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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2017

Ersatzneubau fĂŒr die Hans-Thoma-Grundschule

perspektive

perspektive

ein 2. Preis / Zuschlag

Preisgeld: 16.500 EUR

architektei mey gmbh

Architektur

BIERBAUM. AICHELE. landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

stĂ€dtebauliche ĂŒberlegungen
das grundstĂŒck liegt in enger nachbarschaft zur hans-durler-schule und zur pfarrkirche zwölf apostel. dieses quartier ist geprĂ€gt durch unterschiedliche bauhöhen und bauformen und bildet ein heterogenes umfeld fĂŒr den neubau der schule.
der neubau wird so platziert, dass ein großzĂŒgiger, zusammenhĂ€ngender freibereich mit einer verbindung zur sporthalle entsteht, es bleibt platz fĂŒr zukĂŒnftige erweiterungen.
die höhenentwicklung des baukörpers orientiert sich an der wohnbebauung entlang des ötigheimer weges. die lĂ€ngenentwicklung am ötigheimer weg schĂŒtzt die wohnbebauung vor dem lĂ€rm des schulhofes und bildet eine ruhige fassung des straßenraumes.

idee
die aula mit der großen sitztreppe bildet einen baulichen schwerpunkt im sĂŒden des grundstĂŒcks. das gebĂ€ude entwickelt sich richtung norden entlang einer reihung von ĂŒberdachten und offenen freibereichen bis zur ebenerdig am schulhof gelegenen mensa. die gemeinschaftlichen bereiche aula, bibliothek, mensa und schulhof bilden so das rĂŒckgrat der schule.

allgemeiner unterrichtsbereich
die klassenrÀume liegen zusammen mit den direkt zugeordneten differenzierungsrÀumen im obergeschoss. störungen vom schulhof und durch aktivitÀten in der aula werden durch diese anordnung ausgeschlossen.
den unterrichtsrĂ€umen direkt zugeordnet sind die garderoben, wcs und beratungsrĂ€ume. die flure erhalten aufweitungen, die als offene lernbereiche dienen können. es entstehen einzelne bereiche, die den jahrgĂ€ngen oder jahrgangsĂŒbergreifenden clustern zugeordnet werden können. die anordnung lĂ€sst bei verĂ€nderungen des pĂ€dagogischen konzeptes unterschiedliche gruppierungen zu. die flucht- und rettungswege funktionieren durch die einhausung der garderoben ĂŒber notwendige flure.

aula / mitte
die aula verbindet den hauptzugang vom ötigheimer weg mit dem freibereich der schule und dient mit der großen sitztreppe als verbindung zu den klassenrĂ€umen im obergeschoss. die lage der zugĂ€nge und wegeverbindungen erlaubt die abtrennung der aula vom rest des gebĂ€udes unter beibehaltung aller notwendigen rettungswege. die pneumatische dachkonstruktion aus ETFE– folien lĂ€sst reichlich mild gefiltertes tageslicht in den raum. die anforderungen der versammlungsstĂ€ttenverordnung werden durch die anordnung von entrauchungsöffnungen im dachbereich und rettungswege direkt ins freie erfĂŒllt. der schule steht so ein uneingeschrĂ€nkt nutzbarer veranstaltungsraum zur verfĂŒgung.

mensa
alle drei speiserĂ€ume sind im erdgeschoss in einem pavillonartigen baukörper zum schulhof geöffnet, man isst an „familientischen“ mit blick ins grĂŒne. im sommer besteht die möglichkeit tische außen unter einem dach aufzustellen. die lage der ausgabe lĂ€sst kurze wege zu allen tischen entstehen, die kĂŒche wird ĂŒber einen separaten zugang im norden beliefert.

fachrÀume
entlang des ötigheimer weges im erdgeschoss sind die fachrĂ€ume fĂŒr kunst und musik, die lehrkĂŒche und die förderklassen angeordnet. die erforderlichen nebenrĂ€ume, garderoben etc. sind direkt zugeordnet, es entstehen keine langen wege.

betreuung
die rĂ€ume der verlĂ€sslichen grundschule liegen im erdgeschoss mit direktem bezug zum freibereich. die direkt angrenzende aula und der ĂŒberdachte außenbereich können bei regenwetter als spiel- und bewegungsraum genutzt werden. die spielgerĂ€te sind direkt bei der betreuung angeordnet.

