Offener Wettbewerb | 09/2025
Entwicklung Areal ehemaliges Fernmeldezeugamt in Heusenstamm
©Faerber Architekten
Konzeptplan
Anerkennung
Preisgeld: 4.000 EUR
Stadtplanung / Städtebau
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Saskia Aegerter, David Sainz Rastrilla, Saskia Riede, David Sainz Rastrilla, Saskia Riede
Erläuterungstext
Konzept für die städtebauliche Entwicklung des ehemaligen Fernmeldezeugamtes in
Heusenstamm
Mit dem integrierten Stadt- und Freiraumkonzept entsteht auf dem Areal des ehemaligen
Fernmeldezeugamtes in Heusenstamm ein zukunftsweisendes, klimaresilientes Stadtquartier.
Die bislang stark versiegelte Fläche wird durch eine fein abgestimmte Struktur aus Freiräumen,
neuen Wohnformen und öffentlicher Infrastruktur aufgebrochen und neu interpretiert. Das neue
Quartier versteht sich als sozial durchmischter, ressourcenschonend entwickelter
Stadtbaustein, der bestehende Qualitäten aufnimmt, weiterentwickelt und mit der Umgebung
vernetzt.
Nutzung von Bestandselementen
Ein zentraler Bestandteil des städtebaulichen Konzepts ist die bewusste Integration wertvoller
Bestandselemente.
Der raumprägende, gewachsene Baumbestand bleibt weitgehend erhalten und bildet
zusammen mit dem Hauptgebäude des ehemaligen Fernmeldezeugamtes an der Philipp-ReisStraße eine identitätsstiftende Grundlage für das neue Quartier.
Diese wertvollen Baumstrukturen dienen als Basis für die städtebauliche Körnung und schaffen
eine robuste Grundlage für qualitätsvolle Freiräume in Form von Blauen-Grünen Bändern.
Das Hauptgebäude könnte mit einer Bildungseinrichtung für Jugendliche und Erwachsene, mit
Jugend- und Probenräume sowie ergänzend Büros als Impulsgeber für die Quartiersentwicklung
funktionieren.
Teile der bestehenden Untergeschosse werden übernommen und zu einer gemeinschaftlich
genutzten Tiefgarage umgenutzt. Dadurch wird nicht nur graue Energie erhalten, sondern
gleichzeitig neuer Raum für Mobilitäts- und Nutzungsanforderungen geschaffen –
ressourcenschonend und flächeneffizient.
Vier Freiraumtypologien – ein lebendiges, vernetztes Gefüge
Das Freiraumkonzept basiert auf vier übergeordneten Typologien: dem Blau-Grünen Band, der
Quartierspromenade mit den Quartiersplätzen, Nachbarschaftsplätzen sowie urbanen
Wohnstraßen. Dieses System schafft Aufenthaltsqualität, fördert nachbarschaftliches
Miteinander und verbindet ökologische Funktionalität mit alltäglicher Mobilität.
Das Blau - Grüne Band bildet das Rückgrat des Quartiers. Es verbindet die umliegenden
Waldstrukturen im Norden und Süden, öffnet neue Wegebeziehungen zum Stadtzentrum und
schafft gleichzeitig Retentionsflächen, Spiel- und Erholungsorte. Durch gezielte
Baumpflanzungen, Verschattung, Verdunstungskühlung und Regenwassermanagement trägt es
aktiv zur Klimaanpassung bei. Auch die Thurn-und-Taxis-Straße wird Teil dieses Bandes –
umgestaltet zu einem gemeinschaftlichen Shared Space mit Spielbereichen, Retentionszonen
und reduzierter Verkehrsbelastung unter Erhalt der vorhandenen, unterirdischen
Leitungsführung.
Die Quartierspromenade als sozialer Anker
Die Quartierspromenade durchzieht das neue Wohngebiet in Ost-West-Richtung und verbindet
zentrale Orte des Zusammenlebens miteinander. Zwei großzügige Quartiersplätze bilden das
Herzstück des öffentlichen Lebens – als Treffpunkte für nachbarschaftliche Begegnung,
gemeinschaftliche Aktivitäten und vielfältige Nutzungen. Ergänzt werden sie durch kleinere Auftaktplätze an städtebaulich markanten Stellen, die eine klare Adressbildung ermöglichen
und das neue Quartier mit seiner Umgebung vernetzen. Entlang der Promenade entstehen
abwechslungsreiche Aufenthaltsräume – gesäumt von Bäumen, begrünten Strukturen und
wasserdurchlässigen Belägen, die nicht nur Aufenthaltsqualität schaffen, sondern auch zur
ökologischen Funktionalität beitragen.
