Einladungswettbewerb | 11/2025
Ersatzneubau Pfarrzentrum St. Johannes Baptist und St. Heinrich in Leichlingen
©Lorber Paul Architektur & Städtebau | Loomn
Perspektive Außenansicht
3. Preis
Preisgeld: 7.000 EUR
Erläuterungstext
Ersatzneubau Pfarrzentrum
Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist und St. Heinrich, Leichlingen
Städtebauliches und architektonisches Konzept
Der Entwurf für das neue Pfarrzentrum der Gemeinde St. Johannes Baptist und St. Heinrich verfolgt das Ziel, ein offenes und durchlässiges Ensemble zu schaffen, das sich selbstverständlich in die städtische Umgebung einfügt und zugleich neue Qualitäten für die Gemeinde und die Stadtgesellschaft eröffnet. Leitgedanken sind Offenheit, Gemeinschaft und Vernetzung sowie die nachhaltige Einbindung in die bestehende Stadtstruktur. Unter dem Leitmotiv „Alles unter einem Dach“ werden die unterschiedlichen Funktionen der Gemeinde zusammengeführt und zu einem stimmigen Ganzen verwoben.
Das Pfarrzentrum bildet gemeinsam mit Kirche, Kita und Pfarrhaus ein städtebaulich gefasstes Ganzes. Die Baukörper sind so angeordnet, dass sie eine klare Gliederung schaffen, ohne mit der denkmalgeschützten Kirche in Konkurrenz zu treten. Vielmehr wird das Gotteshaus durch die neue Setzung in seiner Bedeutung gestärkt und als identitätsstiftendes Zentrum in Szene gesetzt.
Der zentrale Gemeindesaal ist gemeinsam mit den publikumsnahen Bereichen des Pfarrhauses – insbesondere den neuen Büro- und Beratungsräumen – zum Gemeindeplatz ausgerichtet und bildet damit die einladende Adresse des Ensembles. Außen- und Innenraum verschränken sich zu einem offenen Kontinuum, das Begegnung und Teilhabe fördert. Die Gruppenräume und die Wohnungen liegen dagegen in den ruhigeren Gebäudeteilen, wo sie stärker abgeschirmt sind und eine höhere Privatheit gewährleisten.
Die skulptural ausgebildeten Baukörper folgen einer ruhigen, monolithischen Architektursprache. Diese Zurückhaltung stärkt die Ensemblewirkung und schafft eine wertige Atmosphäre, die sowohl dem kirchlichen Ort als auch der Alltagsnutzung gerecht wird.
Besonders wichtig sind die Aktivierung und Einbindung des ortsprägenden
Pfarrhauses. Seine Geschichte wird erlebbar gemacht, indem es nicht mehr nur als solitäres Wohnhaus besteht, sondern als historischer, aktiver Baustein in das neue Gemeindeleben integriert wird. Büro- und Beratungsräume im Erdgeschoss sowie ergänzende Flächen im Obergeschoss machen das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich. Barrierefreie Erschließung und die bewusste Öffnung zum Ensemble sorgen dafür, dass das Denkmal nicht isoliert wirkt, sondern als Teil der Gesamtstruktur erlebbar wird. Damit wird es zu einem wichtigen Zeitzeugen und zu einem ortsprägenden Auftakt des neuen Gemeindequartiers.
Erschließung und Nutzungskonzept
Die Erschließung ist klar strukturiert und schafft eindeutige Adressen für die unterschiedlichen Nutzungen. Das Foyer bildet das zentrale Forum und fungiert als Verteilerraum mit direktem Bezug zum Gemeindeplatz und zur Kirche. Es versteht sich als verbindendes Element zwischen den Funktionen und als offener Ort des Ankommens.
Alle Gruppen- und Festräume liegen barrierefrei im Erdgeschoss und verfügen über direkten Außenraumbezug. Flexible Raumzuschnitte und Nebeneingänge ermöglichen eine vielfältige Nutzung, vom kleineren Treffen bis zur großen Gemeindefeier. Küche und Nebenräume sind so positioniert, dass eine reibungslose Versorgung aller Veranstaltungsformate gewährleistet ist.
