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Einladungswettbewerb | 09/2025

Entwicklung Stadtquartier Baufeld 05 im Deutzer Hafen in Köln

Perspektive Hafenpromenade

Perspektive Hafenpromenade

ein 3. Preis / 2. Stufe / Hochbaulicher Realisierungsteil (Bauteile A und B)

Preisgeld: 33.333 EUR

LORBER PAUL ARCHITEKTUR & STÄDTEBAU

Architektur

club L94

Landschaftsarchitektur

bähr ingenieure gmbh | bähr engineering gmbh

TGA-Fachplanung

Horz + Ladewig

Tragwerksplanung

Erläuterungstext

Entwurfsleitende Idee

Der Entwurf für Baufeld 05 versteht sich als Teil der Transformation des Deutzer Hafens von einer Industriebrache zu einem lebendigen Quartier. Leitend ist die Idee, das industrielle Erbe des Ortes in eine zeitgemäße Architektursprache zu übersetzen und dabei Nachhaltigkeit und soziale Vielfalt in den Mittelpunkt zu stellen.
Der Hochpunkt „Speicher 5“ nimmt die Silhouette des historischen Silos auf und bildet den identitätsstiftenden Abschluss des Ensembles. Begrünte Fassaden, Dachgärten und ein zentraler Innenhof schaffen hohe Aufenthaltsqualität und stärken das Mikroklima. Unterschiedliche Wohnungstypen, ergänzt durch Büro- und Gewerbeflächen, Gastronomie und gemeinschaftliche Räume, sichern eine heterogene Nutzungsstruktur.
So entsteht ein „Quartier im Quartier“, das architektonische Prägnanz mit ökologischer Verantwortung und sozialer Offenheit verbindet.

Städtebauliche Qualität: Stadträumliche Einbindung und Freiraumgestaltung

Das städtebauliche Konzept versteht Baufeld 05 als Teil der Transformation des Deutzer Hafens zu einem lebendigen Quartier. Drei gezielt gesetzte Fugen erhöhen die Durchlässigkeit, verbessern Belichtung und Belüftung und binden das Ensemble in den Stadtraum ein.
Der zentrale Innenhof bildet das Herzstück der Freiraumgestaltung. Barrierefrei zugänglich und mit Grünflächen sowie Spielbereichen ausgestattet, wird er zum sozialen Treffpunkt. Ein zentrales Spielfeld unter einem Baumdach, Aufenthaltsbereiche für Erwachsene und ein Gemeinschaftsgarten im Norden bieten Raum für alle Generationen. Eine Sitzstufenanlage verbindet die Hofebene mit der Hafenpromenade. Unterschiedliche Höhen und Dachformen nehmen Bezug auf den „Deutzer Block“ und fördern eine Vielfalt von Typologien.
Architektonische Motive wie gerasterte Fassaden, sichtbare Tragwerke und auskragende Elemente verweisen auf die industrielle Vergangenheit. Der Hochpunkt „Speicher 5“ übersetzt die Silhouette des Silos in eine zeitgemäße Sprache und setzt einen markanten städtebaulichen Akzent. Die Freianlagen sind standortgerecht bepflanzt, durchlässig gestaltet und werden über barrierefreie Zugänge aus Norden und Süden erschlossen. Begrünte Dächer und Fassaden stärken Mikroklima, Regenwassermanagement und Biodiversität.

