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Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren | 07/2014

ein neues haus f├╝r die taz

Ansicht Nord, Blick vom Besselpark / E2A

Ansicht Nord, Blick vom Besselpark / E2A

1. Preis

Preisgeld: 35.000 EUR

E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten ETH BSA BDA SIA AG

Architektur

Schnetzer Puskas Ingenieure AG

Tragwerksplanung

Ernst Basler + Partner

TGA-Fachplanung

Erl├Ąuterungstext

Friedrichstrasse

St├Ądtebaulich und historisch ist die Friedrichstrasse eine der wichtigen Achsen des Berliner Zentrums. Heute l├Ąsst sich die historische Anlage nur noch teilweise erahnen: Die ehemaligen gro├čen Blockrandanlagen mit ihren Garten- und Gewerbenutzungen in den entsprechenden Freir├Ąumen sind nur noch als Fragmente erhalten. Ebenso wurde der Plan der Internationalen Bauausstellung 1984 nur punktuell realisiert.
Die beiden Solit├Ąrbauten von John Hejduk ÔÇô der Kreuzberg Tower und sein Fl├╝gelbau ÔÇô n├Ârdlich des Besselparks zeugen noch von der damaligen Ambition, die Innenstadt als Wohnort zur├╝ck zu gewinnen. Das Grundst├╝ck der taz soll als Teil des zuk├╝nftigen Medien-, Kunst- und Kreativquartiers um die ehemalige Blumengro├čmarkthalle einen klaren baulichen Rand definieren und zudem den baulichen Abschluss zum Besselpark formulieren. Der Neubau der taz muss also in seiner besonderen Ecklage zwischen dem traditionellen Berliner Block und den Solit├Ąrbauten aus der Zeit der IBA vermitteln.

Traufe, Ecke und Hof

Aus der Kombination von Block und Ecke schlagen wir eine einfache L├Âsung vor: Entlang der Friedrichstrasse wird die Berliner Traufh├Âhe ├╝bernommen und der Block weitergef├╝hrt. Durch einen sanften R├╝cksprung der Fassade an der Friedrichstrasse entsteht ein klar akzentuierter, von der Stra├čenflucht zur├╝ckspringender Eingangsbereich. Gleichzeitig markiert dieser R├╝cksprung auch die st├Ądtebauliche Ecke am Besselpark mit entsprechender H├Âhe. Zur ehemaligen Blumengro├čmarkthalle bildet ein weiterer offener Hof den baulichen Wechsel vom Block zur Ecke ab.

Stra├če, Ecke und Hof werden somit zum st├Ądtebaulichen Leitmotiv und ├╝berf├╝hren den m├Âglichen Geb├Ąudeumschlag des geltenden Bebauungsplans in eine einfache und pr├Ągnante Volumetrie.

Netzhaut

Die architektonische Gestalt des neuen Hauses f├╝r die taz erinnert an den Moskauer ÔÇ×SchabolowkaÔÇť-Radioturm von Wladimir G. Schuchow aus den fr├╝hen 1920er Jahren, dessen Struktur, als Netz ausgebildet, mit m├Âglichst wenig Material maximale Tragf├Ąhigkeit erreichte. Der Moskauer Radioturm steht nicht nur f├╝r die Fortschrittlichkeit und Leistungsf├Ąhigkeit der jungen Sowjetunion und f├╝r die ÔÇ×├ťberwindung des Alten und SchwerenÔÇť (Jule Reuter in Museumsjournal 2/2012), sondern auch als Sinnbild eines Tragsystems, in dem jedes Element die gleiche Wichtigkeit hat. Das Netz ist eine Struktur, in der alle Teile gleichviel zu leisten haben und nur zusammen Stabilit├Ąt erreichen. Es ist ein System ohne Hierarchie. Die architektonische Anmutung des neuen Hauses f├╝r die taz wird so Struktur und Sinnbild der Organisation zugleich.

Die Taillierung im Grundriss durch den Hof und den R├╝cksprung erlaubt es der Tragstruktur, sich als d├╝nnes Netz an der Peripherie des Hauses abzubilden und dadurch im Inneren auf zus├Ątzliche aussteifende Strukturen zu verzichten. Lediglich entlang der zuk├╝nftigen Brandwand wird eine Serviceschicht etabliert, welche die Nebennutzungen und die Aufzugsanlagen aufnimmt.