Der Pfarrsaal erfüllt die besonderen Anforderungen für kirchenmusikalische Veranstaltungen, Chorproben und Konzerte. Die Raumhöhe ermöglicht eine angemessene Klangentfaltung, während Akustikpaneele und die Materialwahl für eine gute Nachhallzeit sorgen. Damit ist der Saal gleichermaßen für Musik und Sprache geeignet.
Wohnungen und Büronutzungen erhalten separate Eingänge und sind klar von den öffentlichen Bereichen getrennt. Die Wohnungen sind vollständig barrierefrei geplant und erhalten über das Gemeinschaftsdach eine unabhängige Zugangsmöglichkeit per Aufzug. Großzügige Dachterrassen nach Süden und Westen ergänzen die Aufenthaltsqualität.
Das Mobilitätskonzept stärkt bewusst autofreie Zonen. Der ruhende Verkehr wird gebündelt im südöstlichen Bereich organisiert, mit Anbindung an die Ludger-Kühler-Straße. Dort befinden sich Besucherstellplätze, Ladepunkte für Elektromobilität und eine Kiss-&-Ride- Zone. Durch die Neuordnung bleibt das Quartier insgesamt autofrei und bietet sichere Räume zum Spielen und Begegnen.
Freiraumkonzept
Der Freiraum ist als fließender Gemeinschaftsraum konzipiert. Er lädt ein zum Verweilen, zur Kommunikation, aber auch zur stillen Beobachtung. Unterschiedliche Freiraumtypen – vom lebendigen Gemeindeplatz bis hin zu ruhigeren Zonen wie der Pfadfinderwildnis rund um die Bluteiche – bieten vielfältige Qualitäten für alle Generationen.
Der Gemeindeplatz ist das Herzstück des Außenraums. Er dient als zentraler Ort für Pfarrfeste, Adventsbasar, Freiluftgottesdienste und Begegnungen im Alltag. Barrierefrei bindet er Kirche, Kita und Neubau zusammen und wird so zur einladenden Adresse des gesamten Ensembles. Ergänzend gibt es eine große Freifläche für die Pfadfinder, die auch als Standort für eine Großjurte genutzt werden kann. Sichere Wegebeziehungen stellen insbesondere den Zugang zur Kita sicher. Müll- und Funktionsbereiche sind zurückhaltend integriert und gewährleisten eine klare Ordnung.
Die ortsbildprägenden Bäume werden in die Planung integriert und um zukunftsfähige Gehölze ergänzt, die Hitzebeständigkeit und Biodiversität sichern. Eine heterogene Bepflanzungsstruktur mit trockenheitsresistenten Gräsern und Stauden schafft wertvolle Lebensräume für Vögel und Insekten. Alle Wege- und Platzflächen entwässern in dezentrale, bepflanzte Versickerungsmulden. Der zentrale Gemeinschaftshof bleibt auto- und feuerwehrfrei und wird so zum geschützten Möglichkeitsraum für Spiel, Begegnung und Veranstaltungen.
Nachhaltigkeit und Bauweise
Das Projekt setzt auf eine konsequent nachhaltige und klimaresiliente Ausrichtung. Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen, ergänzt durch Wärmepumpe und optional Geothermie, sichern eine treibhausgasneutrale Energieversorgung. Begrünte Dächer verbessern das Mikroklima, speichern Regenwasser und fördern Biodiversität. Helle Oberflächen, neue Bäume und großzügige Grünbereiche reduzieren sommerliche Überhitzung und stärken den Freiraumbezug. Eine Lüftungsanlage gewährleistet hohen Komfort im Pfarrsaal und schützt die Nachbarschaft vor Schallemissionen.
