modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 04/2025

Erweiterung und Umbau Alte Schule Werneck in ein Bürgerhaus

Visualisierung Blick von Westen
16

Visualisierung Blick von Westen

Anerkennung

Preisgeld: 3.500 EUR

Pool Leber Architekten BDA

Architektur

zaharias landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Müller-BBM Building Solutions GmbH

Akustikplanung

Josef Neubauer Modellbau

Modellbau

VIZOOM

Visualisierung

Erläuterungstext

B Ü R G E R H A U S W E R N E C K
Ein Gebäude, in dem Menschen zusammenkommen. Ein Gebäude, das verbindet.
Das große, offene Foyer verbindet die Stadt und die Auffahrt mit dem Hochparterre der alten Schule, mit der unteren Ebene und dem Garten, mit dem Saal und dem Blick nach Süden in die Landschaft.
Das Foyer verbindet das Lernen - in der Bibliothek und im Musikzentrum - das Aufführen in den Sälen und das Zusammenkommen - in den Foyers und im Jugendbereich. Es ist ein Ort der Begegnung von Jung und Alt, von Traditionellem und Unkonventionellem, auch im architektonischen Sinne von Alt und Neu.
Die Jugend hat ihren eigenen Bereich, für sich, mit eigenem Eingang und eigener Terrasse mit ganztägiger Sonne und Panoramablick. Dennoch ist er über die Haupttreppe voll und ganz in das Geschehen der anderen Aktivitäten, des Eingangs und des Gartens integriert.
Der Saal ist eine natürliche Fortsetzung der Stadt, des Eingangs und des Gartens. Er ist wie das Foyer ein Innenraum, gestaltet wie ein Außenraum, nicht nur Konzertsaal, sondern auch Treffpunkt, übertragenes Forum oder Marktplatz.
Der Neubau ist mit dem Altbau verwoben, über seine Räume und Wege, über die Materialität des Backsteins. Die alte Schule bleibt aber als Wahrzeichen weiterhin erhalten, insbesondere bleibt das Ensemble mit dem parkähnlichen Garten der Ostseite weitestgehend unverändert.
Der Hauptweg verbindet alle Bereiche miteinander. Die alte Treppe führt vom Musikbereich im Dach über den Jugendbereich und setzt sich in der breiten, geschwungenen Foyertreppe fort. Diese ist nicht nur Weg, sondern auch Eingang und Treppe der Begegnung und Repräsentation, vielleicht eine Reminiszenz an die andere Balthasar-Neumann-Stadt, an die Würzburger Residenz.
Der Schwung der Treppe führt in den Saal und zur Aussicht nach Süden, aber auch zurück über die Bar und in den Garten. Eine große Säule zentriert den Raumkomplex und ist zugleich angeleuchteter Turm für Mitteilungen der Bürgerschaft aller Art, auch digital.
Die zweite Treppe im Norden ermöglicht den autarken Betrieb sowohl des Jugendbereichs als auch des Musikzentrums, z.B. für individuellen Musikunterricht außerhalb der Öffnungszeiten. Gleichzeitig wird der zweite Flucht- und Rettungsweg sichergestellt. Der Aufzug mit Außeneingang erschließt alle Ebenen barrierefrei, auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten.
Der Saal ist als „Schuhschachtel“ mit den Proportionen 4:2:1 ideal für eine optimale Akustik und eine wirtschaftliche Realisierung geschnitten. Die gefaltete Holzdecke mit strukturierten Sichtziegeloberflächen ist Teil des akustischen Konzeptes und integriert Tragstruktur wie Technik, die bühnenabgewandten
Faltungen werden microperforiert. Die Grundfläche von 200 m2 und eine mittlere Höhe von 5,55 m ergeben ein akustisch günstiges Volumen für 200 Zuschauer und die geplante Mehrfachnutzung und schaffen einen klanglich vielseitigen, angenehmen und lebendigen Raum. Das warme Material findet seine Entsprechung in der stapelbaren Holzbestuhlung. Die Polsterung schafft neben dem Sitzkomfort auch einen akustischen Ausgleich zwischen dem leeren Raum bei Proben und dem voll besetzten Raum bei Veranstaltungen. Verdunkelungsvorhänge vor den Fensterflächen können ebenfalls akustisch genutzt werden. Die ausfahrbare Bühne mit einer Höhe von 80 cm schafft den gewünschten Kontakt zum Publikum. Die Unterteilung in kleinere Raumeinheiten erfolgt durch hochschalldämmende mobile Trennwände.
Foyer und Saal öffnen sich in voller Breite zum Garten und verbinden diesen mit dem Eingang und der Stadt. Der Garten ist vielfältig nutzbar. Die Toiletten sind sowohl von innen als auch direkt vom Garten aus zugänglich.
Musikschule
Die Unterrichtsräume Musik sind mit schallabsorbierenden Vorwänden 90° zueinander angeordnet ausgestattet und bieten Platz für Klavier und zwei weitere Musizierende. Beim Gruppensaal wird das Dach bis unter dem First und bis zur Traufe geöffnet um ein großzügigeres Raumgefühl und einen guten Klang zu erzeugen. Paneelen in den Vorwänden und den Schränken können geöffnet werden um die Raumakustik zu steuern.

Beurteilung durch das Preisgericht

Ortsräumliche Gesamtqualität
Der Entwurf zeigt eine Komposition aus Alt und Neu. Die alte Schule bleibt als Wahrzeichen überwiegend erhalten. Insbesondere der östliche Bereich, der Park und der Gedenkort bleiben unberührt. Im Südwesten wird das Bestandsgebäude baulich ergänzt. Der Neubau reicht im Westen über sämtliche Geschosse und ist mit dem Altbau unmittelbar verwoben. Die Eingangsfassade wird hierdurch allerdings stark überformt, sodass das ursprüngliche Erscheinungsbild der alten Schule kaum erkennbar bleibt. Vor allem die hohe Wandscheibe über dem Foyer wirkt massiv und stellt den Altbau zu stark in den Hintergrund.

