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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2026

Entwicklung Doornkaat-Gelände in Norden

Blick in den Landschaftspark Doornkaat
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Blick in den Landschaftspark Doornkaat

1. Preis

Preisgeld: 47.500 EUR

TGP Landschaftsarchitekten Trüper Gondesen und Partner mbB

Landschaftsarchitektur

ELBBERG Kruse, Rathje, Springer, Eckebrecht Partnerschaft mbB

Stadtplanung / Städtebau

werk3 architekturvisualisierungen

Visualisierung

Erläuterungstext

Ein Industriegelände wird Landschaftspark

Prolog
Der Neue Weg ist das Rückgrat der Stadt Norden. Die Stadtachse verbindet mit dem Markt, dem Norder Tor bzw. Hafen und dem Doornkaat -Gelände die drei Kristallisationspunkte der Innenstadt.
Der Markt und die Stadtkirche Ludgeri bilden das historisch gewachsene Zentrum der Stadt, am Norder Tor lagen Hafen- und Verteidigungsanlagen, heute ist das Einkaufzentrum prägend. Inmitten der Stadt hat sich als jüngster Kristallisationspunkt die Schnapsbrennerei Doornkaat über 150 Jahre zu einem weitgestreckten Industriekomplex entwickelt. Von den Verwaltungsgebäuden in der Fußgängerzone, erstreckt sich das Doornkaat Areal bis zum Flusslauf Norder Tief. Diese Qualität des Areals, das Fußen in der Innenstadt und das Auslaufen in den Landschaftsraum bilden den Ausgangspunkt einer Neugestaltung.

Der Dreiklang Stadt_Park_Landschaft bedeutet Erhalt und Ergänzung des Gebäudebestands Doornkaat. Er bedeutet gleichzeitig die Öffnung des Areals in die Landschaft, mittels eines verbindenden Parks zwischen Stadt und Landschaftsraum, den Landschaftspark Doornkaat.

Städtebau
Die Neubauten am Neuen Weg markieren die ´Revitalisierung´ des Doornkaat-Geländes und lenken Nutzer und Besucher in das neue Stadtquartier. Die denkmalgeschützten Gebäude der Schnapsbrennerei werden saniert und durch einen Neubau für kulturelle Nutzungen und Gastronomie zurückhaltend ergänzt („der kleine Bruder“).
Die Struktur der Lohnen wird in den neuen Wohnquartieren aufgegriffen und macht das „Weiterbauen“ der Stadt Norden auf dem Doornkaat Gelände deutlich. Das engmaschige Wegenetz prägt die Kleinteiligkeit des Wohnungsbaus und sichert kurze und schlüssige Verbindungen in Richtung Polizei-Areal sowie zum geplanten Parkhaus. Der Wohnungsbau ergänzt die Industriebauten zu einem ganzheitlichen, stadträumlichen Ensemble gegenüber dem Landschaftspark. Giebelständigkeit und Materialität stellt den Bezug zu den historischen Industriegebäuden her. Gewerbliche und gastronomische Nutzungen in den Erdgeschossen sorgen für eine ganztägige Belebung des Quartiers sowie der Ränder des Parkes.

Straßen, Plätze und Lohnen im Doornkaat-Areal
Die industriellen, teils denkmalgeschützten Gebäude der Brennerei und die ergänzenden Neubauten stehen auf einer historisch bedingten Pflasterfläche aus rotbraunem Klinker. Der Entwurf greift den Klinker als Pflastermaterial auf und bildet von der Fußgängerzone Neuer Weg bis in den Landschaftspark einen einheitlichen Belagsteppich aus neuen rotbraunen Pflasterklinkern im Fischgrät-Verband aus. Der Belag ist gut begehbar, barrierefrei und kann über die verzahnte Verlegung die Fahrbewegungen der Anlieferung und Feuerrettung aufnehmen.
Zum Landschaftspark endet der Klinkerbelag in großzügigen Terrassen vor dem Korn- und Kohlespeicher sowie dem neuen Wohnungsbau im Norden. Kleine Landschaftsinseln mit Sitzbänken bieten Ausblick in den Park und leiten mit ihrer Fortführung in die Innenstadt zum neuen Weg. Sie sind erlebbares Gestaltmotiv der Verknüpfung von Stadt und Landschaft. Der Gastronomie und Veranstaltungen bieten die Terrassen ausreichend Platz. Für das Doornkaat Open Air steht im Anschluss an die Terrassen das gesamte vorgelagerte Rasenparterre als zentraler Multifunktionsplatz zur Verfügung.
Auf den Terrassen ist der Fahrweg für die Anlieferung des Kesselhauses als heutiges Nahwärme Heizwerk freigehalten. Die Anfahrt erfolgt über die Straße Im Horst, die Straße Glückauf und die Kleine Hinterlohe als Sonderfahrweg. Die Rückfahrt ist über ein asphaltiertes Sportband im Süden der Multifunktionsfläche und die Parkachse Glückauf gewährleistet.

