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Einstufiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb | 07/2024

Erweiterung und Neubau Sporthalle Heinrich-Suso-Gymnasium Konstanz

Außenraumperspektive
7

Außenraumperspektive

Anerkennung

Preisgeld: 13.500 EUR

Kubus360

Architektur

ah Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

CAPE | climate architecture physics energy

Bauphysik

C4 engineers GmbH

Tragwerksplanung

Atelier für Architekturmodelle Boris Degen Modellbau

Modellbau

Erläuterungstext

Städtebau
Der vorliegende Entwurf befasst sich mit der Erweiterung einer Sporthalle und Fachklassen für das Heinrich- Suso- Gymnasiums in Konstanz. Der Neubau soll unter dem Aspekt des einfachen Bauens errichtet werden. Hochwertige Architektur mit robuster Baukonstruktion und reduzierter Gebäudetechnik erhöhen den Lebenszeitraum der Neubauten und senken dabei die Lebenszykluskosten. Für die Minimierung des ökologischen Fußabdruckes sind die Baukörper kompakt gehalten, ohne dabei an innenräumlicher Qualität zu verlieren. Durch die Verwendung von nachhaltigen Rohstoffen und einfacher Gebäudetechnik wird eine gute Ökobilanz angestrebt.
Die Leitidee des Konzeptes ist die Aufteilung der beiden Nutzungen auf zwei Baukörper mit der Ausbildung einer erweiterten Schulhoffläche für das Gymnasium. Die typologische Trennung verhindert aufwändige Tragkonstruktionen und erzeugt eine separate Adressbildung der Sporthalle. Mit dem Aufbrechen der Baumasse, sowie den unterschiedlichen Geschossigkeiten soll ein seichter Übergang der großmaßstäblichen Form des westlichen Bestandsgebäudes zur kleinteiligen Wohnbebauung entlang der Eichhornstraße geschaffen werden.
Mit der Positionierung der Sporthalle und des Fachklassengebäudes bilden beide Volumina einen baulichen Schallschutz zur angrenzenden Nachbarbebauung. Während sich der Sporthallenkörper auf der kurzen Seite selbstbewusst Richtung Eichhornstraße streckt, steht das Fachklassengebäude in Verlängerung zum Anbau von 2008. Eine bauliche Verbindung wird dabei im Obergeschoss hergestellt.
Die Kamorstraße bleibt dabei für Anlieferverkehr und der Feuerwehrzufahrt erhalten.
Der Zugang der beiden Neubauten erfolgt über die erweiterte Schulhoffläche. Diese soll außerhalb der Schulzeiten als Naherholungsfläche für die Bewohner zur Verfügung stehen

Freiflächen
Die Erweiterung des Schulgeländes bietet viel Platz, um sich zu bewegen und dient auch als Treffpunkt für das umliegende Quartier. Die Sporthalle und der Erweiterungsbau sowie die Erschließungsbereiche verbinden sich mit den Bestandsgebäuden zu einem Gesamtkonzept. Das neu bebaute Areal bietet viele Freizeitangebote und schafft vor allem den Kindern Anreize, sich im Außenraum sportlich zu betätigen. Sport- und Pausenzonen werden sinnvoll kombiniert – somit kommt es zu keinem unnötigen Flächenverbrauch. Das Kleinklima des Pausenhofes wird durch die Materialauswahl und den Fokus auf minimale Flächenversiegelung, welche das Regenwasser aufnehmen kann, optimal genutzt. Fassadenbegrünungen reduzieren die vertikalen geschlossenen Fassaden, erzeugen ein angenehmes Erscheinungsbild und fördern die Biodiversität im städtischen Kontext. Das Gelände wird über zwei Spangen erschlossen, die Fahrradstellplätze übersichtlich eingangsnah angelagert. Die Stellplätze werden auf Rasenfugensteinen errichtet, um auch hier die versiegelten Flächen gering zu halten. Die überdachten Fahrradstellplätze werden im Erdgeschoss auf der Rückseite des Fachklassengebäudes als kompakte Doppelparker verortet. Großzügige Grünflächen schaffen eine natürliche Vorzone zur Einhornstraße und bilden mit den ortsprägenden Bestandsbäumen und straßenbegleitenden Neupflanzungen ein einladendes Gesamtbild. Der Schulhof wird durch neu gepflanzte Bäume, Grünflächen und Sitzmöglichkeiten eine attraktive Aufenthaltsfläche für Alle sein.



Beurteilung durch das Preisgericht

Der dreigeschossige Schulerweiterungsbau wird auf die Achse des Bestandsgebäudes zurückgesetzt und durch den quergestellten Sporthallenbau gut in das städtebauliche Ensemble eingebunden.

Durch diese Setzung wird das denkmalgeschützte Hausmeisterhäuschen als besonderer Baustein geschickt in den Vorplatz miteingebunden und der großzügig proportionierte Freiraum bietet der Schule Auftakt und nutzbaren Vorbereich in Einem.

