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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2026

Erweiterung und Sanierung Schulstandort Hohewart² in Stuttgart-Feuerbach

5

ein 1. Preis

Preisgeld: 124.000 EUR

BJW Architekten Broghammer Jana Wohlleber

Architektur

faktorgruen

Landschaftsarchitektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit Teilerhalt der nördlichsten Realschulzeile und geschickter Setzung dreier neuer Bausteine formuliert die Arbeit ein Gebäudeensemble, das sich ganz selbstverständlich zum Campus fügt. Topografie und Geländerelief werden dabei sehr gut aufgegriffen, die neuen Baukörper fügen sich ins Gelände, schaffen naheliegende Zonierungen und Funktionszuweisungen im Freiraum und gruppieren sich doch um eine in Lage und Höhe stimmig gewählte gemeinsame Mitte. Verstärkt wird das Zusammenspiel durch ein verbindendes, den Freiraum überspannendes Dach, das die topografischen Unterschiede kaschiert und die Baulichkeiten miteinander verknüpft. Mit der gut positionierten Höhenlage ordnen sich die Gebäude sehr angemessen nicht nur ins Gelände, sondern auch in die umgebenden Siedlungsstrukturen ein. An der Hohewartstraße entsteht mit der Kombination aus Sporthalle und Realschule eine klare Adresse. Der teilweise erhaltene Bestandsbau stärkt die Identifikation mit dem gewachsenen Ort. Hinterfragt wird hier die Fügung von Neu- und Altbau auf Traufhöhe über die gesamte Länge des verbleibenden Baukörpers. Ein verhältnismäßig großer Volumenanteil der Sporthalle wird aufwändig ins Gelände eingegraben, ein Aufwand der angesichts der darüber aufgehenden Realschulgeschosse und der gesamträumlichen Einfügung aber vertretbar erscheint.

Die Haupterschließung für Fuß und Rad erfolgt von der Hohewartstraße. Die vorgeschlagene Parkierung entlang der Walpenreute sollte nochmals überprüft werden: hier wären die geschützten Bäume vollumfänglich zu erhalten. Auch die Funktionalität der Anlieferung Mensa und Feuerwehrzufahrt von Osten wären - ebenso wie Teile der Gebäudeentfluchtung - im Detail noch nachzuweisen. Die Freianlagen sind sehr gut differenziert, sinnfällig mit den Gebäudenutzungen verbunden und bieten die gewünschten Bereiche für Spiel und Bewegung ebenso wie für Ruhe und Rückzug.

In der inneren Organisation überzeugen die Gebäude mit großer Klarheit und sehr guter Orientierung. Die den Schulen eingestellten Atriumhöfe sind angemessen dimensioniert und gewährleisten gute Belichtung. Klassen- und Differenzierungsräume weisen schöne Proportionen auf und bilden zusammen mit den relativ großzügigen Erschließungsflächen attraktive Lernlandschaften. Hinterfragt wird die Gruppierung von jeweils drei Jahrgangsstufen der Realschule auf einem Geschoss - die große Anzahl von Schülern auf einer Ebene bietet Konfliktpotential hinsichtlich Lärm und überschüssiger Energie.... Die Wegelinie der Grundschüler zur Sporthalle kreuzt unglücklich den Fachklassentrakt der Realschule - auch hier sollten Konflikte vermieden werden. Das Raumkontingent für die Ganztagesbetreuung scheint noch zu knapp bemessen und wäre zu überprüfen. Die Arbeit weist einen hohen Anteil an Technik- und relativ große Verkehrsflächen auf.

Die Verfasser schlagen für die Tragstruktur eine Stahl-Holz-Hybridkonstruktion vor. Dabei werden im Bereich der Realschule Brettsperrholzelemente in deckengleichen Stahlträgern eingelegt. Dies lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Die Lasten der (aufgehenden) zwei Geschosse über der Sporthalle werden mit vier zweigeschossigen Stahl-Fachwerkträgern abgefangen. Dabei ist die Decke über der Sporthalle als Stahl-Beton Verbundkonstruktion geplant. Infolge der Flurzonen können die Fachwerkträger jedoch nicht in einer regelmäßigen Struktur aufgebaut werden. Für die Geschossdecken im Bereich der Mensa und der Grundschule sind konsequent leistungsfähige Kastenelemente aus Brettsperrholz vorgesehen. Damit erhöht sich der Anteil an Holzbauteilen in der Tragstruktur erheblich. Die in den Erläuterungen erwähnte Aussteifung der Gebäude mittels Fachwerkwänden scheint nicht mehr zeitgemäß.

Die Bildung der Bauabschnitte überzeugt. Mit der vorgeschlagenen Komposition wäre im ersten BA die Realisierung der Sporthalle und Hauptbestandteile der neuen Realschule unter Weiterbetrieb beider Schulen gut möglich. Ein sukzessives Umsiedeln der Schüler und schrittweises bauliches Ergänzen scheint plausibel. Die zeitgerechte Erstellung der Technikräume für die Fachklassen sollte aber sichergestellt werden.

Die Arbeit überzeugt mit ihrer sympathischen städtebaulichen Haltung und ihrem Vermögen, das vergleichsweise große Raumprogramm mit seinen vielfältigen funktionalen Anforderungen zu einem Ensemble zu formen, das auch mit verhältnismäßig großen Baukörpern einen grünen Campuscharakter mit freigespielten Pavillons vermittelt.