Offener Plan

Der typische Plan des neuen Hauses f├╝r die taz ist offen. Er erm├Âglicht eine Vielzahl von unterschiedlichen Arbeitsformen: Die Arbeit innerhalb klassischer Blockzeiten hat darin ebenso Platz wie das Arbeiten rund um die Uhr. Voraussetzung f├╝r dieses Nebeneinander ist eine Raumorganisation in einzelne Arbeitszonen, die unterschiedlich intensiv genutzt werden k├Ânnen.

Der offene Plan etabliert drei Zonen, die sehr unterschiedlich bespielt werden k├Ânnen:

1. Entlang der Brandwand entsteht ein schlanker B├╝rofl├╝gel, der sich gut daf├╝r eignet, kleineren Einheiten Raum zu bieten.
2. Die Mittelzone ist durch die Treppenanlage und die zentralen Besprechungsr├Ąume gekennzeichnet und eignet sich hervorragend f├╝r intensive Projektarbeiten an speziellen Ausgaben und nicht minder intensive Besprechungen.
3. Der Hauptfl├╝gel ist eine offene, gro├če Plattform, die als Ateliergeschoss und gro├čfl├Ąchige Denkwerkstatt den Hauptteil des Raumprogramms unterbringt.

Treppenskulptur

Im Zentrum des neuen Hauses befindet sich hinter Glas die Treppenskulptur, die in Ihrer Dimension und Plastizit├Ąt mehr ist als nur Geschossverbindung: Im Erdgeschoss als einl├Ąufiger und gro├čz├╝giger Aufgang geplant, teilt sich der Treppenlauf im ersten Obergeschoss zu einer vierl├Ąufigen Wabentreppe und wird zur vertikalen Fu├čg├Ąngerzone des neuen Hauses. Die Zwischenpodien auf halber Geschossh├Âhe werden zu Treffpunkten und Orten der Begegnung und des informellen Austauschs. Hier atmet das Haus und f├Ârdert die spontane Kommunikation.

Konferenz- und Besprechungsr├Ąume

Der gro├če Redaktionskonferenzraum wird durch seine Lage und Ausdehnung zum zentralen Forum. Im ersten Obergeschoss in unmittelbarer Nachbarschaft zur vertikalen Erschlie├čung gelegen, ist er f├╝r die ├ľffentlichkeit gut einsehbar und bestens erschlossen. Durch seine Ausdehnung ├╝ber zwei Geschosse bietet er eine hervorragende Akustik, zudem entsteht so im zweiten Obergeschoss eine Galerie mit direkter Einsicht in den Konferenzraum. Im dritten Obergeschoss befinden sich an gleicher Stelle zwei gro├če Besprechungsr├Ąume mit je 50 Quadratmetern, die zusammengelegt werden und so als Projektraum dienen k├Ânnen. Ihre gemeinsame Gr├Â├če wurde bewusst auf 100 Quadratmeter beschr├Ąnkt, damit die Versammlungsst├Ąttenverordnung und deren bauliche Konsequenzen nicht zur Anwendung kommen. Das vierte Obergeschoss liefert ein ├Ąhnliches Bild: Der gro├če Besprechungsraum liegt im Mittelfl├╝gel des Hauses und kann sowohl als Konferenzraum genutzt oder aber als Projektraum den benachbarten Arbeitspl├Ątzen zugeschaltet werden.

taz.caf├ę

Das im Hauptfl├╝gel des Erdgeschosses untergebrachte taz.caf├ę besetzt die Eckposition mit der gr├Â├čten ├Âffentlichen Agenda und ist somit sowohl von der Friedrichstrasse als auch vom Besselpark aus zu erreichen. Im hinteren Teil des Caf├ęs sind die R├Ąume zweigeschossig und eignen sich hervorragend f├╝r Diskussionsveranstaltungen. Die entsprechende Veranstaltungstechnik l├Ąsst sich problemlos unterbringen, um die R├Ąumlichkeiten dar├╝ber hinaus f├╝r Kulturanl├Ąsse, Fernseh├╝bertragungen und Theatervorf├╝hrungen nutzen zu k├Ânnen. Der Veranstaltungsbereich ist direkt mit dem hinteren Hof verbunden, sodass dieser zus├Ątzlich als Freifl├Ąche genutzt werden kann.

