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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2017

Ersatzneubau fĂŒr die Hans-Thoma-Grundschule

3. Preis

Preisgeld: 9.000 EUR

Architekten Gaiser + Partner mbB

Architektur

stadt landschaft plus Landschaftsarchitekten GmbH

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

StÀdtebau

Die Stellung des neuen SchulgebĂ€udes orientiert sich an der benachbarten Turnhalle, der Zwölf-Apostel-Kirche und der Josef-Durler-Schule. Mit ihrer Dreigeschossigkeit lehnt es sich an der ebenfalls dreigeschossigen Wohnbebauung entlang der Röttererbergstraße, den Höhen der benachbarten Josef-Durler-Schule und der Zwölf-Apostel-Kirche an. Die eingeschossigen Bauteile am Ötigheimer Weg beziehen sich auf die Höhen und Proportion der gegenĂŒberliegenden WohnhĂ€user.
Es kommen viele SchĂŒler auch aus westlicher Richtung, also rĂŒckseitig zur „Adressbildung Ötigheimer Weg“ in die Schule. Eine neue Wegeverbindung zwischen Röttererbergstraße und Ötigheimer Weg vorbei an der bestehenden Turnhalle trĂ€gt dem Rechnung. Über eine breite Treppenanlage ĂŒberwindet diese Wegeverbindung den vorhandenen Höhensprung und bindet den Vorplatz der Schule in den öffentlichen Raum ein. Die mĂ€chtige Baumgruppe aus Roteichen an der nordöstlichen GebĂ€udeecke der Sporthalle ist in das stĂ€dtebauliche Ensemble eingebunden und wird zum dominanten Punkt in der neuen Zugangsverbindung. Hierdurch wird auch der Kirchplatz der Zwölf-Apostel-Kirche aufgewertet und stadtrĂ€umlich besser angebunden. Der Schuleingang mit seinem großzĂŒgigen Vorplatz öffnet sich nach Osten zum Straßenraum und wird zusĂ€tzlich betont, da die GrĂŒnzone der Kirche am Ötigheimer Weg nun stadtrĂ€umlich mit in den Schulvorplatz einbezogen wird. Die an dieser Stelle liegende Aula krönt den Zugang. Das Warten vor dem Schulbeginn wird zum Erlebnis und zum Treffpunkt.

Die FahrrÀder sind am Eingangsplatz angeordnet.
Durch die ErgĂ€nzung der vorhandenen Parkierung entlang des Ötigheimer Wegs werden die baurechtlich notwendigen StellplĂ€tze wie bisher außerhalb des eigentlichen SchulgelĂ€ndes nachgewiesen. Mit den vorgeschlagenen Baumpflanzungen erhĂ€lt der sehr großzĂŒgige Straßenraum seine MaßstĂ€blichkeit zurĂŒck.

Außenanlagen

Die Struktur des GebĂ€udes aus Clustern und Magistrale spiegelt sich auch in den Außenanlagen wieder.
Der an die Aula angegliederte Außenraum kann sowohl bei Veranstaltungen mit bespielt werden, dient aber auch mit seinen Sitzstufen als Außenklassenraum oder als AusstellungsflĂ€che fĂŒr den Kunstunterricht. ZukĂŒnftig ist hier auch eine barrierefreie Anbindung an die Sporthalle möglich.
Die in den großzĂŒgigen Schulhof integrierten AktionsflĂ€chen fĂŒr Spielen, Toben und Bewegung sind nach Klassenstufen unterschiedlich ausgestattet und lassen so eine differenzierte Nutzung zu.
Unmittelbar am Pausenhof liegen die RĂ€ume fĂŒr die „verlĂ€ssliche Grundschule“ und den „Bewegungsraum“ und bieten mit diesem unmittelbaren Außenbezug die Möglichkeit, die AktionsflĂ€chen direkt zu bespielen und den vor den RĂ€umen liegenden Pausenhofbereich als Raumerweiterung zu nutzen.
Mit den nach SĂŒden orientierten SpeiserĂ€umen lassen sich im Sommer und bei Veranstaltungen die angrenzenden SchulhofflĂ€chen jederzeit mit einbeziehen und als erweiterten Speisesaal nutzen. Der dem Mensabereich zugeordnete Schulgarten lĂ€sst sich so gut in das pĂ€dagogische Konzept zur gesunden ErnĂ€hrung einbeziehen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser schlagen mit ihrem Entwurf ein dreigeschossiges GebĂ€ude vor, das sich in seiner Höhenentwicklung an der Zwölf-Apostel-Kirche und den WohngebĂ€uden der Röttererbergstraße orientiert. Die Dreigeschossigkeit ĂŒberrascht zunĂ€chst, wenn gleich sie zu einer Ă€ußerst kompakten und gleichsam feingliederigen Physiognomie des Hauses fĂŒhrt. Die Feingliedrigkeit ergibt sich durch eine intelligente, kreuzförmige Anordnung der beiden Obergeschosse.
Dem GebĂ€ude vorgelagert ist eine eingeschossige leichte Dachkonstruktion, die der Funktion des morgendlichen Sammelns der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler gut Rechnung trĂ€gt. Die Fassung dieses Bereiches mittels einer Hecke wird im Preisgericht diskutiert, wĂŒrde sie doch zur sicheren Abgrenzung zum Straßenverlauf beitragen. Dieser Auftakt ist ein guter Beitrag, die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler am Ort des Lernens willkommen zu heißen. Gleichzeitig definiert er die Kommunikationszone zwischen den Eltern, der SchĂŒlerschaft und den LehrkrĂ€ften.

