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Werkstattverfahren | 03/2020

Entwicklung des Mansergh Quartiers in GĂŒtersloh

1. Rang

coido architects

Architektur

Döll Architecten

Architektur

Karres en Brands

Landschaftsarchitektur

BSV BĂŒro fĂŒr Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH

Verkehrsplanung

ErlÀuterungstext

ÜBERARBEITUNG
Forum 3
In der Überarbeitungsphase haben wir uns intensiv mit der Beurteilung der Jury sowie den Anmerkungen und Anregungen des Forums 3 auseinandergesetzt. Der konzeptionelle Grundgedanke wurde klarer herausgebildet und die stadtrĂ€umliche QualitĂ€t (einschließlich Baublöcke, Innenhöfe, GebĂ€udetypologien und Höhenentwicklung) optimiert. Nach wie vor ist das stĂ€dtebauliche Entwurf eine konzeptuelle und prozessuale Strategie fĂŒr eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung und entsprechend robust und flexibel fĂŒr neue Entwicklungen: Zusammen Stadt machen ist das Motto!

IdentitÀt

Die Verwurzelung des Ortes im landschaftlichen Raum betonen wir durch eine Verbesserung der rĂ€umlichen und funktionalen BezĂŒge nach Außen und die Herausbildung eines grĂŒnen Bandes entlang der Dalke. Damit wird eine spezifische lokale IdentitĂ€t ausgebildet und die ErlebnisqualitĂ€t des Freiraums optimiert. Der Eingangsbereich an der Verler Straße wird sicht- und erlebbar.

Wir haben die klare Grundstruktur der Kaserne aufgenommen und fortgefĂŒhrt, dabei jedoch einen menschlichen Maßstab - mit einer grĂ¶ĂŸeren Vielfalt von groß- und kleinmaßstĂ€blichen RĂ€umen und GebĂ€uden eingeflochten. In der Überarbeitung haben wir mehr BestandsgebĂ€ude in die Struktur integriert, um die Geschichte der MilitĂ€rnutzung und Charakteristik des Kasernenstandortes an der Dalke spĂŒrbar zu machen. Den prĂ€genden Baumbestand und die unterirdische Infrastruktur haben wir ĂŒbernommen und zur Grundstruktur unserer Planung gemacht. Dazu kommt die Erschließung ĂŒber einen Ringweg, der direkt ĂŒber die Verler Straße angebunden wird. Auf dieser Basis bilden die unterschiedlichen Baufelder ein flexibles Framework fĂŒr verschiedene GebĂ€udetypologien. Ein Netzwerk von variablen und kollektiven FreirĂ€umen, Sport- und Spielmöglichkeiten tragen zu einem durchgrĂŒnten und aufgelockerten Quartier bei und schaffen eine eigene IdentitĂ€t von höchster QualitĂ€t.

Die vorgegebenen FunktionsbĂ€nder werden als dezentrale Nutzungsmischung im Quartier realisiert. Gepaart mit einer vertrĂ€glichen urbanen Dichte im menschlichen Maßstab bildet das die Grundlage eines neuen, lebendigen Stadtquartiers. Die ehemalige, monotone Magistrale wird zur kleinteiligen Quartiersstraße und einer tatsĂ€chlichen Mitte: autofrei, mit sozialen Einrichtungen, Nahversorgung, Bildungseinrichtungen und Wohnen. Der Ort fĂŒr die BĂŒrger des Quartiers, der Umgebung und der ganzen Stadt. Nördlich dieser zentralen Quartiersstraße (zum Landschaftsraum der Dalke) befindet sich ĂŒberwiegend Wohnnutzung (mit kleinteiligen DienstleistungsrĂ€umen) und sĂŒdlich steht die vertrĂ€gliche Kleingewerbenutzung (teils in den umgenĂŒtzten Panzerhallen) im Vordergrund.

Das Quartier nimmt Vielfalt auf und bildet vielfĂ€ltige Strukturen ab. Diese DiversitĂ€t ist ein Kernmerkmal des neuen Mansergh Quartiers. PluralitĂ€t fĂŒr Menschen, die bewusst in einem grĂŒnen, umweltfreundlichen und sicheren Quartier wohnen oder arbeiten wollen. Man entscheidet sich dabei nicht nur fĂŒr eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz, sondern auch fĂŒr einen Lebensstil - IndividualitĂ€t und KollektivitĂ€t in einem autoarmen Quartier. Die individuelle Freiheit basiert auf einer Vielfalt von Wohnungstypen und Wohnformen, Bildungseinrichtungen und Arbeitsmöglichkeiten. Gleichzeitig werden kollektive Nutzungen, Einrichtungen und FreirĂ€ume geteilt.