taz.panorama

Im obersten Geschoss des Neubaus befindet sich das sogenannte taz.panorama. Hier hat man eine ungeahnte Aus- und ├ťbersicht auf die S├╝dliche Friedrichstadt und das historische Berliner Zeitungsviertel. Es ist ein Ort, der im Raumprogramm so nicht vorgesehen ist. Er vereinigt sowohl das Text- und Bildarchiv der taz als auch den Serverraum, die B├╝chersammlung und einen weiteren multifunktionalen Besprechungsraum mit direkter Anbindung an den Wintergarten. Er dient als Wissensspeicher und Rechercheort gleicherma├čen und erinnert mit seiner ├ťberh├Âhe an Lesehallen von Bibliotheken. Mit dem taz.panorama wird das neue Haus im Dachgeschoss nochmals sehr ├Âffentlich und bietet seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wie auch Besuchern und den Genossenschaftern einen Ort intensiver Vernetzung, der selbst die Geschichte der taz reflektiert.

Franz├Âsischer Balkon, Dachterrasse und Wintergarten

Nach au├čen hin tritt die Netzstruktur des Hauses als filigrane Schicht mit franz├Âsischen Balkonen in Erscheinung. Sie umspannt den Neubau und gibt ihm seine Leichtigkeit. Den Nutzern erm├Âglicht sie, an jeder Stelle des Hauses hinaustreten und ihren Arbeitsplatz in den Au├čenraum verl├Ąngern zu k├Ânnen. Im Sommer arbeitet man sozusagen mitten in der Stadt. Die umlaufenden Balkone werden zur vegetativen Schicht vor der eigentlichen Fassade und zur Rankhilfe f├╝r individuelle Begr├╝nung. Sie dient sowohl als Frischluftzelle und Raucherbalkon, aber auch als Ger├╝st f├╝r gro├čformatige Banner. Die Balkonanlage hat zudem den Vorteil, einen einfachen Reinigungsunterhalt zu garantieren.

Das neue Haus der taz verf├╝gt nicht nur ├╝ber eine umlaufende Balkonschicht, sondern offeriert den Nutzern auch eine gro├čz├╝gige Dachterrasse, die in Kombination mit einem Wintergarten gut bespielt werden kann. Der ganzj├Ąhrig nutzbare Wintergarten ist, insbesondere w├Ąhrend der ├ťbergangszeiten und der Berliner Wintermonate, ein willkommener und angenehm temperierter Jahreszeitenraum. Er ist an das taz.panorama im Dachgeschoss angebunden und direkt vom Besprechungsraum in Dachgeschoss zu erreichen.

Tragstruktur

Um eine gr├Â├čtm├Âgliche Flexibilit├Ąt in der Nutzung zu erreichen, besteht die Tragstruktur aus einer ma├čgeblich vorgefertigten Struktur der weitgespannten Decken.

Die n-f├Ârmigen Deckenelemente werden vorgefertigt und sind aus Gr├╝nden der Materialeffizienz im Spannbett vorgespannt. Sie werden im Bauzustand als um die Eigenlasten ├╝berh├Âhter Schalungstr├Ąger des scheibenartig verbindenden ├ťberbetons genutzt. Es resultiert eine Gesamth├Âhe der Deckenkonstruktion von 50 cm bei einer Spannweite bis zu 13 m. Die Deckentr├Ąger liegen an ihren R├Ąndern auf einem gurtartig vorgespannten, deckengleichen Randunterzug auf. Der Randtr├Ąger dient gleichzeitig als horizontaler Gurt des Fachwerks und ├╝bernimmt durch die Vorspannung die differenziellen Horizontalkr├Ąfte an den Fachwerkenden.

