Nichtoffener Wettbewerb | 05/2025
Entwicklung Zukunftsort Dransdorfer Berg in Bonn
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Perspektive Werkhof
Preis / Zur Teilnahme am Werkstattverfahren eingeladen
Preisgeld: 12.000 EUR
CITYFÖRSTER architecture + urbanism
Stadtplanung / Städtebau
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Lena-Kristin Lauermann, Marleen Klockenkemper, Lydia Oehlwein, Sina Schröder
Erläuterungstext
Zukunftsort Dransdorfer Berg – Gemeinschaft wächst weiter
Einleitung
Das Projekt „Zukunftsort Dransdorfer Berg“ schafft ein gemeinschaftsorientiertes Quartier, das Wohnen, Bildung, Pflege und Naturschutz miteinander verbindet. Das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei wird zu einem lebendigen, durchgrünten Stadtbaustein weiterentwickelt. Ökologische Prinzipien bilden dabei die Grundlage für die städtebauliche Struktur und das soziale Miteinander.
Bereits im Bestand weist das Gelände einen starken Charakter auf, der durch neue Impulse gestärkt und weiterentwickelt wird. Die markanten Gewächshausstrukturen, großflächigen Saatbeetfelder und wilde Grünräume prägen das Gebiet. Die typischen Satteldächer der Gewächshäuser werden als Gestaltungselement aufgegriffen und neu interpretiert. Das Quartier wird von Freiräumen durchzogen, die den angrenzenden Landschaftsraum aus dem Süden in das Gebiet hineinführen. Als geschätzter Ort für Bildung, Erholung und Wohnen vernetzt sich der Dransdorfer Berg mit den umliegenden Nachbarschaften.
Städtebauliches Konzept: Ein lebendiges Miteinander
Das Quartier wird durch vielfältige städtebauliche Bausteine geprägt, die sich gegenseitig ergänzen und Synergien erzeugen. Die zentrale Erschließungsstraße bleibt erhalten und sorgt für eine klare Orientierung im Quartier. Nutzungsbereiche werden gezielt angeordnet: Die belebteren und gut zugänglichen Einrichtungen befinden sich im Nordwesten, während die Wohnnutzungen im Osten verortet sind. Trotz dieser klaren Struktur bleibt das gesamte Quartier ein Ort des Austauschs und der Begegnung, in dem das Miteinander im Alltag selbstverständlich ist.
Zentrale Elemente
Quartiersmitte mit Werkhof
Die Quartiersmitte bildet das Herzstück des gemeinschaftlichen Lebens. Der Werkhof ist ein lebendiger Treffpunkt, an dem gearbeitet, gelernt und interagiert wird. Werkstätten, Gärten sowie die Kantine und ein Café schaffen ein offenes und einladendes Umfeld. Die Einrichtungen der Montag Stiftungen bespielen den Werkhof, während die gemeinschaftlichen Einrichtungen der Initiative Neue Stadtgärtnerei direkt angrenzen. Die Pflegeeinrichtungen sind in die Quartiersmitte eingebunden, sodass kurze Wege zur Kantine und durch den grünen Saum, zu naturnahen Erholungsräumen gewährleistet sind.
Wohnen und Nachbarschaft
Die Wohnbereiche orientieren sich an der bestehenden Struktur des Quartiers. Das Gerüst des ehemaligen zentralen Gewächshauses bleibt erhalten und dient als prägendes Element für die Nachbarschaft der Neuen Stadtgärtnerei. Um den besonderen Charakter des Ortes zu bewahren und eine optimale Durchlüftung sowie Belichtung zu ermöglichen, sind die Wohngebäude in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet und damit dem Bestand nachempfunden. Es entstehen 28 Wohneinheiten, die durch das flexible 4x4-Raster individuell anpassbar sind. Dadurch können sowohl kleinere als auch größere Wohneinheiten entstehen, die sich an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner orientieren und bei veränderten Anforderungen angepasst werden können. Die angrenzenden Freiräume durchziehen die Wohnbebauung und gehen fließend ineinander über. Sie bieten Raum für gemeinschaftliche Nutzungen wie Gärtnern, Spielen und Erholen.