Die Bauweise folgt einem hybriden Prinzip. Das Untergeschoss wird in Stahlbeton ausgeführt, um den Hochwasserschutzanforderungen gerecht zu werden. Die aufgehenden Geschosse sind in Massivbauweise vorgesehen und werden durch eine hochwertige, rezyklierbare Backsteinfassade bekleidet. Nichttragende Bauteile werden in Holztafelbauweise konzipiert. Ergänzend kommen regionale Hölzer auch bei den Ausbau- und Möblierungselementen zum Einsatz, beispielsweise bei akustisch wirksamen Einbauschränken.
Homogene Klinkerfassaden in hellem Rotbraun unterstreichen die Kompaktheit des Baukörpers und binden das Ensemble farblich an Pfarrhaus und Kirche an. Im Inneren prägt ein heller Terrazzoboden Saal, Foyer und Gruppenräume. Er verbindet zeitlose Eleganz mit Robustheit und pflegeleichter Oberfläche und verleiht den publikumsnahen Räumen eine freundliche, einladende Ausstrahlung. Ergänzend schaffen Einbaumöbel und Akustikpaneele in heller Eiche Wärme und verbessern die Raumakustik für Musik und Sprache.
Wände und Decken in weißem Feinputz verstärken die Lichtwirkung und bilden einen neutralen Hintergrund für religiöse wie künstlerische Objekte. Diese Zurückhaltung schafft Klarheit, Helligkeit und eine zeitlose Atmosphäre.
Besonderes Augenmerk liegt auf einer einfachen und klaren Konstruktion mit regionalen Materialien. So werden Bauemissionen reduziert und die lokale Wertschöpfungskette gestärkt – ein ressourcenschonender, langlebiger und hochwertiger Bau, der ökologische und soziale Ansprüche gleichermaßen erfüllt.
Fazit
Das neue Pfarrzentrum versteht sich als offenes, vernetztes und integratives Ensemble. Es stärkt die Rolle der Kirche im städtischen Gefüge, schafft Räume für Begegnung und Gemeinschaft und verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem architektonisch klaren und nachhaltigen Konzept. So entsteht ein Ort, der über den Rahmen der Gemeindearbeit hinaus Wirkung entfaltet – als lebendiger Treffpunkt für die Stadtgesellschaft und als identitätsstiftender Baustein im Herzen Leichlingens.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die von den Verfassern vorgeschlagenen Backsteinkuben treten über angemessene Proportionen in den Dialog mit dem alten Pfarrhaus. Dabei werden alle Baukörper inhaltlich dezidiert besetzt und baulich mit einem großzügigen Foyer verbunden, dessen Proportion sich schlüssig aus der Längswand des Pfarrhauses ableitet. Diese Setzung erweist sich städtebaulich als gelungen und funktional gut gelöst.
Das Freiraumkonzept hat zum Ziel das Ensemble aus Kirche und Pfarrzentrum mit einem begrünten und steinernen Platz und Wegeflächen zu gestalten. Auch wenn das Verhältnis grundsätzlich richtig erscheint, wirkt der formale Ansatz jedoch beliebig und nicht aus dem Ort entwickelt. Zudem entstehen durch das Kreismotiv Teilbereiche, die räumlich unbefriedigend sind. Die Materialunterscheidung des Gemeindeplatzes im Herzen der Freiflächen ist nicht nachvollziehbar. Auch die befestigte Gartenfläche südlich des alten Pfarrhauses kann als Pfadfinderwildnis nicht überzeugen und wirkt als Jurtenstandort widersprüchlich.
Der Kubus des neuen Pfarrsaals nimmt einen direkten Sichtbezug zur Kirche auf und überzeugt durch eine gut durchgestaltete Raumproportion mit stimmungsvoller zweiter Belichtung über ein durchlaufendes Oberlichtband sowie eine plausible Akustikwand. Die Erschließung erfolgt über einen knapp proportionierten Gang.