Der vertikale Lastabtrag der Decken und die Stabilisierung erfolgen ├╝ber eine filigrane rautenf├Ârmige Fachwerkstruktur mit Stahlverbundst├╝tzen. Durch diese Materialisierung wird eine minimale St├╝tzendimension mit maximaler Transparenz erreicht. Die Knoten werden in Stahlbauweise erstellt und dienen dem direkten visuell ablesbaren Lastdurchfluss. Der Knoten verbindet die Diagonalst├Ąbe mit den horizontalen Gurtungen und gew├Ąhrleistet den Brandschutz des Knotens. Die aus akustischen Gr├╝nden allenfalls notwendigen r├Ąumlichen Trennungen erfolgen in transparenter respektive transluszenter Leichtbauweise.

Das Untergeschoss wird in Massivbauweise und aus Gr├╝nden der Nachhaltigkeit mit Recyclingbeton angedacht. Der Baugrund besteht in der Einbautiefe von -3.80 m aus Fein-bis Mittelsanden. Wo k├╝nstliche Auff├╝llungen organogener Sedimente (Torf, Faulschlamm, Anmoor und Mudde) angetroffen werden, ist ein Materialersatz vorgesehen. Aus Gr├╝nden der Dichtigkeit wird neben der Ausbildung des Kellers als wei├če Wanne eine umlaufende Isolation sowie beim Einbau in den Grundwassertr├Ąger eine Abdichtung vorgesehen. Gleichzeitig ist die Bodenplatte auf die Auftriebskr├Ąfte von ca. 2 m Wassers├Ąule zu bemessen.

Materialisierung

Die Arbeitsatmosph├Ąre im neuen Haus der taz gleicht der einer Werkstatt oder eines K├╝nstlerateliers: Rohe Materialien bleiben sichtbar und werden nicht aufwendig verkleidet oder kaschiert. Lediglich in den B├╝rogeschossen kommt ein klassischer Hohlboden zum Einsatz, der unterschiedliche M├Âblierungsvarianten auch medial zu erschlie├čen vermag. Die Oberfl├Ąche der einzelnen Geschosse wird mit einem Flie├čestrich belegt, der roh bleiben soll. Punktuell kommen k├╝nstlerische L├Ąuferteppiche zum Einsatz, um die laufintensiven Bereiche zu d├Ąmpfen. Die strukturelle Decke bleibt sichtbar und wird punktuell den akustischen Anforderungen entsprechend belegt. Sowohl im Inneren als auch im ├äu├čeren kommen farbige Gl├Ąser zum Einsatz und markieren einzelne wichtige Raumgef├Ą├če. Die Fassade des taz.panorama im Dachgeschoss ist rot eingef├Ąrbt und wird somit zum eigentlichen Emblem des neuen Hauses. Die Einhausung der gro├čen Treppenanlage wird vollst├Ąndig als EI90-Glaskonstruktion geplant und bewusst als Investition in ein offenes und kommunikatives Haus verstanden. Die Fassade wird ganz in Glas ausgef├╝hrt, um ein helles und offenes Arbeitsklima zu erm├Âglichen. Abgesehen von diesen beiden gr├Â├čeren Investitionen wird das Haus der taz moderat materialisiert und bleibt robust und wirtschaftlich.

Brandschutz

Die Abmessungen und brandschutztechnischen Unterteilungen des Geb├Ąudes sind so gew├Ąhlt, dass das Geb├Ąude grunds├Ątzlich als Standartgeb├Ąude in die Geb├Ąudeklasse 5 eingestuft werden kann. Der oberste Fu├čboden befindet sich auf Kote 22,00 m, das Dach auf Kote 28,90 m. Die Regelgeschosse werden jeweils in zwei B├╝roeinheiten mit weniger als 400 m┬▓ Grundfl├Ąche unterteilt. F├╝r die Nutzungen im Erdgeschoss werden die Anforderungen der Muster-Versammlungsst├Ąttenverordnung beachtet. Aufgrund der Unterteilung der Regelgeschosse in jeweils zwei B├╝roeinheiten und der g├╝nstigen, zentralen und an der Au├čenwand liegenden Anordnung des notwendigen Treppenraumes kann auf die Anordnung von notwendigen Fluren oder Schleusen verzichtet werden. Der erste Rettungsweg aus den B├╝roeinheiten f├╝hrt direkt in den notwendigen Treppenraum, der zweite Rettungsweg wird ├╝ber ├Âffenbare Fenster und dem umlaufenden Balkon mittels Rettungsger├Ąten der Feuerwehr (Drehleiter) sichergestellt. F├╝r die B├╝roeinheit im 1. Obergeschoss, in der sich der Konferenzraum befindet, wird ein zweiter notwendiger Treppenraum vorgesehen. Im Erdgeschoss k├Ânnen die Rettungswege unabh├Ąngig von den Obergeschossen direkt ├╝ber die Fassade gef├╝hrt werden. Technische Brandschutzanlagen wie Brandmelde- und Sprinkleranlagen sind aufgrund der gew├Ąhlten brandschutztechnischen Unterteilungen nicht erforderlich.

