Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025
Entwicklung Modellquartier 1 an der Steinfurter Straße in Münster
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Blick zum Quartiersplatz mit Kulturscheune und Science Boulevard
©raumwerk
ein 4. Preis
Preisgeld: 35.100 EUR
raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH
Stadtplanung / Städtebau
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Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Johanna Schulte, Kai Rappold, Yui Ohtsuka, Janis Bärenfänger
Ingenieurbüro Angenvoort+Barth
Wasserbau
Erläuterungstext
Urbanes Wissensquartier am Wasserweg: Urban, grün, vernetzt - ein neuer Stadteingang für Münster
Das neue Urbane Wissensquartier bildet das nordwestliche Stadt-Entrée an der Steinfurter Straße. Es weist eine vielfältige Nutzungsmischung mit allen Funktionen des täglichen Lebens auf und lässt so eine „Stadt der kurzen Wege“ entstehen. Multicodierte Plätze mit öffentlichen Nutzungen entlang eines zentralen Boulevards schaffen eine differenzierte Freiraumqualität und bieten eine Abfolge öffentlicher Trittsteine, die das räumliche Gerüst für den neuen Stadtteil bilden. Im Zentrum verbindet die beiden Teilquartiere eine großzügige Grüne Mitte, die den neuen Stadtteil in das bestehende übergeordnete Freiraumsystem einbettet.
Städtebau und Programmierung: vielfältig, nachhaltig, sozial
Das übergeordnete Grünraumkonzept der Stadt Münster wird durch unterschiedlich grüne Ringe geprägt: dem Promenadenring im Zentrum, dem städtischen Grünring und dem landschaftlichen Grünring. Diese Ringe werden von radial zum Stadtkern laufenden Grünzügen unterbrochen. Das Plangebiet liegt im Nordwesten zwischen den Grünzügen Vorbergshügel-Gasselstiege und Kinderbachtal.
Der städtebauliche Entwurf entspringt der Grundidee, diesen Grünring-Abschnitt zu stärken und erlebbar zu machen. Er wird als landschaftsarchitektonisches Element zu einem Park zusammengefasst und verbindet die beiden neuen Teilquartiere, das bereits geplante Modellquartier 2 sowie den Landschaftsraum im Osten. Von Süden fließen der Leonardo-Campus und Technologie-Park in das neue Quartier und verknüpfen es in Richtung Innenstadt. Der Science-Boulevard steckt sich als Verlängerung des Johann-Krane-Wegs von Süden nach Norden durch die beiden neuen Quartiere und die Grüne Mitte. Kleine Plätze entlang dieses Boulevards dienen als Kristallisationspunkte und werden mit Nutzungen wie Nahversorgung, Gemeinschafts- und Arbeitsräumen oder Mobilitätsangeboten geplant. Das Raumbild des neuen Stadtteils orientiert sich an gut proportionierten aufgelösten Blockstrukturen, deren Dichte von Ost nach West abnimmt und sich zum Landschaftsraum am Wasserweg in Hofstrukturen auflöst. An der Steinfurter Straße schirmt eine Spange mit großformatigeren Gebäuden für Urbane Produktion, Forschung und Gewerbe lärmsensible Nutzungen von Verkehrsemissionen ab.
Der neue Stadtteil gliedert sich in zwei Bereiche. Im Süden wird der Technologiepark fortgeführt und mit Wohnnutzungen sowie dem Quartierszentrum ergänzt. Er wird mit kompakten, geclusterten Baustrukturen den Anforderungen an produktive Räume für verschiedene Unternehmen, Firmen und auch Start-ups gerecht. Das Quartierszentrum teilt sich in einen versorgenden Bereich mit Supermärkten, Drogerie und Stellplätzen gut einsehbar an der Austermannstraße sowie einen sozialen Bereich mit dem zur Kulturscheune umgenutzten landwirtschaftlichen Bestandsgebäude, Café und einem grünen Platz. Das Zentrum ist Herzstück des neuen Quartiers und Anlaufpunkt für die angrenzenden Stadtteile. Die am Quartierspark liegenden Schulen mit ergänzenden (Sport-) Nutzungen bilden ein Bildungs- und Aktivitätsband.
