Einladungswettbewerb | 10/2025
Entwicklung suburbaner Logistikhub Stuttgart-Wangen
5
Lageplan
©asp Architekten GmbH
Anerkennung
Preisgeld: 7.000 EUR
Stadtplanung / Städtebau
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Timo Wendschuh, Jana Melber, Farzad Razavi, Carina Waiblinger
Erläuterungstext
THE CIRCULAR HUB /// NECKARTAL 3.0
Die Industrielandschaft entlang des B10-Korridors steht vor weitreichenden Veränderungen, die sich über die nächsten Jahrzehnte abzeichnen werden. Dabei eröffnen sich einzigartige Zeitfenster Nutzungsmischungen, Flächenausnutzung und Verkehrsbeziehungen neu zu verhandeln. Wangen wird die industrielle Transformation durch den großen Anteil gewerblich genutzter Flächen stark betreffen. Insbesondere die Bruchstellen zwischen Stadt und Gewerbegebiet mit ihren Maßstabssprüngen können durch ein besonderes Augenmerk zu vielfältigen Schnittstellen entwickelt werden.
Der Logistikhub bietet in diesem Spannungsfeld für Wangen die Möglichkeit diese Entwicklungen voranzutreiben, indem ein funktionaler Raum entsteht, der gleichzeitig Aufenthalts- und Bewegungsräume mit sich bringt, der unterschiedlichen Bedarfe von Lkw-Fahrer:innen, Schüler:innen, Gewerbetreibenden und Wagner:innen gerecht wird und so robust und flexibel wie möglich auf zukünftige Nutzungsanforderungen reagieren kann.
Konzept – CIRCULAR HUB
Als HUB fasst das Gebäude alle Funktionen unter einem großen Dach zusammengefasst. Das kompakte Objekt entwickelt als selbstbewusster Stadtbaustein die Kraft in dem heterogenen Umfeld zu bestehen. Über drei funktionale Schichten sind die Anforderungen an das Gebäude klar zoniert und auf die jeweiligen Bedarfe der Nutzer:innen ausgelegt. Die Schichten bieten zudem eine klare Orientierung in den weiten Flächen des Gebäudes. Dazu bildet eine Erschließungsspange zur Stadt im Gebäude und Freiraum eine Schnittstelle zu den angrenzenden Funktionen aus sowie eine klare Eingangssituation durch sichtbare Erschließungselement. Als robustes Gerüst ist das Gebäude so offen wie möglich konzipiert. Offenheit zeigt sich sowohl über Transparenz und Durchlässigkeit aber auch über Anpassungsfähigkeit in der Nutzung. Zudem ermöglicht es einen möglichst geringen Ressourceneinsatz. Einen wilde grüne Dachlandschaft einen Kontrast, der über Höfe und Dachterrassen erlebt werden kann. Das grüne Dach wirkt der Flächenversiegelung entgegen und schafft eine Dachaufsicht, die über die Aussichtspunkte in der Region erlebt werden kann.
Funktionale Schichten
Das Erdgeschoss stellt die Anforderungen des Autohofs dar. Neben den kompakt und funktional angeordneten Stellplätzen, gibt es Raum für Infrastruktur der Lkw-Fahrer:innen, wie WC und Duschen, die an den Erschließungskernen angedockt sind. Richtung Otto-Konz-Brücke sind das Hochregallager und der Reifen- und Autoservice angeordnet. In der Erschließungsspange befinden sich die Aufgänge ins Obergeschoss, Fahrradabstellanlagen sowie der Shop der Tankstelle, die an der Zufahrt ins Gebäude sitzt.
Im ersten Obergeschoss finden Gewerbetreibende und Handwerk:innen Raum. Ihre Flächen sind an der Fassade angeordnet um ausreichend Belichtung zu ermöglichen. Flächen an der Erschließungsspanne bieten zudem Raum für Aneignung durch die Betriebe. Die Logistikflächen liegen im Inneren des Gebäudes und lassen sich in unterschiedliche große Einheiten aufteilen. Erschlossen werden die Funktionen durch einen Ring, der durch das Geschoss führt. Er ist breit genug für Logistikverkehr und Anlieferungen. Auf dem Geschoss ist zudem eine Parkgarage für über 200 Stellplätze auf zwei Ebnen vorgesehen.
Außerdem liegt die Erweiterung des Schulhofs auf der ersten Ebene. Der Hof liegt in direkter Nachbarschaft zur Schule und ist über die Durchwegung für Fuß- und Radfahrer:innen angebunden. Eine Freitreppe und Aufzugsanlagen im Gebäude führen zu den Spiel- und Sportflächen. Im Erdgeschoss ist im Bereich der Erschließung des Schulhofs kein Durchfahrt vorgesehen.