Das Wohnen im Zukunftsort Dransdorfer Berg ist geprägt von einem engen nachbarschaftlichen Miteinander. Spontane Begegnungen, gemeinschaftlich genutzte Freiräume und vielseitige Gemeinschaftsräume fördern den Austausch und das Zusammenleben. Hier entsteht eine lebendige Nachbarschaft, in der das tägliche Miteinander aktiv gestaltet wird und soziale Verbindungen auf selbstverständliche Weise ermöglicht werden.
Freiraum und urbane Landwirtschaft
Das Grundstück der ehemaligen Stadtgärtnerei wird auch zukünftig von vielfältigen Grünräumen charakterisiert. Ein grüner Saum bettet das Quartier und stellt einen naturnahen Übergang zwischen Quartier und Landschaft her. Wertvolle Gehölzstrukturen, versteckte Lebensräume sowie Bäume der ehemaligen Baumschule werden erhalten und durch einen Erlebnispfad miteinander verbunden. Dieser führt durch vielseitige Angebot aus Grünräumen, wie einem Naschgarten mit Obst- und Nussgehölzen, einem Lehr- und Bildungsgarten mit Natur-Erlebnis-pfad sowie einem Wassergarten mit landschaftlich integrierten Retentionsflächen.
Im Inneren des grünen Rings verzahnt sich dieser mit großzügigen Saatgutbeeten. Sie unterstreichen die Nord-Süd-Aufrichtung des Entwurfs und tragen zur ökologischen Vielfalt sowie nachhaltigen Produktion bei. Die Quartiersmitte wird durch einen sozialen Werkhof geprägt. Er bietet zusammen mit der biologischen Station und lokalen Workshops grüne Bildungs- und Experimentiergärten als Lernorte für Umweltbildung und Austausch.
Im Osten verwebt sich der grüne Saum mit solidarischen Gartennischen der Wohnbebauung. Gemeinschaftsterrassen, -beete und Kletterbäume verbinden Anwohnende und Nachbarschaften. Bespielt wird das Herz der Wohnbebauung durch den Wohnhof - einem Spiel- und Begegnungsraum, der thematisch an die Stadtgärtnerei erinnert. Über die Dorfstraße erreichen Anwohnende den Naschgarten, einen Grillplatz und den Erlebnispfad des grünen Saums.
Das Freiraumkonzept folgt zudem dem Schwammstadt-Prinzip. Das Quartier wird als Null-Abfluss-Quartier entwickelt, sodass Regenwasser dezentral gesammelt, gespeichert und für die Bewässerung von Pflanzen genutzt wird. Retentionsflächen sind in die Landschaft integriert und dienen gleichzeitig als ökologische Pufferzonen, die die Artenvielfalt fördern. Das reaktivierte Regenauffangbecken der Stadtgärtnerei ist durch einen Wassergarten mit Terrasse erlebbar gestaltet.
Mobilität: Autoarmes Quartier mit Fokus auf aktive Fortbewegung
Der Zukunftsort Dransdorfer Berg setzt auf eine klare Priorisierung des Fuß- und Radverkehrs. Fahrradstellplätze sind dezentral verteilt, sodass der Weg zum Fahrrad direkt und bequem ist. Sichere Abstellmöglichkeiten für Zweiträder befinden sich in den Kellern der ehemaligen Stadtgärtnerei unterhalb der Wohngebäude. Sie sind über eine Rampe sowie Treppen mit Schieberillen gut erreichbar. Weitere Abstellbereiche finden sich nahe der Eingänge und an den frequentierten Hofstrukturen.
