hin zum Hauptdach der Sporthalle. Es entsteht eine adressbildende Geste, die eine klare Orientierung für SportlerInnen und BesucherInnen bietet. Im Zuschauerbereich mit Tribüne am Foyer sind, neben der guten Sicht aufs Spielfeld, Ausblicke in den
HERBARIUM CAMPUS und über ein Panoramafenster bis zur Giechburg möglich. Aufgrund der vorgegebene Sportnutzung im UG kann hier nun auch über den gemeinsamen Lichthof die Schule mit der Sporthalle verbunden werden und ermöglicht so einen Schulzugang zu den Umkleiden. Mit der Anordnung der KITA- Horträume an der Sporthalle im UG besteht dann in einem zweiten Bauabschnitt auch die Möglichkeit einer baulichen Verbindung zum Schulgebäude. Folgerichtig führt der vorgeschlagene Nutzungstausch des Chemie-Werkraum-Bereiches zugunsten des Speissesaal inkl. Kochküche und Nebenräume am Lichthof mit Außenterrasse zu einer wirtschaftlicher Ausnutzung für beide Einrichtungen. Die Räume für Kindergarten und Krippe liegen abgerückt von der Emil-Kemmer-Str. im Erdgeschoß, schallgeschützt zur Staatstrasse bzw. Bahntrasse in die Geländebewegung des HERBARIUM CAMPUS an der Sporthalle eingebettet.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der zentrale Gedanke der Arbeit ist aus dem Freiraum entwickelt. Ein "Herbarium Campus" soll entstehen, der vielfältig, abwechslungsreich und einzigartig die Gebäude mit dem neu gestalteten Landschaftsraum verbindet. Positiv besetzte Assoziationen entstehen zunächst: Grün, Natur, Ökologie, klimafreundliche Materialien. Gleichzeitig jedoch sind - bei näherer Betrachtung - viele der vorgeschlagenen Maßnahmen in Summe zu überfrachtet und schmälern damit die eigentlich interessante Grundidee.

Herstellung und die Pflege des Bepflanzungskonzeptes sind weder realistisch umsetzbar noch in der Pflege zu bewältigen. Das Nebeneinander von unterschiedlichen Themenfeldern macht aus gärtnerischer Sicht wenig Sinn. Zudem sind die vorgeschlagenen Kräuterfelder als Pausenbereiche nicht robust genug. Die Wegeführung ist weitestgehend unübersichtlich. Die angelegten Hügelbeete bieten der Montessoripädagogik die Möglichkeit den Erdkinderplan in Teilen auf dem Schulgelände umzusetzen.

Die unmittelbare Nähe des Kinderhauses zur Halle ist unverständlich und würde zu Problemen bei einem späteren Bau des Kinderhauses führen. Anordnung und Anzahl der PKW-Stellplätze sind nicht wirklich ersichtlich. Lediglich die 25 STP im Norden werden schlüssig nachgewiesen.

Der Zugang zu der Sporthalle kann im Detail nicht überzeugen. Ebenso ist der Zuschnitt des Foyers unglücklich. Eine Wendeltreppe taugt nicht für öffentliche Bereiche. Grundsätzlich ist die Dreifeldhalle jedoch gut organisiert. Durch die Fassadenöffnungen entstehen ungleiche Lichtsituationen in den drei Hallenteilen. Die südliche Halle ist über-, die mittlere Halle ist unterbelichtet. Die dritte Halle erhält ggf. störendes Ostlicht. Nicht überzeugen kann die Positionierung des Allwetterplatzes auf dem Dach. Die notwendige Umzäunung würde deutlich mehr in Erscheinung treten als im Plan dargestellt. Die Rampe im Außenbereich ist konstruktiv aufwändig und führt zu Problemen im Unterhalt.

Die Tragkonstruktion eines ressourcenschonenden und begrünten Hybridbaus wird positiv bewertet. Die Sporthallenbinder unterseitig zu verkleiden wird hinterfragt, da dies i. d. R. brandschutztechnische und aufwendige Zusatzmaßnahmen in den erzeugten Hohlräumen und laufende Wartungsaufwände erfordert. Die konstruktive und bauphysikalisch getrennte Ausführung der begrünten Vordächer und umlaufenden Pflanztröge, insbesondere auf den Giebelseiten, wird als sehr aufwendig eingeschätzt. Der hoch anstehende Grundwasserstand hat erheblichen Einfluss auf die Ausbildung der nötigen wasserfreien Baugrube für das Untergeschoss sowie erzeugt dies Zusatzmaßnahmen zur Auftriebssicherheit und Dichtigkeit des Gebäudes. Die Ausführung eines Untergeschosses wird folglich und aufgrund der dafür nötigen großen Erdbewegungen kontrovers diskutiert. Zur konstruktiven Verbindung der Einfriedung des Allwetterplatzes auf dem Dachtragwerk werden keine Angaben gemacht. Konstruktion der Halle und Detailausbildung lassen höhere Unterhaltskosten erwarten.

Die Freianlagen sind detailreich dargestellt und funktionieren als Bindeglied zwischen den Gebäuden. Vor allem die Bodenmodellierung wird positiv wahrgenommen. Die Geste des Tiefhofs wirkt bei näherer Betrachtung schwer umzusetzen und birgt Konflikte in der Entwässerung und Anbindung an die Gebäude. Auch muss in Frage gestellt werden, dass die parkähnlichen Freiflächen dem Schulbetrieb dienlich sind; kritisch wird der Pflegeaufwand gesehen. Maßnahmen zu Ökologie und Nachhaltigkeit sind umfänglich dargestellt. Eine Konzentration auf wesentliche Elemente wäre hier jedoch wünschenswert gewesen.

Insgesamt fehlt der Arbeit die gewünschte Robustheit. Dies betrifft Gebäude wie Freiraum. Dennoch wird die Idee einer "grünen Kulturoase" ausdrücklich gewürdigt.
Lageplan

Lageplan

Grundriss EG

Grundriss EG

Modell

Modell

Ansicht West

Ansicht West

Ansicht Süd

Ansicht Süd

Perspektive Innen

Perspektive Innen