Wirtschaftlichkeit

F├╝r die Erstellung des neuen Hauses der taz wird ein bipolares Kostenmodell entwickelt. Um durchschnittliche Baukosten zu erreichen, werden nicht durchschnittliche Konstruktionstechniken und Materialien eingesetzt, sondern die Schere zwischen g├╝nstig und teuer konzeptionell gesteuert: G├╝nstige Materialien treffen auf teure, Ganzglasanlagen kommen neben roh belassenen Betonarbeiten zum Einsatz.
So entsteht eine spannungsvolle innere Materialit├Ąt, die sich orchestrieren l├Ąsst, ohne die Gesamtkosten zu strapazieren.

Energiekonzept und Nachhaltigkeit

Architektur, Fassade und Geb├Ąudetechnik sind optimal aufeinander abgestimmt, sodass h├Âchster Nutzerkomfort mit minimalem Energieaufwand erreicht wird. Die dazu notwendige hohe Energieeffizienz wird mit einfacher Technik erreicht, die jedoch klug eingesetzt und von h├Âchster Qualit├Ąt ist. Es wird zudem der Grundsatz verfolgt, den Nutzern viel individuelle Einflussm├Âglichkeiten zu geben, keine W├Ąrme ungenutzt entweichen zu lassen sowie die L├╝ftung und K├╝hlung m├Âglichst nat├╝rlich zu gestalten. Mit dem vorgeschlagenen Geb├Ąudekonzept wird ein mit einem Passivhaus vergleichbarer Energiestandard erreicht, und dies trotz eines ungleich h├Âherem Nutzerkomforts.

Das Geb├Ąude leistet, die Technik reguliert

Mit dem gew├Ąhlten Geb├Ąude- und Technikkonzept verfolgen wir den Grundsatz, dass das Geb├Ąude selbst den Hauptanteil der ÔÇ×ArbeitÔÇť verrichtet, und die Technik nur noch die ÔÇ×FeinjustierungÔÇť vornimmt. Dadurch wird ein gutm├╝tiges (fehlertolerantes) Geb├Ąude geschaffen, das sich hoher Nutzerakzeptanz erfreut. Die gut abgestimmte Geb├Ąudeh├╝lle und die thermische Speicherf├Ąhigkeit der Tragstruktur spielen dabei eine zentrale Rolle. ├ťber den ganzen Geb├Ąudekomplex werden m├Âglichst ausgeglichene Verh├Ąltnisse geschaffen, wodurch die Heiz- und K├╝hlperioden kurz gehalten werden k├Ânnen, und es zwischen diesen Perioden oft l├Ąngere ÔÇ×energiefreieÔÇť ├ťbergangszeiten geben wird. Die offenen Raumstrukturen gleichen zudem etwaige klimatische Unterschiede zwischen den verschiedenen Fassadenausrichtungen nat├╝rlich aus.

Durch die konsequente Reduktion der thermischen Lasten werden die Energieums├Ątze in den R├Ąumen auf ein Minimum reduziert, was sich positiv auf den Energieverbrauch, aber auch den thermischen Komfort auswirkt.

