Einladungswettbewerb | 01/2026
Entwicklung Wohngebiet Südlich Gschlatt in Marktoberdorf
4
Lageplan
©Architekturbüro Huber / Stadtmüller.Burkhardt.Graf.Architekten
2. Preis
Preisgeld: 12.000 EUR
Erläuterungstext
STÄDTEBAULICHE IDEE Das Konzept basiert im Südlichen Bereich des Wettbewerbsumgriffs auf der Schaffung von frei verteilten und miteinander vernetzten Hoftypologien. Diese werden durch die Gruppierung unterschiedlicher Wohnformen wie Doppelhäuser, Reihenhäuser, Einzelhäuser sowie ein Geschosswohnungsbau um einen jeweils gemeinschaftlich genutzten Wohnhof gebildet. Durch die Durchmischung jeder Einheit entsteht ein angemessenes soziales Gefüge, das den Charakter des Quartiers prägt. Es wird so ein nachbarschaftliches Miteinander gefördert, was die Grundlage für einen nachhaltigen, zukunftsorientierten Städtebau bildet. Der Hofbaum bildet das soziale Zentrum des jeweiligen Blocks. Der Wohnhof ist generell frei von motorisiertem Verkehr gehalten, kann aber temporär befahren werden (Einkauf, Umzug, Feuerwehr, Krankenwagen). Jedes Haus besitzt eine private Grünfläche und zugleich den direkten Bezug zum Wohnhof. Im Erdgeschoss des Geschosswohnungsbaus ist das Parken integriert.
Als Sonderbau erhält dieses Gebäude ein begrüntes Flachdach und wird über einen Laubengang erschlossen. Alle anderen Gebäude erhalten ein Satteldach
und sind über den Wohnhof erschlossen. Die Anzahl der Geschoße ist im Lageplan beschrieben. Hier wird eine für die ländliche Situation maximale Geschossigkeit angestrebt. Durch die Schaffung von eigenständigen Einheiten ist eine abschnittsweise Realisierung gut möglich. Aufgrund der guten Nahversorgung im Umfeld des Quartiers werden keine weiteren Nutzungen außer Wohnen vorgesehen. Auf Tiefgaragen wird im Sinne des ökologischen Bauens bewusst verzichtet. Im Norden des Wettbewerbsgebiets wird die bestehende Bebauungsstruktur aufgegriffen und mit Doppel- und Einzelhäusern weitergeführt. Die Vernetzung der beiden Teile erfolgt über ein verzweigtes Wegenetz. Die Fläche mit Bodenkontamination wird nicht bebaut und mit Bäumen bepflanzt.
VERKEHRSKONZEPT Die Haupterschließung des Quartiers erfolgt über den an der Seegerstraße angeordneten Kreisverkehr. Hier befindet sich auch die neue
Bushaltestelle und ein Fußgänger Übergang. Die Erschließungsstraße führt bis zum zentralen Wendepunkt, der den zentralen Punkt des Quartiers markiert und erschließt auch die ehemalige landwirtschaftliche Hofstelle. Für die Bewohner stehen zusätzlich Anliegerstraßen (Stichstraßen) zur Verfügung, die als offene, gemeinschaftlich nutzbare Open-Space-Bereiche gestaltet sind und direkt zu den Häusern bzw. den Parkplatzbereichen (unter den Geschosswohnungsbauten) führen. Diese verkehrsberuhigten Räume unterstützen ein lebendiges, sicheres und durchgrüntes Wohnumfeld. Für Besucher sind weitere Stellplätze dezentral entlang der Erschließungsstraßen angeordnet. Eine Vernetzung mit dem nördlichen Wettbewerbsgebiet erfolgt ausschließlich über Rad- und Fußgängerwege. Hier soll ein verzweigtes Wegenetz auch zum Erleben des Grünzuges beitragen.
