Offener Wettbewerb | 06/2025
Erweiterung und Neugestaltung KZ-Gedenkstätte Gusen (AT)
8
Ankunftsgebäude
©Schuberth und Schuberth ZT-GmbH
Anerkennung
Mettler Landschaftsarchitektur
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
Am Grat der Erinnerung
In der Zeit des Nazi-Regimes entstanden zahlreiche Lager, in denen unvorstellbares Leid und Terror herrschten. Ursprünglich als Arbeitslager nahe Steinbrüchen konzipiert, wurden diese im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu Konzentrations- und
Vernichtungslagern. Nach der Befreiung wurden viele, wie das nahegelegene KZ Mauthausen, zu Gedenkstätten umgewandelt. Beim KZ Gusen I ging man jedoch einen anderen Weg: Die meisten Gebäude wurden niedergebrannt oder abgerissen, das Gelände parzelliert und eine Wohnsiedlung errichtet. Heute zeugen nur noch wenige Überreste vom ursprünglichen Lager, darunter die Überreste der ehemaligen SS-Baracken und die weit sichtbare Ruine des Steinbrechers. Was aber noch mehr ins Auge sticht
ist die topographische Kante, die das Gelände, wie einst, einfasst und von der Fläche des Natursteinhändlers trennt.
Ziel des Entwurfs ist, das Gebiet des ehemaligen Lagers über die Wanderung an diesem Rand ablesbar zu machen. Bestehende Mauerstücke werden in das neue Konzept integriert und durch neue Mauerstücke und Rampenelemente ergänzt. Durch seine starke Form und die Orthogonalität werden Raumverhältnisse und Übergänge erkennbar und die Fußgängerperspektive
gestärkt. Die Wegeführung macht sich die vorhandene Topografie zunutze und zeichnet diesen Rand nach. Besucher betreten zunächst nicht die Fläche des ehemaligen Lagers, sondern wandern entlang des Grats, der einen Blick auf die Fläche öffnet. Erst auf dem Rückweg führt eine Rampe auf die Fläche des Appellplatzes.
Beurteilung durch das Preisgericht
Allgemein sind die Empfehlungen für die weitere Bearbeitung in der zweiten Wettbewerbsstufe zu wenig einbezogen worden.
Baukünstlerische und künstlerische Lösung
Bezüglich der gestalterischen Bezugnahme auf die historische Bedeutung des Areals wird die inhaltliche Konzentration auf die Steinindustrie zu massiv empfunden. Weiters werden Gabionen als ästhetischer Ausdruck für die Steinindustrie aufgrund der Konventionalität des Materials als nicht adäquat gesehen.
Die Laternen („Raum der Stille“ und am Ankunftsgebäude) nehmen nicht Bezug auf die historische Bedeutung des Areals. Generell erschließt sich die Funktion der Laternen nicht, obwohl sie ein gestalterisches Hauptmerkmal darstellen. Die Laterne ist in Relation zum Schotterbrecher zu massiv gestaltet, wodurch der Raum der Stille überhöht wirkt und daher nicht angemessen ist. Der museale Charakter des „Raums der Stille“ ist nach wie vor vorhanden, daher ist die künstlerische Qualität des „Raums der Stille“ nicht überzeugend.
Die Cortenstahl-Platten, in der vorgeschlagenen Ausführung, im Bereich der semantischen Verbindungen werden als konventionelles Stilelement empfunden.
Städtebauliche Lösung
Die Massivität der Gabionen hat trotz Empfehlungen der Jury nicht Eingang in die Überarbeitung gefunden.
Funktionelle Lösung
Die teilweise gleiche Wegeführung (Hin- und Retourweg) Appellplatz ergibt keinen durchgehend schlüssigen Rundgang, der nach den allgemeinen Kriterien gefordert wurde.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Zur Nachhaltigkeit wurde in den Plänen und Texten keine Aussage getroffen.
Kostenschätzung
Die vorgelegte Kostenschätzung ist plausibel und nachvollziehbar. Die Schätzkosten liegen unter dem vorgegebenen Budget.
Realisierungsetappen
Die Realisierungsphasen wurden plausibel dargestellt und halten den vorgegebenen Zeitrahmen ein.
Ankunftsgebäude Innen
©Schuberth und Schuberth ZT-GmbH
Lageplan Langenstein I
©Mettler Landschaftsarchitektur GmbH
Blick Richtung Schotterbrecher
©Schuberth und Schuberth ZT-GmbH
Raum der Stille
©Schuberth und Schuberth ZT-GmbH
Raum der Stille innen
©Schuberth und Schuberth ZT-GmbH
Semantische Verbindung Gusen - St. Georgen
©Schuberth und Schuberth ZT-GmbH
Semantische Verbindung Gusen - St. Georgen
©Schuberth und Schuberth ZT-GmbH