Das alte Pfarrhaus wird mit den Verwaltungsräumen neu belebt und um den Vorschlag eines Archivs im Dach ergänzt. Allerdings lassen Treppe und Aufzug einen komplizierten statischen Eingriff erwarten.
Der südliche Baukörper nimmt Gruppen- und Nebenräume auf und positioniert die Küche funktional sinnvoll an der Nahtstelle von Foyer und Saal. Die darüberliegenden separat über eine einläufige Treppe erschlossenen und mit einer nicht einsehbaren Dachterrasse ergänzten Wohnungen sind gut geschnitten. Allerdings ist die angebotene barrierefreie Erschließung über das Pfarrhaus und das Foyerdach viel zu kompliziert und damit nicht funktional.
Die überdachte Erschließung des Foyers von Norden und Süden bietet eine zusätzliche Durchwegung von Gelände und Gebäude. Damit wird das Foyer seiner Verteilerfunktion gerecht. Ob es zur Belichtung der vorgeschlagenen und formal nicht überzeugenden Lichtkuppeln bedarf, ist fraglich.
Insgesamt überzeugt der Entwurf durch eine städtebaulich schlüssige Setzung der Baukörper, gut durchgestaltete Fassaden und Grundrisse sowie eine adäquate Materialität. Die baulichen Kennwerte liegen im durchschnittlichen Bereich und lassen Wirtschaftlichkeit in Konstruktion und Unterhalt erwarten.
Das Freiraumkonzept hat zum Ziel das Ensemble aus Kirche und Pfarrzentrum mit einem begrünten und steinernen Platz und Wegeflächen zu gestalten. Auch wenn das Verhältnis grundsätzlich richtig erscheint, wirkt der formale Ansatz jedoch beliebig und nicht aus dem Ort entwickelt. Zudem entstehen durch das Kreismotiv Teilbereiche, die räumlich unbefriedigend sind. Die Materialunterscheidung des Gemeindeplatzes im Herzen der Freiflächen ist nicht nachvollziehbar. Auch die befestigte Gartenfläche südlich des alten Pfarrhauses kann als Pfadfinderwildnis nicht überzeugen und wirkt als Jurtenstandort widersprüchlich.
Der Kubus des neuen Pfarrsaals nimmt einen direkten Sichtbezug zur Kirche auf und überzeugt durch eine gut durchgestaltete Raumproportion mit stimmungsvoller zweiter Belichtung über ein durchlaufendes Oberlichtband sowie eine plausible Akustikwand. Die Erschließung erfolgt über einen knapp proportionierten Gang.
Das alte Pfarrhaus wird mit den Verwaltungsräumen neu belebt und um den Vorschlag eines Archivs im Dach ergänzt. Allerdings lassen Treppe und Aufzug einen komplizierten statischen Eingriff erwarten.
Der südliche Baukörper nimmt Gruppen- und Nebenräume auf und positioniert die Küche funktional sinnvoll an der Nahtstelle von Foyer und Saal. Die darüberliegenden separat über eine einläufige Treppe erschlossenen und mit einer nicht einsehbaren Dachterrasse ergänzten Wohnungen sind gut geschnitten. Allerdings ist die angebotene barrierefreie Erschließung über das Pfarrhaus und das Foyerdach viel zu kompliziert und damit nicht funktional.
Die überdachte Erschließung des Foyers von Norden und Süden bietet eine zusätzliche Durchwegung von Gelände und Gebäude. Damit wird das Foyer seiner Verteilerfunktion gerecht. Ob es zur Belichtung der vorgeschlagenen und formal nicht überzeugenden Lichtkuppeln bedarf, ist fraglich.
Insgesamt überzeugt der Entwurf durch eine städtebaulich schlüssige Setzung der Baukörper, gut durchgestaltete Fassaden und Grundrisse sowie eine adäquate Materialität. Die baulichen Kennwerte liegen im durchschnittlichen Bereich und lassen Wirtschaftlichkeit in Konstruktion und Unterhalt erwarten.
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Lageplan
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Isometrie
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