Eingangsbereich

Von der Verler Straße kommend, zeigt sich im SĂŒden bereits der Mobility Hub mit GĂ€stehaus als Symbol und Landmarke eines nachhaltigen, klimafreundlichen und ressourcenschonenden Quartiers. Beim EntrĂ©e an der Verler Straße wird der Vorbereich von ZĂ€unen und StrĂ€uchern befreit und damit wieder sicht- und erlebbar. Im Norden an der Verler Straße wird das prĂ€gnante Offizierskasino zu einem Restaurant mit VeranstaltungsrĂ€umen umgenutzt und im RĂŒckbereich durch ein lĂ€ngliches, in den Landschaftsraum leitendes, prominentes GlasgebĂ€ude ergĂ€nzt. Der Kasino Vorbereich wird zur offenen Parklandschaft, als Sequenz des ĂŒbergeordneten Landschaftsraumes und der offenen Parklandschaft entlang der Dalke. Die historische Allee mit den alten BĂ€umen wird fĂŒr FußgĂ€nger und Radfahrer zurĂŒckgebaut, die alte Eingangsmauer wiederhergestellt und die parallel dazu verlaufende markante Baumreihe aufgewertet. Der Eingangsbereich zum Mansergh-Quartier wird zukĂŒnftig als großzĂŒgiger Landschaftsraum und als Teil der „Lunge der Stadt“ an der Verler Straße sicht- und erlebbar.

Die beiden TorhĂ€usern sind Teil des zentralen Mobility-Hubs am Quartierseingang. Direkt am Anfang der Quartiersstraße symbolisieren das HochschulgebĂ€ude auf der einen und das aufgewertete KasernengebĂ€ude auf der anderen Seite die DiversitĂ€t des Gebietes – ein zukunftsorientiertes Quartier auf einem geschichtstrĂ€chtigen Areal. Somit bilden landschaftliche, stadtrĂ€umliche und bauliche Eingriffe eine spannende Eingangssituation.

Quartiersstraße

Die Raumsequenzen der zentralen Quartiersstraße werden nach Programmbausteinen, in Kombination mit der GebĂ€udetypologie und der öffentlichen FreiflĂ€chen, deutlicher ausgebildet. Durch drei verschiedene RĂ€ume mit unterschiedliche Nutzungsschwerpunkten (von West nach Ost: Hochschule, Nahversorgung, Wohnen & Freizeit) und eines höheren Wohnanteils, ist die Straße weniger abhĂ€ngig von einer kritischen Besuchermasse und in ihrer GesamtlĂ€nge besser fassbar. Der bauliche Endpunkt mit QuartierscafĂ© wird beibehalten, der Bestandsbaukörper jedoch mit einem Glasgeschoss aufgestockt und somit seiner Position als Abschluss auch baulich gerecht.

Bildungseinrichtungen

Die HochschulgebĂ€ude sind im westlichen Teil der Quartiersstraße untergebracht und bestehen aus drei nebeneinander liegenden GebĂ€uden (insgesamt ca. 7.000 qm BGF). Eine Mediathek mit StudienplĂ€tzen und HörsĂ€len ist der Blickfang. Die Mensa (EG) und Verwaltung (OG) grenzen an. Auf der anderen Seite der Straße ist ein GebĂ€ude mit Lehr- und ForschungsrĂ€umen sowie weiteren StudienplĂ€tze angeordnet. Hierdurch ist die Hochschule gut wahrnehmbar und bekommt eine eigene IdentitĂ€t im Quartier. Direkt angrenzend an diesen Hochschulstandort sind im SĂŒden EntwicklungsflĂ€chen mit Raum fĂŒr Inkubatoren und Kooperationspartner vorgehalten. Im KasernengebĂ€ude und der westlichen Panzerhalle, können kurzfristig bereits temporĂ€re Nutzungen angesiedelt werden. Zudem gibt es eine optionale NeubauflĂ€che im Innenbereich. Im Zukunft kann die Hochschule wachsen und sind weitere Synergien mit der Umgebung sehr gut denkbar. Der Hochschulstandort wird im Freiraum als Campus, mit der Integration des alten Baumbestandes und Neupflanzungen, eingerichtet. Mit dem Bau der HochschulgebĂ€uden kann in der Phasierung relativ schnell begonnen werden. Eine temporĂ€re Nutzung eines Kaserne GebĂ€ude ist auch sehr gut möglich. Der Baustellenverkehr wird von Anfang an entlang des nördlichen Quartiersrandes geleitet und kommt nicht in die unmittelbare NĂ€he des Standortes.

