Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025
Erweiterung Klaus-Groth-Schule in Husum
©studiomauer/ OTTL.LA
Blick auf den Haupteingang
1. Preis
Preisgeld: 12.000 EUR
Erläuterungstext
Konzept
Basierend auf der zugrunde liegenden Studie erweitert der Entwurf die bestehende Kammstruktur der Schule durch leicht modifizierte und ergänzende Baukörper. Durch deren Drehung und Verschiebung entsteht ein einladender Vorplatz, der die Erweiterungen nahtlos in den Bestand integriert und der Schule eine verbesserte Orientierung, einfache Bau-Phasierung sowie eine neue Präsenz im Stadtraum verleiht. Durch die Unterbringung des Offenen Ganztagbereiches in den Neubau wird eine klare Nutzungszonierung geschaffen und eine Verbindung zum Foyer sowie zur Aula hergestellt.
Adressbildung
Durch die städtebauliche Positionierung der Erweiterung erhält die Schule eine neue Adresse zur Richard-von-Hagn Straße. Typologisch greift die Erweiterung die charakteristischen Satteldächer des Bestands auf. Mit großzügigen Öffnungen und einem hellen, zentralen Eingangsbereich erhält die Klaus-Groth Schule ein neues Gesicht. Der Vorplatz integriert den Baumbestand und bietet Orte zum Ankommen, Treffen und Ausruhen. Die neue Aula öffnet sich zum Vorplatz und bietet der Schule einen großzügigen Raum für den Mensabetrieb sowie für alle festlichen Veranstaltungen.
Zentrale Erschließung
Das zentrale Foyer sorgt für eine besonders leichte Orientierung im Gebäude. Seperate und unabhängige Erschließungsmöglichkeiten von OGTS, Aula und Klassen-Cluster erzeugen eine hohe Nutzungsflexibilität im alltäglichen Betrieb, auch nach Schulschluss.
Grüne Finger
Die neuen Außenanlagen der Klaus-Groth Schule sind klimasensitiv entwickelt und ergänzen das Raum- und Lernangebot der Schule. Der zentrale Eingangsbereich, direkt am besonderen Baumbestand gelegen, bietet Aufenthalts- und Begegnungszonen. Die Nord- Süd Verbindung des Vorplatz und des Schulhofs erfolgt zentral über das Foyer. Die einzelnen Baukörper liegen geschützt und ruhig im Grünen. Hier finden sich Lernplätze, neue Klima-Baum-Pflanzungen, Orte der Kontemplation und Schulbeete.
Freiraum
Die neuen Außenanlagen der Klaus Grothe Schule sind ressourcenschonend und klimasensitiv entwickelt und ergänzen das Raum- und Lernangebot der Schule. Ziel der Umgestaltung ist es ein Netzwerk an individuellen und klar ablesbaren Freiräumen auf dem Schulgelände zu etablieren, die sich symbiotisch ergänzen und die unterschiedlichen Bedarfe der SchülerInnen und Lehrkräfte abdecken, sowie langfristig und dauerhaft eine Nutzbarkeit bieten. Dafür wird die Adresse der Schule mit einem kleinen Ankommens- Platz gestärkt und eine klare Anfahrbarkeit für getrennte Anlieferung, Parken und Fahrradparken im Norden gesetzt. Die Lehrräume der Schule richten sich zu den grünen Fingern aus. Hier finden sich Lernplätze, neue Klima-Baum-Pflanzungen, Orte der Kontemplation und Schulbeete. Die aktiven Bereiche befinden sich im Süden des Schulgebäudes. Für die Umgestaltung werden Spielgeräte aus dem Bestand wie das Boot, die Kletterspinne und die Nestschaukeln und Balancierstangen neu verortet und gruppiert. Der Asphaltbelag aus dem Bestand wird rezykliert und mit Abstreu neu aufgetragen. Insgesamt zeichnet sich die Umgestaltung durch einen niedrigen Entsiegelungsgrad und eine hohe Biodiversität, durch die Verwendung von Wildblumenwiesen aus.