Landschaftspark Doornkaat

Terrassen und Wiesenräume
Nach den Terrassen im Vorfeld der Industriebauten und des neuen Wohnbaus erstrecken sich die weitläufigen Wiesenflächen des Landschaftsparks Dornkaat bis zum Ufer des Norder Tiefs. Die großen Freiflächen sind Spiel- und Liegewiesen sowie Veranstaltungsraum für das jährliche Open-Air-Festival.
Gerahmt werden die obere und untere Wiesenfläche von einem Park-Loup. Begleitet von Staudenpartien, Sport- und Spielflächen führt der Park-Loup aus Wassergebundener Wegedecke an den Uferweg des Norder Tiefs und über die zukünftigen Parkteile zurück auf die Doornkaat-Terrassen. Heute sind die Stadtachse Glückauf und das Sportband im Süden Teil des Rundwegs durch den Park.
Das Sportband aus grünem Gussasphalt ist im Park der Anlaufpunkt für Tischtennis, Streetball, Basketball, Skating und Fitness. Gleichzeitig ist das Asphaltband Fahrweg für die Anlieferung des Heizkraftwerks.
Gegenüber im Süden des Parks sind baumbeschattet weitläufige Spielplätze angeordnet. Vis a Vis des Cafés am Kühlturm können sich die Spielplätze zu einem Anlaufpunkt für Familien entwickeln.

Industriegebäude Kühlturm, Pumpenhaus und Zollschuppen
Frei in den Wiesenflächen liegen die Industriegebäude Kühlturm, Pumpenhaus und Zollschuppen. Der Kühlturm als Kletterturm und Aussichtspunkt bildet den markanten Hochpunkt im Landschaftspark Doornkaat. Das benachbarte Pumpenhaus nimmt ein Café auf, das mit Außengastronomie und Liegen auf der Wiese insbesondere im Sommer beliebter Anlaufpunkt werden kann. Das Zollgebäude am Ufer des Norder Tiefs wird eine Freizeiteinrichtung für Wasserwanderer, Kanuverleih und einem öffentlichen WC sein.

Am Ufer des Norder Tiefs
Am Zollgebäude führen zwei barrierefreie Rampen zu einem Podest auf dem Norder Tief. Der Steg ist Ein- und Ausstieg für Wasserwanderer und mit einer langen Sitzbank auch Aufenthaltsort für Jedermann.
Mit der Ausgestaltung eines gespundeten und aufgefüllten Podests als Landgewinnung, können hier die Hydraulikbagger den Gewässerkörper zur Pflege erreichen.
Die weiteren Uferböschungen sollen naturnah ausgestaltet werden. Richtung neuem Brückenschlag unterhalb eines zweiten Spielplatzes sind einfache Sitzstufen unter den Bäumen mit Wasserblick vorgeschlagen.
Nördlich der neuen Brücke ist ein zweiter Abgang zur Gewässerpflege vorgesehen.

Stadtachse Glückauf
Aus dem Straßenverlauf Glückauf erstreckt sich über den neuen Verkehrskreisel Im Horst eine Parkachse bzw. neue Stadtachse, die das Norder Tief mit einem Brückenschlag quert und zum Norder Tor führt. Mit einer zukünftigen Verlagerung des Getränkehandels, kann zu der Stadtachse ein attraktives Wohnquartier entwickelt werden.




Beurteilung durch das Preisgericht

Der Schwarzplan zeigt, wie geschickt die Verfasser:innen die Baumassen, Räume und Freiflächen im Quartier anordnen und verteilen. Vom Neuen Weg nach Westen ins Quartier kommend, markiert ein Hochpunkt den neuen Zugang. Auf halbem Weg in West-Ost-Richtung schiebt sich die Traufseite eines der beiden Wohnhofgebäude in den Blick, die vorgeschlagene Position von Gastronomie ist sympathisch, sinnvoll und attraktiv. Beide Wohngebäude zeigen formale Entsprechungen, die den Zusammenhang stärken und auch der zukünftigen Nordseite des Landschaftspark Doornkaat die erforderliche Kraft geben. Beinahe unauffällig und wie selbstverständlich verstellen die vielleicht etwas zu groß geratenen Wohnquartiere das große Parkhaus. Das Volumen wird durch geschickte Einschnitte gegliedert: ein Rücksprung mit Rücksicht auf die gemeinsame Torwirkung mit dem Polizeigebäude zum Kreisel sowie ein Höhenversatz im Dachbereich.