Den Norden prägt eine Mischung aus vielfältigen Wohntypologien mit Flächen für Urbane Produktion (Handwerker-Höfe), Kreativwirtschaft und für die Versorgung des Quartiers (Geothermie, Umspannwerk, landwirtschaftliche Flächen) im Sinne der „produktiven Stadt“. Im Westen zum Wasserweg werden Wohnhöfe mit gemeinschaftlichen Innenhöfen angeboten. Vorgesehen sind Generations-, Senioren- und Clusterwohnungen, Baugemeinschaften und kombinierte Wohn-Arbeitsbereiche. Ziel ist es, eine große soziale Mischung zu erzeugen und dabei die Vielfalt der Stadtgesellschaft abzubilden.
Freiraum: Quartierspark als neue Grüne Mitte
Im Herzen des Quartiers liegt der große Quartierspark, der im Osten und Westen an die angrenzende Landschaft anschließt. Der Quartierspark dient den BewohnerInnen und BesucherInnen des neuen Stadtteils als Ort der Erholung, für sportliche Aktivitäten und Freizeitnutzungen sowie als sozialer Treffpunkt. Hier entstehen nachbarschaftliche Kontakte und neue Freundschaften, sei es durch gemeinschaftliche Veranstaltungen oder durch die zufälligen Begegnungen auf einer Parkbank oder beim Joggen. Ein filigraner Steg für Fuß- und Radverkehr könnte die Barriere der Steinfurter Straße überwinden und den Park mit dem angrenzenden land(wirt)schaftlichen Erlebnisraum verbinden und würde gleichzeitig den Blick auf die Stadtsilhouette Münster nicht versperren.
Im Süden des Quartierparks befindet sich ein Aktivitätsband, an dem sich unterschiedliche Freizeit-, Spiel- und Sportangebote aufreihen. Diese Flächen werden nicht nur von Kitas und Schulen, sondern auch von externen Sportvereinen und Gruppen genutzt und bilden so eine Bereicherung für viele.
Im Bereich der Wohnhöfe im Westen befinden sich gemeinschaftliche Gärten, die von den BewohnerInnen bewirtschaftet werden. Dieses gemeinschaftliche Gärtnern stärkt nicht nur das soziale Miteinander, sondern versorgt das Quartier auch mit saisonalem und regionalem Gemüse im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit. Blühstreifen, Insektenwiesen und Biotopflächen mit Nist- und Bruthilfen für unterschiedliche Tierarten ergänzen die Programmierung dieses Freiraumbereichs. Im Inneren der Quartiere befinden sich außerdem Pocket Parks, grüne Klimafugen oder halböffentliche Gartenzonen, so dass alle BewohnerInnen Bezug zu qualitätvollen Grünräumen haben, auch wenn sie nicht direkt am Park oder Wasserweg wohnen. Im Norden befindet sich – eingebettet in Grünraumgestaltung - das Umspannwerk und eine Stromtrasse, die von Ost nach West durch das Gebiet verläuft. Danach, auf Höhe der bestehenden Wallhecke, taucht man dann auf den neuen Science Boulevard und damit in das Quartier ein.
Wassersensible Stadt (siehe zu detaillierteren Betrachtung: Entwässerungskonzept Phase 2)
Das Regenwasserkonzept nimmt die Idee der Schwammstadt auf. Es sieht vor, sämtliche Neubauten mit Gründächern (extensive + intensive Dachbegrünung) zu versehen, um deren Regenwasserabfluss zu reduzieren bei gleichzeitiger Schaffung von Verdunstungsflächen zur Verbesserung des Mikroklimas. Wo möglich sollen diese mit Photovoltaik-Anlagen zur Energieversorgung kombiniert werden.