Vielfältiges Wohnen für ein durchmischtes Quartier
Das neue Quartier zeichnet sich durch eine hohe soziale und funktionale Mischung aus.
Unterschiedliche Wohnformen gruppieren sich um gemeinschaftlich nutzbare Höfe: von dreiund viergeschossigen Stadt- und Duplexhäusern, über mehrgeschossigen
Geschosswohnungsbau mit gefördertem Wohnraum bis hin zu genossenschaftlichen und
generationenübergreifenden Wohnmodellen sowie Clusterwohnungen. Die Erdgeschosszonen
öffnen sich mit quartiersbezogenen Angeboten wie kleinen Läden, Büros oder Dienstleistungen
zu den öffentlichen Plätzen und fördern damit eine lebendige Erdgeschossnutzung.
Im süd-westlichen Bereich des Quartiers schließt eine neue Kindertagesstätte mit integrierter
Wohnbebauung an die Promenade an – mit großzügiger, qualitativ hochwertiger Freifläche und
Raum für zukünftige Erweiterungen.
Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Mobilitätswende
Das Konzept folgt konsequent den Prinzipien des nachhaltigen Bauens: durch die Umnutzung
vorhandener Bausubstanz, den Einsatz von Recyclingmaterialien (z. B. Recyclingbeton) sowie
dem Neubau in nachhaltiger Bauweise wie Holz- und Holzhybridbauweise. Auch im Freiraum
sorgen versickerungsfähige Beläge, extensive Pflegekonzepte und klimaangepasste
Bepflanzungen für eine ressourcenschonende und zukunftsfähige Nutzung.
Ein autoarmes Mobilitätskonzept reduziert den motorisierten Individualverkehr auf ein
Minimum. Notwendige Stellplätze werden in der umgenutzten Tiefgarage sowie in einem
zukunftsfähigen Mobilitätshub untergebracht. Dieser kann langfristig an veränderte
Mobilitätsbedürfnisse angepasst und zu einem Ort für Kreativnutzungen, Sport und
Gemeinschaft transformiert werden.
Die urbanen Wohnstraßen sind für die Feuerwehr und die Müllabfuhr uneingeschränkt
befahrbar, von den Bewohnern können diese Straßen zum Anliefern und bei eingeschränkter
Mobilität genutzt werden.
Realisierung in Teilabschnitten
Die Entwicklung des Quartiers erfolgt in flexiblen Bauabschnitten, die sich an der bestehenden
Parzellenstruktur orientieren. Die Realisierung beginnt mit dem Rückbau nicht erhaltenswerter
Bausubstanz und der Einrichtung der Tiefgarage. Anschließend folgen die ersten Wohngebäude
und die Errichtung der Kita. In einem späteren Schritt werden auch die entlang der
Industriestraße gelegenen Baufelder als Wohnstandorte mit ergänzender, verträglicher
Gewerbenutzung entwickelt.
Die geplante Nutzungsdurchmischung mit den Gewerbenutzungen im Süden und den
Dienstleistungsangeboten an den Plätzen und in den Erdgeschosszonen, legen eine Ausweisung
als Urbanes Gebiet (MU) nahe.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das städtebauliche Konzept für das ehemalige Fernmeldezeugamt schafft auf unprätentiöse Art und Weise eine gelungene Anbindung an die umliegenden Quartiere. Dies betrifft die gewählte kleinteilige und offene Wohnbaustruktur, gerade auch in den Übergängen, aber auch entlang der „Heinrich-von-Stephan-Straße”, zudem mit einem Solitärbau im Osten am Quartierseingang mit der Nutzung Ärztehaus und Tagespflege.
Nachvollziehbar gegliedert wird das Areal durch zwei Freiraumachsen in West-Ost-Richtung, zum einen ausgebildet als ein blau-grünes Band mit Anbindung im Osten an die „Philipp-Reis-Straße" sowie einer Quartierspromenade, die zwischen der Kita im Westen und den Bestandsbauten im Osten verbindet. An der Promenade sollen kleine Gewerbeeinheiten wie u.a. Café und Frisör für Belebung sorgen.
