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Nichtoffener Wettbewerb | 12/2017

Erweiterung der Gustav-Adolf-GedenkstÀtte

Modellfoto

Modellfoto

1. Preis

F29 Architekten

Architektur

Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH

Architektur

Station C23 - BĂŒro fĂŒr Architektur, Landschaftsarchitektur und StĂ€dtebau

Landschaftsarchitektur

modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, FrÀsservice, Laserservice

Modellbau

ErlÀuterungstext

Ausgehend vom historischen Bestand mit Schinkel-Baldachin, Kirche, SchwedenhĂ€usern, sowie den raumprĂ€genden Einfriedungen und GroßbĂ€umen, soll das Ensemble in Form eines Museumscampus erweitert werden. Das neue GebĂ€ude wird an der nordöstlichen GrundstĂŒcksecke positioniert, der breite Gehweg entlang der Bundesstraße wird auf der Ostseite als durchgehendes Band um das GebĂ€ude herumgezogen und verbindet den Ă€ußeren Teil mit dem neuen Campus. Die Erschließung vom Parkplatz erfolgt ĂŒber dieses Band, der Zugang befindet sich in der Achse der historischen Via Regia, welche den Campus quert und in der östlich anschließenden Allee sichtbar im Bestand fortgefĂŒhrt wird.

Der Zugang in das neue GebĂ€ude erfolgt von der SĂŒdseite in das Foyer, welches die gesamte SĂŒdwestfassade einnimmt und somit die Ausstellungen im Museum mit den im Freiraum vorhandenen „AusstellungsstĂŒcken“ Baldachin, Kirche und SchwedenhĂ€usern verbindet. Der Campus ist, aufbauend auf den Bestand, in vier Teile gegliedert: Kirchhof mit Baldachin, Schwedenhof mit den SchwedenhĂ€usern, und Museumshof mit einem kleinen Parterre im Anschluss an das neue GebĂ€ude. Vom Museumshof aus betreten die Besucher den Campus und erreichen die beiden anderen GebĂ€ude sowie den Schwedenstein. Der Verlauf der Via Regia wird als abgesetzter Belag im Boden sichtbar gemacht und verbindet die bestehende Allee mit dem Campus.

Das Parterre ergĂ€nzt die Ausstellung im Museum durch eine optische Installation im Freiraum. Von der etwas tiefer gelegene FlĂ€che werden drei definierte Blicke auf das historische Schlachtfeld nördlich der Straße inszeniert. Das Parterre steigt in Richtung Straße leicht an und bildet so einen kĂŒnstlichen Horizont in Höhe des Sockels des bestehenden Zaunes (so dass die Autos nicht mehr wahrnehmbar sind), der historische Stahlgitterzaun am Baldachin wird ebenfalls in abgewandelter Form fortgesetzt. Vertikale Lamellen stehen in einem engen Abstand und sind stellenweise so verdickt, dass von den Blickpunkten im Parterre aus gesehen schematische Bilder entstehen. Der Zaun wirkt also wie eine Projektion, es werden drei Bilder nach historischen Vorlagen erzeugt, sie sind in zeitlicher Reihenfolge entsprechend den historischen Ereignissen geordnet:

10:30 Das Heer.
Auf Grundlage historischer Karten und Abbildungen wie dem Kupferstich von MatthĂ€us Merian wird die Schlachtordnung nördlich der Straße in Blöcken visualisiert. Dem Betrachter bietet sich vor dem Hintergrund des realen Feldes eine Überblendung mit den Abteilungen und Reihen der Soldaten, so dass die Dimensionen der historischen Schlachtordnung direkt erfahrbar werden.

11:30 Die Schlacht von LĂŒtzen.
Ein Auszug aus der Radierung von Johann Wilhelm Baur zeigt eine Szene aus dem eigentlichen Kampf, die schematische Darstellung projiziert die Kampfhandlungen im Detail.

12:00 Tod Gustav II. Adolfs.
Mit Blick auf genau die Stelle, an welcher Gustav Adolf starb, wird die reale Szenerie des heutigen Ackers mit einem Auszug aus der Lithogaphie von Julius Giere ĂŒberblendet.