Nachhaltigkeit
Zur Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien werden vielfältige Maßnahmen getroffen. Der Einsatz von Holz als Tragkonstruktion und Fassadenmaterial ist als nachwachsender Rohstoff CO2 bindend. Ein geringer Einsatz an haustechnischen Anlagen führt zu einem geringen Wartungsaufwand im Betrieb und bietet darüber hinaus eine hohe Nutzerfreundlichkeit. Dezentrale Lüftungsanlagen je Klassenraum mit Wärmerückgewinnung sorgen für den nötigen hygienischen Komfort. Zentrale Bereiche sind zentral be- und entlüftet. Auf den Dächern befinden sich Solarthermie- und PV- Anlagen zur Unterstützung der Wärmeerzeugung.
Beurteilung durch das Preisgericht
Grundidee und Gesamtkonzept
Der funktionale Bestandsbau aus den 1960er Jahren besteht aus einzelnen Riegeln, die sich entlang einer Erschließungsachse aufreihen. Der vorliegende Entwurf setzt die vorhandene Kammstruktur konsequent fort und klärt damit den Baukörper: Der Rückbau des Bestands und die Erweiterung der „Finger“ schaffen eine klare Struktur und bilden eine deutliche Adresse zur Richard-von-Hagn- Straße aus.
Anordnung und Maßstäblichkeit
Die bestehende, schlichte Silhouette der ein- und zweigeschossigen Gebäude mit flach geneigten Giebeldächern wird fortgesetzt. Somit wird eine ortstypische Architektursprache weitergedacht und die vorhandene Gestalt harmonisch fortgeführt. Der Haupteingang wird mittig platziert. Die zweigeschossige Erweiterung des Trakts 2 nach Norden und die kürzere Erweiterung des ersten Trakts umfassen zusammen mit der bestehenden Kubatur der Sporthalle den neuen Vorplatz. Der Haupteingang liegt hier zentral und zurückgesetzt. Durch eine Verbreiterung des eingeschossigen Erschließungsganges an dieser Stelle entsteht ein einladendes Foyer.
Architektonische und funktionale Qualität
Die vorhandene klare und rationale Struktur wird übernommen und fortgeführt. Die vorhandenen Cluster im Bestand bleiben erhalten und werden nur lokal qualifiziert und optimiert. Durch Aufweitungen entstehen offene Lernbereiche und die vorhandenen Holzwände werden so qualifiziert, dass in der Bestandsstruktur weitere Räume aufgenommen werden können. In allen Clustern werden WCs erhalten bzw. zur Verfügung gestellt. Die Mensa/Aula wurde an zentraler Stelle im Erdgeschoss der Erweiterung von Trakt 2, angrenzend an den Haupterschließungsflur, angeordnet. Sie befindet sich im Herzen der Klassentrakte/-cluster. Durch ihre orthogonale Ausrichtung zur Hauptachse liegt ihre Längsseite zum Vorplatz. Von hier aus kann sie auch erschlossen werden, hierhin kann sie sich erweitern. Der Musikraum sitzt idealerweise „vor Kopf“, sodass er durch Öffnung zur Bühne werden kann.
Tragfähigkeit und Funktionalität des inneren Erschließung Konzeptes und der Raumbildung
Die räumliche Struktur ist klar und einfach. Die Riegel haben eine gut zu belichtende Tiefe. Die Erschließung durch Anlieferung, Personal und Schüler*innen ist ideal getrennt, sodass der Zugang für die jungen Schüler*innen sicher möglich ist. Hinweis: Die Arbeitsräume im Küchenbereich müssen an der Fassade liegen, um Tageslicht zu erhalten.
Realisierbarkeit
Die sich wiederholenden einfachen Geometrien und das vorgeschlagene fortgesetzte Giebeldach führen zu einer grundsätzlich einfachen Konstruktion. Da die Erweiterung vorrangig im Norden stattfindet, lässt sich eine klare Zonierung in Bauphasen und damit eine Fortsetzung des Schulbetriebs in den verbleibenden Gebäudeteilen weitgehend sicherstellen.