Um den notwendigen Stellplatzbedarf zu decken, schlagen die Verfasser vor, das Untergeschoss des ehemaligen Fernmeldezeugamtes als Parkebene weiter zu nutzen. Ob dies wirtschaftlich darstellbar sein könnte wäre ggf. zu prüfen. Die Zufahrt der Parkebene von Norden über die „Heinrich-von-Stephan-Straße" wird kritisch gesehen, weil dadurch die ruhige Wohnstraße unnötig mit zusätzlichem Verkehr belastet wird. Positiv wird der Mobilitätshub im Südwesten gesehen, der über die Industriestraße erreicht wird. Im Anschluss an die Zufahrt zur Garage wird die „Thurn-und-Taxis-Straße" in Richtung Norden entsiegelt und zurückgebaut, was den angrenzenden Quartieren und der Kita einen geschützten öffentlichen Raum bietet.
Innerhalb der Quartiere werden unterschiedliche Wohnangebote gemacht, die sich zum Teil um offene Wohnhöfe oder über Rücksprünge in den Straßenräumen räumlich gliedern. In der Regel werden die Gebäude über die umliegenden Straßenräume und Wege erschlossen, die sich ergebenden Höfe dienen als Gärten und zur gemeinschaftlichen Nutzung.
Für das südliche Quartier entlang der Industriestraße bieten die Verfasser ein gut proportioniertes neues Baugebiet, das einen Mix aus Gewerbe und Wohnen vorsieht.
Die Qualität der öffentlichen Freiräume wird kontrovers diskutiert. Kritisiert wird hier, dass diese wenig ausdifferenziert und schematisch ausgebildet sind.
Im Vergleich der Arbeiten liegt die Anzahl der Wohneinheiten im oberen Bereich. Die Mischung aus drei- bis fünfgeschossigen Gebäuden erscheint dennoch angemessen.
Aussagen zu dem Thema Regenwassermanagement werden vermisst.
Mit der robusten Bebauungsstruktur und Maßstäblichkeit wird ein gelungenes Gesamtkonzept angeboten, das für das Areal einen guten Entwicklungsrahmen bietet.
Nachvollziehbar gegliedert wird das Areal durch zwei Freiraumachsen in West-Ost-Richtung, zum einen ausgebildet als ein blau-grünes Band mit Anbindung im Osten an die „Philipp-Reis-Straße" sowie einer Quartierspromenade, die zwischen der Kita im Westen und den Bestandsbauten im Osten verbindet. An der Promenade sollen kleine Gewerbeeinheiten wie u.a. Café und Frisör für Belebung sorgen.
Um den notwendigen Stellplatzbedarf zu decken, schlagen die Verfasser vor, das Untergeschoss des ehemaligen Fernmeldezeugamtes als Parkebene weiter zu nutzen. Ob dies wirtschaftlich darstellbar sein könnte wäre ggf. zu prüfen. Die Zufahrt der Parkebene von Norden über die „Heinrich-von-Stephan-Straße" wird kritisch gesehen, weil dadurch die ruhige Wohnstraße unnötig mit zusätzlichem Verkehr belastet wird. Positiv wird der Mobilitätshub im Südwesten gesehen, der über die Industriestraße erreicht wird. Im Anschluss an die Zufahrt zur Garage wird die „Thurn-und-Taxis-Straße" in Richtung Norden entsiegelt und zurückgebaut, was den angrenzenden Quartieren und der Kita einen geschützten öffentlichen Raum bietet.
Innerhalb der Quartiere werden unterschiedliche Wohnangebote gemacht, die sich zum Teil um offene Wohnhöfe oder über Rücksprünge in den Straßenräumen räumlich gliedern. In der Regel werden die Gebäude über die umliegenden Straßenräume und Wege erschlossen, die sich ergebenden Höfe dienen als Gärten und zur gemeinschaftlichen Nutzung.
Für das südliche Quartier entlang der Industriestraße bieten die Verfasser ein gut proportioniertes neues Baugebiet, das einen Mix aus Gewerbe und Wohnen vorsieht.
Die Qualität der öffentlichen Freiräume wird kontrovers diskutiert. Kritisiert wird hier, dass diese wenig ausdifferenziert und schematisch ausgebildet sind.
Im Vergleich der Arbeiten liegt die Anzahl der Wohneinheiten im oberen Bereich. Die Mischung aus drei- bis fünfgeschossigen Gebäuden erscheint dennoch angemessen.
Aussagen zu dem Thema Regenwassermanagement werden vermisst.
Mit der robusten Bebauungsstruktur und Maßstäblichkeit wird ein gelungenes Gesamtkonzept angeboten, das für das Areal einen guten Entwicklungsrahmen bietet.
©Faerber Architekten
Stadt- und Freiraumkonzept
©Faerber Architekten
Schwarzplan
©Faerber Architekten
13_Vertiefungsbereich 1_200
©Faerber Architekten
12_Nutzung des Bestandes TG in Bestands UG und zirkuläres Bauen