Im zweiten Obergeschoss entsteht im Zusammenspiel mit der Dachlandschaft ein flexibler Arbeitsort, der durch Belichtungshöfe und den Erschließungsring unterschiedliche große Raumkonfigurationen zulässt. Die Räume sind für Büros und Labore vorgesehen, können aber auch in weiterer Zukunft andere Nutzung wie Bildung und Wohnen ermöglichen. Zudem wir an die Erschließungsspange angedockt die gastronomischen Einrichtungen vorgesehen, die über Innen- und Außenräume attraktive Aufenthaltszonen bietet.
Struktur
Das Grundraster, welches sich aus der Anordnung der LKW-Stellplätze ableitet, dient als robustes Grundgerüst. Die robuste Konstruktion vermittelt eine hohe Flexibilität und ist auch in der äußeren Erscheinung ablesbar. Neben der Erschließungsspange auf der Westseite des Gebäudes erschließen durchgehende Kerne die oberen Stockwerke mit Medien und zusätzlichen Treppenhäusern. Der Ausbau der Räume in den Obergeschossen wird als Leichtbau, bevorzugt aus Holz, vorgesehen und bietet Flexibilität im Umbau. Das Dach bildet eine Landschaft aus extensiv und intensiv begrünten Dächern, teilweise in Kombination mit PV-Anlagen, nutzbaren Dachgärten und eingeschnittenen Innenhöfen aus.
FREIRAUM
Die Freiraumstruktur gliedert sich grundsätzlich in zwei Bereiche: die Stadtebene, mit sich mit dem Quartierskontextverzahnenden Freiräumen, sowie die Dachebene als angehobener, begrünter Freiraum auf dem Gebäude.
Stadtebene – CONNECTED-HUB
Die den Logistikhub umgebenden Freiräume reagieren jeweils auf den existierenden städtischen Kontext. Die Westseite verzahnt sich eng mit dem angrenzenden Quartier. Eine großzügige durchgehende Nord-Süd-Wegeverbindung wird geschaffen, die durch sich in Ost-West Richtung liegende thematische Streifen hindurchführt. Der Schulhof wird erweitert und erhält einen in den Hub integrierten Aktivhof mit Sportfläche. Darüber hinaus wird ein einladender Zugang zum Hub geschaffen, der in einem Vorplatz mündet. Weitere Verbindungen haben eine ökologisch-klimatische Funktion. Südlich und östlich umgibt ein ökologischer Rand mit Baumpflanzungen, Versickerungsflächen und Biotopen den Hub.
Dachebene – HIGH-HUB
Das riesige Dach des Logistikhubs wird als hybrider Freiraum verstanden, der die eigentlich großflächige Versiegelung durch das Gebäude, durch Begründung mit einem hohen ökologischen Wert und durch maximale Wasserretention wieder ausgleicht. So wird ein wertvoller Beitrag im ansonsten stark versiegelten Neckartal geleistet. In einem eigenständigen Freiraumtypus wird hier großflächige Energieproduktion und Biodiversität mit punktuellen Angeboten für die Nutzer*innen kombiniert. In der Dachfläche eingeschnitten liegen zugängliche grüne Höfe als Kommunikations- und Pausenorte, die durch einen ringförmigen Loop verbunden und an die Erschließungsspange im Osten angebunden werden. Durch die Verknüpfung der beiden Zeitschichten Naturraum und Produktionsraum, entsteht das Neckartal 3.0.
Nachhaltigkeit – CIRCULAR-HUB
Das Gebäude arbeitet mit möglichst geringem Ressourceneinsatz. Dabei sind nur die Flächen umschlossen, die eine thermische Hülle für ihre Funktion benötigen. Dies hat z.B. zur Folge, dass die Stellplätze der Lkws im Erdgeschoss nur über die Überdachung durch die Obergeschosse geschützt sind. Im ersten Obergeschoss ist der Erschließungsring als offener Raum konzipiert und auch die Pkw-Stellplätze sind ohne thermische Hülle vorgesehen. Dadurch kann eine natürliche Belüftung der Flächen gewährleitstet werden, was wiederum Energie spart. Die Erschließungszonen im zweiten Obergeschoss ist überdacht und dient als nicht beheizter Raum als Puffer zu den Büro- und Laborräumen.
