modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren
4. Rang 5 / 5

Nichtoffener Wettbewerb | 07/2024

Ersatzneubau Kunstmuseum Bern (CH)

9

5. Rang / 5. Preis

Preisgeld: 12.500 CHF

Caruso St John Architects

Architektur

GHIGGI PAESAGGI landschaft und städtebau gmbh

Landschaftsarchitektur

Ferrari Gartmann AG

Tragwerksplanung

Schmitt Natursteinwerke AG

Sonstige

Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG

Fassadenplanung

Kalt + Halbeisen Ingenieurbüro AG

TGA-Fachplanung

JAEGER BAUMANAGEMENT AG

Projektsteuerung

SERAPID Deutschland

Sonstige, Logistikplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Projekt PALIMPSEST schlägt die Erweiterung des Museums unter der Prämisse des Erhalts des Atelier 5-Baus vor. Dieser Ansatz wird gewürdigt, stellt er doch eine mögliche Beweisführung in den Raum, ob unter Rücksichtnahme auf die bestehende Baustruktur und der Bewahrung von Ressourcen etwas kluges Neues geschaffen werden könnte. Mit der Ausgangslage des Erhalts des Atelier 5-Baus ist es unumgänglich, dass die heutige Situation mit der verbauten Beziehung von der Hodlerstrasse zur Landschaft akzeptiert werden muss. Die Aareseite wird somit weiter ein stiefmütterliches Dasein fristen, was kaum zu ändern ist. Auf der Seite Hodlerstrasse dagegen werden aufgrund der notwendigen erhöhten Anforderungen an die Zugänglichkeit grössere Veränderungen nötig. Der Haupteingang erfolgt wie heute über den Stettlerbau. Das ist soweit eindeutig und belässt dem historischen Bau seine Hauptrolle. Konsequenterweise erhalten die Verfassenden die historischen Treppenanlagen dieser Eingangshalle, was die barrierefreie Erschliessung an dieser Stelle ausschliesst. Diese wird kompensiert über einen ebenen Zugang über das Museumsbistro/Shop im Zwischengebäude Atelier 5-Hodlerstrasse 6, von wo über die «Stadtgalerie» die weiteren Häuser barrierefrei, wenn auch etwas umständlich, erreicht werden können. Mit dem Projektvorschlag bleibt die Eingangs- und Wegeführung des Museums jedoch immer noch komplex und letzten Endes nicht attraktiv genug. Die Freiraumgestaltung Hodlerstrasse wird entgegen der Vorgabe als Platzraum verstanden und dementsprechend statt der vorgesehenen einseitigen Baumreihe eine lockere Anordnung von unterschiedlichen Bäumen auf beiden Strassenseiten vorgeschlagen. Dies ist angesichts der abfallenden Topografie und der klassisch linearen Strassenproportionen nicht wirklich nachvollziehbar. Die zufällig gesetzten Bäume nehmen kaum Rücksicht auf die prägnante Fassade des umgestalteten Atelier 5- Baus und verstellen den neuen Fassadenschild. Dagegen könnte der in der Visualisierung gezeigte bepflanzte Dachabschluss die rau erscheinende Fassade aufwerten. Die Darstellung entspricht allerdings nicht dem sehr detaillierten Pflanzvorschlag, der auch wesentlich grössere Gehölze aufweist und die Ruhe und Klarheit wie auch die Proportionen des Gebäudes eventuell nachteilig beeinflussen würde. Die Aareterrasse dient der Anlieferung, weitere Aussagen zur Aufwertung des Grünraumes werden dort nicht gemacht. Ganz im Sinne von «Palimpsest» sollen verschiedene Ausdrucksformen nebeneinanderstehen dürfen. Die Ost- und Nordfassade des Atelier 5-Baus werden saniert. Ein neues Gesicht erhält die Westfassade entlang der Hodlerstrasse. Sie wird mit den behauenen Sandsteinblöcken neu gebaut. Die weitgehend geschlossene Obergeschosswand steht auf den Scheibenstützen der transparenten «Stadtgalerie». Das Sgraffito von Cuno Amiet ist hier gewissermassen die Hauptattraktion eines wiederverwendeten Bauteils. Als einziges Projekt und entgegen den Vorgaben nutzt Palimpsest die Räume Hodlerstrasse 6 nicht für die Administration (diese verbleibt in den Untergeschossen des Atelier 5-Baus), sondern für Kunstvermittlung, Nebenräume und im Obergeschoss zu Ausstellungszwecken. Der Ausstellungsraum im Obergeschoss wird über eine schräge Rampe mit dem Obergeschoss des A5-Baus verbunden. Dies führt allerdings zu entsprechend langen Besuchendenwegen, die durch die Sensation des hohen Raumes im neuen Zwischenbau Atelier 5-Hodlerstrasse 6 akzentuiert werden. Die vorgeschlagene «Stadtgalerie» als öffentlicher Ausstellungsraum lässt sich wohl kaum wie intendiert öffentlich bespielen. Zudem soll dieser gleichzeitig als Multifunktionsraum dienen, was betrieblich zeitgleich nicht geht und den räumlich funktionalen Anforderungen aufgrund der extremen Raumproportionen in keiner Weise entspricht. PALIMPSEST ist ein sorgfältig ausgearbeitetes Projekt mit einer eigenen und lobenswerten Projektidee. Notgedrungen weicht das Projekt an vielen Stellen von den gestellten räumlichen Anforderungen ab. Das Projekt schafft es letzten Endes nicht, die heute bestehenden grossen Defizite des Atelier 5-Baus auch mit dennoch grossen Eingriffen zufriedenstellend zu heilen.


4. Rang 5 / 5