Offener Wettbewerb | 02/2025
Erweiterung, Sanierung und Umstrukturierung Volksschule Bertha von Suttner und Polytechnische und Mittelschule Albert Schweitzer in Graz (AT)
©MEGATABS architekten ZT GmbH
Modellfoto
3. Rang
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Projekt behält das Bestandsgebäude der Bertha von Suttner Volksschule bei und ergänzt dies behutsam durch subtile Auf– und Zubauten. Dadurch bleibt die städtebauliche Morphologie nahezu unverändert, das Stadtbild großteils erhalten. Um den Blockrand zu schließen, wird ein dreigeschoßiger kompakter Baukörper entlang der Lagergasse situiert, welcher im Erdgeschoß das Zahnambulatorium beinhaltet. Die Verbindung der Volksschule zu diesem Neubau sowie zur bestehenden Albert Schweizer Mittelschule erfolgt durch zurückhaltend gestaltete, dreigeschoßige „Spangen“. Die Bestands‐Volkschule wird ab dem 2. Obergeschoß mit der Turnhalle aufgestockt, in der Fassade bildet sich dies durch horizontal eingefügte Lisenen ab, die Fassade und das Dach der Turnhalle wird eher als „historisierend“ gelesen. Ob diese Form des „Weiterbauens“ gestalterisch richtig sowie technisch plausibel ist, wird in der Jury kontrovers diskutiert. Die Zugänge zu den zwei Schulen sind getrennt, die Volksschule wird über das Bestandsgebäude erschlossen, die Mittelschule über die zentrale Spange. Die Raumabfolgen in der Volkschule sind geprägt von den Zwängen der Bestandsstruktur, die Cluster allerdings sehr funktional und atmosphärisch ansprechend gelöst. Besonders gewürdigt werden die unterschiedlichen Freibereiche, welche die Lernzonen um Außenräume ergänzen. Die Partner:innenklassen sind an‐ und für sich sinnvoll angeordnet, die Erschließung ist jedoch für beide Bereiche nicht gänzlich zufriedenstellend, da die barrierefreien Zugänge von den regulären Zugängen räumlich getrennt sind. Der Freiraum der Partner:innenklassen MS ist von seiner Lage (direkt am Grieskai) minderwertig und nicht besonders gut angebunden. Insgesamt überzeugt das Projekt mit tadellosen funktionalen Abläufen und einem respektvollen Umgang mit den Bestandsgebäuden. Im Vergleich zu denjenigen Projekten, welche die Bauaufgabe mit Neubauten lösen stellt sich jedoch heraus, dass diese die Anforderungen an zeitgemäße Bildungsbauten wesentlich besser bedienen können, da die räumlichen Zwänge der Bestandsbauten entfallen. Des Weiteren wird hinterfragt, ob die Modifikation des Bestandsgebäudes (das Unterfangen von tragenden Wänden im Erdgeschoß und das Aufstocken durch eine Turnhalle) technisch und ökonomisch plausibel ist. Energieeffizienz: Die Anforderungen im Bereich B.1. der klimaaktiv‐Deklaration an den Heizwärmebedarf, den Primärenergiebedarf und den CO2 Ausstoß werden deutlich unterschritten. Die lt. Auslobung definierte Mindestpunkteanzahl für den Bereich B.1. wird damit deutlich überschritten. Für die Ersteinschätzung wurden bei der Bewertung der PV‐Flächen und der daraus resultierenden möglichen Erträge die verfügbaren Dachflächen des Neubaus und der Aufstockung herangezogen. Die Erforderliche Bepunktung lt. Auslobung ist damit noch nicht möglich. Zusätzliche PV‐Flächen auf den Dächern des Altbestandes sind aber noch verfügbar. Durch die geplanten Sonnenschutzmaßnahmen können die Mindest‐Anforderungen an den Kühlbedarf deutlich unterschritten werden. Bereiche nach Süden und Westen mit großen Glasflächen: Hier sollte bei kritischen Räumen die Sommertauglichkeit genauer geprüft werden. Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Die geplanten Maßnahmen und Überlegungen im Hinblick auf die Reduktion der grauen Treibhausgasemissionen (u. a. durch den weitgehenden Erhalt des Bestands, Holzrahmenbauweise)sind besonders hervorzuheben. Im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit des Gebäudes sind die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas hervorzuheben.
©MEGATABS architekten ZT GmbH
Modellfoto