Diese Überblendung des realen Ortes, heute wie damals ein landwirtschaftlich genutztes Feld, mit den rĂ€umlichen Dimensionen und Szenen aus der Schlacht, verknĂŒpfen das historische Ereignis mit dem Ort. Somit sind weitere Installationen auf dem Feld nicht erforderlich, die gelenkten Blicke ordnen das historische Geschehen rĂ€umlich ein. Ganz praktisch ist dieses Observatorium auch eine Einfriedung des Museumscampus, und die changierenden und in der Bewegung der Besucher verĂ€nderlichen Bilder sind auch von außen im vorbeifahren kurz wahrnehmbar und machen so neugierig auf das neue Museum, welches wie ein stiller Begleiter, unaufdringlich die neu geschaffene Situation zum Parkplatz hin abschließen. Das klare GebĂ€udevolumen fĂŒhrt im lĂ€ndlichen Kontext zu einer fast lapidar wirkenden Anmutung des Hauses, wie man sie von landwirtschaftlich genutzten GebĂ€uden gewohnt ist. Die Wahl von schwarz eingefĂ€rbten Beton, sowie die dunkle Blechdeckung und klare Details verfremden den lĂ€ndlichen Charakter hin zu einem selbstbewussten musealen GebĂ€ude. Der schwarze Beton dominiert auch im Innenraum. Die sensible Beleuchtung der RĂ€ume ĂŒber Oberlichter, sowie die bewusst gesetzten großformatigen Öffnungen, die gezielte Ausblicke wie Bilder frei geben, fĂŒhren zu einer AtmosphĂ€re die einerseits auf das Umgebende fokussiert, andererseits auf das Hauptexponat vorbereitet.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Leitgedanke des Entwurfes, den Bestand durch einen schlichten Baukörper zu einem Museumscampus zu erweitern, wird sehr begrĂŒĂŸt. Das steile Pultdach schafft es, von Nordosten kommend eine deutliche Landmarke an der Bundesstraße zu bilden, sich aber gleichzeitig zur Kapelle hin wohltuend unterzuordnen. Die Anordnung des Hauptzugangs nahe den ParkplĂ€tzen bildet eine klar definierte Zugangssituation zum neu geplanten Museumshof, der durch einen bildhaft geprĂ€gten Lamellenzaun mit Bezug zur Via Regia klar zur Straße hin abgegrenzt wird. Die Kfz-Einfahrt zum Parkplatz sollte allerdings in ihrer Lage ĂŒberprĂŒft, wenn möglich von den wartenden Besuchergruppensepariert und nach Norden verschoben werden.

Die Anordnung des GebĂ€udes und dessen Zugang erlauben den Besuchern klare und funktional zuordenbare Blick- und Wegebeziehungen zu Kapelle, Kirche und den SchwedenhĂ€usern. Die FreiflĂ€chen des entstehenden Museumshofes werden ebenfalls schlicht und klar gegliedert und lassen einen gefĂŒhrten Rundgang durch das gesamte GelĂ€nde zu. Die Schlichtheit des GebĂ€udeentwurfes ĂŒberzeugt in architektonischer, funktionaler und musealer QualitĂ€t und fĂŒgt sich ins Gesamtensemble zurĂŒckhaltend, aber durchaus adressbildend ein. Die interne WegefĂŒhrung und Ausstellungskonzeption ist barrierefrei und funktional sehr gelungen. Die Ausstellungsanordnung, Belichtung und notwendigen AbstĂ€nde zum Hauptexponat im Untergeschoss lassen eine hohe AusstellungsqualitĂ€t erwarten. Die Einbringung des Hauptexponates in den Kellerbereich ist jedoch nicht schlĂŒssig dargelegt und mĂŒsste gemeinsam mit dem Nutzern genauer abgestimmt werden.

Die Schlichtheit der Ă€ußeren GebĂ€udehĂŒlle setzt sich auch in der Konstruktion und MaterialitĂ€t der InnenrĂ€ume sehr wohltuend und dem Ort angemessen fort. Die angedeutete Konstruktion aus Betonfertigteilen und die klaren baulich und funktionellen Raumstrukturen, sowie die zurĂŒckhaltende MaterialitĂ€t des Außenraumes lassen eine wirtschaftliche und flĂ€cheneffiziente Realisierbarkeit erwarten. Der ĂŒberaus gelungene Entwurf rundet die GedenkstĂ€tte zu einem attraktiven Gesamtensemble ab.

Denkmalschutz:
Von allen WettbewerbsentwĂŒrfen ist dieser derjenige, der die stĂ€dtebauliche Situation der Bestandsbauten und -freiflĂ€chen am wenigsten verĂ€ndert und dennoch gegenĂŒber Parkplatz und Bundesstraße abschirmt. Mit der scheinbar selbstverstĂ€ndlichen Kombination einer einfachen Form des lĂ€ndlichen Bauens mit der Typologie eines glĂ€sernen AusstellunggebĂ€udes im Park entsteht ein Bau von nachhaltiger Ästhetik und stĂ€dtebaulich-denkmalpflegerischer RĂŒcksichtnahme.
Lageplan GedenkstÀtte M500

Lageplan GedenkstÀtte M500

Modell - modellwerk weimar

Modell - modellwerk weimar

Das Foyer öffnet sich zum Park der GedenkstÀtte

Das Foyer öffnet sich zum Park der GedenkstÀtte

Lageplan M1000

Lageplan M1000

Modell - modellwerk weimar

Modell - modellwerk weimar

Blick von Schinkels Baldachin auf das neue Museum

Blick von Schinkels Baldachin auf das neue Museum

Konzept GedenkstÀtten-Campus

Konzept GedenkstÀtten-Campus

Das Ensemble der Gustav-Adolf GedenkstĂ€tte in LĂŒtzen

Das Ensemble der Gustav-Adolf GedenkstĂ€tte in LĂŒtzen

Entwurfselement "Schaufenster"

Entwurfselement "Schaufenster"