Nutzungsmischung

Die Wohnbebauung in den Baublöcken (ĂŒberwiegend drei- bis viergeschossig) sowie die AbstĂ€nde zwischen den HĂ€usern, ist jetzt großzĂŒgiger dimensioniert. Die Gliederung der Innenhöfe in öffentliche, halböffentliche und private RĂ€ume ist eindeutiger. Trotz gradueller Anpassungen und EinschrĂ€nkungen ist die DurchlĂ€ssigkeit der Baublöcke in der Überarbeitung noch immer gewĂ€hrleistet und die Blockrandbebauung nach wie vor aufgelockert und durchgrĂŒnt. Die Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten erstreckt sich ĂŒber das gesamte Quartier und stĂ€rkt dieses, indem das Quartier den ganzen Tag ĂŒber belebt ist. Im Norden und Osten ist schwerpunktmĂ€ĂŸig Wohnnutzung vorgesehen, der sĂŒdliche Bereich und die Quartiersstraße werden ebenfalls durch Wohnen in angemessener Dichte angereichert. Die Wohnblöcke (mit sowohl geförderten als auch frei finanzierten Wohnungen) bieten eine Vielfalt unterschiedlicher Wohntypologien, mit verschiedenen GebĂ€udetiefen und -breiten. Dies ermöglicht einen vielfĂ€ltigen Mix an Wohnformen und unterschiedliche Haushalte aller Generationen (Familien, Alleinerziehende, Ältere, jungen Menschen und Studierende). Die Strukturen und Typologien bieten Raum fĂŒr unterschiedlichste Wohnformen und -konzepte, wie beispielsweise fĂŒr Baugemeinschaften oder Mehrgenerationenwohnen.

Die Durchmischung von Wohnen und Arbeiten ist durch ein Angebot kleinteiliger RĂ€ume (ca. 50-100 qm) im Erdgeschoss der Wohnblöcke fĂŒr kollektive bzw. soziale Einrichtungen, Nahversorgung und Dienstleistung gewĂ€hrleistet. Diese können entweder eigenstĂ€ndig oder in Kombination mit den Wohnungen genutzt werden. Neben dem kleinteiligen Angebot im Quartier und entlang der Quartiersstraße sind im SĂŒden und Westen grĂ¶ĂŸere Dienstleistungseinrichtungen und nicht-störendes Gewerbe vorgesehen.

SMART CITY

Zukunftsthemen

In Zusammenhang mit der stĂ€dtebaulichen und freirĂ€umlichen Planung haben wir uns weitergehende Gedanken ĂŒber die Verankerung der Zukunftsthemen Digitalisierung, Energie & Klima und Verkehr & MobilitĂ€t gemacht. Die phasenweise Entwicklung des Mansergh Quartiers bietet große Chancen auf verĂ€nderte AnsprĂŒche zu reagieren und neue Entwicklungen und Innovationen aufzunehmen. Das neue Quartier ist vorbereitet auf die junge Generation!

Digitalisierung

Im Bereich Digitalisierung bietet das Quartier durch die große Vielfalt an Nutzungen die Chance lebenslanges Lernen und interdisziplinĂ€ren Austausch auf allen Ebenen zu realisieren. In der NĂ€he der Bildungseinrichtungen (Hochschulstandort, Mobility Hub, Jugendzentrum) kann zum Beispiel ein Inkubator fĂŒr digitale Bildungslösungen untergebracht werden. Das Quartier ist auch ein guter Beispielstandort fĂŒr LoRaWAN (Long Range Wide Area Network). Vernetzte MobilitĂ€t, mit u.a. Smart-Parking und MobilitĂ€tshubs, ist weitgehend in unseren Entwurf eingeflossen und wird nachher vertiefend erlĂ€utert (siehe: ‚Vernetzung, MobilitĂ€t und Verkehr’). Neue Arbeitswelten werden ermöglicht durch die Mischung von Wohnen, Arbeiten und Ausbildung. Arbeiten in Shared Work Spaces, FabLabs und ArbeitsrĂ€umen fĂŒr GrĂŒnderinnen und GrĂŒnder kann auf verschiedenen Standorten im Quartier stattfinden, zum Beispiel in renovierten BestandsgebĂ€uden oder in dem aufgestockten GebĂ€ude am Ende der Quartiersstraße.

