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Einladungswettbewerb | 10/2024

Entwicklung Machbarkeitsstudie Baufeld III östlich des Universitätsklinikums Regensburg

9

3. Preis

Preisgeld: 19.600 EUR

Tiemann-Petri Koch Planungsgesellschaft mbH

Stadtplanung / Städtebau

gla | gessweinlandschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Leitidee
Für das Baufeld III östlich des Universitätsklinikums Regensburg definieren wir die Leitidee des Campus neu. Die Gebäude beziehen sich nicht auf das Grün innerhalb des Gebiets, sondern werden verdichtet und nehmen Kontakt zur umgebenden Kulturlandschaft auf. So wird der Landschaftsverbrauch auf ein Minimum beschränkt. Dies erfolgt durch die Reihung von kompakten Bebauungsstreifen und Grünbändern unterschiedlicher Ausprägung, das mittige breite Landschaftsband verknüpft den Forschungscampus klar erkennbar mit dem Klinikum. Mit seiner weich geformten Außenkontur schmiegt sich das Baufeld harmonisch in Umgebung und Topografie ein. Im Norden wird es vom Bogen der bewaldeten Biotopflächen gerahmt und im Osten setzen die Ausgleichsflächen den lärmabweisenden Grüngürtel fort. In der südlichen Hälfte öffnet es sich zur freien Landschaft. Die klar gegrenzte Bebauungsinsel nimmt Bezug zur Typologie der Dorfstrukturen von Oberisling, Leoprechting und Grass, die das Universitätsklinikum umgeben. Die kompakte Bebauungsform mit - in Anlehnung an das Klinikum - teilweise rötlich strukturierten Fassaden stiftet eine unverwechselbare Identität für den innovativen und zukunftsorientierten Forschungscampus.

Verknüpfung und Erschließung
Der Forschungscampus wird durch seine Strukturierung mit Klinikum, Universität und TechCampus II verknüpft. Die durchgrünte Mittelzone mit den zentralen Funktionen öffnet sich auf der einen Seite in Richtung Klinikum, auf der anderen Seite zum Bereich TechCampus II / Stadion. Hier bündeln sich die Fuß- und Radwege, vom Klinikum kommend, und führen weiter in Richtung TechCampus II. Der Zugangsbereich zum Campus an der Franz-Josef-Strauß-Allee bietet durch seine Weitung und die Wasserfläche, Teil des Regenwassermanagements, ein attraktives Entrée. Nach Norden quert eine neue Fuß- und Radwegtrasse Franz-Josef-Strauß-Allee und Autobahn und stellt so eine Verbindung zur Universität her. Der öffentliche Personennahverkehr soll den Schwerpunkt des zukünftigen Mobilitätskonzepts bilden. Entlang des Landschaftsbandes verläuft die Umweltspur für Busse und Fahrräder, die sich geradlinig vom Klinikum über den Haltepunkt im Zentrum des Forschungscampus zum Kreuzungsbereich an der Galgenbergstraße erstreckt. Um einen autofreien Campus zu erreichen, werden mit kurzer Zufahrt von der Franz-Josef-Strauß- Allee am Rand des Quartiers ein Mobility Hub mit 805 PKW-Stellplätzen und eine geräumige Fahrradgarage geplant.

Nutzungsgliederung und Vernetzung
Die Bebauungsstreifen zeigen eine Mischung unterschiedlich dimensionierter Baukörper, die ein breites Angebot von variablen Labor- und Werkstattflächen und flexiblen Verwaltungsbereichen bieten. Pergolen und Stege zeigen zum einen das Erweiterungspotential der Gebäudemodule und sorgen zum anderen für eine gute Kommunikation zwischen den Forschungseinrichtungen, ebenso wie die kleinen Quartierplätze, die sich für Aufenthalt und Austausch anbieten. Das mittlere Band nimmt die zentralen Nutzungen und Freiräume auf. Der Baustein am zentralen Platz dient mit Veranstaltungs-, Medien- und Arbeitsräumen sowie einer Cafeteria der Information und Kommunikation. Benachbart am Übergang zum Grün wird eine Kindertagesstätte vorgeschlagen, die auch vom Klinikum gut zu erreichen ist. Das Wohnangebot eines Boarding-Hauses unterstützt den internationalen Austausch.

