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Studienauftrag | 05/2025

Entwicklung Schulareal MĂĽhlematt/Bleichematt in Biberist (CH)

Teilnahme

SOPPELSA ARCHITEKTEN

Architektur

SIMA | BREER GmbH

Landschaftsarchitektur

PIRMIN JUNG

Tragwerksplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfassenden setzten sich zum Ziel, die vielfältigen Qualitäten des Schulareals im Zuge der Erweiterung weiterzuentwickeln. Die organisatorische Gliederung der Klassenzüge auf die beiden bestehenden Schulhäuser bleibt erhalten. Die zusätzlichen Raumbedürfnisse werden in Anbauten gedeckt. Ein Zentrumsbau bildet das Herz der Anlage.

Der neue Zentrumsbau vereint Cluster 0, Sport- und Mehrzweckhalle auf kompakte Weise. Zwischen dem Ostflügel des Schulhauses Bleichematt und der Dreifachsporthalle positioniert, fügt er sich präzise in den Campus ein und schafft dabei klar gefasste, differenzierte Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität. Der Hauptzugang liegt markant unter dem baulichen Hochpunkt und ist vom Schulhaus Mühlematt aus gut sichtbar. Allerdings könnte seine Präsenz zur Haupteingang Bleichemattstrasse hin stärker ausgeprägt sein, um die Adressbildung und Orientierung im Gesamtensemble zu verbessern.

Die Freiraumgestaltung überzeugt durch ein klares Konzept, das eine lesbare Hauptstruktur aus Wegen und Plätzen mit grosszügigen Grün- und Aufenthaltsflächen kombiniert. Die Freiräume sind hierarchisch gut gegliedert, was eine überzeugende Vielfalt an Nutzungen und Atmosphären ermöglicht – von offenen Begegnungszonen über Sportflächen bis hin zu geschützten Rückzugsorten. Mit den sorgfältig formulierten Eingangssituationen, die dem Campus eine einladende, identitätsstiftende Adresse verleihen, entstehen gelungene Übergänge in das Quartier. Als Gegenüber zu dem Zentrumsbau wird eine grosszügige und lebendige grüne Mitte mit einer hohen Aufenthalts- und Nutzungsqualität geschaffen. Ein Netz aus Nischen, welches sich über das ganze Areal erstreckt, bildet attraktive Lern- und Rückzugsorte aus. Der Entwurf schafft es, funktionelle und klimaökologische Anforderungen räumlich einzugliedern und daraus einen Mehrwert an Erlebnissen zu schaffen. Das differenzierte Pflanzkonzept unterstützt die Orientierung auf dem Campus zusätzlich.

Hervorzuheben sind die architektonischen Qualitäten des Mehrzwecksaals der sich einladend zum inneren Campus öffnet. Kritisch zu beurteilen ist jedoch die innere Organisation: Die Aufteilung von Aufenthaltsund Arbeitsbereichen des Lehrpersonals auf zwei Geschosse ist funktional nachteilig. Die im 2. Obergeschoss angeordneten Arbeitsplätze schaffen räumliche Distanz und behindern die direkte Einbindung in den Schulalltag. Mit der Verteilung der Bibliothek in das Schulhaus Mühlematt wird ausserdem ein öffentliches Angebot aus dem Zentrumsbau ausgeschieden. Die Treppenanlage im Eingangsbereich wirkt wenig einladend. Besonders für Kinder, die zur Schulleitung möchten, fehlt eine direkte, intuitiv auffindbare Wegführung.

Das Schulhaus Bleichematt wird um einen quer zum Seitenflügel angeordneten Anbau erweitert. Damit wird die Hofsituation gestärkt und der feingliedrige Bau mit einem neuen Kopfbau in Balance gebracht, wobei der Ausblick aus den Klassenräumen auf den Parkplatz sowie der Verlust von bestehenden Bäumen in einem fraglichen Verhältnis zum gewonnenen Nutzungspotenzial im Inneren der Schule steht.

Der Erhalt der Split-Level-Erschliessung in Kombination mit neuen Querverbindungen zum Erweiterungsbau schafft im Schulhaus Mühlematt eine flexibel nutzbare und räumlich gut vernetzte Lernumgebung. Die erweiterten Treppenhauszonen integrieren Infrastruktur und schaffen neue Gemeinschaftsbereiche. Die gut belichteten Höfe bieten spannende Blickbeziehungen. Kritisch bleiben die langen Wege zu den Treppenhäusern, deren Dimensionierung und Lage – besonders das mittlere ohne Anbindung an einen Eingang im Erdgeschoss – hinterfragt wird. Als vertikale Fluchtwege limitieren sie zudem die Nutzbarkeit angrenzender Zonen im Bestand.

Der Anbau am Schulhaus Bleichematt erlaubt eine Trennung nach Klassenstufen, zieht die Verteilung der Nutzungen innerhalb des Clusters der Unterstufe jedoch stark in die Länge und schafft nebst den Gruppenräumen nur wenig zusätzliche räumliche Atmosphären für eine Differenzierung der Lernformen. Zudem fehlt es dem Aufenthaltsraum für Lehrpersonen und dem Kreativraum im bestehenden Mitteltrakt aber auch dem Bereich für die Betreuung im 2. Obergeschoss des Anbaus an einer unmittelbaren Anbindung.

In der Erweiterung des Schulhaus Mühlematt gelingt es dem Entwurf, sämtliche Klassenzimmer eines Clusters auf einem Geschoss unterzubringen und somit eine Subeinheit mit klarer Identität zu schaffen.

Die von beiden Clustern der Mittelstufe genutzten Räumlichkeiten sind passenderweise in den Zwischengeschossen des heutigen Schulhaus Mühlematt angeordnet. Obwohl der ergänzende Querriegel das Schulhaus Mühlematt dem Zentrum der Schulanlage annähert, sind die neuen Unterrichtsbereiche aufgrund der Erschliessung über die bestehenden Treppenhäuser abgekoppelt und nur über lange Wege erreichbar. Die serielle Anordnung der Gruppenräume und Klassenzimmer bietet viel Flexibilität für künftige Anpassungen an pädagogische Entwicklungen, schafft in den Gangzonen jedoch einen bis auf die interessanten Balkonzonen wenig ausdifferenzierten Charakter.

Im neuen Zentrumsgebäude schafft der Hochpunkt zwar eine visuelle Verbindung zu den weiteren Schulgebäuden, entspricht in seiner Anmut als abgekoppelte Plattform jedoch nicht der Haltung der Schule, in der Nahbarkeit und Beziehung die Grundpfeiler der pädagogischen Arbeit darstellen.

Die zusätzliche Einfeldsporthalle als Anbau an den Zentrumsbau wirft Fragen zu den betrieblichen und funktionalen Abläufen auf - ebenso, ob das zusätzliche Bauvolumen die neu geschaffenen städtebaulichen Qualitäten abschwächt.

Der architektonische Ausdruck der Neubauten fügt sich brav ins bestehende Ensemble ein, was zu einem harmonischen Gesamtbild führt. Farbigkeit und Fassadengliederung des Bestands werden nahezu wörtlich übernommen, so dass die versprochene zeitgemässe Eigenständigkeit eher behauptet als eingelöst wirkt.

Das Projekt stärkt mit klaren Setzungen und präzisen Erweiterungen die Qualitäten des Schulareals. Trotz überzeugender architektonischer Ansätze zeigen sich funktionale Schwächen in der inneren Organisation sowie im Erschliessungskonzept, deren Auswirkungen auf den Schulalltag kritisch zu prüfen sind.