Begrüßt wird die Absicht der Entwurfsverfasser aus Ressourcenschutzgründen auf ein Kellergeschoss beim Schulgebäude zu verzichten. Das Schulgebäude wird aufgeständert und bietet im Erdgeschoss überdachte Fahrradstellplätze. Ob allerdings die weitere Nutzung des in dem Bereich als Technikfläche der Prominenz des zentralen Bausteins angemessen ist und ob die überdachten Flächen auf der Gebäuderückseite einem rauen Schulalltag standhalten können, wird vom Preisgericht kritisch gesehen.

Begrüßt wird der Vorschlag die überdachten offenen Erdgeschossbereiche als Erweiterungsflächen vorzuhalten.
Eine ebenso einfache wie baupraktisch sinnvolle Idee, da komplexe Dacharbeiten, wie bei Aufstockungen sonst üblich, vermieden werden und Treppenergänzungen ausbleiben.

Das Treppenhaus welches die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte in das erste Obergeschoss führt, ist ausreichend groß und gut dimensioniert auf der westlichen Kopfseite des Schulgebäudes angeordnet.
Die Anbindung des Stegs aus dem Bestandsgebäude wird geschickt über das Zwischenpodest dieser Treppe geführt, so dass die Höhendifferenz der beiden Gebäude sehr selbstverständlich überbrückt werden kann.

Kritisch besprochen wird die Raumbildung und Belichtung der Differenzierungsfläche im ersten Obergeschoss des Schulneubaus. Dieser Zone hat kaum Tageslichtbezüge und die Stichflure zu den Toilettenanlagen durchschneiden den zentralen Flur weiter in kaum nutzbare kleine Bereiche.

Der Sporthallenbau ist gut und funktionsrichtig entworfen. Die Halle weist allerdings einen hohen Fensteranteil auf, welcher gerade an der Ostseite zu Blendung und ungewünschten solaren Gewinnen führen kann.

Beide Baukörper sind angenehm proportioniert und mit ihrer angemessenen Fassadengestaltung bieten sie ein glaubhaftes Bild einer Schule in Holzbauweise.
Das gewählte enge Konstruktionsraster wird positiv bewertet und lässt gerade für den Sporthallenbau wirtschaftliche Deckenkonstruktionen erwarten.
Allerdings werden die im bewitterten Bereich geführten, tragenden Holzstützen vom Preisgericht kritisch gesehen.

Das niedrige Gebäudevolumen und die günstige Flächeneffizienz der Arbeit lassen eine gute Wirtschaftlichkeit erwarten. Allerdings liegt das AV-Verhältnis im oberen Bereich. Die gute Nachhaltigkeitsstrategie und die ressourcenschonende Materialkonzeption der Arbeit werden gewürdigt.

Das Schulgebäude ist klar strukturiert auf einem holzbaugerechten Stützenraster der Primärkonstruktion von 2.50 m aufgebaut. Für die weitgespannten Geschossdecken sind für die gewählte (notwendige) Spannweite von 8.70 m leistungsfähige Hohlkastenelemente mit 350 mm Bauhöhe als reine Holz-Leichtbaukonstruktion vorgeschlagen. Der beschriebene Gesamtaufbau der Deckenkonstruktion u.a. mit Schüttung im Gefach lässt einen sehr guten Schallschutz und ein gutes Schwingungsverhalten erwarten.

Die Geschossdecken spannen in Querrichtung des Gebäudes über zwei Tragachsen in der Mittel- bzw. Flurzone. In der Außenwandkonstruktion ist die Skelettstruktur konsequent innen ablesbar und getrennt von der Gebäudehülle vorgestellt.
Für die Sporthalle sind Vollwandträger im Abstand (Achsraster) von 2.40 m vorgesehen. Dies ermöglicht mit einer nur 80 mm dicke Brettsperrholzplatte als Sekundärtragwerk die Dachflächen wirtschaftlich zu schließen. Die als Satteldachbinder ausgebildeten Primärträger sind eindrucksvoll mit nur 1.20 m Bauhöhe unter Verwendung von Furnierschichtholz aus Buche vorbemessen.

Insgesamt bietet der Entwurf eine inhaltlich sehr ambitionierte und gestalterisch angemessen zurückhaltende Antwort auf die gestellte komplexe Bauaufgabe.
In Teilen der Grundrissgestaltung wie im Differenzierungsbereich und im Erdgeschoss kann die Arbeit allerdings nicht vollumfänglich überzeugen.
Innenraumperspektive Sporthalle

Innenraumperspektive Sporthalle

Lageplan

Lageplan

Ansicht

Ansicht

Fassadenansicht

Fassadenansicht

Tragwerk Axonometrie

Tragwerk Axonometrie

Modell

Modell