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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Erweiterung und Sanierung Kindergarten St. Elisabeth in Merdingen

Perspektive
6

Perspektive

1. Preis

Preisgeld: 15.500 EUR

Weissenrieder I Architekten BDA

Architektur

freisign Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

gbm modellbau gmbh

Modellbau

Erläuterungstext

Freiraum
Die Gestaltung der Außenanlagen bildet einen bewussten Kontrast zur klaren sechseckigen Wabenstruktur des Gebäudes. Während der Baukörper durch eine regelmäßige Geometrie geprägt ist, entfaltet sich der Freiraum in weichen, organischen Formen.
Inspiriert vom Bild eines Bienenschwarms, der sich aus dem Wabenstock in die offene Landschaft hinausbewegt, entstehen vielfältig nutzbare Spiel- und Erlebnisbereiche – die sogenannten „Taschen“.
Diese Taschen sind entlang des Gebäudes im Außenraum verteilt und erfüllen unterschiedliche Funktionen:
Hauptspieltasche
Dieser zentrale Spielbereich besteht aus dem vorhandenen Spielgerätebestand und bildet das Herzstück des Gartens
Spieltasche für die Kleinen (U3)
Ein geschützter, gemütlicher Bereich für die Jüngsten, der im Rahmen der Neuplanung um ca. 50m2 erweitert wird. Bestehende Spielgeräte werden integriert und punktuell durch neue ergänzt. Eine sanfte Abgrenzung durch Vegetation sorgt für eine klare Trennung dieses Bereichs.
Sandspieltasche
Im südlichen Bereich entsteht eine großzügige Sandspielfläche in Form einer Sandinsel. Sie lädt zum Buddeln, Bauen und kreativen Spielen ein. Ein angrenzendes kleines Amphitheater aus Holzstämme schafft Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten im Freien.
Eingangsbereich / Vorplatz
Um die Symmetrie der Bestandssituation aufzubrechen, ist ein seitlich versetzter Vorplatz vorgesehen. Der Zugang bleibt dabei organisch geformt und fügt sich selbstverständlich in die Freiraumgestaltung ein.
Vegetationskonzept
Die vorhandene Vegetation entlang der Löschgrabenstraße wird ergänzt und zu einem grünen, Lförmigen Volumenkörper ausgebildet. Zusammen mit dem L-förmigen Gebäude entsteht so ein offenes, klar gefasstes Zentrum. In diesem zentralen Bereich verteilen sich locker platzierte Solitärbäume/Sträucher, die gezielt Aufenthaltsqualitäten schaffen.

Architektur
Das Bestandgebäude ist geprägt von einer einzigartigen sechseckigen Gebäudestruktur, die sich sogar in Details, wie z.B. der Beleuchtung wiederfinden lässt. Die zur Straße orientierte Eingangsseite wird überspannt von einer großen Dachfläche, die zum Eingang durch ein Oberlicht überhöht wird. Zum Garten öffnet sich das Gebäude durch vor und Rücksprünge und verbindet sich
mit den Außenflächen des Kindergartens.
Dieser einzigartige besondere Charme, soll erhalten bleiben und auch in der Erweiterung fortgeführt werden.
Bestand
Die Eingriffe in den Bestand dienen hauptsächlich zur Ordnung und besseren Organisation der Nebenräume. Zur Eingangsseite wird die Gebäudeform begradigt um eine klare Raumkante zum Straßenraum geschaffen. Nur am Eingang bleibt der Versatz bestehen. Durch den die seitlich über den Vorplatz ankommenden Besucher in das Gebäude geleitet werden. Ein überdachter Vorbereich
bietet Platz für Kinderwägen.
Die daran anschließende Eingangshalle dient als Dreh- und Angelpunkt und kann durch mobile Trennwände mit dem Bewegungsraum für Festivitäten oder offene Angebote erweitert werden. Sitzmöglichkeiten und Infotheke laden ein zum Austausch und bieten einen ersten Ausblick in die sich hinter dem Gebäude befindende Gartenlandschaft. Hell lasierte Holzoberflächen verschaffen der bisher eher dunklen Eingangshalle eine freundliche Atmosphäre.
Im Anschluss an die Halle erstreckt sich der Spielflur in zwei Richtungen. Wie eine breite Gasse mit vor und Rücksprüngen und kleinen Plätzen führt er durch das Gebäude und bietet viel Platz für offene Spielangebote. Die Belichtung erfolgt durch Blickbeziehungen in den Garten sowie durch Fenster und Lichtausschnitte zu den daran anschließenden Räumen. Die Garderoben sind den Gruppenräumen zugeordnet. Vor den Ausgängen in den Garten befinden sich die Matschschleusen.
Gruppenräume
Die wabenförmigen bestehenden Gruppenräume werden überarbeitet. Die ungewünschte Verbindung zum Intensivraum wird geschlossen und dieser über die Flure erschlossen. Die Ausgänge ins Freie werden Außen mit einer in die Fassade zurückversetzten vorgelagerten Sitzbank in die Fensterflächen verlegt. Dies schafft 2 zusätzliche Wandflächen für umlaufende Einbaumöbel und Küchenzeilen mit ausreichendem Stauraum.

