Workshopverfahren | 03/2026
Entwicklung Areal A3 am neuen Hauptbahnhof Stuttgart
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Titelbild
©haascookzemmrich STUDIO2050
Stadtarena
ein 1. Preis
Preisgeld: 6.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
Prof. Martin Haas, Stephan Zemmrich, Dipl. Arch. (Dist), B.A. (Hons) David Cook
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Mitarbeitende:
Sandro Ruiu, Lara Wagner, Manh Hoan Dao, Veron Tordai-Soos, Indra Santosa
Stadtplanung / Städtebau, Architektur
Transsolar Energietechnik GmbH
Nachhaltigkeitskonzept
Erläuterungstext
ROSA / die Stadt-Arena in Stuttgart Rosenstein
Auf Basis der analytischen Grundlagen wurden zunächst klare Leitlinien für die architektonisch-städtebauliche Umsetzung eines neuen Stadtbausteins am Rosenstein A3 formuliert und vorgestellt. Darauf aufbauend werden nun die Ergebnisse der Weiterentwicklung präsentiert: ROSA - ein konzeptioneller Vorschlag, der die Erkenntnisse der Analysen sowie die im Zwischenworkshop diskutierten Zielsetzungen integriert und weiter ausformuliert. Ein zentraler Ausgangspunkt des Entwurfs ist nach wie vor die Prämisse, die in den Wettbewerbsbeiträgen angelegten Qualitäten konsequent zu verfolgen. Besondere Aufmerksamkeit gelten erneut den städtebaulichen und klimatischen Herausforderungen des Standorts sowie der räumlichen Fuge und dem Höhenversatz zwischen Bahnhofsdach und Erschließungsebene.
Ein Bestandteil des Konzepts sind die ebenerdigen Anschlüsse an den Manfred-Rommel-Platz. Durch das Abrücken und gezielte Staffeln der Baukörper innerhalb des Baufeldes entsteht eine spannungsreiche räumliche Kulisse, die die Fuge als qualitätsvollen Aufenthaltsraum stärkt. Hier entwickelt sich eine vielschichtige Landschaft mit Naturbereichen aus dicht begrünten Zonen und Mikrotopografien, temporären und permanenten Wasserflächen und lebendigen Spazierwegen. Stege verbinden die Bausteine mit dem Manfred-Rommel-Platz. Es entstehen vielfältigen Blickbeziehungen – bereits bei der Ankunft auf dem Gleis wird die räumliche Atmosphäre des ROSA erfahrbar.
Das Nutzungskonzept tritt als offenes, wandelbares Stadtbaustein-Modell auf. Die Ergebnisse der Ideenwettbewerbe fungieren dabei als Grundlage für eine Bündelung zentraler Themenfelder: Nutzungsmischung, Bildung und Innovation, Austausch und Partizipation. Da Stadt kein statisches Produkt ist, sondern sich über Zeit entwickelt, konzentriert sich der Entwurf bewusst auf die ersten beiden Baukörper als Auftakt der Gesamtentwicklung. Diese bestehen aus einer Ankernutzung – dem Zukunftslabor – sowie einem programmatisch ergänzenden Nachbarbaustein für kulturelle, soziale und alltägliche Nutzungen. Beide Baukörper ruhen auf einer von allen Seiten zugänglichen Sockelzone, die mit Gastronomie, Ausstellungsflächen und Schaufenstern offen gestaltet ist und transparent macht, was in den darüberliegenden Ebenen geschieht. Als Ankernutzung wirkt das Zukunftslabor. Hier stapeln sich Orte des Lernens, Forschens und Austauschs zu einer in Stuttgart einzigartigen Plattform für Zukunftsthemen. Forschungsprojekte, Co-Working, Seminarräume sowie Mitmach-Formate für Schüler:innen, Besucher:innen und Initiativen werden miteinander verknüpft. Als Inkubator für die gesamte Region können hier neue Ideen entstehen und in Kooperation mit etablierten Unternehmen weiterentwickelt werden. Die direkte Anbindung an den Bahnhof verleiht dem Standort eine hohe Reichweite und Attraktivität. Den Abschluss bildet eine öffentliche Aussichtsplattform als sichtbarer „Hin- und Ausgucker“ mit direktem Bezug zum Stadtraum. Der zweite Baustein ergänzt das Zukunftslabor durch ein vielseitiges kulturelles Programm. Geplant ist eine hybride Bibliothek mit Auditorium sowie multifunktionale Flächen für Workshops, Veranstaltungen und Ausstellungen. Künstlerateliers, mietbare Räume für Vereine und Initiativen sowie alltagsnahe Nutzungen wie ein Bürgerbüro, Übersetzungsstationen, ein Awareness-Zentrum und ein Informations- und Startpunkt für Führungen schaffen ein inklusives Angebot für unterschiedliche Nutzergruppen. Das Kulturhaus versteht sich als offener, partizipativer Ort, der aktiv von den Bürger:innen mitgestaltet wird.