Die Entwässerung der bebauten Gebiete erfolgt oberflächlich über straßenbegleitende Gräben oder Rinnen. Diese sammeln das Regenwasser und führen es dem Gelände folgend zu den Entwässerungsgräben ab. Nach Vorgabe der Wettbewerbsauslobung ist eine Versickerung im Plangebiet nicht möglich. Daher sollen die bestehenden Gewässer für die Entwässerung genutzt werden. Für die Entwässerung des Gebietes werden vier unterschiedliche Teilgebiete anhand der Höhensituation bestimmt. Für die westlichen Gebiete werden Entwässerungsgräben mit Einleitstellen in den Wasserwegsgraben vorgesehen. In diesen Gräben sollen zusätzlich Retentionsflächen zum städtischen Hochwasser- und Überflutungsschutz integriert werden. Für die östlichen Teilgebiete wird ein Entwässerungsgraben in Richtung Osten vorgesehen. Dieser soll in den bestehenden Graben an der Steinfurter Straße anschließen. Diese besitzt einen Anschluss an die vorhandene Retentionsfläche auf der gegenüberliegenden Seite. In den vorgesehenen Entwässerungsgraben werden ebenfalls Retentionsräume vorgesehen. Die Retentionsflächen im Quartierspark sind als Naherholungsgebiet gestaltet und werden als Teil der Freiraumgestaltung begriffen. Hier entsteht ein natürlicher Wasserspielplatz, der das Freizeitangebot ergänzt. Auch ein Teil des Großspielfeldes dient als Retentionsfläche.
Verkehr: autoarm und vernetzt
Im Süden wird das Quartier von der Austermannstraße am bestehenden Kreisverkehr in Verlängerung des Johann-Krane-Wegs erschlossen. Der Science-Boulevard verbindet als zentrale Achse beide Quartiere und wird von Fuß- und Radverkehr, Rettung und Andienung genutzt. Auch die Stadtbuslinie wird auf diesem Boulevard geführt und bindet die Quartiere mit einem Haltepunkt im Süden (Schule) und zwei Haltepunkten im Norden ideal an das ÖPNV-Netz der Stadt Münster an. Im Innovationskorridor entlang der Steinfurter Straße befindet sich die Spur des Metrobusses sowie eine Spur für die gebündelte Belieferung und Erschließung der andienungsintensiven Produktions- und Forschungsspange im Osten. Hier ist der Stellplatzbedarf mit Tiefgaragen gedeckt. An anderen Orten finden sich baumbestandene Parkplätze (Quartierszentrum), Parkhaus (Studierendenwohnheim) oder Parkmöglichkeiten in Sockelbereichen (Tiefparterre) der Gebäude (Wohnnutzung im erhöhten Erdgeschoss).
An den Quartierszufahrten und weiter verteilt in den Quartieren befinden sich mehrere Quartiersgaragen mit ergänzenden Nutzungen (Hubs) wie Logistik-, Sharing- und Reparaturangebote, um den internen PKW-Verkehr auf ein Minimum zu reduzieren. Zur weiteren Unterverteilung und Deckung des Stellplatzbedarfs (vor allem für mobilitätseingeschränkte Personen) und zur Bewältigung der „letzten Meile“, werden in beiden Quartieren kleinere Mobi-Stationen (Lastenräder, Car-Sharing, E-Bikes, etc.) verteilt. Die PKW-Erschließungssysteme des nördlichen und südlichen Quartiers sind bewusst als voneinander getrennte Loops geplant, um die zukünftig entstehenden Verkehre zielgerichtet leiten zu können. Entlang des Loops befinden sich multicodierte Flächen – zB. als Stellplatz für Pflegedienste oder mobilitätseingeschränkte Personen.
Das gesamte Quartier ist von einem feinmaschigen Fuß- und Radwegenetz durchzogen, das die Anbindung in die Nachbarschaft sichert und der „sanften“ Mobilität Vorfahrt einräumt. Die Abstellplätze für Fahrräder sind im gesamten Quartier dezentral in den Erdgeschossen und im öffentlichen Raum verteilt. Im Westen wird über Fuß- und Radwege der Anschluss an die angrenzenden Stadtteile sowie das MQ 2 an der Busso-Peus-Straße gewährleistet.
Realisierungsphasen: vier gewinnt
Die Umsetzungsabschnitte teilen sich in vier Phasen. In einem ersten Bauabschnitt wird der Bereich am Rudolf-Harbig-Weg mit Wohnen, einer Mobi-Station und einem Wohnheim für Studierende inklusive Parkhaus arrondiert. Hier wird die bestehende Zufahrt von der Austermannstraße genutzt. Im zweiten und größten Entwicklungsschritt wird das gesamte südliche Quartier mit Quartierszentrum als Kristallations- und Versorgungspunkt, sozialer und verkehrlicher Infrastruktur und Fortführung des Technologieparks geschaffen. Der Quartierspark mit Aktivitätsband und Geothermie-Anlage sowie die südliche Hälfte des Science Boulevards werden angelegt; außerdem wird der Innovationskorridor mit Metrobuslinie und Andienungsspur erstellt. Im dritten Schritt wird der Science Boulevard ins Nordquartier fortgeführt und der Quartierseingang Nord sowie die Wohnbebauung und Höfe einschließlich sozialer Nutzungen westlich des Boulevards entwickelt. Im vierten und letzten Schritt entsteht das Gebiet östlich des Boulevards mit Urbaner Produktion, Gewerbe und Kreativwirtschaft.