Neubau und Erweiterung
Die geplante Erweiterung verläuft entlang der südlichen Grundstücksgrenze parallel zur Nachbarbebauung. Der Gartenbereich wird durch den Neubau nach Süden geschlossen. Mit der Kita im Norden und der vorhandenen Baumgruppe auf dem Hügel im Osten ist der Außenraum nun von allen Seiten gefasst.
Für eine reibungslose Anbindung des Neubaus an den Bestand wird der südliche Gruppenraum weiter nach in Richtung Grenze verschoben und macht so den Weg für den durchlaufenden Spielflur frei. Aufgrund seiner zentralen Lage in der Ecke und der guten Erreichbarkeit zur Straße wird der Raum nun als Bistro genutzt. Der Gruppenraum wird dafür im Neubau mit direkter Gartenanbindung ergänzt. Der Verbindungsbau zwischen Neubau und Bestand schafft einen einfachen Anschluss und fungiert als Eingang zum Garten. Um möglichst wenig Außenraum zu versiegeln wird der Neubau zweigeschossig ausgeführt. Das obere Geschoss setzt sich dabei leicht vom unteren ab und gliedert die Fassade. Ein geschlossener Treppenraum und Aufzug verbinden die beiden Ebenen. Im Obergeschoss sind Personalräume und Kreativbereich untergebracht. Ein Baumkronen-Steeg verbindet das OG direkt mit dem Außenbereich und dient gleichzeitig als 2. Rettungsweg.

Holzbau
Der Neubau und die Erweiterungen des Bestandgebäudes werden in einer hochwirtschaftlichen vorelementierten Holzbauweise geplant. Dies verkürzt die Bauzeit und bindet Co2. Bei der Innenraumgestaltung wird viel sichtbares Holz eingesetzt. Holzflächen im Bestand werden mit hellen Lasuren aufgearbeitet und schaffen so eine angenehme helle Atmosphäre.

Fassaden
Die Außenfassaden von Bestand und Neubau werden mit Zellulose gedämmt und einer Holzschalung aus heimischer Weißtanne verkleidet. Ein grüner Vorvergrauungs-Anstrich bildet zusammen mit der grünen Dachbekleidung ein homogenes Erscheinungsbild und das Gebäude verschwimmt mit der dichten Vegetation. Nur an den Tür- und Fensteröffnungen und den Wänden an den Haupteingängen bleibt das Holz sichtbar, wodurch diese besonders hervortreten. Fensterbrüstungen sind 65cm tief angeordnet, um auch den Kindern einen uneingeschränkten Ausblick ins Grüne zu gewährleisten. Die innenseitigen Einbauregale an den Brüstungen
ermöglichen ein ungestörtes Öffnen der Fensterflügel ohne Verletzungsgefahr. Die großflächigen Dachflächen ermöglichen das Anbringen von Photovoltaik.

Flucht und Rettungswege
Der erste Rettungsweg führt im EG von allen Aufenthaltsräumen unmittelbar ins Freie, so dass eine uneingeschränkte Möblierung der Flure ermöglicht wird. Das OG wird als Nutzungseinheit betrachtet, die an zwei bauliche Rettungswege angeschlossen ist. Eine Möblierung des Spielflurs ist damit auch hier ohne Einschränkungen möglich.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser:Innen der Arbeit 1011 nehmen die Struktur des Bestandsgebäudes geschickt auf und führen sie in einem kompakten zweigeschossigen Holzbau konsequent weiter. Der Anbau wird im südöstlichen Freiraum situiert und trägt so dazu bei, den gut geschnittenen verbleibenden Freibereich angemessen zu rahmen. Zur Straße und an seiner nordöstlichen Stirn wird der bestehende Baukörper mit dezenten Erweiterungen ergänzt. Die Straßenfassade wird angenehm beruhigt und das Potential für eine Flächenerweiterung geschaffen. Im südöstlichen Bereich wird die Baugrenze überschritten.