Hochbauliche Qualität: Materialität, Farbigkeit, Gestaltqualität

Die Architektur des Baufelds verbindet das industrielle Erbe des Deutzer Hafens mit einer zukunftsorientierten Formensprache. Der Hochpunkt „Speicher 5“ nimmt die Silhouette des historischen Silos auf und interpretiert sie durch eine klare vertikale Gliederung und runde begrünte Balkone neu. Die „Grüne Silofassade“ folgt einem jahreszeitlichen Symbolkonzept: Immergrün für den Winter, Blühpflanzen im Frühjahr und Sommer, dichter Bewuchs im Herbst. Bodengebundene Systeme mit hohem Substrataufbau sowie kleinwüchsige, hitze- und windverträgliche Baumarten sichern langfristige Vitalität. So füllt sich symbolisch der Speicher des Silos durch die Bepflanzung.
Haus B, der Hafenriegel, entwickelt aus strenger Rasterung und markanter Dachform eine kraftvolle Silhouette, während Haus C die Vielfalt der Dachlandschaften und Fassadenstrukturen der historischen Mühlen aufgreift. Abgerundete Elemente in Details der Fassaden schaffen immer wieder Bezug zu dem markanten Hochhaus.
Die Materialität schafft Robustheit und Sinnlichkeit zugleich: Sichtbeton und Holz prägen die Innenräume, während Aluminium und Stahl in einer „zweiten Haut“ die Fassaden akzentuieren. Diese doppelte Fassadenebene integriert Begrünung, Verschattung und optional Photovoltaik und verbindet gestalterische Qualität mit energetischer Effizienz. Farblich orientieren sich die Oberflächen an der historischen Farbpalette des Hafens – von Rot- und Brauntönen der Ziegel bis zu hellen, weißen Akzenten –, sodass eine direkte Verbindung zur Identität des Ortes entsteht.

Funktionalität und Nutzungsqualität: Wohnungsmix, Erschließung, Grundrisse

Die innere Organisation des Baufelds folgt dem Leitgedanken größtmöglicher Flexibilität bei gleichzeitig hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität. Im Erdgeschoss verzahnen sich öffentliche Nutzungen mit privaten Bereichen: der Hochpunkt „Speicher 5“ öffnet sich mit einer großzügigen Lobby, Co-Working-Flächen und Gastronomie, während der Hafenriegel kleinteilige Angebote an der Promenade integriert und Haus C Gewerbe- und Atelierflächen zum Poller Kirchweg orientiert.
Die Erschließung ist klar gegliedert: ein zentraler Kern im Hochhaus bündelt Aufzüge, Treppen und technische Infrastruktur. Sicherheitstreppenhäuser und Brandschutzkonzepte ermöglichen die Ausrichtung sämtlicher Wohnungen nach Hof oder Südseite und sichern Belichtung sowie Aufenthaltsqualität.
Die Grundrisse basieren auf einem flexiblen Raster, das unterschiedliche Wohnungstypologien zulässt. Das Programm umfasst 45 % frei finanzierte, 35 % öffentlich geförderte und 20 % mietpreisgedämpfte Wohnungen. Zusätzlich werden im Bauteil C gemeinschaftliche Wohnformen integriert.Atelierwohnungen, Wohngruppen und gemeinschaftliche Wohnformen für Studenten und Alterswohnen erweitern die Vielfalt, sodass eine soziale Durchmischung entsteht, die dem Quartier langfristige Stabilität verleiht.
Alle Wohnungen sind barrierefrei zugänglich, verfügen über großzügige Freisitze und sind überwiegend nach Südwesten oder zum begrünten Innenhof ausgerichtet. Unterschiedliche Typologien – vom Maisonette-Wohnen über Studentenapartments bis zu seniorengerechten Wohnungen – stellen sicher, dass sich vielfältige Lebensmodelle im Quartier wiederfinden.
Durch die klare Struktur von Schächten und Installationen können technische Anpassungen oder Nutzungsänderungen ohne großen baulichen Aufwand erfolgen. So entstehen robuste Strukturen, die zukünftigen Anforderungen in Nutzung und TGA flexibel begegnen.