Das neue Urbane Wissensquartier bildet das nordwestliche Stadt-Entrée an der Steinfurter Straße. Es weist eine vielfältige Nutzungsmischung mit allen Funktionen des täglichen Lebens auf und lässt so eine „Stadt der kurzen Wege“ entstehen. Multicodierte Plätze mit öffentlichen Nutzungen entlang eines zentralen Boulevards schaffen eine differenzierte Freiraumqualität und bieten eine Abfolge öffentlicher Trittsteine, die das räumliche Gerüst für den neuen Stadtteil bilden. Im Zentrum verbindet die beiden Teilquartiere eine großzügige Grüne Mitte, die den neuen Stadtteil in das bestehende übergeordnete Freiraumsystem einbettet.
Städtebau und Programmierung: vielfältig, nachhaltig, sozial
Das übergeordnete Grünraumkonzept der Stadt Münster wird durch unterschiedlich grüne Ringe geprägt: dem Promenadenring im Zentrum, dem städtischen Grünring und dem landschaftlichen Grünring. Diese Ringe werden von radial zum Stadtkern laufenden Grünzügen unterbrochen. Das Plangebiet liegt im Nordwesten zwischen den Grünzügen Vorbergshügel-Gasselstiege und Kinderbachtal.
Der städtebauliche Entwurf entspringt der Grundidee, diesen Grünring-Abschnitt zu stärken und erlebbar zu machen. Er wird als landschaftsarchitektonisches Element zu einem Park zusammengefasst und verbindet die beiden neuen Teilquartiere, das bereits geplante Modellquartier 2 sowie den Landschaftsraum im Osten. Von Süden fließen der Leonardo-Campus und Technologie-Park in das neue Quartier und verknüpfen es in Richtung Innenstadt. Der Science-Boulevard steckt sich als Verlängerung des Johann-Krane-Wegs von Süden nach Norden durch die beiden neuen Quartiere und die Grüne Mitte. Kleine Plätze entlang dieses Boulevards dienen als Kristallisationspunkte und werden mit Nutzungen wie Nahversorgung, Gemeinschafts- und Arbeitsräumen oder Mobilitätsangeboten geplant. Das Raumbild des neuen Stadtteils orientiert sich an gut proportionierten aufgelösten Blockstrukturen, deren Dichte von Ost nach West abnimmt und sich zum Landschaftsraum am Wasserweg in Hofstrukturen auflöst. An der Steinfurter Straße schirmt eine Spange mit großformatigeren Gebäuden für Urbane Produktion, Forschung und Gewerbe lärmsensible Nutzungen von Verkehrsemissionen ab.
Der neue Stadtteil gliedert sich in zwei Bereiche. Im Süden wird der Technologiepark fortgeführt und mit Wohnnutzungen sowie dem Quartierszentrum ergänzt. Er wird mit kompakten, geclusterten Baustrukturen den Anforderungen an produktive Räume für verschiedene Unternehmen, Firmen und auch Start-ups gerecht. Das Quartierszentrum teilt sich in einen versorgenden Bereich mit Supermärkten, Drogerie und Stellplätzen gut einsehbar an der Austermannstraße sowie einen sozialen Bereich mit dem zur Kulturscheune umgenutzten landwirtschaftlichen Bestandsgebäude, Café und einem grünen Platz. Das Zentrum ist Herzstück des neuen Quartiers und Anlaufpunkt für die angrenzenden Stadtteile. Die am Quartierspark liegenden Schulen mit ergänzenden (Sport-) Nutzungen bilden ein Bildungs- und Aktivitätsband.