VERNETZUNG, MOBILITÄT UND VERKEHR

Anbindungen

Zur UnterstĂŒtzung einer zukunftsfĂ€higen MobilitĂ€t mit autoarmen Stadt-RĂ€umen und einem möglichen - aber nicht erzwungenen - Verzicht auf das Auto, liegt unser Schwerpunkt auf der StĂ€rkung der NahmobilitĂ€t, d. h. FußgĂ€nger und Radfahrer stehen im Vordergrund. Im Norden wird das Quartier ĂŒber drei neue BrĂŒcken an das ĂŒbergeordnete Fuß- und Fahrradnetz angebunden. Der geplante Haltepunkt der TWE-Linie ist in wenige Gehminuten erreichbar und wird zudem in Zukunft mit einem automatisiert und bedarfsorientiert fahrenden Elektro-Shuttle angebunden. Nach SĂŒden öffnet sich das Quartier zwischen den Panzerhallen fĂŒr FußgĂ€nger und Radfahrer, stellt die Vernetzung zu den angrenzenden Wohngebieten sicher und bindet sie an den Landschaftsraum der Dalke und die nördlichen Stadtquartiere an. Im Westen wird die ursprĂŒngliche Flucht der Allee wieder aufgenommen und prĂ€gt zukĂŒnftig den Eingangsbereich fĂŒr FußgĂ€nger und Radfahrer. Im Quartier wird der Radverkehr, soweit er nicht ĂŒber eigene Wege verfĂŒgt, im Mischverkehr gefĂŒhrt. Die Erschließung des Quartiers fĂŒr den motorisierten Verkehr erfolgt ĂŒber eine um ca. 35 m nach SĂŒden verlegte EinmĂŒndung an der Verler Straße. Der Eingangsbereich zum Mansergh-Quartier wird zukĂŒnftig als großzĂŒgiger Landschaftsraum an der Verler Straße erlebbar.

Mobility-Hub

Die Köpfe der beiden bestehenden TorhĂ€user werden renoviert und ergĂ€nzt durch eine neue architektonische Schicht. Die TorhĂ€user sind Teil des zentralen Mobility-Hubs am Eingang zum Quartier, das nicht nur ein komplettes MobilitĂ€tsangebot anbietet, sondern auch einen nutzerorientierte Convenience Service direkt beim Eingang zum Quartier bietet. Hier finden sich Einrichtungen wie Fahrradwerkstatt und -Verleih, MobilitĂ€tsberatung, Quartiersmanagement, Concierge-Service, Waschsalon etc. Die Einrichtungen stehen allen Bewohner und BeschĂ€ftigten des Quartiers, zu bestimmten Zeiten personalbasiert, teilautomatisiert aber auch rund um die Uhr sieben Tage die Woche zur VerfĂŒgung. Eine zentrale Übergabe- und Annahmestation fĂŒr Pakete (die Fahrten der KEP-Dienste sollten zukĂŒnftig hier enden) ist ebenso Teil der Mobility-Hub. Hier können die Pakete abgeholt werden, auf Wunsch kann ein Fahrradkurier die Pakete bis zur HaustĂŒr bringen; zukĂŒnftig wird ein Paket-Roboter dies ĂŒbernehmen. Die zentrale Parkierungsanlage mit ca. 300 StellplĂ€tzen ist fĂŒr Besucher, Gewerbe und fĂŒr die Bewohner gedacht, die ihre Autos nicht unbedingt wohnungsnah unterbringen mĂŒssen. Hier befinden sich auch hochwertige FahrradabstellplĂ€tze und die ganze Palette von Sharing-Angeboten und zukĂŒnftig voraussichtlich auch automatisiert fahrende Elektro-Shuttle. Ein GĂ€stehaus mit Short-Stay-Appartements, gemeinschaftlich nutzbaren PartyrĂ€ume, ein Jugendzentrum und eine KindertagesstĂ€dte, sind unterstĂŒtzende Programmbausteine und stĂ€rken den Mobility-Hub als zentrale Anlaufstelle.