Das Regenwassermanagement sieht eine mehrstufige Abfolge vor. Zunächst wird das Wasser auf den Dachflächen gesammelt und in den Böden der Dachlandschaft gespeichert. Wasser, das darüber hinaus anfällt, wird gefiltert, gespeichert und im Betrieb des Gebäudes genutzt. Neben dem klassischen Einsatz kann es auch zur Reinigung von Lkws genutzt werden. Durch die Verdunstung auf dem Dach wird das Mikroklima vor Ort verbessert. Zudem kann Trinkwasser eingespart werden und die Kanalisation entlastet werden.
Die großzügigen Flächen des Dachs stehen zu Energiegewinnung zur Verfügung. Die vorgesehenen PV-Anlagen ermöglichen einen CO2-freien Betrieb des Gebäudes. Der gewonnen Strom kann zukünftig zudem zum Laden der Lkws genutzt werden.
Zudem bietet sich eine Ausrichtung der Lagerflächen auf den Bereich des zirkulären Bauens an. Hierzu werden gut angebunden und zusammenhängende Flächen für die Region benötigt. Die Nähe zu Handwerker:innen auf dem Geschoss bieten sich für Kooperationen im Bereich der Aufarbeitung an. Auch der Ausbau der Büro- und Laboreben ist zirkulär möglich, da die Räume losgelöst von der Tragstruktur hergestellt werden können.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit schlägt für das Gebäude des Hubs ein flexibles und nach Aussage der Verfasser ressourcenschonendes Traggerüst vor. Die zugrundeliegenden Gedanken maximaler Flexibilität und dauerhafter Anpassungsfähigkeit sind zukunftsweisend. Die Arbeit besticht weiter durch einen hohen Grad der Durcharbeitung. Das statische Raster ist glaubhaft. Die Schichtung der Ebenen ist logisch und nachvollziehbar.
Städtebaulich kann die Arbeit allerdings nicht gleichermaßen überzeugen. Im Vergleich mit den anderen Arbeiten schafft sie die größte Baumasse. Ihre schiere Dimension lässt die Frage unbeantwortet, wie der Übergang zwischen gewerblicher Großform und kleinteiliger Ortslage elegant und qualitätvoll gelingen kann. Angesichts der Baumasse kommt dabei auch das Argument der Ressourcenschonung in Bedrängnis.
Die östlichen und südlichen Grünzüge sind wie gewünscht angeboten. Der westliche Grünzug wirkt durch das große Gebäude bedrängt und lässt konkrete Qualitäten vermissen. Der Schule kommt das Gebäude schlicht zu nah. Die Vorgabe, dass die Schulerweiterungsmöglichkeiten ohne Querung eines öffentlichen Weges erreichbar sein müssen, ist nicht gelöst.
Bei aller Flexibilität wird eine gliedernde Orientierungshilfe im Gebäude vermisst. Vor allem im dritten Geschoss mit den voraussichtlich eher kleinteiligen Nutzungen entstehen extrem lange und dadurch auch unübersichtliche Erschließungssituationen.
Insgesamt liefert die Arbeit wichtige Erkenntnisse, ohne gänzlich überzeugen zu können.
Städtebaulich kann die Arbeit allerdings nicht gleichermaßen überzeugen. Im Vergleich mit den anderen Arbeiten schafft sie die größte Baumasse. Ihre schiere Dimension lässt die Frage unbeantwortet, wie der Übergang zwischen gewerblicher Großform und kleinteiliger Ortslage elegant und qualitätvoll gelingen kann. Angesichts der Baumasse kommt dabei auch das Argument der Ressourcenschonung in Bedrängnis.
Die östlichen und südlichen Grünzüge sind wie gewünscht angeboten. Der westliche Grünzug wirkt durch das große Gebäude bedrängt und lässt konkrete Qualitäten vermissen. Der Schule kommt das Gebäude schlicht zu nah. Die Vorgabe, dass die Schulerweiterungsmöglichkeiten ohne Querung eines öffentlichen Weges erreichbar sein müssen, ist nicht gelöst.
Bei aller Flexibilität wird eine gliedernde Orientierungshilfe im Gebäude vermisst. Vor allem im dritten Geschoss mit den voraussichtlich eher kleinteiligen Nutzungen entstehen extrem lange und dadurch auch unübersichtliche Erschließungssituationen.
Insgesamt liefert die Arbeit wichtige Erkenntnisse, ohne gänzlich überzeugen zu können.
Isometrie
©asp Architekten GmbH
Explosionszeichnung
©asp Architekten GmbH
Querschnitt
©asp Architekten GmbH
Modellfoto
©asp Architekten GmbH