Wirtschaftlichkeit und Berücksichtigung der Anforderungen der Nutzer*innen
Die Einfachheit der Struktur lässt einen wirtschaftlichen Ansatz erkennen. Der Entwurf liegt im mittleren Bereich der BGF. Aula und der OGT lassen sich separat erschließen, was sich positiv auf die Organisation der Gebäudereinigung auswirkt.
Baulicher Aufwand und Auswirkungen auf die Gebäudebewirtschaftung
Die Holzkonstruktion verspricht einen hohen Vorfertigungsgrad und damit eine optimierte Bauzeit.
Ökologische und energetische Aspekte und Nachhaltigkeit
Die gewählte Holzkonstruktion ist nachhaltig. Die Gründung sollte überarbeitet werden (konstruktiver Holzschutz). Die Einfachheit der Gebäudestruktur lässt sich wiederholende, saubere Details erwarten, der Dachüberstand schafft konstruktiven Holzschutz. Die Bauteiltiefe lässt eine gute Belichtung aller Räume zu. Die klare Struktur schafft auch in Zukunft die Möglichkeit für Umnutzungen.
Freiraumkonzept
Die Verfasser schlagen einen zentralen Zugang zur Schule über einen Vorplatz vor, der Raum bietet zum Ankommen, Treffen und Ausruhen. Der vorhandene Baumbestand wird gut integriert. Lange Sitzkanten laden zum Verweilen ein. Die neu geplanten Außenanlagen ergänzen das Raum- und Lernangebot der Schule sinnvoll, weil dadurch die Innen- und Außenräumen klug miteinander verwoben werden. Die Freiräume sind klar ablesbar und ergänzen sich symbiotisch zu einem großen Ganzen. Die bestehenden Spielangebote wie das Boot, die Kletterspinne, die Nestschaukeln sowie die Balancierstangen sind sehr gut in die Neuplanung integriert. Die Zufahrt zu den im Nordosten platzierten KFZ-Stellplätzen ist überzeugend an die Richard-von-Hagen-Straße angebunden. Sehr gut ist die Anbindung der Küchenanlieferung im Nordwesten gelungen. Notwendige Baumfällungen werden durch Neupflanzungen kompensiert. Fließende Übergänge zwischen den Spielbereichen verbinden sinnvoll altersgerechte Spielangebote und fördern durch unterschiedliche Oberflächenbefestigungen Bewegung und Motorik. Der Entwurf überzeugt durch sein robustes Konzept, das für die Schülerinnen und Schüler bei Wind und Wetter einfach gut gestaltete Freiräume zum Toben, Erfahren und Ausruhen bietet.
Beurteilung aus Sicht der Schulleitung
Es wird positiv beurteilt, dass der Offene Ganztagsbereich im EG liegt und einen kürzeren Weg zum Aula-Mensabereich hat. Aula und Mensa haben einen sehr guten Außenbezug. Geometrisch gesehen liegen sie in der Mitte der Schule. Eine noch bessere Anbindung an den zentralen Flur wäre durch kleine Veränderungen im Grundriss wünschenswert. Der Lehrerbereich liegt sehr weit entfernt von den Clustern im EG.
Überarbeitungswünsche aus Sicht der Schulleitung
- Eine Außentreppe am Giebel Trakt 2, die gleichzeitig als Außenbühne fungiert.
- In Trakt 2 könnte eine Tür den Bereich Mensa-Aula bei Ferienbetrieb gegen das Cluster abtrennen, wobei Sanitärräume und Garderoben für den Mensa-Aula-Bereich nutzbar bleiben sollten.
- Die Wand vom Ganztagsbereich zum Flur könnte transparent gestaltet werden
- Aus den Clustern/Fachräumen im EG sollten Außentüren zum Gartenbereich vorgesehen werden.
- Es gibt nur einen Schulsozialarbeitsraum, der zu weit von den 3 Clustern entfernt liegt.
- Das Erscheinungsbild der Neubauten sollte im Hinblick auf die Anmutung der Holzfassade geprüft werden.
©studiomauer/ OTTL.LA
Axonometrie
©studiomauer/ OTTL.LA
Lageplan
©studiomauer/ OTTL.LA
Grundriss EG
©studiomauer/ OTTL.LA
Ansicht