Das Quartier ist bewusst autoarm gestaltet, um eine hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu sichern. Der motorisierte Verkehr wird in einer Parkscheune am Rand des Quartiers aufgenommen, sodass innerhalb des Wohngebiets weitgehend auf Autoverkehr verzichtet werden kann. Dadurch entsteht ein verkehrsberuhigtes Wohnumfeld mit großzügigen Freiflächen für soziale Interaktion.
Anlieferungen der Biologischen Station und der Mensa sind selbstverständlicher Teil des Quartierslebens. Diese logistischen Abläufe unterstreichen die Vielfalt der Nutzungen und rahmen den Werkhof im Quartier.
Fazit
Der Zukunftsort Dransdorfer Berg zeigt, wie ein ökologisch und sozial ausgerichtetes Quartier neue Verbindungen zwischen Natur und Gemeinschaft schafft. Durch gemeinschaftliches Gärtnern, lebendige Nachbarschaften und nachhaltige Mobilitätslösungen entsteht ein Modell für zukunftsfähiges Wohnen und Leben. Das Quartier setzt neue Maßstäbe für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung, in der ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebauliche Qualität / Funktionalität / Nutzungsverteilung
Das Konzept besticht durch die Ausformung von zwei angemessen proportionierte Höfen, die eine gute Nutzbarkeit versprechen und geschickt miteinander verknüpft sind. Der zentral angeordnete Werkhof mit Café bildet ein einladendes Entree und bündelt die aktiven Nutzungen an nachvollziehbarer Stelle wohingegen der kleinere Wohnhof den Mittelpunkt des Wohnens bildet. Die Verknüpfung beider Plätze wird von den Gemeinschaftsnutzungen der NSG begleitet, wodurch insgesamt eine gute Abstufung der Freiräume von „öffentlich“ zu „privat“ gelingt und Raum für Synergien zwischen den beiden Nutzerinnengruppen angeboten wird. Die Anordnung der Bausteine ist überwiegend gelungen, lediglich die Lage der Biologischen Station ist hinsichtlich der Anlieferverkehre nicht optimal.
Die Unterbringung des ruhenden Verkehrs in einer Parkscheune wird begrüßt, auch wenn die Anordnung eines Teils der Stellplätze entlang des Nachbargrundstücks nicht überzeugt.
Der Umgang mit den Bestandsstrukturen wird gemischt bewertet. Der attraktive Auftritt nach Außen wird durch den Entfall des Bestandsgebäudes erkauft. Der Erhalt des zentralen Gewächshauses wird gewürdigt, allerdings ist eine Zugänglichkeit für die Feuerwehr dadurch erschwert, zugleich ist eine Nutzung in Teilen als Halle o.ä. wünschenswert. Die Integration des Kellers als Abstellort für Fahrräder wird überzeugend dargelegt. Ein Translozieren der Gewächshäuser wird kritisch gesehen.
Die Baukörper insgesamt sind angemessen und versprechen eine gute Nutzbarkeit für die jeweiligen Nutzerinnengruppen. Allerdings weisen sowohl die Bausteine der MUR als auch der NSG eine deutliche Unterdeckung auf. Auch die Größen der Freiräume der MUR und der Biologischen Station erreichen nicht die vorgegebenen Flächenwerte.
Die Freiraumgestaltung und die Anordnung der grünen Säume verspricht eine attraktive Nutzbarkeit. Auch die Vernetzung mit dem Quartier wird gewürdigt.
Qualität der Umweltaspekte / Innovation
Der Erhalt der Ruderalflächen wird begrüßt. Die Vorgaben zum Thema Klimaschutz, Klimaanpassung und Schwammstadt sind, abgesehen von der Kompaktheit der Baukörper und soweit sie prüfbar waren, berücksichtigt.
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Flugperspektive
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Lageplan 1:1000
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Lageplan 1:500
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Schnitt Werkhof, Nachbarschaftsmitte
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Leitbild
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Landschaft Typen
©Cityförster a+u, TREIBHAUS Landschaft
Modell - Werkhof