Die Situation des Zugangs zum Parkhaus muss bzgl. der Erdgeschossnutzung und Breite in einem nächsten Schritt untersucht werden. Gleiches gilt für die Dimension des Eckgebäudes an der Ecke zur Fußgängerzone. Insgesamt wünscht sich die Jury in einem nächsten Schritt eine generelle Schärfung der Gebäudekubaturen.
Die Giebelansichten der Südfassaden harmonieren mit der Ostseite des Doornkaat-Areals und wirken ensemblestärkend für Alt wie Neu. Das vorgeschlagene Hostel integriert sich unaufgeregt in den Bestand und kann als erstrebenswerte funktionale Ergänzung des Quartiers gesehen werden.
Kritisch wird der Zugang ins Parkhaus durch die vorgeschlagene, kleine Gasse gesehen - sofern die angebundenen Erdgeschossflächen nicht publikumsintensiv genutzt werden.
Die Hackschnitzel-Anlieferung-Problematik ist ebenso unauffällig wie gut gelöst.
Das Ensemble aus Zollschuppen, Pumpenhaus und Kühlturm bleibt ein starkes Trio, sehr zurückhaltend und subtil inszeniert, mit den richtigen Akzenten nach Norden - zu Glückauf, nach Westen zur schönen und glücklicherweise nicht orthogonal gefassten grünen Platzfläche und nach Osten zum Norder Tief.

Den Auftakt als Eingangsgeste aus der Fußgängerzone Neuer Weg bildet ein mit Bauminseln überstellter Verkehrsraum, der einerseits auf eines der neu geplanten Wohngebäude mit sinnvoll angeordnetem Café an der West-/Südseite trifft und sich andererseits zu einem großzügigen Freiraum öffnet.
Dieser Freiraum, „Landschaftspark Doornkaat“ genannt, schiebt sich mit seinem Loop-Wegenetz in diesen Verkehrsraum und zeigt sich somit dem aus der Stadt kommenden Besucher und fordert diesen auf, den Park auf dem Wegenetz zu erkunden.
Weitere Bebauungen sind u.a. als Platzkante im Norden des Landschaftsparkes raumbildend angeordnet.
Die Flucht der östlichsten neuen Bebauung bildet zudem die Baulinie der neuen Polizeigebäude, so dass auch hier eine nachvollziehbare Kante des Freiraumes definiert wird.
Der Wege-Loop wird als Entschleunigungsweg durch den Park verstanden, während die ausgebildeten Nord-Süd-Achse, die auf die neue Brücke über das Norder Tief führt, eine funktionale „fast-lane“ wird.
Zwischen diesen beiden Verkehrsführungen für Fußgänger und /oder Radfahrer befindet sich im Süden eine Art Sportpromenade, die die Angebote (Kanuverleih, etc.) in den Bestandshäusern im Osten sinnvoll ergänzt.
Durch dieses Nutzungsangebot im Süden - ergänzt durch Staudenbänder im Norden - entsteht ein großzügiger Freiraum als Wiese oder Rasenfläche in der Mitte, der eine Vielzahl von späteren oder temporären Nutzungen zulassen wird.
Die neuen befestigten Flächen vor den Bestandsgebäuden (Doornkaat Ensemble) und der neuen Wohnbebauung wirken angemessen dimensioniert und schaffen Platz für Wegeführungen, Anlieferungen und Außengastronomienutzungen zugleich.
Die Materialauswahl im Freiraum beschränkt sich auf ortstypischen Klinker mit geringem Natursteinanteil beziehungsweise wassergebundene Wegedecken. Dies verspricht eine gute Verknüpfung mit den Bestandsflächen und verleiht dem Ort eine hohe Identität.
Die angedachten Rigolen unter dem Sportband werden angesichts der hohen Herstellungskosten und des hohen Grundwasserstandes kritisch gesehen. Hier sollte in einer Weiterentwicklung über die Nutzung der großzügigen Rasen-/Wiesenflächen als oberirdische Versickerungsfläche nachgedacht werden.
Die Ausbildung der Anlegestelle im Norder Tief muss bei einer späteren Detailplanung bzgl. Lage, Dimension und Konstruktion überprüft werden. Gleiches gilt für die Erreichbarkeit des Gewässers neben der Brücke für die Unterhaltung.
Das Höhenkonzept des Gesamtgeländes (siehe Rigolen / Oberflächenentwässerung) muss in einem nächsten Schritt ebenfalls detailliert werden. Gleiches gilt für die Auswahl der Vegetation.
Insgesamt wirkt der großzügige Freiraum angemessen dimensioniert, öffnet sich geschickt zur Stadt, knüpft an diese an und lässt den Blick auf die Bebauung, bzw. Stadtkanten zu.
Gleichzeitig führt er den Besucher über den Loop oder die Wiesenfläche an die Uferkante und lässt ein Auslaufen in die Landschaft zu.
Insgesamt leistet der Entwurf einen sehr gelungenen Beitrag zu der gestellten Aufgabe und eine sehr gute Grundlage für den Auftakt in diesen neuen Stadt- und Landschaftsraum Nordens.
Lageplan M 1:500

Lageplan M 1:500

Entwurfsidee Doornkaat-Gelände

Entwurfsidee Doornkaat-Gelände

Lageplan M 1:200

Lageplan M 1:200

Blick in den Landschaftspark Doornkaat

Blick in den Landschaftspark Doornkaat

Schnitt AA M 1:100

Schnitt AA M 1:100

Details M 1:50

Details M 1:50

Schnitt AA M 1:100

Schnitt AA M 1:100

Nutzung des Städtebaus und Bauphasen

Nutzung des Städtebaus und Bauphasen