lehrerbereich
die rĂ€ume der lehrer und lehrerinnen, sekretariat und schulsozialarbeit sind im erdgeschoss im sĂŒden des gebĂ€udes angeordnet. diese lage ermöglicht eine ruhige, private arbeitsatmosphĂ€re ohne „durchgangsverkehr“, dabei sind die rĂ€ume mit besucherverkehr leicht auffindbar in der nĂ€he des eingangs gelegen. der lehrerbereich erhĂ€lt einen eigenen uneinsehbaren, teilweise ĂŒberdachten freibereich.

konstruktion / material
als grundstruktur des gebĂ€udes wird eine massivkonstruktion mit decken, wĂ€nden und stĂŒtzen aus stahlbeton vorgeschlagen. im innenbereich bleiben zahlreiche betonoberflĂ€chen sichtbar, man sieht, woraus das gebĂ€ude besteht, das schwere material wirkt temperaturregulierend auf das raumklima.
alle rÀume erhalten eine akustisch wirksame abhangdecke, der lÀrm als wesentlicher stressfaktor in der schule kann so deutlich reduziert werden.
fĂŒr die fußböden der unterrichtsrĂ€ume wird industrieparkett als preiswerter und robuster belag mit wohnlichem charakter vorgeschlagen, die vielbegangenen bereiche im erdgeschoss könnten einen werksteinbelag erhalten, der den charakter der schulhofflĂ€che in den innenraum fortsetzt.
die öffnungsflĂ€chen (tĂŒren und fenster) sind als metallkonstruktionen gedacht. die lĂŒftungsflĂŒgel erhalten auf der außenseite eine oberflĂ€che aus kupferblech.
die fassade stellt mit den kupfer-flĂ€chen, die im lauf der zeit eine lebendige patina bilden und mit der fein detaillierten putzfassade einen sehr zurĂŒckhaltenden bezug zu den historischen gebĂ€uden der stadt her. der putz ist als diffusionsoffener und kapillaraktiver mineralischer putz auf einer wĂ€rmedĂ€mmung aus mineralwolle-platten gedacht. die fĂ€higkeit der fassade, wasser aufzunehmen und wieder zu verdunsten verhindert den bewuchs mit algen. teilflĂ€chen der fassade, die im zugriff der kinder oder passanten sind, erhalten eine stabile zementfaserplatte unter der putzschicht als zusĂ€tzlichen schutz gegen beschĂ€digungen.

freianlagen
der bestehende baumbestand im westen des grundstĂŒcks bleibt weitgehend erhalten und wird zu einer großzĂŒgigen grĂŒnkulisse ergĂ€nzt. die in den hang eingeschnittenen sitzstufen („grĂŒnes klassenzimmer“), eine dickichtartige bepflanzung und freie flĂ€chen ermöglichen vielfĂ€ltige nutzungen in diesem bereich. zwischen diesem grĂŒnbereich und dem gebĂ€ude spannt sich die flĂ€che des schulhofs, der mit seiner homogen gepflasterten flĂ€che und seiner großzĂŒgigen weite zum rollern, skaten, rennen und ballspielen anregt. wie große kiesel sind besondere nutzungen in die flĂ€che eingelegt und heben sich plastisch hervor: es entsteht eine bĂŒhne auf dem schulhof, die kinder der 1. und 2. klasse erhalten einen geschĂŒtzten spielbereich, fĂŒr die Ă€lteren wird ein bereich angeboten, wo man klettern, hĂŒpfen (erdtrampolin), balancieren, aber auch sitzen kann.
der schulhof schließt an die sporthalle an, der höhenversatz wird barrierefrei im gelĂ€nde ĂŒberwunden.
der schulgarten liegt abseits der pausen – aktivitĂ€ten im nördlichen teil des grundstĂŒcks. von dort sind auf kurzem weg die gartengerĂ€te und mĂŒlltonnen erreichbar.
die freiflĂ€chen werden durch eine dachterrasse auf dem mensa – pavillon ergĂ€nzt, hier entsteht ein ungestörter bereich, der als freiklasse genutzt werden kann. eine außentreppe schafft eine direkte verbindung zwischen dem schulhof und den unterrichtsrĂ€umen im obergeschoss.