Den Norden prägt eine Mischung aus vielfältigen Wohntypologien mit Flächen für Urbane Produktion (Handwerker-Höfe), Kreativwirtschaft und für die Versorgung des Quartiers (Geothermie, Umspannwerk, landwirtschaftliche Flächen) im Sinne der „produktiven Stadt“. Im Westen zum Wasserweg werden Wohnhöfe mit gemeinschaftlichen Innenhöfen angeboten. Vorgesehen sind Generations-, Senioren- und Clusterwohnungen, Baugemeinschaften und kombinierte Wohn-Arbeitsbereiche. Ziel ist es, eine große soziale Mischung zu erzeugen und dabei die Vielfalt der Stadtgesellschaft abzubilden.
Freiraum: Quartierspark als neue Grüne Mitte
Im Herzen des Quartiers liegt der große Quartierspark, der im Osten und Westen an die angrenzende Landschaft anschließt. Der Quartierspark dient den BewohnerInnen und BesucherInnen des neuen Stadtteils als Ort der Erholung, für sportliche Aktivitäten und Freizeitnutzungen sowie als sozialer Treffpunkt. Hier entstehen nachbarschaftliche Kontakte und neue Freundschaften, sei es durch gemeinschaftliche Veranstaltungen oder durch die zufälligen Begegnungen auf einer Parkbank oder beim Joggen. Ein filigraner Steg für Fuß- und Radverkehr könnte die Barriere der Steinfurter Straße überwinden und den Park mit dem angrenzenden land(wirt)schaftlichen Erlebnisraum verbinden und würde gleichzeitig den Blick auf die Stadtsilhouette Münster nicht versperren.
Im Süden des Quartierparks befindet sich ein Aktivitätsband, an dem sich unterschiedliche Freizeit-, Spiel- und Sportangebote aufreihen. Diese Flächen werden nicht nur von Kitas und Schulen, sondern auch von externen Sportvereinen und Gruppen genutzt und bilden so eine Bereicherung für viele.
Im Bereich der Wohnhöfe im Westen befinden sich gemeinschaftliche Gärten, die von den BewohnerInnen bewirtschaftet werden. Dieses gemeinschaftliche Gärtnern stärkt nicht nur das soziale Miteinander, sondern versorgt das Quartier auch mit saisonalem und regionalem Gemüse im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit. Blühstreifen, Insektenwiesen und Biotopflächen mit Nist- und Bruthilfen für unterschiedliche Tierarten ergänzen die Programmierung dieses Freiraumbereichs. Im Inneren der Quartiere befinden sich außerdem Pocket Parks, grüne Klimafugen oder halböffentliche Gartenzonen, so dass alle BewohnerInnen Bezug zu qualitätvollen Grünräumen haben, auch wenn sie nicht direkt am Park oder Wasserweg wohnen. Im Norden befindet sich – eingebettet in Grünraumgestaltung - das Umspannwerk und eine Stromtrasse, die von Ost nach West durch das Gebiet verläuft. Danach, auf Höhe der bestehenden Wallhecke, taucht man dann auf den neuen Science Boulevard und damit in das Quartier ein.
Wassersensible Stadt (siehe zu detaillierteren Betrachtung: Entwässerungskonzept Phase 2)
Das Regenwasserkonzept nimmt die Idee der Schwammstadt auf. Es sieht vor, sämtliche Neubauten mit Gründächern (extensive + intensive Dachbegrünung) zu versehen, um deren Regenwasserabfluss zu reduzieren bei gleichzeitiger Schaffung von Verdunstungsflächen zur Verbesserung des Mikroklimas. Wo möglich sollen diese mit Photovoltaik-Anlagen zur Energieversorgung kombiniert werden.
Die Entwässerung der bebauten Gebiete erfolgt oberflächlich über straßenbegleitende Gräben oder Rinnen. Diese sammeln das Regenwasser und führen es dem Gelände folgend zu den Entwässerungsgräben ab. Nach Vorgabe der Wettbewerbsauslobung ist eine Versickerung im Plangebiet nicht möglich. Daher sollen die bestehenden Gewässer für die Entwässerung genutzt werden. Für die Entwässerung des Gebietes werden vier unterschiedliche Teilgebiete anhand der Höhensituation bestimmt. Für die westlichen Gebiete werden Entwässerungsgräben mit Einleitstellen in den Wasserwegsgraben vorgesehen. In diesen Gräben sollen zusätzlich Retentionsflächen zum städtischen Hochwasser- und Überflutungsschutz integriert werden. Für die östlichen Teilgebiete wird ein Entwässerungsgraben in Richtung Osten vorgesehen. Dieser soll in den bestehenden Graben an der Steinfurter Straße anschließen. Diese besitzt einen Anschluss an die vorhandene Retentionsfläche auf der gegenüberliegenden Seite. In den vorgesehenen Entwässerungsgraben werden ebenfalls Retentionsräume vorgesehen. Die Retentionsflächen im Quartierspark sind als Naherholungsgebiet gestaltet und werden als Teil der Freiraumgestaltung begriffen. Hier entsteht ein natürlicher Wasserspielplatz, der das Freizeitangebot ergänzt. Auch ein Teil des Großspielfeldes dient als Retentionsfläche.