Raumk├╝hlung auf h├Âchstem Niveau

Die B├╝ros werden entlang der Fensterfronten ├╝ber optimierte Umluftklimager├Ąte gek├╝hlt. Die Ger├Ątel├Ąngen entsprechen dem Achsma├č der Fassade, womit bei jeder Fassadenachse die M├Âglichkeit besteht, eine Wand anzuschlie├čen. Mittels Ansaugrohren entlang der Fassade wird eine maximale Leistungsdichte und Energieeffizienz erreicht. Dieses wasserbasierte System enth├Ąlt spezielle, hocheffiziente W├Ąrmetauscher, die zur Raumk├╝hlung auf 25 ┬░C im Sommer Wasser von nur 19 ┬░C ben├Âtigen. Dieses au├čerordentlich hohe Temperaturniveau bringt entscheidende Vorteile mit sich: Einerseits besteht keine Gefahr von Kondensation, wodurch die K├╝hlleistung auch an schw├╝len Sommertagen im vollen Umfang zur Verf├╝gung steht. Zudem kann auf die D├Ąmmung der Leitungen (Feinverteilung) verzichtet werden, was Platz und insbesondere Investitionskosten spart. Zus├Ątzlich werden auf diese Weise optimale Voraussetzungen f├╝r eine hohe Energieeffizienz seitens der K├Ąlteerzeugung geschaffen.

Flinkes Change-over-System zur Raumkonditionierung

Im Winter k├Ânnen die R├Ąume mit denselben Umluftklimager├Ąten wie f├╝r die Raumk├╝hlung auch geheizt werden. Derselbe hocheffiziente W├Ąrmetauscher erm├Âglicht sehr tiefe Systemtemperaturen mit 26 - 28 ┬░C Vorlauf, was wiederum optimale Voraussetzungen f├╝r die Abw├Ąrmenutzung schafft. Das Change-over-System verhindert zudem sehr einfach und wirkungsvoll potenzielle Energievernichtung, die sich bei gleichzeitigem Heizen und K├╝hlen ergeben w├╝rde (und dies ohne aufw├Ąndige Regulierungen).

Minimaler Wartungsaufwand, direkter Nutzereinfluss

Die Regulierung der Br├╝stungsklimager├Ąte erfolgt mittels einfacher EIN/AUS-Steuerung der Ventilatoren, wasserseitig sind keinerlei Regelorgane/Ventile notwendig. Der Sollwert der Heizung bzw. K├╝hlung kann bei jedem Ger├Ąt individuell vom Nutzer ver├Ąndert werden. Die vorgesehenen Ventilatoren sind hocheffizient (<3 Watt pro Ger├Ąt), ger├Ąuscharm, wartungsfrei und 100% verl├Ąsslich (garantierte st├Ârungsfreie Betriebsdauer > 100.000 Stunden, also f├╝r ├╝ber 25 Jahre). Da die Luft weit oben im Raum angesaugt wird, werden keine internen Filter ben├Âtigt, die halbj├Ąhrlich gewechselt werden m├╝ssten. Die Reinigung der W├Ąrmetauscher ist mit normalen Staubsaugern m├Âglich und wird je nach Bodenbelag nur alle zwei bis drei Jahre notwendig. Diese sind f├╝r das Reinigungspersonal einfach durch aufklappbare Bodengitter erreichbar.

Nutzung Synergien / Abw├Ąrmenutzung

Durch den sorgf├Ąltigen und konsequenten Umgang mit den Systemtemperaturen zur Raumheizung und K├╝hlung sowie der direkten Wasserk├╝hlung der IT ergeben sich optimale Bedingungen zur maximalen Nutzung von energetischen Synergien (Heizen/K├╝hlen). Somit werden die verschiedenen Energiebedarfe zum Heizen und K├╝hlen, die in Folge des teilweise ganzj├Ąhrigen K├╝hlungsbedarfs oft auch gleichzeitig auftreten werden, optimal aufeinander abgestimmt. Damit k├Ânnen die Energien direkt verschoben und eine optimale Abw├Ąrmenutzung sichergestellt werden.

CO2-freier Betrieb mit lokalen, erneuerbaren Energien

Der durch die konsequente Maximierung der Energieeffizienz in allen Bereichen (Heizung, L├╝ftung und K├╝hlung) erreichte minimale Stromverbrauch f├╝r die Geb├Ąudetechnik kann durch die auf den D├Ąchern vorgesehene Photovoltaikanlage gedeckt werden. Durch diese ausgeglichene Jahresbilanz kann seitens der Geb├Ąudetechnik ein CO2-freier Betrieb erreicht werden.