Wirtschaftlichkeit: Kosten, Flächeneffizienz, Baukonstruktion

Die Baukonstruktion des Baufelds ist auf eine wirtschaftliche Umsetzung bei gleichzeitig hoher Nutzungsqualität ausgelegt. Das Hochhaus basiert auf einem zentralen Stahlbetonkern mit Skelettbauweise, die flexible Grundrisse ermöglicht und langfristige Anpassungen erleichtert.
Im Hafenriegel wird eine Holzkonstruktion eingesetzt, die kurze Bauzeiten durch Vorfertigung erlaubt und gleichzeitig den Einsatz nachwachsender Rohstoffe stärkt. Beton wird gezielt in hochbelasteten Bereichen eingesetzt und durch Recyclingmaterialien sowie CO₂-reduzierte Rezepturen ergänzt. Diese Bauweise verbindet statische Sicherheit mit ressourcenschonendem Materialeinsatz.
Die Organisation des Untergeschosses erlaubt eine problemlose Realteilbarkeit des Ensembles. Die Organisation des Untergeschosses erlaubt eine problemlose Realteilbarkeit des Ensembles. Die Tiefgarage umfasst zwei Ebenen, liegt nicht unter den Gebäuden und ist auf die geforderten Retentionsvolumina ausgelegt. Ein günstiges A/V-Verhältnis sowie die effiziente Ausnutzung der Baukörpertiefen sichern eine hohe Flächeneffizienz, insbesondere im Bereich von Bauteil C. Hier wird gezielt auf kostengünstigeren öffentlich geförderten Wohnungsbau eingegangen, ohne Einbußen an Wohnqualität.
Die Fassaden mit starker eigener Identität und die flexibel umgestaltbaren Grundrisse bieten eine gute Vermarktbarkeit. Die Gewerbeeinheiten sind in marktgerechten Dimensionen organisiert und lassen eine nachhaltige wirtschaftliche Nutzung erwarten. Insgesamt ergibt sich eine robuste bauliche Struktur, die Baukostenbewusstsein mit langfristiger Wertbeständigkeit verbindet.

Nachhaltigkeit: Energie- und Lüftungskonzept, Ökologie, Klima

Das Nachhaltigkeitskonzept des Baufelds folgt den Leitgedanken Funktionalität, Effizienz und Umweltbewusstsein. Ziel ist ein zukunftsorientiertes Gebäudeensemble, das den angestrebten DGNB-Gold-Standard für die Baufelder erfüllt und sich am KfW-Effizienzhaus 40 EE orientiert.
Im Zentrum steht die Reduzierung des Energiebedarfs durch kompakte Baukörper, optimierte Gebäudehüllen und eine hohe Tageslichtverfügbarkeit. Lastspitzen werden durch den Einsatz von Speichersystemen minimiert. Abwärme aus Kälteerzeugung und EDV wird konsequent recycelt, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sichern Wirkungsgrade über 70 %. Ergänzend sorgt eine Nachtauskühlung für thermische Entlastung.
Erneuerbare Energien bilden die Basis der Versorgung. Photovoltaikanlagen auf Dächern und in Fassaden erzeugen Strom, Brunnenwasser wird über Wasser-Wasser-Wärmepumpen für Heizung, Kühlung und freie Sommerklimatisierung genutzt. Flächenheizsysteme arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen und sichern so einen energieeffizienten Betrieb. Der erzeugte Strom wird über Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur für E-Mobilität zwischengespeichert oder in ein virtuelles Kraftwerk eingespeist.
Die Fassaden übernehmen eine aktive Rolle im Klimakonzept: Vertikale Begrünung verbessert das Mikroklima und trägt zur Regenwasserrückhaltung bei, steuerbare Paneele sorgen für Tageslichtlenkung und Verschattung. Optional integrierbare PV-Elemente steigern den Eigenstromanteil genau zu den Zeiten, in denen Büroflächen den höchsten Bedarf haben.
Regenwassermanagement und Hochwasserschutz sind integraler Bestandteil. Retentionsdächer speichern Wasser und geben es kapillar an die Bepflanzung ab. Die Tiefgarage ist als kontrollierbarer Retentionsraum konzipiert; kritische technische Anlagen liegen oberhalb der möglichen Flutungsbereiche.
Ergänzend trägt eine Gebäudeautomation mit Monitoring zur Effizienz bei. Nutzer werden über digitale Tools aktiviert, ihr Verhalten an den Energiefluss anzupassen. So entsteht ein Quartier, das technische Innovation, ökologische Verantwortung und hohe Aufenthaltsqualität in Einklang bringt.