Verkehr: autoarm und vernetzt
Im Süden wird das Quartier von der Austermannstraße am bestehenden Kreisverkehr in Verlängerung des Johann-Krane-Wegs erschlossen. Der Science-Boulevard verbindet als zentrale Achse beide Quartiere und wird von Fuß- und Radverkehr, Rettung und Andienung genutzt. Auch die Stadtbuslinie wird auf diesem Boulevard geführt und bindet die Quartiere mit einem Haltepunkt im Süden (Schule) und zwei Haltepunkten im Norden ideal an das ÖPNV-Netz der Stadt Münster an. Im Innovationskorridor entlang der Steinfurter Straße befindet sich die Spur des Metrobusses sowie eine Spur für die gebündelte Belieferung und Erschließung der andienungsintensiven Produktions- und Forschungsspange im Osten. Hier ist der Stellplatzbedarf mit Tiefgaragen gedeckt. An anderen Orten finden sich baumbestandene Parkplätze (Quartierszentrum), Parkhaus (Studierendenwohnheim) oder Parkmöglichkeiten in Sockelbereichen (Tiefparterre) der Gebäude (Wohnnutzung im erhöhten Erdgeschoss).
An den Quartierszufahrten und weiter verteilt in den Quartieren befinden sich mehrere Quartiersgaragen mit ergänzenden Nutzungen (Hubs) wie Logistik-, Sharing- und Reparaturangebote, um den internen PKW-Verkehr auf ein Minimum zu reduzieren. Zur weiteren Unterverteilung und Deckung des Stellplatzbedarfs (vor allem für mobilitätseingeschränkte Personen) und zur Bewältigung der „letzten Meile“, werden in beiden Quartieren kleinere Mobi-Stationen (Lastenräder, Car-Sharing, E-Bikes, etc.) verteilt. Die PKW-Erschließungssysteme des nördlichen und südlichen Quartiers sind bewusst als voneinander getrennte Loops geplant, um die zukünftig entstehenden Verkehre zielgerichtet leiten zu können. Entlang des Loops befinden sich multicodierte Flächen – zB. als Stellplatz für Pflegedienste oder mobilitätseingeschränkte Personen.
Das gesamte Quartier ist von einem feinmaschigen Fuß- und Radwegenetz durchzogen, das die Anbindung in die Nachbarschaft sichert und der „sanften“ Mobilität Vorfahrt einräumt. Die Abstellplätze für Fahrräder sind im gesamten Quartier dezentral in den Erdgeschossen und im öffentlichen Raum verteilt. Im Westen wird über Fuß- und Radwege der Anschluss an die angrenzenden Stadtteile sowie das MQ 2 an der Busso-Peus-Straße gewährleistet.
