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Nichtoffener Wettbewerb | 08/2024

Entwicklung Zukunftsquartier Piek 17 in Bremen

Fußgängerperspektive
5

Fußgängerperspektive

3. Preis

Preisgeld: 15.000 EUR

HPP Architekten GmbH

Stadtplanung / Städtebau

Grün Team GmbH

Landschaftsarchitektur

REICHER HAASE ASSOZIIERTE GmbH

Stadtplanung / Städtebau

ARGUS Stadt und Verkehr

Verkehrsplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Entwurfsverfasser*innen schlagen vor, das große Areal über klare, großzügige, öffentliche Räume und prägnante höhere Gebäude zu strukturieren. Dieses robuste städtebauliche Gerüst beinhaltet einen fast 400 Meter langen Park entlang der Kaje, der vom Waller Sand parallel zum Schuppen 17 verläuft. Der Schuppen selbst wird dadurch freigestellt und zum zentralen, nutzungsgemischten, frequentierten Ort mit zahlreichen Angeboten an die Öffentlichkeit (Gastronomie, foodcourt, urban sport, makerspace, KITA).

Die Positionierung der Hochpunkte überzeugt das Preisgericht, deren Höhe und Massivität erscheint allerdings stark übertrieben. Neben der Kaje und dem Schuppen 17 mit Gleisvorfläche werden weitere „Hafenspuren" erhalten und als identitätsstarke Elemente genutzt. Die Kühlhausnase bleibt ein Ort mit wenig Vegetation, viel offener Fläche und einem inszenierten, großartigen sowie multifunktionalen „Platz am Wasser mit Weitblick". Die vorhandenen Gleisanlagen bleiben erhalten und bilden im Südosten mit den spezifischen Radien einen besonderen Quartierseingang aus. Das Maschinenhaus bleibt erhalten und wird in ein Startup-Haus mit Welcome Center integriert.

In der sog. „Dritten Reihe“ werden die gewerblichen Nutzungen sinnvoll in differenzierten Gewerbehöfen organisiert. Fünf unterschiedlich große Höfe ermöglichen ein breites Spektrum von Flächen- und Raumangeboten von kleinen bis großen ein- bis zweigeschossigen Hallen und drei- bis fünfgeschossigen, 16 Meter tiefen Gebäuden. Die Nutzungsvorschläge reichen von Büros, Ateliers, Coworking-Spaces, Werkräumen, Laboren, Makerspaces, bis zu produzierendem Gewerbe, etc. Das vorgeschlagene räumliche Bild bleibt anpassungsfähig, um auf konkrete Bedarfe reagieren zu können.

Die im Modell dargestellte Höhenentwicklung, insbesondere im Übergang zum Wohnquartier, sprengt den Rahmen, wirkt störend und unnötig übertrieben. Das angrenzende Wohngebiet wird dadurch erheblich abgewertet und dessen Wohnqualität eingeschränkt.

Die Erschließung der Gewerbehöfe kommt weitgehend ohne neue Erschließungsstraßen aus. Sie werden von der Birkenfelsstraße und der Herzogin-Cecilie-Allee erschlossen und sind zudem untereinander verbunden. Die Anlieferung der Hallen und Gebäude erfolgt aus dem Gewerbehof-Inneren, so dass der Charakter der Allee als nutzungsgemischte Stadtstraße erhalten bleibt. Die Stellung der Gebäude entlang der Herzogin-Cecilie-Allee orientiert sich an den gegenüberstehenden Wohngebäuden. Die fünf querenden Straßen werden fortgeführt, so dass eine angemessene Vernetzung zwischen bestehendem und neuem Quartier gewährleistet ist.

Die Verortung eines neuen Hochschulcampus im Süd-Osten des Wettbewerbsgebiets schafft eine gute Anbindung an die existierende Kunsthochschule. Die Position des Bildungsbausteins am Quartierseingang ermöglicht zudem zahlreiche Bezüge zum Quartier bezüglich Urbaner Produktion, Energie oder Klima. Nachteilig ist, dass die gewerbliche Produktion dadurch im Übergang zur Wohnbebauung angeordnet werden muss.

Die phasenweise Entwicklung in bis zu sechs Bauabschnitten ist nachvollziehbar. Strategisch erscheint es dem Preisgericht sinnvoll in der Phase 0 mit dem Park und dem Welcome Center zu beginnen. Diese öffentliche Vorinvestition würde sich voraussichtlich positiv auf einen hohen Entwicklungsstandard der folgenden Phasen auswirken.

Die Lage der neuen Straßenbahnhaltestelle im nördlichen Bereich des grünen Parks ist gut gelöst und bietet eine passende Nähe zum frequentierten Waller Sand und zu den neuen Angeboten an der Kühlhausnase. Die zwei Mobilitäts-Hubs sind gut positioniert, der große, südliche Hub mit knapp 600 Stellplätzen würde viel Verkehr aus dem Gebiet heraushalten. Aussagen zur Fahrradmobilität sind textlich beschrieben und ließen sich gut im Rückgrat des linearen, grünen Parks integrieren. Die Straßenraum-Gestaltung und zahlreichen Stellplätze im Bereich nördlich von Schuppen 17 werten diesen Raum zu wenig auf. Die Entwurfsverfasser*innen schlagen weiterhin nördlich der Kühlhausnase einen zusätzlichen Schiffsanleger im Holz- und Fabrikenhafen sowie eine Fußgängerbrücke zu den Quartieren in Gröpelingen und Walle vor.

Der 90 Meter breite, knapp 400 Meter lange Park bietet Möglichkeiten zur Belüftung und Kühlung des Quartiers. Die kompakten, geometrisch einfachen Gebäude ermöglichen eine sparsame Bauweise und einen optimierten Betrieb. Es werden Baustrukturen vorgeschlagen, die im Wesentlichen den Zielsetzungen entsprechen, einen klimaneutralen und energieoptimierten Wirtschaftsstandort zu schaffen: Der Bestand wird vollständig weitergenutzt. Die kompakte Bauweise ermöglicht durch Teilöffnungen überwiegend eine natürliche Belichtung und Belüftung. Die Dächer sind grundsätzlich für die Nutzung durch PV geeignet, allerdings sind in Teilen Verschattungen durch höhere Baukörper zu erwarten. Die wenigen neuen Straßen und der sinnvolle Umgang mit dem Bestand entsprechen den in der Auslobung formulierten Nachhaltigkeitsaspekten. Die gute Positionierung der beiden Mobilitätshubs ermöglicht eine fußläufige Erreichbarkeit innerhalb von ca. 7 Minuten.

Auch wenn die Höhenentwicklung insbesondere entlang der Herzogin-Cecilie-Allee und der Hochpunkte als unpassend empfunden wird, überzeugt die Arbeit mit einem gut strukturierten städtebaulichen und freiräumlichen Konzept, durchdachten Nutzungsverteilungen und zahlreichen zukunftsweisenden Einzelaspekten (Campus, Welcome Center, Phase 0, Hochpunkte).
Masterplan 1:1000

Masterplan 1:1000

Vogelperspektive

Vogelperspektive