K├Ąlteerzeugung ohne Kompressoren (100% Free-Chilling)

Aus Komfortgr├╝nden ist eine sanfte Raumk├╝hlung f├╝r alle administrativen Bereiche, Restaurant und Veranstaltungsbereiche vorgesehen. Der geforderte hohe Energiestandard kann jedoch nur mit au├čerordentlichen hoher Energieeffizienz erreicht werden. Deshalb wird eine K├Ąlteerzeugung mit 100% freier K├╝hlung (ohne K├Ąltemaschine) vorgesehen. F├╝r die Raumk├╝hlung sind hocheffiziente Nassk├╝hlt├╝rme im Untergeschoss vorgesehen. Mit dieser Art von K├Ąlteerzeugung wird eine Leistungszahl (COP) von 30 - 80 erreicht, was gegen├╝ber einem konventionellen System mindestens um den Faktor 10 besser ist.

Bei extremen Wetterbedingungen im Sommer mit Feuchtkugeltemperaturen h├Âher als 17 ┬░C k├Ânnen diese Spitzen zus├Ątzlich durch ein unter der Bodenplatte vorgesehenes Erdregister gedeckt werden. Dieses wird im Winter mit minimalem Energieaufwand frei vorgek├╝hlt und dient als saisonaler Speicher.

Innovative platzsparende nat├╝rliche L├╝ftung mit W├Ąrmer├╝ckgewinnung

Grunds├Ątzlich wird das Konzept verfolgt, das ganze Geb├Ąude nat├╝rlich zu l├╝ften. Den Nutzern stehen dazu L├╝ftungs├Âffnungen an der Fassade zur Verf├╝gung, die durch ihre Geometrie sehr einfach eine effiziente Sto├čl├╝ftung erm├Âglichen. Um jedoch die L├╝ftungsverluste im Winter zu minimieren, werden zus├Ątzliche L├╝ftungsklappen im Innern des Geb├Ąudes vorgesehen. Das Treppenhaus entspricht dabei dem Zuluftkanal, der Frischluft von unten in die verschiedenen Geschosse f├Ârdert. Entlang der zentralen Steigzonen befinden sich zudem zwei nat├╝rliche Abluftkamine, welche die Abluft ├╝ber Dach f├╝hren. Durch die thermische Fluiddynamik (Kamineffekt) wird so eine zentrale nat├╝rliche Grundl├╝ftung erm├Âglicht. Die W├Ąrmer├╝ckgewinnung erfolgt dabei mittels eines Kreislauf-Verbundsystems (KVS). Mit diesem System werden die Schachtquerschnitte auf ein absolutes Minimum reduziert und in den Fl├Ąchen maximale Flexibilit├Ąt erreicht.

Auf den Geschossen erfolgt die Luftverteilung ebenfalls nat├╝rlich (offene Raumvolumina). Dort, wo aus akustischen Gr├╝nden innenliegende R├Ąume vorgesehen sind, wird ein innovatives L├╝ftungskonzept vorgesehen, bei dem die umliegenden B├╝ro- oder Verkehrsfl├Ąchen zur kanallosen Luftverteilung dienen. Diese geschlossenen Bereiche holen sich die Frischluft aus den umliegenden R├Ąumen mittels aktiver ├ťberstr├Âmelemente in die R├Ąume und lassen diese ├╝ber passive ├ťberstr├Âmer unter der Decke wieder zur├╝ck in die Umgebung. Auf diese Weise werden die innenliegenden R├Ąume lufttechnisch mit dem Gesamtvolumen der jeweiligen Geschosse vereint.

Diese ├ťberstr├Âmer weisen die erforderlichen Schalld├Ąmmwerte und minimale Druckverluste auf. Entsprechend minimal ist deren Strombedarf (<5W). Mit dem gleichen Pr├Ąsenzmelder wie f├╝r das Ausschalten der Beleuchtung wird auch die Raumbel├╝ftung einfach EIN/AUS geschaltet. Dadurch l├Ąsst sich auf einfachste und g├╝nstigste Weise eine bedarfsabh├Ąngige L├╝ftung realisieren, wodurch neben den Stromeinsparungen auch erreicht werden kann, dass die R├Ąume im Winter nicht zu trocken werden.