Temporäre Nutzungen im Außenraum begleiten die unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Projekts: Anstelle der künftig geplanten Baukörper entstehen zunächst offene Begegnungszonen unter den Dächern der bestehenden Gleishallen. Diese bieten Raum für flexible Formate wie Märkte, gemeinschaftliches Gärtnern, Workshops oder nachbarschaftliche Veranstaltungen und aktivieren das Areal bereits in frühen Phasen der Entwicklung. Der Außenraum ist integraler Bestandteil des Konzepts und wird gemeinsam mit den Baukörpern als Reallabor gedacht, das klimatische Veränderungen in der Stadt erfahrbar macht. Erhaltene Elemente der alten Gleishallen spenden Schatten und wirken identitätsstiftend für ROSA. Die Freiluft-Arena mit Sitzstufen für öffentliche Veranstaltungen prägt die Landschaft und den Veranstaltungskalender der Stuttgarter:innen. Wasserflächen, Wiesen, Waldinseln, Mini-Biotope und bepflanzte Terrassen – in Anlehnung an die Weinberg-Topografie Stuttgarts – schaffen hochwertige, konsumfreie Aufenthaltsräume in grünen und blauen Zonen. Außenterrassen der Gastronomie, ruhige Rückzugsorte und kommunikative Treffpunkte sind bereits vom Gleis aus sichtbar. Der topografische Anschluss von der Athener Straße in Richtung Schlosspark wird barrierefrei über eine Rampe ausgebildet. Ergänzend wird im Bereich der Athener Straße, unter Berücksichtigung der DB-Planungen, eine weitere Rampe eingeführt, die die grünen Qualitäten des Bewegungsbandes bereits beim Austritt aus dem Bahnhof auf dem Verteilersteg erlebbar macht und zugleich die heutige Tunnelsituation räumlich auflöst. Gleichzeitig entsteht auf Ebene des Manfred-Rommel-Platzes ein belebter Vorplatz mit direktem Anschluss an den ersten Baukörper. ROSA bietet eine Bühne für Stuttgart und macht die Vielfalt, Kreativität und Zukunftsfähigkeit der Stadt über ihre Grenzen hinaus erlebbar.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf mit dem Titel „ROSA- die Stadtarena in Stuttgart Rosenstein“ formuliert einen starken städtebaulichen Auftakt hinter dem Bahnhof in Form einer eigenständigen Bauskulptur aus mehreren additiv gesetzten Baukörpern. Die Gliederung in mehrere Bauvolumen als poröse Kante öffnet sich überzeugend zum Manfred-Rommel-Platz und zum Europaquartier und schafft einen gut nutzbaren, zusammenhängenden Freiraum. Diese Gliederung in mehrere und unterschiedlich große Baukörper gibt der Vielstimmigkeit der Nutzungsideen alternative Entwicklungsräume, die „Partnerschaft“ der Bauten, die über den Freiraum in Nutzungszusammenhang gesetzt sind, erlaubt eine programmatische Clusterung. Mindestens 50% der Gesamtfläche sollen als nutzbarer Freiraum gesichert werden. Dabei zeigt sich ein Nutzungskonzept, das inhaltlich primär auf das gesamtstädtische Umfeld ausgerichtet ist. Das Klima soll vor Ort durch den durchgrünten Freiraumteppich mit vielen Bäumen, entsiegelten Flächen und einer guten Durchlüftung zu einer Oase in der Stadt werden. Der Entwurf gründet sich schlüssig auf dem „Stadtboden“, dem Niveau, welches sich von der Königstrasse über die Verteilerstege des neuen Bahnhofes bis zum A3 erstreckt, dort zum Freiraum wird, der in Richtung der weiteren Bebauung von A2 ansteigt. In diesem Bereich befindet sich ein Veranstaltungsbereich mit Freiraumbühne sowie verschattete Aufenthaltsbereiche. Die Anbindung an die Verteilerstege des Bahnhofs, den Schlosspark und das dahinter liegende Quartier sind stimmig. Die Anbindung an den Manfred- Rommel -Platz und die Athener Straße erscheinen unterdimensioniert und sollten in einer weiteren Planung gestärkt werden. Durch das Abrücken der Baukörper innerhalb des Baufeldes wird der neue Bahnhof über seine ganze Länge an den entstehenden Stadtraum angebunden. Durch Verglasungen in den Bahnhof sollen Ein- und Ausblicke ermöglicht werden, was einen gewissen Reiz verspricht. Diese Haltung wird im Preisgericht kontrovers diskutiert.
ROSA ist ein Projekt, das beispielhaft in Bauphasen für eine sukzessive Entwicklung konzipiert ist. In der ersten Phase sollen als Auftakt erste Bausteine im Norden und der Freiraumteppich entstehen. Diese Bausteine, beinhalten zum einen das Zukunftslabor als Ankernutzer und zum anderen eine ergänzende kulturelle, soziale und alltägliche Nutzung wie eine Bibliothek, Veranstaltungsräume, Schaufenster und Gastronomie. Beide Bausteine bilden Dachgärten und Aussichtsbereiche in den oberen Geschossen. Hier soll auch ein Hochpunkt ausformuliert werden. Im Laufe der Zeit können nach Bedarf weitere Bauvolumen entwickelt werden. Der Entwurf bildet also ein flexibel anpassbares Grundgerüst für zukünftige Entwicklungen. Besonders hervorgehoben wird der gelungene Transfer konzeptioneller Ideen in strukturelle Setzungen und räumliche Gesten sowie die städtebauliche Grundstruktur und die ebenerdigen Anschlüsse an den entstehenden Stadtraum auf dem Niveau der Straße Am Schloßgarten.
Vogelperspektive
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Einbindung
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zeitliche Entwicklung
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