Genehmigungsfähigkeit und Realisierbarkeit

Das Projekt Baufeld 05 ist so konzipiert, dass es den geltenden bauordnungsrechtlichen und planungsrechtlichen Anforderungen entspricht und eine zügige Realisierbarkeit gewährleistet ist. Die städtebauliche Setzung fügt sich in die Rahmenplanung für den Deutzer Hafen ein und greift die wesentlichen Vorgaben zur Dichte, Durchlässigkeit und Höhenentwicklung auf.
Die Gebäude sind barrierefrei erschlossen und erfüllen die Anforderungen an den inklusiven Wohnungsbau. Die Brandschutzkonzeption berücksichtigt Sicherheitstreppenhäuser, Löschwasserversorgung und Rauchabführung. Sämtliche Wohnungen sind nach den geltenden Vorgaben ausgerichtet, sodass Belichtung und Aufenthaltsqualität nachweisbar gewährleistet sind.
Die Konstruktion des Hochpunkts auf Basis eines Stahlbetonkerns sowie die Holzkonstruktion des Hafenriegels stützen sich auf erprobte Bauweisen.Der Hochpunkt erreicht die maximal zulässige Höhe von 60 m (und setzt einen markanten Akzent an der Nordwestecke des Baufelds. Vorfertigung und modulare Strukturen erlauben eine verlässliche Kosten- und Terminsicherheit. Ergänzend erleichtert die Anordnung der Tiefgarage außerhalb der Gebäudeflächen sowohl die Realteilbarkeit als auch die technische Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen.
Im Hinblick auf die Genehmigungsfähigkeit ist das Projekt auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz ausgerichtet. Die Einhaltung des KfW-40-EE-Standards, die Integration von PV-Anlagen, die Nutzung erneuerbarer Energien sowie die Umsetzung einer konsequenten Regenwasserstrategie tragen zu einer positiven Beurteilung im bauaufsichtlichen Verfahren bei.
Damit ist das Ensemble nicht nur architektonisch und städtebaulich schlüssig, sondern auch unter den Gesichtspunkten der Genehmigungsfähigkeit und Realisierbarkeit robust und zukunftsfähig.

Zusammenfassung

Baufeld 05 im Deutzer Hafen verbindet industrielle Tradition mit zukunftsweisender Architektur. Ein markanter Hochpunkt, vielfältige Gebäudetypologien, begrünte Freiräume und ein nachhaltiges Energiekonzept schaffen ein robustes, durchmischtes Quartier, das soziale Vielfalt, Klimaschutz und städtebauliche Qualität vereint.





Beurteilung durch das Preisgericht

Bauteil A und B
Der Hochpunkt „Speicher 5“ setzt einen markanten städtebaulichen Akzent. Seine vertikale Gliederung und die begrünte, fein strukturierte Filterfassade interpretieren das historische Silo zeitgemäß. Die Fassadentechnik mit beweglichen, vertikalen Elementen erscheint jedoch technisch aufwendig. Kritisch angemerkt wird die sehr langgestreckte Ausformulierung des Hochpunkts, die zu einer dominanten Scheibenwirkung führt und in ihrer Nähe zu Bauteil C die Belichtung desselben beeinträchtigt. Auch das Fehlen eines Versprungs oder Versatzes wird negativ bewertet, da es ungünstige Auswirkungen auf die Windverhältnisse (Fallwinde) erwarten lässt. Die doppelhohen Grünräume mit großem Baumbestand werden in ihrer Funktionalität hinterfragt.

Bauteil B entwickelt durch ein strenges Fassadenraster, eine tief gegliederte, belebte Fassade und eine markante Dachform eine kraftvolle Silhouette. Die Ausbildung des Sockels mit Überhang zur Hafenpromenade und die Integration einladender Funktionen im Erdgeschoss werden vom Preisgericht positiv hervorgehoben.
Perspektive Poller Kirchweg

Perspektive Poller Kirchweg

Lageplan

Lageplan

Isometrie

Isometrie

Ansicht Nord-Ost

Ansicht Nord-Ost

Ansicht Nord-West

Ansicht Nord-West

Ansicht Süd-Ost

Ansicht Süd-Ost

Ansicht Süd-West

Ansicht Süd-West

Längsschnitt

Längsschnitt

Querschnitt

Querschnitt

Grundriss EG

Grundriss EG

Grundriss 1. OG

Grundriss 1. OG

Grundriss RG

Grundriss RG

Fassadenschnitte

Fassadenschnitte

Piktos

Piktos