Grünkonzept
Die wertvollen Grünbestände der Landschaft werden durch die Lage der Bebauung geschont und erhalten. Dabei werden die Grünzüge in das Baufeld erweitert und durch artenreiche Pflanzungen ergänzt. Die landschaftliche Durchgrünung wird im Innenbereich des Quartiers gebrochen und durch stadtklimaverträgliche bauliche Begrünungselemente betont. Begrünte Pergolen ziehen sich durch das Quartier und vereinen Verschattung und Aufenthalt im urbanen Kontext. Die Wasserversorgung der Pflanzungen wird durch die Nutzung des anfallenden Oberflächenwassers gewährleistet. Durch offene Wasserbecken, in denen Starkregenereignisse aufgefangen werden, wird Wasser zum sichtbaren und erlebbaren Element im Quartier. Durch Verdunstung und Versickerung schließt sich der natürliche Wasserkreislauf und stärkt die Klimabeständigkeit der Grünflächen. Die Biodiversität erlebt durch artenreiche Pflanzkonzepte im Innen- als auch im Außenraum eine Aufwertung. Stauden- und Wiesenpflanzungen schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel und bieten gleichzeitig ein ganzjähriges Futter- und Nahrungsangebot. Blühaspekte erweitern das Angebot um den ästhetischen Aspekt für den Menschen. Im Umgriff des Baufeldes werden die Grünstrukturen ergänzt, sodass eine zusammenhängende Verknüpfung entsteht, wobei sowohl waldartige Strukturen erweitert, als auch Flächen für Streuobstwiesen geschaffen werden.

Nachhaltigkeit und Energie
Die modulare Gebäudetypologie zeigt Flexibilität und gute Umnutzungsfähigkeit. Kompakte Gebäude mit gutem A/V-Verhältnis ergänzen die Grundparameter der Nachhaltigkeit. Das Energiekonzept strebt mit Low- Tech-Lösungen, dem Einsatz von erneuerbarer Energien und hoher Energieeffizienz CO²-Neutralität an. Bei den eingesetzten Baustoffe soll ihre Zirkularität bewertet werden: Holzbau für Verwaltungsgebäude, Kita und Hub. Eine Holz-Beton-Hybridkonstruktion mit Einsatz von RC-Beton wird für die Forschung favorisiert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Aufgabe der Kreisform aus der ersten Bearbeitungsphase befreit den Entwurfsansatz von einigen Zwängen. Die Einbindung in die Topographie gelingt zwangloser, die Integration in die Landschaft geschieht in Form einer Verzahnung der Freiräume mit den Baufeldern, es entstehen besser umsetzbare Baukörper. Ein angenehm kleinteilig und städtisch wirkendes Quartier hebt sich von der umgebenden Feldflur ab, die gewählten Baukörper und die Möglichkeit einer bis auf die Nord-Südachse flexiblen vertikalen Teilbarkeit der Parzellen erlauben die Umsetzbarkeit auch sehr unterschiedlich dimensionierter Gebäude. Der Hochpunkt wird in Hinblick auf seine Umsetzbarkeit diskutiert.

Die zusätzlich eingefügten Bänder in Ost- West Richtung gliedern das Gebiet, mit einem Grünen Thema, die das urbane Thema durch ein kleinmaßstäbliches Grünes Element gut ergänzen, für Belüftung sorgen und auch Möglichkeiten zur Versickerung von Regenwasser selbstverständlich integrieren. Die Aufweitungen dieser Bänder zu Quartiersplätzen lösen jedoch nicht das Dilemma der vielen Baukörper die in zweiter Reihe hinter den besseren Adressen des neuen Campus stehen.

Ob die vielen urbane Angebote rund um die Campusmitte und die beiden Quartiersplätze mit Leben erfüllt werden können, scheint fragwürdig.

Für die Themenbereiche Ökologie, Wasserwirtschaft, Energie, Nachhaltigkeit werden solide umsetzbare Vorschläge gemacht. Sehr gut aufgenommen sind die aus der Umgebung ankommenden Straßen und Wege, so dass sich für die Nahmobilität zu Fuß oder mit dem Rad gute Bedingungen erwarten lassen.

Ungünstig erscheint das Parkhaus im Blickbereich der Hauptzufahrt zum Quartier. Auch die Straßenanbindung wäre an der nördlicher gelegenen Kreuzung (Anbindung zum TEC Campus II) in Hinblick auf die dann nicht zerschnittenen Grünverbindungen günstiger.

Bei abschnittsweiser Realisierung entstehen in manchen der Szenarien ungünstige Zwischenzustände.