GRÜNKONZEPT / WASSERMANAGEMENT Der bestehende Grünzug wird in das Quartier weitergeführt und bildet mit einer dichten Baumbepflanzung eine klare räumliche Fassung des Areals. Dieser grüne Rand markiert nicht nur die Grenzen des Quartiers, sondern übernimmt gleichzeitig eine wichtige Funktion als Sichtschutz zur Seegerstraße. Der Lärmschutz wird über einen bewaldeten Lärmschutzwall sichergestellt. Im Grünzug befinden sich weitere Angebote der Naherholung wie ein Waldlehrpfad, ein Naturspielplatz sowie eine öffentliche Grillstelle. Diese Bereiche werden durch ein Netz von Pfaden miteinander
verbunden. Das Biotop wird als Regenwasser- Retentionsbecken ausgebaut und in seiner Ausdehnung deutlich zur Seegerstraße hin vergrößert. Oberflächliches Hangwasser wird bei Starkregenereignissen über Mulden gesammelt und gezielt dem Becken zugeführt, der Versiegelungsgrad der Rad- und Fußwege ist durch wassergebundene Wegedecken auf ein Minimum reduziert. Die Dachflächen der Gebäude werden an dezentrale Rigolen, die sich unter den Platzflächen liegen, angeschlossen und der Überschuss in das Retentionsbecken geleitet.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit bietet im Süden insgesamt sieben gut proportionierte Wohnhöfe an und setzt im Norden – abgetrennt durch einen durchgezogenen Grünzug – mit einer Weiterentwicklung die Bestandsstruktur durch Einzel- und Reihenhäuser fort.
Insbesondere durch das Motiv der gemeinschaftlichen Wohnhöfe im Süden werden funktionierende Nachbarschaften generiert. Die Zusammenfassung von Geschosswohnungsbau, Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern um eine zentrale Mitte lässt ein hohes Maß an sozialer Interaktion und Gemeinschaft erwarten. Die Adressbildung funktioniert vorbildlich.
Das neue Wohngebiet südlich Gschlatt wird an zwei Stellen unabhängig voneinander erschlossen. Einmal vom geplanten Kreisverkehr an der Seeger Straße aus über eine sich nach Norden und Süden verzweigende Erschließungsstraße, bei der jedoch die Wendemöglichkeiten für Müll- oder Schneeräumfahrzeuge verbessert werden müssen. Zum anderen werden im Norden die Martin-Dömling- und Pater Hartmann-Straße zusammengebunden.
Die Parkierung im südlichen Teil findet je Wohnhof in einfacher Weise unter den aufgeständerten Mehrfamilienhäusern statt. Kritisch anzumerken ist die nicht für alle Gebäude um die Hofräume gegebene temporäre Anfahrbarkeit für Anlieferung, Rettungsdienst etc.
Durch den Verzicht auf eine Bebauung westlich des Ettwieser Bachs entsteht entlang der Seeger Straße ein durchgängiger Gehölzstreifen. Das topographisch anspruchsvolle Gelände im Südosten wird von Bebauung freigehalten und ebenfalls mit Bäumen bepflanzt (mögliche Ausgleichsfläche). Es wird außerdem Wert gelegt auf einen durchgängigen Grünzug von West nach Ost als Gliederung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teilgebiet. Die Wohnhöfe im Süden erhalten jeweils einen speziellen Hofbaum, der sicherlich auch zur jeweiligen Identität für die Hofbewohner beiträgt.
Einzelne Bauabschnitte sind auf den Plänen nicht explizit dargestellt, jeder Wohnhof könnte aber nach und nach für sich realisiert werden. Vorgeschlagen werden durchgängig einfache Satteldachbaukörper, die eine hohe Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Unterhalt erwarten lassen. Einzig die aufgeständerten Mehrfamilienhäuser weisen ein begrüntes Flachdach auf, was die Gesamtkonfiguration wohltuend bereichert.
In der statistischen Auswertung erscheint der Grünanteil am zweithöchsten im Vergleich aller Arbeiten, der Versieglungsanteil entsprechend am zweitniedrigsten.
Das Wassermanagement mit einem Netz aus Mulden und einer Regenrückhaltefläche im Westen scheint grundsätzlich gut nachvollziehbar. Die vorgeschlagenen Fließwege folgen jedoch nicht durchgehend der Topographie und müssen ggf. überdacht werden.
Mit 148 Wohneinheiten liegt der Vorschlag mitten in der durch die Auslobung formulierten Bandbreite. Die vorgeschlagenen Hofstrukturen scheinen so flexibel, dass eine große Zahl unterschiedlicher Wohneinheiten realisierbar wird.