Quartiersverkehr

Innerhalb des Gebiets ist die zentrale Quartiersstraße prĂ€gend; wie auch die beiden Nord-SĂŒd-Verbindungen ist sie autofrei, mit Ausnahme von Anlieferung, Entsorgung (mit Fensterzeiten), Not- und Rettungsdiensten.
Alle GebĂ€ude bzw. Wohnungen sind fĂŒr die Feuerwehr in einem Schlauch-Abstand von weniger als 50 m ĂŒber Wege mit einer Breite von 3.50 m erreichbar. Überall im Quartier sind ĂŒberdachte und abschließbare FahrradabstellplĂ€tze direkt neben dem Eingang der WohngebĂ€ude vorgesehen; fĂŒr Besucher und Kurzparker gibt es Angebote direkt vor den EingĂ€ngen im Außenraum. Die Erschließung fĂŒr den Motorisierten Verkehr innerhalb des Quartiers erfolgt als Hufeisen-Erschließung (Tempo 30, oder weniger) mit einer Breite von
5.50 m im Beidrichtungsverkehr (notwendige Liefer- und LadevorgĂ€nge können damit problemlos am Fahrbahnrand abgewickelt werden). Sie dient dem quartiersbezogenen Quell- und Zielverkehr und der Anbindung der Parkierungsanlagen. Die Nord-SĂŒd Verbindung ist als Durchfahrt nur fĂŒr Liefer- und Ladeverkehr erforderlich, wird aber in VerlĂ€ngerung der Quartiersstraße ĂŒber eine PlatzflĂ€che mit einer Einspurigen-Engstelle (3.50 m) gefĂŒhrt. Das BestandsgebĂ€ude nimmt im Erdgeschoß gemeinschaftliche RĂ€umlichkeiten fĂŒr Versammlungen und Veranstaltungen sowie BĂŒros im Obergeschoss auf.

Parken

Verteilt im Gebiet werden BehindertenstellplĂ€tze in der NĂ€he der GebĂ€udezugĂ€nge platziert. Der ĂŒbrige Ruhende Kfz-Verkehr wird ausschließlich in Parkierungsanlagen und auf den MultifunktionsplĂ€tzen vor den Panzerhallen untergebracht. DafĂŒr stehen neben dem zentralen Quartiers-Mobility-Hub (mit ca. ... StellplĂ€tzen) am Quartierseingang insgesamt fĂŒnf Quartiers-Garagen in regelmĂ€ĂŸigen Abstand entlang der Erschließungsspangen den Bewohnern (mit insgesamt ca. 750 StellplĂ€tzen), in fußlĂ€ufiger Entfernung zu den GebĂ€uden zur VerfĂŒgung. Um die Garagen so kompakt wie möglich zu halten, sind sie mit AutoaufzĂŒgen ausgerĂŒstet; sie werden zunĂ€chst konventionell befahren, in Zukunft ist auch eine automatisierte Nutzung denkbar. Die Garagen werden so konzipiert (denkbar ist auch eine Holzkonstruktion), dass sie bei einer zukĂŒnftigen Abnahme der AutomobilitĂ€t, teilweise umgenĂŒtzt oder zurĂŒckgebaut werden könnten. Im Erdgeschoß sind gemeinschaftlich nutzbare MobilitĂ€tsangebote und sonstige kollektiven Einrichtungen untergebracht. In der direkten Umgebung befinden sich auch die unterirdischen MĂŒllsammelpunkte.

PV-Anlagen auf den DĂ€chern der Quartiers-Garagen in Verbindung mit dem Energiespeicher der Elektro- Fahrzeuge der Bewohner unterstreichen die QualitĂ€ten des zukunftsorientierten Quartiers. Eine Quartiers- App fĂŒr die Bewohner, ergĂ€nzt um Touch-Screen-Terminals in jedem Eingangsbereich, dient nicht nur dem jederzeit verfĂŒgbaren Zugang zu allen Formen zukunftsweisender MobilitĂ€tsangebote, sondern beinhaltet auch alle sonstigen Versorgungs-, Sozial-, Hilfs- und Betreuungsangebote die eine stĂ€dtische Gemeinschaft zukĂŒnftig auszeichnen sollten.