Freianlagen
Der Zugang von der Schönbornstraße wird mittels einer breiten Treppe und dem angelagerten Bushalt markiert. Das Gartenhaus und der Zugang zum Eiskeller sowie der Obstgarten bleiben erhalten. Fußgänger und motorisierter Verkehr werden getrennt zu einem gemeinsamen Vorplatz geführt. Die Topografie an der Schönbornstraße wird durch eine 7-stufige Treppe abgefangen, barrierefrei bzw. barrierearm ist das Gelände allerdings nur über die PKW-Zufahrt erreichbar. Ein aufgeweiteter Vorplatz vor dem Bürgerhaus stellt einen zentralen Ankunftsplatz dar. Eine Orientierung ist durch einen zentralen Eingangsbereich gegeben, der beide Gebäudeteile miteinander verbindet.

Der Entwurf arbeitet mit Längsparkern entlang der Zufahrt, was einen Mehrwert für die Grünflächen bietet. Die Anordnung der dauerhaften Stellplätze erfolgt klar strukturiert im Norden des Vorplatzes. Die Ausweichparkplätze im Süden dieses Vorbereiches deuten auf enorme Erdmassebewegungen hin mit notwendigen Abfangungen über Stützmauern. Der rückwärtige Parkbereich bleibt weitgehend erhalten. Die Funktionalität der Freiflächen ist gut, allerdings erscheinen der westliche Zugangsbereich wie auch der rückwärtige Park wenig gestaltet und damit nicht ausreichend repräsentativ.

Architektonische und räumliche Gestaltung
Hervorzuheben ist das repräsentative, offene Foyer, das mit der breiten geschwungenen Treppe ein geschossübergreifendes raumverbindendes Element darstellt. Das Foyer in Verbindung mit der Eingangssituation wirkt gleichwohl mit Blick auf die Aufgabenstellung überdimensioniert. Es erschließt den Bürgersaal im Gartengeschoss und bindet das Erdgeschoss mit dem kleinen Saal und der Bücherei an.

Erfüllung des Programms und der funktionalen Anforderungen
Der Saal weist einen hervorragenden Bezug zum Außenraum auf. Die Raumhöhe und die gefaltete Holzdecke ergeben eine günstige Akustik. Teilbarkeit und getrennte Zugänglichkeit vom Foyer aus sind gewährleistet. Lager, Bühne, Küche, Ausschank und WCs befinden sich auf einer Ebene und weisen eine günstige Zuordnung auf.

Der Jugendbereich im Obergeschoss besitzt mit der angebotenen Dachterrasse eine gute Qualität und mit dem separaten Zugang im Norden eine autarke Nutzung. Zugleich ist mit dem zusätzlichen Treppenhaus der 2. Rettungsweg gesichert. Ein Aufzug im Bereich des Anbaus, der auch von außen zugänglich ist, erschließt alle Ebenen barrierefrei. Das Haupttreppenhause im Altbau wird erhalten. Die Bücherei im Erdgeschoss ist etwas zu klein und weist aufgrund der Lage ganz im Norden eine unzureichende Auffindbarkeit und einen fehlenden Bezug zum Außenraum auf. Die Musikschule im Dachgeschoss ist sinnvoll situiert und besitzt mit dem teils bis zum First geöffneten Saal ebenfalls eine gute Qualität.

Energie, Ökologie, Nachhaltigkeit
Der kompakte Gebäudekomplex verspricht eine günstige Energieeffizienz. Die gewählten Materialien sind langlebig und wartungsarm.

Wirtschaftlichkeit, Realisierbarkeit
Bruttorauminhalt und Bruttogrundfläche liegen im mittleren Bereich. Der Neubauanteil ist vergleichsweise gering; der überwiegende Flächenanteil umfasst den Bestand des alten Schulhauses. Der Vorschlag lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten, allerdings ist z.B. eine Realisierbarkeit in Bauabschnitten nicht möglich.

Zusammenfassung
Insgesamt stellt die Arbeit aufgrund der vorgeschlagenen, engen Verbindung von Alt und Neu einen zu würdigenden Beitrag dar. Die Gestaltung der Fassaden kann allerdings nicht vollumfänglich überzeugen. Insbesondere die Eingangsfassade wurde im Preisgericht äußerst kontrovers diskutiert.
Visualisierung Großer Saal

Visualisierung Großer Saal

Visualisierung Foyer

Visualisierung Foyer

Lageplan

Lageplan

Lageplan mit EG Hochpartere

Lageplan mit EG Hochpartere

EG Souterrain

EG Souterrain

OG und DG

OG und DG

Querschnitt Foyer, Kleiner Saal

Querschnitt Foyer, Kleiner Saal

Längsschnitt Foyer, Großer Saal

Längsschnitt Foyer, Großer Saal

Querschnitt Foyer, Großer Saal

Querschnitt Foyer, Großer Saal

Ansicht Nord, Jugendeingang

Ansicht Nord, Jugendeingang

Ansicht Süd, Hangblick

Ansicht Süd, Hangblick

Ansicht Ost, Garten

Ansicht Ost, Garten

Ansicht West, Eingang

Ansicht West, Eingang

Pikto Weg, Blick, Funktionen

Pikto Weg, Blick, Funktionen

Modell Blick von Nord-Westen

Modell Blick von Nord-Westen