Nichtoffener Wettbewerb | 11/2024
Erweiterung und Umbau Lobkowitz-Realschule in Neustadt an der Waldnaab
5
Modell
©Diezinger Architekten
2. Preis
Architektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Thomas Egger Modellbau | Frässervice
Modellbau
Erläuterungstext
Städtebau
Die bestehenden Strukturen der Lobkowitz-Realschule werden durch einfache, winkelförmige Volumen zu einem neuen Gebäudeensemble ergänzt. Die Geschossigkeit des Bestands wird in den neuen Baukörpern fortgeführt, wobei der östliche Baukörper aufgestockt wird. Dies führt zu einer angenehmen Gliederung und Höhenstaffelung. Die Verteilung und Setzung der Baumassen folgen der Topografie und integrieren das Ensemble harmonisch in den bestehenden Kontext.
Der Versatz der Baukörper schafft einen gut dimensionierten Zugangshof und Übergangsbereich vom Straßenraum zum Schulgebäude. Die Anordnung der Baukörper ermöglicht eine logische und natürliche Wegeführung zum Hauptzugang und zur Adresse des neuen Schulgebäudes, wodurch hohe räumliche Qualitäten entstehen.
Die Pausenhalle und die Erweiterung im Süden setzen sich von der Höhenentwicklung ab und gliedern das Ensemble auf angenehme Weise.
Erschliessung
Der Versatz der beiden winkelförmigen Baumassen erzeugt eine klare Raumbildung mit Funktionszuweisung und Wegeführung. Über den Zugangshof im Norden bietet sich die erweiterte Pausenhalle als selbstverständlicher Zugang zur Lobkowitz-Realschule an. Das Höhenprofil der Josef-Blau-Straße wird sinnvoll fortgeführt und bietet barrierefreien Zugang. Die räumliche Distanz zur Erschließungsstraße schafft Aufenthaltsqualität und bildet zugleich einen adäquaten Auftakt des Schulareals.
Der geschützte Pausenhof im Süden erweitert sich bis zum „Ort der Begegnung“. Der offene Ganztag und der Speisebereich sind direkt ebenerdig und barrierefrei angebunden.
Die innere Erschließung erfolgt vom neuen Hauptzugang im Norden über die erweiterte Pausenhalle. Eine Sitzstufenanlage führt nahtlos von der Pausenhalle zu den Haupterschließungen. Der bestehende Aufzug wird um einen neuen, direkt aus dem Zugangsbereich erreichbaren Aufzug ergänzt, wodurch eine durchgängig barrierefreie Erreichbarkeit aller Bereiche sichergestellt ist.
Die bestehenden Treppen bleiben erhalten und bilden die vertikale Haupterschließung der Geschosse. Zusätzliche Erschließungselemente in den Erweiterungen ergänzen das Erschließungskonzept sinnvoll und gewährleisten die erforderlichen Rettungswege in allen Bereichen.
Funktion
Die erweiterte Pausenhalle, die vom neuen Zugangshof der Schule überleitet, bildet das zentrale Herzstück mit direkt und übersichtlich angebundenen Haupterschließungen in die Geschosse. Musiksaal und Mehrzweckraum sind der erweiterten Pausenhalle zugeordnet und können funktional zugeschaltet werden. Die Neuordnung der Verwaltungsräume im Obergeschoss ermöglicht es, die Halle mit Oberlichtern zu versehen und sie räumlich sowie atmosphärisch zu inszenieren.
Die nach Jahrgängen gruppierten Klassentrakte und Fachraumbereiche sind von der Pausenhalle aus übersichtlich zugeordnet und gut auffindbar. Die vorhandenen Chemie- und Biologieräume im Erdgeschoss der Bestandsgebäude bleiben erhalten und werden durch direkt zugeordnete Räume erweitert. In den oberen Geschossen werden die Klassen in Jahrgangsstufen um diese Mitte ringförmig gruppiert, wodurch sehr kurze Erschließungswege entstehen.
Musik und Werken ergänzen die Fachklassenbereiche im Norden, während Informatik und Zeichensäle die Fachklassen im südlichen Bestandsbau ergänzen. Der Lehrerbereich im Obergeschoss wird erhalten, erweitert und neu strukturiert. Durch die zentrale Anordnung sind kurze Wege für Lehrer und Schüler sichergestellt. Eine Erweiterung des Lehrerbereichs im zweiten Obergeschoss des Bestandsbaus ergänzt Lehrerzimmer, Seminar- und Konferenzbereiche für die Lehrer mit einer großzügigen Lernterrasse.
Der offene Ganztag und der Speisebereich sind im Untergeschoss mit ebenerdigem und barrierefreiem Zugang zum Pausenhof vorgesehen.
Gestaltung
Die Ergänzungsbauten erhalten eine Holzfassade mit deutlicher Strukturierung und Gliederung. Sockelzonen werden widerstandsfähig aus Beton vorgeschlagen.
Das Grundraster der Bestandsfassaden wird aufgenommen und als Holzfassade mit der Gliederung der Erweiterungsbauten zu einer einheitlichen Gestalt weitergeführt.
Fensterflächen werden hinsichtlich der Funktionen in Größe und Ausformung optimiert und mit baulichen Sonnenschutzelementen versehen.
Bauabschnitte
Ziel des Konzepts ist es, den Bestand weitestgehend zu erhalten, um graue Energie zu sparen und den Schulbetrieb während der Bauphasen aufrechtzuerhalten.