ENERGIE UND KLIMA

Ressourcenschutz und Umweltbedingungen – Klima-adaptation

Im Plangebiet wird sparsam mit den vorhandenen FlĂ€chen umgegangen. Regenwasser wird optimal infiltriert. Lineare EntwĂ€sserungsrinnen markieren die Straßenmitte, bei Starkregenereignissen wird das abfließende Regenwasser auf die RetentionsflĂ€chen gefĂŒhrt. Extensiv begrĂŒnte FlachdĂ€cher auf verschiedenen GebĂ€uden dienen nicht nur der Verbesserung des Mikroklimas und der Verzögerung des Niederschlagsablaufs, sondern auch der KĂŒhlung der Wohnungen.

Im Mansergh Quartier wird die Wasserwirtschaft zu einer zentralen QualitĂ€t der Entwicklung. Eine lebendige „Landschaftsmaschine“, die Wasser wenn möglich verantwortungsbewusst zur Wiederverwendung zurĂŒckhĂ€lt und reinigt. Gleichzeitig werden viele Erholungsmöglichkeiten geschaffen und eine hohe LebensqualitĂ€t fĂŒr alle erreicht. Unser Konzept basiert auf der bestehenden Landschaftsstruktur und integriert Wasser innovativ in das StadtgefĂŒge. FĂŒr den Umgang mit verschiedenen WasserqualitĂ€ten bedient sich das System einer vielfĂ€ltigen Palette von Lösungen fĂŒr das Sammeln, ZurĂŒckhalten und Stauen des Wassers, von Mulden bis hin zu offenen KanĂ€len unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe, Parkanlagen, Wasserwegen und WasserplĂ€tzen.
Um Starkregenereignisse zu bewĂ€ltigen, bietet jede Ebene des öffentlichen Raumes RetentionsflĂ€chen. Dies geschieht dezentral in Höfen, entlang von Straßen oder PlĂ€tzen, aber auch zentral im GrĂŒn. Dieses Quartier wird ein AushĂ€ngeschild fĂŒr qualitatives Wohnen, in einer Umgebung, in der das sensible Thema der EntwĂ€sserung qualitĂ€tsvoll erlebbar ist.

Das Mansergh Quartier ist ein performatives Quartier der Zukunft. Es zeigt Nachhaltigkeit nicht als einfache Energieerzeugung und -einsparung, sondern als ein komplexes Ökosystem, das Energie mit Wasser, GrĂŒn, Lebensmittelproduktion, MobilitĂ€t, Materialnutzung und dem sozialen Leben der Stadt verknĂŒpft. Jeder Vorgang in dem Quartier wird durch einen anderen ergĂ€nzt. Im Mansergh Quartier wird nichts dem Zufall ĂŒberlassen und Verschwendung aktiv vermieden. Straßen und Bepflanzungen sind darauf ausgerichtet, idealen Klimakomfort zu gewĂ€hrleisten, mit den neuen GebĂ€uden wird versucht die PV-Effizienz zu maximieren, Wasser und GrĂŒn werden Teil der DNA des Quartiers, wĂ€hrend die MobilitĂ€t Energie erzeugt und spart, anstatt zu verbrauchen. Das Quartier schafft dieses einzigartige Ökosystem durch den Austausch zwischen den verschiedenen KreislĂ€ufen. DarĂŒber hinaus wird das Mansergh Quartier in Pilotprojekten und Experimentierfeldern den neuesten Stand der Nachhaltigkeit und Innovation prĂ€sentieren. Das Mansergh Quartier ist ein in den Stadtalltag integrierter Kreislauf, der die lokale IdentitĂ€t des Gebietes umfasst und fördert und außergewöhnliche Lebens- und Umweltbedingungen in den Vordergrund stellt. Darum schlagen wir vor, in der Panzerhalle ein Infozentrum zum Nachhaltiges Bauen zu errichten.

Mehrere GebĂ€ude sind mit in den DachflĂ€chen integrierten Photovoltaik Anlagen ausgestattet. Die aktiven Solargewinne mit PV-Anlagen auf den DĂ€chern der kollektiven Mobility-Hubs und Quartiers-Garagen dienen der zukunftsorientierten E-MobilitĂ€t, einem Energiespeicher fĂŒr Elektrowagen sowie der Nachbarschaft.

