modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 01/2025

Erweiterung Gymnasium in Alfter

Der zum Schulhof hin aufgeständerte Neubau nutzt die Topografie geschickt aus.

Der zum Schulhof hin aufgeständerte Neubau nutzt die Topografie geschickt aus.

3. Preis

JSWD Architekten

Architektur

club L94

Landschaftsarchitektur

merz kley partner

Tragwerksplanung

Erläuterungstext

Architektur und Städtebau
Ruhig und selbstverständlich vervollständigt der quadratische Baukörper das bestehende Gebäudeensem-ble aus Schulgebäude und Turnhalle und bettet sich behutsam in die vorhandene Topographie ein. Das vorliegende Konzept positioniert den Erweiterungsbau für das Gymnasium Alfter innerhalb des Ensembles als kompakten Baukörper im nördlichen Bereich des Grundstücks. Gemeinsam mit dem bestehen Schulgebäude und der Turnhalle wird ein neuer, größtmöglicher, zusammenhängender Freiraum für die Schule gebildet, in welchem sich die neu gestalteten Sportflächen, der Topographie entsprechend, natürlich an-ordnen.

Der Baukörper besteht aus einem quadratischen, 4-geschossigen Kubus, welcher über eine großzügige Auskragung zum neuen Pausenhof hin die neue, einladende Adresse des Gymnasiums formt. Die gewählte Form begründet sich einerseits in ihrer städtebaulichen Setzung, andererseits in ihrer inneren Funktion. Vom zentralen Herzstück des Pausenhofs gelangt man in den offenen Eingangsbereich des Erweiterungsbaus des Gymnasiums und blickt auf die einladende Freitreppe im Atrium. Vom großen, zusammenhängenden Eingangsfoyer werden die beiden Haupttreppen und alle Nutzungsbausteine auf kurzem Wege erschlossen. Transparente Flächen ermöglichen eine einfache Orientierung und Wegeführung und fördern das Sicherheitsempfinden.

Die Grundrissorganisation ermöglicht, dass die öffentlichen Nutzungsbereiche der Arena/ Aula und der jahrgangsübergreifenden Fachräume, der Naturwissenschaften und Musik ohne Kreuzung der Klassen 5-10 erschlossen werden können. Der Erschließungsfluss durchläuft erst die öffentlichen und dann die inter-nen Bereiche. In der Mitte des geometrisch klar organisierten Kubus befindet sich ein gemeinsamer Lichthof als Zentrum der jeweiligen Nutzungen. Durch diese Organisation ist es möglich, auf einer Etage bis zu 4 Jahrgangsstufencluster unterzubringen. Da alle Klassenzimmermodule nach außen orientiert sind, können einzelne Klassen flexibel den jeweiligen Clustern zugeordnet werden. Somit kann auf eventuelle, zukünftigen Veränderungen in der Klassenstruktur reagiert werden. Während die Klassen 5 bis 6 in der Ebene 2 untergebracht sind, befinden sich die Cluster der Klassen 7 bis 10 in der Geschossebene 3. Die Differenzierungsflächen mit angeschlossener Loggia orientieren sich hierbei um den gemeinsamen Lichthof und erhalten Tageslicht.
In der Eingangsebene gelangt man von dem offenen Foyer in die Arena sowie die Aula, welche jeweils als abtrennbare Bereiche konzipiert sind. Die Organisation hierbei ist so gewählt, dass die flexibel bespielbare und erweiterbare Arena auch für externe Veranstaltungen außerhalb der Schulöffnungszeiten genutzt werden kann. Durch die große, auf einer Ebene zur Verfügung stehende Fläche ist es möglich, jahrgangsübergreifenden Fachräume in Gänze auf dem 1. Obergeschoss unterzubringen.

Die Gestalt des neuen Ensemblebausteins ist geprägt durch warme und einladende Materialien wie Holz, die eine harmonische Verbindung zur Natur schaffen und dem Gebäude eine beruhigende Atmosphäre verleihen.

