Einladungswettbewerb | 03/2024
Entwicklung Quartier Seecarree Baufelder F12 und F13 in der Seestadt Aspern in Wien (AT)
©schreinerkastler, Wien
4 Wohnhäuser Baufeld F13 Seestadt Aspern
1. Preis / Baufeld F13
Architektur
Ernst Niklaus Fausch Partner AG
Stadtplanung / Städtebau
rajek barosch landschaftsarchitektur
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
4 Gebäude schmiegen sich an eine Laube und fassen einen gemeinsamen Aussenraum, einen intensiv durchgrünten und mit Bestandesbäumen durchsetzten kontemplativen Raum. Zwischen den Gebäuden öffnen sich 4 Entréeplätze zum öffentlichen Raum. Die Laube ist Generator der gemeinsamen Infrastrukturen im Aussen- und Innenraum. Jedes Gebäude schliesst im 1. OG über eine flexibel nutzbare Wasch-Küche an die Laube mit den Laubenzimmern an. In den Gebäuden weiten sich die Stiegenhäuser zu hausöffentlichen Nutzungen. Aus der städtebaulichen Konstellation ergeben sich vielfältige Wohnungen. Alle Wohnungen sind mehrseitig orientiert und verfügen über einen grosszügigen privaten Aussenraum, welcher die Wohnungen innenräumlich gliedert.
Die Fassaden schaffen mit ihrer verbindenden Materialität eine architektonische Identität des Baufeldes. Die Erdgeschosse sind in Betonelementen, die Obergeschosse in profiliertem naturbelassenem Alu-Blech ausgebildet. Die Differenzierung der Profile sorgt für eine vertikale Gliederung und ein differenziertes Licht- und Schattenspiel. Dabei stehen 2 Bauten mit «Lochfenstern» im Dialog mit 2 Bauten mit «vertikalen Bandfenstern». Die Gebäude sind als einfache Stützenbauten mit nicht tragendem Ausbau und Leichtbaufassaden konstruiert. Die Spannweiten sind optimiert auf einen möglichst geringen Materialeinsatz. Die gesamte Konstruktion wird demontabel und ohne Verbundwerkstoffe ausgeführt. Der Verzicht auf eine Tiefgarage sorgt für eine Minimierung des Aushubes.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die an den vier Ecken situierten Baukörper werden als eine städtebaulich mutige und klug gesetzte Konfiguration gewürdigt. Das umlaufende Laubengerüst, das sich im Bereich der Entree-Plätze zu „Laubenzimmern“ aufweitet, schafft eine spannende, gut nutzbare Schwellensituation. Die konsequente Orthogonalität fügt sich überraschend schlüssig in die Grundstücksform ein und stärkt die Kohärenz des städtebaulichen Motivs. Die Abfolge der halböffentlichen Entree-Plätze über die Schwelle des Laubenganggerüstes zum privaten Innenhof ist logisch aufgebaut, der Innenhof ist als ruhige Oase überzeugend gestaltet und bietet ein differenziertes Freiraumangebot von hoher atmosphärischer Qualität. Der schützenswerte Baumbestand wurde weitgehend berücksichtigt.
Die Korrespondenz mit dem Nachbarbaufeld im Norden wird gewürdigt.
Die Erdgeschoßzonen sind differenziert gestaltet, die Gemeinschafts- und Allgemeinräume gut positioniert, die Gliederung zwischen hausöffentlichen, etagenbezogenen und privaten Freiräumen ist souverän gelöst. Begrüßt werden auch die klar gestalteten Entreebereiche der Wohnungen. Die engagierten und interessanten Grundrisse zeigen in weiten Bereichen gute Qualitäten, der Großteil der Wohnungen ist zweiseitig belichtete. Einige Grundrisse weisen aus Sicht der Jury spezielle Lösungen mit besonderen Qualitäten auf, prinzipiell werden die dort vorhandenen gefangenen Zimmer jedoch kritisch gesehen.
Das strukturelle Konzept der Fassade wird hinsichtlich ihres plastischen Potenzials und der Proportion der Gliederung positiv gesehen, die Materialität, Farbgebung und Dimensionierung der Elemente des vorgesetzten Freiraumgerüsts, sowie die Transparenz der Brüstungen werden jedoch kritisch beurteilt.
©schreinerkastler, Wien
Verbindende Lauben im Innenhof
©Thaler Thaler Architekten und Ernst Niklaus Fausch Partner
Grundriss Erdgeschoss