Ein Industriegelände wird Landschaftspark
Prolog
Der Neue Weg ist das Rückgrat der Stadt Norden. Die Stadtachse verbindet mit dem Markt, dem Norder Tor bzw. Hafen und dem Doornkaat -Gelände die drei Kristallisationspunkte der Innenstadt.
Der Markt und die Stadtkirche Ludgeri bilden das historisch gewachsene Zentrum der Stadt, am Norder Tor lagen Hafen- und Verteidigungsanlagen, heute ist das Einkaufzentrum prägend. Inmitten der Stadt hat sich als jüngster Kristallisationspunkt die Schnapsbrennerei Doornkaat über 150 Jahre zu einem weitgestreckten Industriekomplex entwickelt. Von den Verwaltungsgebäuden in der Fußgängerzone, erstreckt sich das Doornkaat Areal bis zum Flusslauf Norder Tief. Diese Qualität des Areals, das Fußen in der Innenstadt und das Auslaufen in den Landschaftsraum bilden den Ausgangspunkt einer Neugestaltung.
Der Dreiklang Stadt_Park_Landschaft bedeutet Erhalt und Ergänzung des Gebäudebestands Doornkaat. Er bedeutet gleichzeitig die Öffnung des Areals in die Landschaft, mittels eines verbindenden Parks zwischen Stadt und Landschaftsraum, den Landschaftspark Doornkaat.
Städtebau
Die Neubauten am Neuen Weg markieren die ´Revitalisierung´ des Doornkaat-Geländes und lenken Nutzer und Besucher in das neue Stadtquartier. Die denkmalgeschützten Gebäude der Schnapsbrennerei werden saniert und durch einen Neubau für kulturelle Nutzungen und Gastronomie zurückhaltend ergänzt („der kleine Bruder“).
Die Struktur der Lohnen wird in den neuen Wohnquartieren aufgegriffen und macht das „Weiterbauen“ der Stadt Norden auf dem Doornkaat Gelände deutlich. Das engmaschige Wegenetz prägt die Kleinteiligkeit des Wohnungsbaus und sichert kurze und schlüssige Verbindungen in Richtung Polizei-Areal sowie zum geplanten Parkhaus. Der Wohnungsbau ergänzt die Industriebauten zu einem ganzheitlichen, stadträumlichen Ensemble gegenüber dem Landschaftspark. Giebelständigkeit und Materialität stellt den Bezug zu den historischen Industriegebäuden her. Gewerbliche und gastronomische Nutzungen in den Erdgeschossen sorgen für eine ganztägige Belebung des Quartiers sowie der Ränder des Parkes.
Straßen, Plätze und Lohnen im Doornkaat-Areal
Die industriellen, teils denkmalgeschützten Gebäude der Brennerei und die ergänzenden Neubauten stehen auf einer historisch bedingten Pflasterfläche aus rotbraunem Klinker. Der Entwurf greift den Klinker als Pflastermaterial auf und bildet von der Fußgängerzone Neuer Weg bis in den Landschaftspark einen einheitlichen Belagsteppich aus neuen rotbraunen Pflasterklinkern im Fischgrät-Verband aus. Der Belag ist gut begehbar, barrierefrei und kann über die verzahnte Verlegung die Fahrbewegungen der Anlieferung und Feuerrettung aufnehmen.
Zum Landschaftspark endet der Klinkerbelag in großzügigen Terrassen vor dem Korn- und Kohlespeicher sowie dem neuen Wohnungsbau im Norden. Kleine Landschaftsinseln mit Sitzbänken bieten Ausblick in den Park und leiten mit ihrer Fortführung in die Innenstadt zum neuen Weg. Sie sind erlebbares Gestaltmotiv der Verknüpfung von Stadt und Landschaft. Der Gastronomie und Veranstaltungen bieten die Terrassen ausreichend Platz. Für das Doornkaat Open Air steht im Anschluss an die Terrassen das gesamte vorgelagerte Rasenparterre als zentraler Multifunktionsplatz zur Verfügung.
