modgnikehtotsyek
TÄGLICH FRISCHE WETTBEWERBE UND JOBS Jetzt Newsletter bestellen

Award / Auszeichnung (auch f├╝r Studenten) | 06/2023

Erich-Mendelsohn-Preis 2023 f├╝r Backstein-Architektur

Luise 19E

DE-14542 Werder

Winner Gold I Kategorie: Newcomer

undjurekbr├╝ggen

Architektur

Projektdaten

  • Geb├Ąudetyp:

    Kultur-, Veranstaltungsgeb├Ąude

  • Projektgr├Â├če:

    keine Angabe

  • Status:

    Realisiert

  • Termine:

    Baubeginn: 01/2022
    Fertigstellung: 01/2023

Projektbeschreibung

Luise19E war einmal ein altes dreckiges Geb├Ąude mit vier Garagen und sollte abgerissen werden.

Luise 19E steht auf dem denkmalgesch├╝tzten Gel├Ąnde der Uferwerk eG - eine Genossenschaft f├╝r gemeinschaftliches und nachhaltiges Mehrgenerationenwohnen.

Die Fundamente waren teilweise ungen├╝gend tief gegr├╝ndet. Der Boden war kontaminiert mit ├ľl und die gemauerten W├Ąnde hatten gro├če Risse. Durch das Dach regnete es hinein. Die Dachdeckung enthielt Asbest und PAK. Die Innenr├Ąume schienen klein und dunkel. Das Mauerwerk wirkte kalt und feucht.

Bei einem Wettbewerb gewannen die jungen Architekt:innen und retteten den Bestand. Trotz des sehr schlechten Zustandes und des bereits genehmigten Ersatzneubaus schlugen sie vor, Luise 19E soweit wie m├Âglich zu erhalten und zu sanieren. Luise 19E sollte zu einem Gemeinschaftshaus f├╝r alle Bewohner:innen werden - ein Treffpunkt und gemeinsamer Wohnraum f├╝r alle.

Die neue Gestalt und Nutzung von Luise 19E entstand in einem partizipativen Planungs- und Bauprozess mit den Genossenschaftler:innen. In zahlreichen Workshops, Vortr├Ągen und Projektgruppen wurde ├╝ber die Nutzung und Gestaltung diskutiert - in zahlreichen Arbeitseins├Ątzen wurde in Eigenarbeit auf der Baustelle mitgearbeitet.

Das Dach musste wegen der starken Kontamination abgerissen und entsorgt werden. Die ├Âstliche Garage ohne bestehendes Fundament konnte vorsichtig abgebaut und neue Fundamente errichtet werden. Aus den Steinen des Abbaus wurde das vorherige Volumen mit gro├čen, neuen ├ľffnungen wieder aufgebaut. Die Zwischenw├Ąnde wurden bis auf Wandvorlagen abgerissen und die Au├čenw├Ąnde mit den dadurch gewonnen Steinen auf eine H├Âhe aufgemauert und saniert. Ein neuer Ringanker stabilisiert das Geb├Ąude. Eine Decke aus Holzbalken tr├Ągt die Holzfaserd├Ąmmung und ein Gr├╝ndach. Dar├╝ber liegt eine lichtdurchl├Ąssige Photovoltaik Anlage aus einzelnen R├Âhren.

Der Bestand wurde in seiner Heterogenit├Ąt belassen und nur konstruktiv ausgebessert beziehungsweise mit wiederverwendetem Material erg├Ąnzt. Das neue Dach mit sichtbarer Holzbalkendecke und Ringanker setzt sich im Inneren wie im ├äu├čeren vom Bestand ab. Die ehemaligen Garagen bleiben durch die Wandvorlagen erkennbar und gliedern den gro├čen Gemeinschaftsraum. Dieser ├Âffnet sich durch ein gro├čes Schiebefenster nach Osten auf die Terrasse und zum angrenzenden Fluss.

Luise 19E speichert in ihren Bestandsmauern und den bestehenden Fundamenten nicht nur graue Energie - bei der Sanierung wurden auch die aus dem R├╝ckbau gewonnen Ziegelsteine wiederverwendet und wieder eingebaut. Die Versiegelung des Bodens kompensiert Luise 19E mit einem neuen Gr├╝ndach und ihre dar├╝ber aufgest├Ąnderte Photovoltaik Anlage produziert regenerativen Strom. Eine klimapositive Innend├Ąmmung aus Hanfkalk reduziert den Energieverbrauch. Verschiedene, eingemauerte Nistk├Ąsten in den Fassaden bieten Lebensraum f├╝r zahlreiche Vogelarten und f├Ârdern die Biodiversit├Ąt.

Luise 19E ist nun ein ├Âkologisches, gro├čz├╝giges Gemeinschaftshaus f├╝r alle Bewohner:innen der Genossenschaft, f├╝r G├Ąste, f├╝r Pflanzen und f├╝r Tiere.

Beurteilung durch das Preisgericht

VON DER BRUCHBUDE ZUM GEMEINSCHAFTSHAUS
ÔÇ×Bei Luise 19E handelt es sich um ein Projekt, das begeistert ÔÇô dabei ist es auf den ersten Blick fast unscheinbar. Das ├ťberzeugende ist, wie mit wenigen Mitteln, mit gezielten statischen, energetischen und gestalterischen Eingriffen aus einem bauf├Ąlligen, ohne architektonischen Anspruch gestalteten Garagenbau in den H├Ąnden von Architektinnen und Architekten etwas Sch├Ânes und N├╝tzliches wird. Dabei wurde das Vorhandene erhalten, weitergenutzt und repariert. Wenn man von der Architektur der Zukunft etwas fordern m├Âchte, dann genau das: Wertsch├Ątzung des Bestands und Weiternutzung vorhandener Ressourcen.ÔÇť