Erster Bauabschnitt: Eine Erweiterung mit einem Klassentrakt im Nordwesten des bestehenden Pausenhofs erfolgt, wobei die bestehende Containeranlage zurückgebaut und umversetzt wird. Das bestehende Hallenbad kann uneingeschränkt weiter genutzt werden. Dank der gewählten Holz-/Hybridkonstruktion ist eine hohe Vorfertigung sowie eine schnelle und emissionsarme Erstellung möglich. Der Schulbetrieb im Bestand kann vollständig aufrechterhalten werden.
Zweiter Bauabschnitt: Die Aufstockung und Erweiterung des nördlichen Gebäudeteils sowie die Sanierung und Umnutzung im Bestand erfolgen. Die Eingriffe sind auf ein Minimum reduziert und können im Wesentlichen während der Sommerferien durchgeführt werden. Auch hier wird eine Holzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad verwendet.
Dritter Bauabschnitt: Der Rückbau des Hallenbads und die Erweiterung der Pausenhalle mit einem Fachraumtrakt werden durchgeführt.
Das Raumkonzept ist so flexibel gestaltet, dass eine Reduzierung auf insgesamt zwei Bauabschnitte möglich ist. Die deutlich verkürzte Bauzeit muss gegen die erforderlichen Auslagerungen von Klassenräumen abgewogen werden.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Die robuste und elementierte Bauweise der Erweiterungen als Holzhybrid reduziert den erforderlichen Aufwand an grauer Energie erheblich und trägt mit dem hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe zu einer sehr guten ökologischen Bilanz bei. Durch den hohen Vorfertigungsgrad und das konsequente Konstruktionssystem ist eine wirtschaftliche und schnelle Montage möglich. Der natürliche Werkstoff Holz hat eine hohe Lebensdauer und benötigt bei sachgerechtem Einbau, vernünftiger Dimensionierung und entsprechender Vorbehandlung wenig Unterhalt.
Die Stahlbetonmassivkonstruktionen werden aus Recycling-Beton vorgeschlagen, was den Aufwand an grauer Energie erheblich reduziert und zu einer sehr guten ökologischen Bilanz beiträgt. Grundsätzlich wird auf ein „Low Tech“-Konzept gesetzt, das nur so viel Gebäudetechnik wie unbedingt nötig vorsieht. Lüftungstechnik soll nur unterstützend zum Einsatz kommen.
Energetisches Konzept
Die kompakten Baukörper sind mit einem guten A/V-Verhältnis konzipiert. Die hocheffiziente Gebäudehülle wird hinsichtlich der Tageslichtanteile und transparenten Flächen optimiert und entspricht vom Dämmwert dem Passivhausstandard. Starre Sonnenschutzelemente in Verbindung mit Sonnenschutzmarkisen sorgen für den erforderlichen sommerlichen Wärmeschutz.
Für die Gebäudetechnik wird ein Low-Tech-Konzept vorgeschlagen, das durch die konsequente Reduktion mechanischer und technischer Anlagenteile sowohl einen wirtschaftlichen Betrieb als auch optimale Raumkonditionen ermöglicht. Für eine effektive Nachtauskühlung werden geschützt angeordnete Lüftungsflügel angeboten. Die Geschossdecken als Holzbetonverbunddecken bieten gute Speichermassen im Gebäude. Unterstützt wird das System durch eine Flächenheizung im Estrich, die auch zur Kühlung genutzt werden kann.
Die erforderliche elektrische Energie für den Betrieb der Anlagen wird weitestgehend durch eine Photovoltaikanlage am Gebäude selbst erzeugt. Die Gebäudekonzeption ermöglicht eine effiziente Bestückung der gesamten Dachflächen. Der Energiebedarf für Beleuchtung wird durch den konsequenten Einsatz von LED-Technik reduziert. Die Energieversorgung erfolgt über Fernwärme.
Freianlagen
Der Erschließungshof im Norden führt die Topografie der Josef-Blau-Straße barrierefrei zum neuen Hauptzugang über. Ein geordnetes Baumfeld zoniert Aufenthalts-, Wegebereiche und Straßenraum und nimmt Fahrradstellplätze auf. Freie Baumpflanzungen ergänzen den grünen Eindruck des Zugangshofes. Belagsflächen werden reduziert angeboten und, wo möglich, als wassergebundene Beläge im Wechsel mit Grün- und Blühzonen gestaltet.
Der „Ort der Begegnung“ wird in der Freianlagengestaltung des Pausenhofes sinnvoll aufgenommen und weitergeführt. Bestehende Bäume werden weitgehend erhalten und durch Neupflanzungen ergänzt. Spiel- und Bewegungselemente sowie Aufenthalts- und Ruhezonen als Holzdecks sind vorgesehen. Der Bereich zwischen den Baukörpern wird entsprechend dem vorliegenden „Blühplan“ als Schulgarten mit differenzierter Gestaltung aufgegriffen.
Stellplätze für PKW werden entlang der Josef-Blau-Straße straßenbegleitend und im Anschluss an die bestehende Turnhalle vorgesehen. Zu den 24 Stellplätzen werden 2 barrierefreie Stellplätze am Hauptzugang angeordnet.
Feuerwehrzufahrten und Umfahrten sind gegeben und können entsprechend der Bestandssituation beibehalten werden.
Lageplan
©Diezinger Architekten
Plan 2
©Diezinger Architekten
Plan 3
©Diezinger Architekten
Plan 4
©Diezinger Architekten