Auf den Terrassen ist der Fahrweg für die Anlieferung des Kesselhauses als heutiges Nahwärme Heizwerk freigehalten. Die Anfahrt erfolgt über die Straße Im Horst, die Straße Glückauf und die Kleine Hinterlohe als Sonderfahrweg. Die Rückfahrt ist über ein asphaltiertes Sportband im Süden der Multifunktionsfläche und die Parkachse Glückauf gewährleistet.
Landschaftspark Doornkaat
Terrassen und Wiesenräume
Nach den Terrassen im Vorfeld der Industriebauten und des neuen Wohnbaus erstrecken sich die weitläufigen Wiesenflächen des Landschaftsparks Dornkaat bis zum Ufer des Norder Tiefs. Die großen Freiflächen sind Spiel- und Liegewiesen sowie Veranstaltungsraum für das jährliche Open-Air-Festival.
Gerahmt werden die obere und untere Wiesenfläche von einem Park-Loup. Begleitet von Staudenpartien, Sport- und Spielflächen führt der Park-Loup aus Wassergebundener Wegedecke an den Uferweg des Norder Tiefs und über die zukünftigen Parkteile zurück auf die Doornkaat-Terrassen. Heute sind die Stadtachse Glückauf und das Sportband im Süden Teil des Rundwegs durch den Park.
Das Sportband aus grünem Gussasphalt ist im Park der Anlaufpunkt für Tischtennis, Streetball, Basketball, Skating und Fitness. Gleichzeitig ist das Asphaltband Fahrweg für die Anlieferung des Heizkraftwerks.
Gegenüber im Süden des Parks sind baumbeschattet weitläufige Spielplätze angeordnet. Vis a Vis des Cafés am Kühlturm können sich die Spielplätze zu einem Anlaufpunkt für Familien entwickeln.
Industriegebäude Kühlturm, Pumpenhaus und Zollschuppen
Frei in den Wiesenflächen liegen die Industriegebäude Kühlturm, Pumpenhaus und Zollschuppen. Der Kühlturm als Kletterturm und Aussichtspunkt bildet den markanten Hochpunkt im Landschaftspark Doornkaat. Das benachbarte Pumpenhaus nimmt ein Café auf, das mit Außengastronomie und Liegen auf der Wiese insbesondere im Sommer beliebter Anlaufpunkt werden kann. Das Zollgebäude am Ufer des Norder Tiefs wird eine Freizeiteinrichtung für Wasserwanderer, Kanuverleih und einem öffentlichen WC sein.
Am Ufer des Norder Tiefs
Am Zollgebäude führen zwei barrierefreie Rampen zu einem Podest auf dem Norder Tief. Der Steg ist Ein- und Ausstieg für Wasserwanderer und mit einer langen Sitzbank auch Aufenthaltsort für Jedermann.
Mit der Ausgestaltung eines gespundeten und aufgefüllten Podests als Landgewinnung, können hier die Hydraulikbagger den Gewässerkörper zur Pflege erreichen.
Die weiteren Uferböschungen sollen naturnah ausgestaltet werden. Richtung neuem Brückenschlag unterhalb eines zweiten Spielplatzes sind einfache Sitzstufen unter den Bäumen mit Wasserblick vorgeschlagen.
Nördlich der neuen Brücke ist ein zweiter Abgang zur Gewässerpflege vorgesehen.
Stadtachse Glückauf
Aus dem Straßenverlauf Glückauf erstreckt sich über den neuen Verkehrskreisel Im Horst eine Parkachse bzw. neue Stadtachse, die das Norder Tief mit einem Brückenschlag quert und zum Norder Tor führt. Mit einer zukünftigen Verlagerung des Getränkehandels, kann zu der Stadtachse ein attraktives Wohnquartier entwickelt werden.