Freiraum
Die Gestaltung der Freiflächen verfolgt die Idee, die vorliegende Freiraumgestaltung im Bereich des neuen Pausenhofs, welcher das Herz des Gebäudeensembles darstellt, mit großzügigen, grünen Inseln zu versehen. Diese Inseln bieten zusätzliche Aufenthaltsqualitäten wie Sitzinseln, Spielflächen sowie Rückzugsorte. Die Gestaltung der Inseln wird auch im nördlichen Bereich der Sportanlagen fortgesetzt. Ggf. kann auch das ein oder andere kleinere Spielgerät oder Möglichkeiten für Tischtennis, Schach auf den Terrassen Platz finden. Der obere Pausenhof schließt sich nahtlos an die neu gestalteten Sportanlagen an. Diese können über eine Freitreppe sowie eine barrierefreie Rampenanlage erschlossen werden. Im Bereich der Rampenanlage entwickeln sich natürliche Sitztribünen, von denen man im schattigen Grün sitzen und auf die Sportfelder blicken kann. Durch die optimale Nutzungsverteilung der Sportfelder und der bei-den Pausenhöfe, werden Angsträume vermieden.
Im Bereich der Zugänge wird eine Vielzahl von Fahrradstellplätzen auf dem Gelände verteilt. Zur Unterbringung der benötigten Parkplätze wird die östlich gelegene Dreiecksfläche verwendet, welche über die Straße Wegscheid erschlossen wird.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Entwurfsverfassenden fügen nur einen quadratischen 4-geschossigen Gebäudekörper in die Grundstücksstruktur ein. Städteräumlich bildet der Solitärkörper einen „Dreiklang“ mit dem Bestandsschulgebäude und der Sporthalle. Die Schaffung eines Gebäudeensemble um den zentralen Pausenhof - als Ort der Kommunikation - wird mit der direkt auffindbaren Gebäudeerschließung gestärkt und verleiht dem Ensemble eine sehr klar definierte Adressbildung. Die großzügige Durchwegung innerhalb der Gebäudestruktur verbindet die topografischen Geländesprünge mit dem Außenraum, bezieht die flankierenden Grünqualitäten mit ein und ermöglicht die Erschließung der höher gelegenen Schulwege in das Gebäude. Die für den Schulbetrieb wichtigen Funktionsbauteile wie Arena und Mensa befinden sich unmittelbar an den Freiflächen bzw. dem Pausenhof und lassen sich multifunktional mit dem zentralen Foyer verbinden, aber auch separieren. Die Grundrissorganisation ist von einer hohen Funktionalität geprägt und zeichnet den Entwurf aus. Der um den zentralen Foyerraum bzw. Lichthof organisierte Grundriss bietet eine kompakte Wegeführung und weist eine hohe Orientierbarkeit innerhalb des Gebäudes auf. Die Klassenverbände definieren über ihre Eckausbildung Clusterflächen. Diese werden an Fassadenflächen organisiert und bieten dadurch eine gute Belichtungs- und Belüftungsqualität. Hier trägt eine dem Cluster zugeordnete Loggia zum Wohlbefinden der Schüler:innen bei und ermöglicht die Einbeziehung dieser in das pädagogische Konzept. Als Nachteil der Clusteranordnung wird angemerkt, dass diese keine Separierung, Trennung bzw. geschlossene Raumstrukturen (Differenzierungsräume) ermöglicht. Die Anordnung der Verwaltungsstruktur im 2. Obergeschoss, in direkter Nachbarschaft zu den Klassenverbänden, wird als ungünstige Positionierung bewertet.

Das Gebäude soll in einer hybriden Holzbauweise mit einem hohen Vorfertigungsgrad an Raummodulen errichtet werden und erfüllt somit die Auslobungskriterien. Gerasterte Fassadenflächen in Kombination mit der ablesbaren Tragstruktur lassen die Typologie eines Schulbaus gut erkennen und fügen sich in das Gesamtensemble gut ein. Der Außenraum wird sehr gut organisiert und ist funktional zoniert. So werden die Themenfelder Aufenthalt, Sport und Erreichbarkeit sowie Orientierbarkeit vom Preisgericht gewürdigt. Der sehr hohe Versiegelungsanteil und der dadurch große Rodungsanteil der Primärgehölze kann jedoch nicht überzeugen. Die Freiraumstruktur dieser Arbeit ist leicht verständlich und klar. Der zwischen den drei Gebäudeteilen aufgespannte Pausenhof verspricht viel Raum für Bewegung, Erschließung und Kommunikation. Eingestellte Hochbeete gliedern, lenken und laden ein zum Verweilen. Der im Norden positionierte Sportcluster ist sehr flächig gedacht und überformt im Wesentlichen die vorhandenen Grünstrukturen. Dies wird aus klimatischer und ökologischer Sicht kritisch gesehen. Hinsichtlich des vorgegebenen Kostenrahmens verspricht die Arbeit eine durchschnittliche Wirtschaftlichkeit in Bezug auf die Bauwerkskosten.
Neues Foyer der Schule

Neues Foyer der Schule

Lageplan

Lageplan