LANDSCHAFT UND FREIRÄUME

Übergeordnetes Konzept

Das Mansergh Quartier ist vollstĂ€ndig in die lokale Landschaft eingebettet. Das Quartier entwickelt sich an der Schnittstelle von Stadt und Landschaft und stĂ€rkt beide. Das Mansergh Quartier bietet die einzigartige Möglichkeit ein Quartier herauszubilden, das hervorragend an die Innenstadt angebunden ist und zugleich in unmittelbarer Lage zu den ĂŒbergeordneten LandschaftsrĂ€umen liegt. Es entwickelt sich aus der bestehenden Kasernenstruktur und stĂ€rkt mit seiner fingerartigen Nord -SĂŒd Struktur auch die Belebung des neuen Wohngebietes. Der Ausgangspunkt fĂŒr die Entwicklung des Mansergh Quartier wird durch öffentliche RĂ€ume gebildet. Hierdurch entsteht ein gesundes Quartier der Zukunft, durchdrungen von Bereichen fĂŒr BiodiversitĂ€t und Erholung. NachbarschaftsplĂ€tze sind intime, kleine Orte fĂŒr das Gemeinschaftsleben, die neue Formen von ZirkularitĂ€t, MobilitĂ€t, lokalen Dienstleistungen und Kultur vereinen.
Im Mansergh Quartier stĂ€rkt der öffentliche Raum die IdentitĂ€t jedes Quartierteils und sorgt fĂŒr eine reiche Vielfalt an Alltags- und Raumerfahrungen. Von einem innovativen Wassersystem und einer Sportlandschaft im Dalke-Park, ĂŒber Obst- und GemĂŒsegĂ€rten und kollektives GĂ€rtnern im Innenhof, bis hin zum lebendigen Campusleben entlang der neuen Quartierstrasse.

Dalke-Park

Durch urbanes und kompaktes Bauen wird der Dalke-Park zu mehr als einem lokalen GrĂŒnstreifen und erhĂ€lt stattdessen durch seine großzĂŒgige Gestaltung eine Bedeutung fĂŒr ganz GĂŒtersloh.
Im Dalke-Park entstehen diverse Bereiche fĂŒr nicht vereinsgebundene Sportler, unter anderem fĂŒr informelle Sporttreffen, Fitnesstraining fĂŒr alle Altersgruppen, ein Barfußpfad und temporĂ€re Nutzungen. SpielflĂ€chen fĂŒr jĂŒngere Besucher werden durch kleine Gastronomie, Erfrischungsstationen und GrillplĂ€tze ergĂ€nzt.

Quartier

Das Quartier bildet qualitative Freiraumstrukturen, deren DiversitĂ€t ein Kernmerkmal des neuen Mansergh Quartiers ist. Dies schafft PluralitĂ€t fĂŒr Menschen, die bewusst in einem grĂŒnen, umweltfreundlichen und nachhaltigen Quartier wohnen wollen. ExperimentierflĂ€chen an der Panzerhalle bieten besondere Veranstaltungs- und Treffpunkte im Außenraum.

Innenhöfe

Die FreiflĂ€chen der Innenhöfe erhalten eine Differenzierung in öffentliche, gemeinschaftliche und private Bereiche. Ein besondere Fokus wird hier auf wohnungsnahe SpielflĂ€chen fĂŒr Kleinkinder gelegt.
Die Höfe bei der Hochschule haben zwei Gesichter: Entlang der Quartiersstraße haben sie einen mehr urbanen Charakter, wohingegen Richtung Panzerhalle und dem Forschungspartner eine CampusatmosphĂ€re vorherrscht.

Baumstruktur

Die klare Grundstruktur der Kaserne mit seinem prĂ€genden Baumbestand sind der Ausgangspunkt fĂŒr unser Freiraumkonzept. BĂ€ume werden so gut wie möglich erhalten. Unter BerĂŒcksichtigung der verschieden QualitĂ€ten und Lebenserwartungen der BestandsbĂ€ume werden bereits jetzt neue BĂ€ume fĂŒr die Zukunft gepflanzt. So wird auch zukĂŒnftig ein Fortbestehen der Baumstruktur als Gegengewicht zu den neuen GebĂ€udeensembles gewĂ€hrleistet. Das Zusammenspiel aus alten und jungen BĂ€umen reagiert auf Verschattung, verbessert das Mikroklima und die LuftqualitĂ€t.