Der Haupteingang im Nordosten mĂŒndet in einen tiefer gelegten Plenumsbereich, der sich im Außenraum fortsetzt. Die gut bemessene Aula verteilt den SchĂŒlerstrom in die sĂŒdlich
angrenzenden drei Module. Hierbei folgt der Entwurf der funktionalen Zuordnung in der Gestalt, dass im Erdgeschoss, die Administration, die VerlĂ€ssliche Grundschule, der Bewegungsraum und ganz im SĂŒden die SpeiserĂ€ume mit direktem Zugang zum großen Pausenhof vorgesehen sind. Die KlassenrĂ€ume sind konsequent in den beiden Obergeschossen entwickelt. Sie werden durch zwei einlĂ€ufige Treppen erschlossen, welche die rĂ€umliche VerschrĂ€nkung des Entwurfs unterstreichen. Aus pĂ€dagogischer Sicht entsteht am Ausgangspunkt der Freilauftreppen eine Aufweitung der Flurzonen, die fĂŒr Lernangebote und Freiarbeit prĂ€destiniert sind. Kombiniert mit den direkt angrenzenden Lichthöfen sind sie ein starkes rĂ€umliches Element des Entwurfs. Sie brechen geschickt die Stichflure zu den beiden kopfseitig angeordneten KlassenrĂ€umen auf. Die einzelnen Klassen sind hier sicher verortet. Eine Zusammenarbeit ĂŒber die Klassengrenzen hinweg ist gut möglich. Die NebennutzflĂ€chen sind ausreichend dimensioniert.
Die ÜberprĂŒfung des zweiten baulichen Rettungswegs ĂŒber außenliegende Freitreppen mĂŒsste in der nĂ€chsten Planungsstufe zwingend erfolgen, insbesondere vom zweiten Obergeschoss ist dies mit dem Entwurf nicht gelöst.
Die Kompaktheit des Entwurfs ermöglicht rĂ€umliche VerschrĂ€nkungen und BlickbezĂŒge, die eine angenehme bauliche Transparenz erzeugen. Ähnlich einer Stadtlandschaft weiten und verengen sich RĂ€ume, die eine Erhöhung der IdentitĂ€t mit dem SchulgebĂ€ude bewirken dĂŒrfte. Dies ist die eigentliche StĂ€rke des Entwurfs.

Die Freianlagen versprechen eine gute Aufenthalts- und SpielqualitĂ€t. Sie sind so an die Sporthalle herangefĂŒhrt, dass ein barrierefreier Zugang am sĂŒdlichen Ende des der Hans-Thoma-Grundschule zugeordneten Sporthallenteils gegeben ist. Ähnlich dem ĂŒberdachten eingeschossigen Eingangsbaldachin wird ein Teil des Pausenbereichs ĂŒberdacht.

Der Entwurf hat SchwÀchen in der funktionalen Gliederung einzelner Nutzungsbereiche u.a. in der Verwaltung, die kritisch angemerkt werden, jedoch korrigierbar erscheinen.
Die architektonische Erscheinung der neuen Grundschule ist in der kompositorischen Anordnung von geschlossenen und geöffneten FlĂ€chen ansprechend. Die dargestellte Fenstergliederung erscheint dem Preisgericht etwas modisch und einer Grundschule nicht adĂ€quat. WĂŒnschenswert wĂ€re aus Sicht des Preisgerichts zugunsten der Großform und eines zeitlosen Ausdruckes hier ZurĂŒckhaltung zu ĂŒben.