Realisierungsphasen: vier gewinnt
Die Umsetzungsabschnitte teilen sich in vier Phasen. In einem ersten Bauabschnitt wird der Bereich am Rudolf-Harbig-Weg mit Wohnen, einer Mobi-Station und einem Wohnheim für Studierende inklusive Parkhaus arrondiert. Hier wird die bestehende Zufahrt von der Austermannstraße genutzt. Im zweiten und größten Entwicklungsschritt wird das gesamte südliche Quartier mit Quartierszentrum als Kristallations- und Versorgungspunkt, sozialer und verkehrlicher Infrastruktur und Fortführung des Technologieparks geschaffen. Der Quartierspark mit Aktivitätsband und Geothermie-Anlage sowie die südliche Hälfte des Science Boulevards werden angelegt; außerdem wird der Innovationskorridor mit Metrobuslinie und Andienungsspur erstellt. Im dritten Schritt wird der Science Boulevard ins Nordquartier fortgeführt und der Quartierseingang Nord sowie die Wohnbebauung und Höfe einschließlich sozialer Nutzungen westlich des Boulevards entwickelt. Im vierten und letzten Schritt entsteht das Gebiet östlich des Boulevards mit Urbaner Produktion, Gewerbe und Kreativwirtschaft.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Jury würdigt das klare städtebauliche Konzept, das Bezug nimmt zu den „Grünringen“ des übergeordneten Konzepts der städtischen Grünordnung. Konsequent wird das gesamte Areal in zwei eigenständige Quartiersbereiche gegliedert, die durch einen in Ost-West-Richtung verlaufenden Grünraum verbunden sind. Ein durchgehender Boulevard verknüpft die beiden Quartiere miteinander und führt über Platzräume, Loops und Stichwege in die Tiefe der jeweiligen Teilbereiche. Dadurch entstehen zwei klar voneinander abgegrenzte Quartiere mit jeweils eigenem Charakter und differenzierten baulichen Dichten. Die städtebauliche Struktur überzeugt durch eine spannungsvolle Abfolge von verdichteten und aufgelockerten Bereichen. Im Süden entstehen kompakte Baukörper, die funktional gewerbliche Nutzungen, Nahversorgung, Schulgebäude sowie in Teilen Sonderwohnformen aufnehmen. Das nördliche Quartier weist eine größere Vielfalt an Gebäudetypologien und variierenden Gebäudehöhen auf. Alle Baufelder verfügen über qualitätsvolle private und halböffentliche Freiräume. Trotz dieser Stärken weist die Arbeit funktionale Schwächen auf. Kritisch gesehen wird insbesondere die Verortung der Einzelhandelseinrichtungen, die beidseitig entlang des Loops angeordnet sind und teilweise keine ausreichende Anbindung an die Stellplatzanlagen aufweisen. Der südliche Quartiersauftakt mit zwei großen Stellplatzanlagen kann nicht überzeugen.
Positiv hervorzuheben ist die Anordnung der Bildungseinrichtungen entlang des zentralen Quartiersparks. Besonders die Ausrichtung der weiterführenden Schule zum Quartiersplatz trägt zur Belebung des öffentlichen Raums bei. Allerdings kann die stadträumliche Wirkung sowie die gestalterische Qualität von Park und Quartiersplatz erst mit der Realisierung der weiterführenden Schule vollständig erreicht werden. Der Quartierspark ist als intensiv genutzter Funktionsraum konzipiert, in dem ein Großteil der Flächen für den Schulsport vorgesehen ist. Die im Stadtraum erforderlichen öffentlichen Freiflächen werden in diesem Entwurf daher nur teilweise erreicht. Zudem wird die Qualität der Freiräume durch die Lärmbelastung entlang der Steinfurter Straße deutlich eingeschränkt. Es gibt ein klares, funktional passendes Verkehrskonzept mit zwei separaten Erschließungsloops für den Kfz-Verkehr und deutlicher Priorisierung des Busverkehrs mit guter Erschließungswirkung, zudem eine Parallelachse zur Steinfurter Straße zur Erschließung des Gewerbes. Der weitgehende Verzicht auf Quartiersgaragen zugunsten von Tiefgaragen bzw. Parken im Tiefparterre ist problematisch. Die Arbeit überzeugt durch ihre konzeptionelle Herangehensweise. In der Diskussion werden insbesondere die Qualitäten im Bereich des Wohnungsbaus hervorgehoben. Die grundsätzliche Teilung in zwei Quartiersbereiche wird jedoch kritisch betrachtet.
Lageplan
©raumwerk / RMP SL
Prozessdesign: Wissensquartier
©raumwerk / RMP SL
Vertiefungsbereich Quartierszentrum
©raumwerk / RMP SL
Realisierungsabschnitte
©raumwerk
Freiraumkonzept
©raumwerk / RMP SL
Erschließungskonzept
©raumwerk / BSV
Entwässerungskonzept
©raumwerk / Angenvoort+Barth
schem. Schnitt Quartierszentrum
©raumwerk
Modell
©modellwerk weimar
Modell
©modellwerk weimar
Modell
©modellwerk weimar