BEBAUUNG

BestandsgebÀude

Die BestandsgebĂ€ude der Mansergh Kaserne sollen konkret bewertet werden nach: must have / should have / could have / won’t have. Wenn die Grundstruktur der GebĂ€ude eine solide Basis bietet, sind verschiedene Nachnutzungen denkbar, sowohl temporĂ€r als auch langfristig. Einem baulichen Gutachten vorgreifend haben wir in der Überarbeitung, in Zusammenhang mit der stĂ€dtebauliche Raumkonfiguration und einer konkreten typologischen Nutzung (u. a. Inkubatoren und Kooperationspartners der Hochschule, Studentenwohnungen, Gastronomie), mehr BestandsgebĂ€ude erhalten. Damit ist die Geschichte des Kasernen Areals im ganzen Quartier spĂŒrbar und identitĂ€tsstiftend. Neben dem Offizierskasino (must have) und den beiden TorhĂ€user (must have), sowie die drei Panzerhallen und eine Werkhalle (should-have), schlagen wir vor das ehemalige Ärztehaus (should have), die beiden kleinen EndgebĂ€ude im SĂŒden und Osten (should have) und zwei Wohnbaracken (could have) zu erhalten. Diese GebĂ€ude werden saniert und renoviert sowie teils mit komplett neuen Glassfassaden ausgestattet.

Höhe und Dichte

Die Höhenentwicklung passt sich an die Umgebung der Stadt an, die Bebauungshöhe und Dichte nimmt jeweils von Norden (Dalke) und SĂŒden (Panzerhallen) in Richtung Quartiersstraße zu. Hier gibt es vier Akzenten (5 bis 7 Geschoße / 16 bis 22 m). Die Nord-SĂŒd Bebauung ist ĂŒberwiegend vier geschossig, teilweise mit Satteldach (10 / 16 m). Die Ost-West Bebauung ist drei geschossig. Mit dieser Höhe und Dichte können ca. 100.000 qm Wohnen und ca. 90.000 qm ĂŒbrige Nutzungen realisiert werden.

Gestaltung und MaterialitÀt

In der Architektur streben wir einen Vielfalt mit einer einheitlichen MaterialitĂ€t an. Bei den zu erhaltenen BestandsgebĂ€uden schĂ€tzen wir die klassischer dunkelroten Backsteinarchitektur und die prominenten, geneigten DĂ€cher. Es soll eine Architektur aus einem Guss geben, die jedoch moderne GebĂ€udeformen und -Kubaturen enthĂ€lt sowie teilweise Glasfassaden zulĂ€sst. Bei den aus der Reihe tanzenden Nord-SĂŒd Neubauten ĂŒbernehmen wir die geneigte Dachform.

Die Fassaden sollen eine ruhige und regelmĂ€ĂŸige Ausstrahlung haben, die Wohnungen verfĂŒgen ĂŒber Loggien, auskragende Balkone sind nicht erlaubt. Die MaterialitĂ€t hingegen soll eine Einheit gewĂ€hrleisten und ebenfalls ĂŒberwiegend aus Klinker in verschiedene Farbtönen (Bandbreite ...) realisiert werden. Andere haptische Materialien wie Putz, Zink oder Holzverkleidung sollten untergeordnet oder in Ausnahmen angewendet werden. Der stĂ€dtebaulich-gestalterische Rahmen und ein Leitfaden mĂŒssen in den nĂ€chsten Schritten konkretisiert werden.
In besonderen Bereichen werden die Fassaden durch naturinklusive Maßnahmen ergĂ€nzt und entsprechende Nistmöglichkeiten fĂŒr Vögel integriert.

ZUSAMMEN STADT MACHEN!

Das Mansergh Quartier bietet die einzigartige Möglichkeit ein Modellquartier herauszubilden, das hervorragend an die Innenstadt angebunden ist und zugleich in unmittelbarer Lage zu den ĂŒbergeordneten LandschaftsrĂ€umen GĂŒterslohs liegt. Vor dem Hintergrund der bestehenden Rahmenbedingungen und den Zielen der Aufgabenstellung bietet sich die Gelegenheit ein urbanes, hochgemischtes und Ressourcen schĂŒtzendes Quartier, mit einem hohen Maß an kollektiven Einrichtungen zu kombinieren und somit urbanes und lĂ€ndliches Leben zeitgemĂ€ĂŸ zu verbinden: Urbane KollektivitĂ€t und Nachbarschaft in einem landschaftlichen Gebiet. Modern und individuell programmiert und die Struktur und IdentitĂ€t des Ortes zeitgemĂ€ĂŸ interpretiert.
Eingangsbereich

Eingangsbereich

Quartierstrasse

Quartierstrasse