Projektteam

Architektur
E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten ETH BSA SIA AG, Z├╝rich
Piet Eckert, Wim Eckert, Andr├ę Passos, Alexander Struck, Tobias Weise, Bojana Miskeljin, Philip Milkowski, Rickey Gates, Jochen Paul

Tragwerksplanung
Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Aeschenvorstadt 48, 4010 Basel
Tivadar Puskas, Jochem Hilberink

Technische Geb├Ąudeausstattung
Ernst Basler + Partner AG, M├╝hlebachstrasse 11, 8032 Z├╝rich
Martin Meier

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Netz als Struktur und System ohne Hierarchie ist die Leitidee und trifft die Haltung der taz. Sie ist bestimmendes Thema der Fassade und pr├Ągt damit das Erscheinungsbild des Hauses. Die Fassade transportiert ein Image der taz: die taz als Werkstatt und Produktionsst├Ątte; ablesbar durch Bez├╝ge vom Konstruktivismus ├╝ber den sowjetischen Radioturm bis zum ÔÇÜspacigenÔÇś Club Berghain. Das Bild ist ÔÇ×strange-tazÔÇť, also die taz als junges Medium f├╝r junge Leser.

Der geplante Bauk├Ârper setzt die st├Ądtebaulichen Zielsetzungen auf ├╝berzeugende Weise um und entspricht den Vorgaben des Bebauungsplans. Er besticht durch die Ausformung von Fassade und Konstruktion in gleichem Ma├č wie durch die innere Aufteilung und Erschlie├čung. Der ├Âstliche Einschnitt des Bauvolumens ├Âffnet sich in den Blockbereich und bietet Bez├╝ge und Orientierung in die Nachbarschaft, zum J├╝dischen Museum und zum neuen Quartier rund um die ehemalige Blumengro├čmarkthalle.

Eine zentrale, vierl├Ąufige Wabentreppe als Treppenhausanlage an der Friedrichstra├če ist Adresse der taz. Gro├čz├╝gige ├ľffnungen und ein direkter Bezug zum Park durch das taz.caf├ę sind gew├Ąhrleistest, der taz. shop ist zur Friedrichstra├če orientiert.

Der Innenraum bietet ein gro├čes Potenzial f├╝r variable Raumaufteilungen auf den Geschossebenen. Durch die allseitige Verglasung sind eine gute Orientierung nach au├čen und eine optimale Tageslichtversorgung f├╝r die Arbeitspl├Ątze gegeben. Die umlaufenden Balkone dienen als Frischluftzellen und Balkone, aber auch als Ger├╝st f├╝r gro├čformatige Banner. Gleichzeitig garantieren sie einen einfachen Reinigungsunterhalt.

Als Highlight befindet sich das taz-Panorama mit seiner hohen Aufenthaltsqualit├Ąt mit einem ganz besonderen Raumkonzept und Ausblick auf die Stadt im obersten Geschoss.

Problematisch ist die Ausbildung des zentralen Treppenhauses, das kein Rettungsweg darstellt; ein komplettes Sicherheitstreppenhaus oder 2 normale Rettungstreppen fehlen.

Das Geb├Ąude besitzt eine hohe r├Ąumliche Effizienz ÔÇô auch durch die Kompaktheit und offene innere Zonierung des Bauk├Ârpers.

Der W├Ąrmeschutz der Ganzglasfassade ist so noch nicht ausreichend. Das ausgearbeitete technische Geb├Ąudekonzept kompensiert den hohen Energiebedarf zwar, jedoch zulasten der Betriebskosten. Die Baukosten bewegen sich unterhalb des ermittelten Durchschnittwertes.

Das Konzept des Netzes, des Systems ohne Hierarchien, die Treppe als Kommunikationsraum, all dies ist in diesem flexiblen Geb├Ąude sehr gut umgesetzt und trifft in hohem Ma├če die W├╝nsche der taz und gleicherma├čen den Rahmen der st├Ądtebaulichen Vorgaben.
Blick in den Redaktionsraum / E2A

Blick in den Redaktionsraum / E2A

Foto Einsatzmodell / E2A

Foto Einsatzmodell / E2A

Grundriss Erdgeschoss / E2A

Grundriss Erdgeschoss / E2A

Typengrundriss B├╝roraumzone / E2A

Typengrundriss B├╝roraumzone / E2A

Schnitt A-A / E2A

Schnitt A-A / E2A