Durch den Haupteingang führt der Weg in die zentrale Eingangshalle, die sich dank neuer mobiler Trennwände nun auch mit dem vormals als Gruppenraum genutzten Bewegungsraum koppeln lässt - dies ermöglicht einen großzügigen Raumverbund, der für Feste und Veranstaltungen ganz neue Möglichkeiten eröffnet... Der Blick geht weiter in den grünen Freiraum. Unterstützt durch das bestehende Oberlicht und die überarbeiteten lasierten Holzoberflächen entsteht hier eine helle, freundliche Atmosphäre, die die Kinder empfängt. In den anschließenden Flurbereichen sollte die Belichtungssituation überprüft werden.

Die wabenförmigen Gruppenräume des Bestands werden in Form und Größe antizipiert und mit ähnlicher Erschließungstypologie im Anbau fortgeführt. Sie alle erhalten einen unmittelbaren Bezug zur Außenspielfläche. Das Arbeiten mit den Wabenstrukturen, das in der Gartenfassade Vor- und Rücksprünge erzeugt, verzahnt auf ganz selbstverständliche Weise Gebäude und Freiraum - eine große Qualität!

Die neuen Flure orientieren sich am Bestand, sind verhältnismäßig breit und weiten sich partiell spielerisch auf, so dass sie auch als Spiel- und Aufenthaltsbereiche oder für individuelles Arbeiten sehr gut nutzbar sind. Die Treppe zum Obergeschoss und der zugehörige Aufzug liegen allerdings eher versteckt - hier wäre eine bessere Auffindbarkeit anzustreben. Die Lage des Kreativraums im OG scheint eher abgehängt und unter dem Gesichtspunkt der Aufsichtsthematik problematisch - hier sollte über die Möglichkeit eines Raumtauschs nachgedacht werden. Der Zuschnitt der Nebenräume wirkt hier z. T. ungelenk und eng. Die Verbindung bzw. der Fluchtweg von diesem Geschoss in den Garten über den Baumkronensteg wirkt noch etwas umständlich.

Die Hierarchisierung der Räume und die Anordnung der Nebennutzungen zur Straße und zum südwestlichen Nachbarn überzeugen. Das Bistro - ebenfalls in Wabenform - unterstreicht die Bedeutung auch dieses Bereichs im Alltag und signalisiert die Zugehörigkeit zu den Hauptaufenthaltsräumen der Kinder. Das angelagerte Außenbistro nutzt geschickt den hier verbleibenden schmalen Grünraum.

Kritisch diskutiert wird der Erweiterungsvorschlag für den sechsten Gruppenraum: der Baukörper würde zu stark in den südöstlichen Gehölzbestand eingreifen. Als eingeschossiger Annex wäre er eine ungeschickte Addition und könnte der Körperlichkeit des zweigeschossigen Anbaus nicht gerecht werden. Auch der an den wabenförmigen Gruppenraum angeschlossene Flur und der Intensivraum können in ihrer Geometrie nicht überzeugen.

Die vorgeschlagene Fassade aus Weißtanne verbindet geschickt Bestand und Neubau und unterstützt zusätzlich den strukturellen Zusammenhalt der beiden Gebäudeteile.

Im Außenraum werden Erschließungs- und Funktionsbereiche entlang der Straße gut angelegt, auch die - etwas verwinkelte Küchenanlieferung und die Pflegezufahrt für den Garten sind nachgewiesen.

Der Spielbereich ist gut zoniert, schafft Orte unterschiedlichen Charakters und ordnet auch den U3-Kindern einen separaten, an deren Gebäude angeschlossenen Freiraum zu.

Durch die Setzung des neuen zweigeschossigen Anbaus entfällt leider der Gehölzbestand an der südwestlichen Grundstücksgrenze - dafür wird der Baumbestand zur Straße ‚Löschgraben‘ durch ergänzende Pflanzungen verdichtet.

Nach ihren wirtschaftlichen Kenndaten liegt die Arbeit im mittleren Bereich.

Der Beitrag besticht als harmonische Gesamtkomposition, die die Qualitäten des Bestands aufgreift, weiterführt und nochmals deutlich verstärkt. Als Kinderhaus ist sie in Duktus und Anmutung sehr gelungen und zeigt auch im Hinblick auf den kindlichen Maßstab eine sichere Hand.
Grundriss

Grundriss

Ansicht und Schnitte

Ansicht und Schnitte

Ansicht und Schnitte

Ansicht und Schnitte