Die städtebauliche Struktur der Wohnhöfe ist sicherlich so robust, dass die notwendige Anpassung im Hinblick auf das Nicht-Tangieren der kontaminierten Fläche machbar wäre. Vermisst wird ein Vorschlag für die Anordnung einer Wärme-/Kältezentrale im Gebiet.
Insgesamt bietet die Arbeit einen überzeugenden und zeitgemäßen Lösungsansatz für die Herausforderungen an ein neues Wohngebiet am Stadtrand im Übergang zur freien Landschaft.
Insbesondere durch das Motiv der gemeinschaftlichen Wohnhöfe im Süden werden funktionierende Nachbarschaften generiert. Die Zusammenfassung von Geschosswohnungsbau, Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern um eine zentrale Mitte lässt ein hohes Maß an sozialer Interaktion und Gemeinschaft erwarten. Die Adressbildung funktioniert vorbildlich.
Das neue Wohngebiet südlich Gschlatt wird an zwei Stellen unabhängig voneinander erschlossen. Einmal vom geplanten Kreisverkehr an der Seeger Straße aus über eine sich nach Norden und Süden verzweigende Erschließungsstraße, bei der jedoch die Wendemöglichkeiten für Müll- oder Schneeräumfahrzeuge verbessert werden müssen. Zum anderen werden im Norden die Martin-Dömling- und Pater Hartmann-Straße zusammengebunden.
Die Parkierung im südlichen Teil findet je Wohnhof in einfacher Weise unter den aufgeständerten Mehrfamilienhäusern statt. Kritisch anzumerken ist die nicht für alle Gebäude um die Hofräume gegebene temporäre Anfahrbarkeit für Anlieferung, Rettungsdienst etc.
Durch den Verzicht auf eine Bebauung westlich des Ettwieser Bachs entsteht entlang der Seeger Straße ein durchgängiger Gehölzstreifen. Das topographisch anspruchsvolle Gelände im Südosten wird von Bebauung freigehalten und ebenfalls mit Bäumen bepflanzt (mögliche Ausgleichsfläche). Es wird außerdem Wert gelegt auf einen durchgängigen Grünzug von West nach Ost als Gliederung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teilgebiet. Die Wohnhöfe im Süden erhalten jeweils einen speziellen Hofbaum, der sicherlich auch zur jeweiligen Identität für die Hofbewohner beiträgt.
Einzelne Bauabschnitte sind auf den Plänen nicht explizit dargestellt, jeder Wohnhof könnte aber nach und nach für sich realisiert werden. Vorgeschlagen werden durchgängig einfache Satteldachbaukörper, die eine hohe Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Unterhalt erwarten lassen. Einzig die aufgeständerten Mehrfamilienhäuser weisen ein begrüntes Flachdach auf, was die Gesamtkonfiguration wohltuend bereichert.
In der statistischen Auswertung erscheint der Grünanteil am zweithöchsten im Vergleich aller Arbeiten, der Versieglungsanteil entsprechend am zweitniedrigsten.
Das Wassermanagement mit einem Netz aus Mulden und einer Regenrückhaltefläche im Westen scheint grundsätzlich gut nachvollziehbar. Die vorgeschlagenen Fließwege folgen jedoch nicht durchgehend der Topographie und müssen ggf. überdacht werden.
Mit 148 Wohneinheiten liegt der Vorschlag mitten in der durch die Auslobung formulierten Bandbreite. Die vorgeschlagenen Hofstrukturen scheinen so flexibel, dass eine große Zahl unterschiedlicher Wohneinheiten realisierbar wird.
Die städtebauliche Struktur der Wohnhöfe ist sicherlich so robust, dass die notwendige Anpassung im Hinblick auf das Nicht-Tangieren der kontaminierten Fläche machbar wäre. Vermisst wird ein Vorschlag für die Anordnung einer Wärme-/Kältezentrale im Gebiet.
Insgesamt bietet die Arbeit einen überzeugenden und zeitgemäßen Lösungsansatz für die Herausforderungen an ein neues Wohngebiet am Stadtrand im Übergang zur freien Landschaft.
Konzept der Wohnhöfe
©Architekturbüro Huber / Stadtmüller.Burkhardt.Graf.Architekten
Modellfoto
©Architekturbüro Huber / Stadtmüller.Burkhardt.Graf.Architekten
Modellfoto
©Architekturbüro Huber / Stadtmüller.Burkhardt.Graf.Architekten