energiekonzept / haustechnik
ein zeitgemĂ€ĂŸes schulgebĂ€ude soll nach meinung der verfasser mindestens in den unterrichtsrĂ€umen ĂŒber eine lĂŒftungsanlage verfĂŒgen. die luftqualitĂ€t ist sonst fĂŒr die anzahl der menschen im raum und die geforderte denkleistung nicht sicherzustellen. die aula sollte aufgrund ihrer grĂ¶ĂŸe und nutzung der versammlungsstĂ€ttenverordnung entsprechen und benötigt deshalb eine lĂŒftungsanlage. es wird deshalb vorgeschlagen, das gesamte gebĂ€ude mit einer lĂŒftungsanlage mit wĂ€rmerĂŒckgewinnung auszurĂŒsten. zusammen mit zeitgemĂ€ĂŸen dĂ€mmstĂ€rken lĂ€sst sich je nach wahl des zur verfĂŒgung stehenden heizmediums passivhausstandard erreichen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Preisgericht begrĂŒĂŸt die Gliederung des GebĂ€udes mit dem Schwerpunkt im SĂŒden des GrundstĂŒcks und dem ruhigen straßenbegleitenden Riegel entlang des Ötigheimer Weges. Dieser bildet ein maßstĂ€bliches Pendant zur gegenĂŒberliegenden Wohnbebauung. Durch den straßenseitigen Eingang gelangt man ĂŒber einen Windfang in den Aulabereich, der sich großzĂŒgig zum Schulhof hin öffnet. Die breite Sitztreppe ermöglicht die Bespielung der Aula und erschließt gleichzeitig die obere Etage.

Durch die Orientierung des GebĂ€udekörpers entsteht ein großzĂŒgiger zusammenhĂ€ngender Schulhof. Die ,Kieselsteine’ als eingelegte TeilrĂ€ume dienen der Differenzierung des Freiraumangebotes und sind schlĂŒssig angeordnet.

Als Erdgeschossebene wird die Anschlusshöhe des sĂŒdlichen höher gelegenen Abschnitts des Ötigheimer Weges gewĂ€hlt. Dadurch kann der Eingang der Turnhalle ĂŒber den Pausenhof barrierefrei erreicht werden. Der genaue GelĂ€ndeverlauf ist in den WettbewerbsplĂ€nen jedoch nicht ausreichend dargestellt.

Die Anordnung von Fahrrad- und PKW-StellplÀtzen, von Schulgarten und Anlieferung Mensa ist gut gelöst. Dem Lehrerbereich wird ein eigener kleiner Freibereich zugeordnet.

Im Erdgeschoss werden alle Funktionen gekonnt angeordnet:
Die Gemeinschaftsfunktionen befinden sich in der NĂ€he von Aula und ĂŒberdachtem Außenbereich. Im sĂŒdlichen etwas ruhigeren GebĂ€udetrakt ist der Lehrerbereich eingangsnah angeordnet. Die FachrĂ€ume liegen im straßenbegleitenden GebĂ€uderiegel, von dem aus, zum Schulhof hin orientiert, der Mensabereich erschlossen ist.

Im Obergeschoss sind alle KlassenrĂ€ume mit den erforderlichen DifferenzierungsrĂ€umen schlĂŒssig angeordnet. Die SchĂŒlerbĂŒcherei befindet sich oberhalb der Aula mit Blickkontakt zum Schulhof. Alle Flurbereiche sind angemessen ausgebildet. Lange Flurzonen werden durch Aufweitungen seitlich belichtet und gegliedert. Die Anordnung der NebenrĂ€ume ist gut gelöst. Die Jury hĂ€lt die Vorgaben des Brandschutzes fĂŒr gut umsetzbar.

Die Anforderungen des Raumprogramms werden gut erfĂŒllt. Die Arbeit ist sehr gut durchgearbeitet und in sich schlĂŒssig.

Der Entwurf stellt eine gute Ausnutzung der Möglichkeiten des GrundstĂŒcks dar und lĂ€sst eine wirtschaftliche Umsetzung eines nachhaltig nutzbaren GebĂ€udes erwarten. Eine externe Nutzung des Aulabereiches ist gut möglich.

Insgesamt stellt die Arbeit eine gute Lösung fĂŒr die Aufgabe dar.
Lageplan

Lageplan

lageplan

lageplan

ansicht nord

ansicht nord

ansicht ost

ansicht ost

ansicht sĂŒd

ansicht sĂŒd

ansicht west

ansicht west

fassadenschnitt

fassadenschnitt

lÀngsschnitt

lÀngsschnitt

querschnitt

querschnitt

pictos

pictos

modell

modell