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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025

Erweiterung und Umbau von zwei Grundschulen in Sassenburg

Lageplan

Lageplan

Anerkennung / Hermann-Löns-Grundschule Grußendorf

Preisgeld: 24.000 EUR

LTHX ARCHITEKTEN

Architektur

RSP Freiraum GmbH

Landschaftsarchitektur

Bauphysik@integrierte Planung Kai Rentrop Beratender Ingenieur

Bauphysik

Erläuterungstext

Städtebauliche Einbindung
Das auf dem Grundstück der Steingartenstraße 18 in Grußendorf bestehende eingeschossige L- förmige Schulgebäude der Hermann Löns Grundschule Sassenburg mit zugehöriger Turnhalle, soll aufgrund der neuen Anforderung an eine Ganztagschule erweitert werden.
Zur Steingartenstraße hin entsteht ein neuer Haupteingang mit Vorplatz. Dieser punktet durch eine klare Adressbildung, sowie kurze Wege zur Bushaltestelle.
Der Neubau gibt sich mutig zum Stadtgebiet und fungiert so als neuer identitätsstiftender Anker.
Das Obergeschoss liegt als kompakter Baukörper verdreht auf dem Erdgeschoss, wodurch eine einladende, und schützende Auskragung entsteht.
Gleichzeitig bilden sich zwei begrünte Dachterrassen.
Durch die Abrundung der vorderen Ecken gestaltet sich die Stoßstelle zwischen Gebäude und Außenraum weich und leitet Schüler und Besucher auf den neu entstandenen Platz. Die Rundung bildet den Drehpunkt zwischen Unter- und Obergeschoss und lässt beide Geschosse punktuell verschmelzen.
An den Haupteingang gliedern sich 30 Fahrradstellplätze vor einer bodengebundenen Wandbegrünung, welche im Sommer eine kühlende Zone ausbildet. Der hier entstehende Platz unmittelbar vor dem Eingang der Schule lädt nicht nur in das Gebäude ein, sondern besitzt durch Vegetation und Sitzmöbel ebenfalls eine hohe Aufenthaltsqualität.

Die bestehende Zufahrt zur Steingartenstraße östlich der Mensa dient zur Anlieferung für Mensa und Küchenbereich und bietet einen Teil der Parkflächen. Die weiteren Parkflächen sind im rückwärtigen Bereich zwischen Turnhalle und Kita angeordnet und gliedern sich an den als Verwaltungstrakt dienenden Pavillon an. Diese Fläche bildet gleichzeitig auch die Feuerwehrzufahrt.

Entwurfskonzept
Während die Schule ursprünglich durch den ehemaligen Haupteingang im Innenhof erschlossen wurde, bildet nun ein zweigeschossiger Baukörper an der Straße eine eindeutige Adresse aus. Durch die markante Ziegelanordnung sowie das Hervorstechen der Fassade, wird so der neue Zugang zur Schule markiert.
Geschützt unter dem auskragenden Obergeschoss betreten Schüler:innen und Gäste über ein Foyer die Schule. Auf der einen Seite öffnet sich die Mensa. Auf der gegenüber liegenden Seite bilden Sitzstufen ein Gegenstück zu dem offenen großen Mensaraum, welche mit der Blickbeziehung zur Mensa einen Ort zum Austausch und Verweilen schafft. Über den Stufen gliedert sich die Treppe ins Obergeschoss an. Diese nimmt in sich die Drehung des Gebäudes auf und schmiegt sich an die entstehenden Winkel.

Das Foyer teilt die Wegeführung in drei Richtungen:
In Richtung Osten öffnet sich die Mensa. Die Räume des Küchenbereiches werden über das Foyer erschlossen. Die Anlieferung erfolgt direkt über die Mensa zum Vorratsraum. Durch die schlichte Formgebung kann die Mensa eröffnen sich für die Mensa vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.
In Richtung Westen liegt der Übergang aus dem Neubau in den Bestandsbau, in welchem vorwiegend Klassenräume untergebracht sind. Der langgestreckte Baukörper des Bestands bietet darüber hinaus aber auch Platz für die zentral gelegene Schülerküche, sowie den Schulkindergarten am Ende des Baukörpers.
Die dritte Richtung führt die Treppe hoch in Richtung Obergeschoss. Dort sind Gruppenräume und Fachräume, sowie die Bücherei angeordnet. Die Räume werden durch die angrenzenden Außenterrassen für den Aufenthalt umso wertvoller.

An den Bestandsbau anschließend befindet sich im ehemaligen Hinterhof nun der zweite neue Baukörper, der die Verwaltungsräume der Schule beherbergt. Dieser Pavillon besetzt den Eckbereich und eröffnet einen grünen Innenhof.
In zentraler Lage haben Lehrer und andere Mitarbeiter keine langen Wege und sind dennoch abgeschirmt vom restlichen Schulbetrieb. Der zentrale Innenhof bietet Schülern und Lehrern als Pausenhof Platz zum Entspannen und steht darüber hinaus als grünes Klassenzimmer für das angrenzende Klassenzimmer zur Verfügung.
Alle Klassenzimmer haben so gleichermaßen direkte Ausgänge zu zugeordneten Außenbereiche. Diese „grünen Klassenzimmer“ liegen überwiegend auf der südlichen Seite des Bestandsgebäudes.

Die Freianlagen zeichnen sich durch ihre organische Formsprache aus, welche mit verschiedenen funktionalen Aktivitätsbereichen ausgestattet wurden. Daraus ergeben sich verschiedene Teilbereiche wie der Spiel- und Sportbereich im Süden, mehrere Standorte für Außenklassenzimmer, ein Schulgarten mit Spielgerätehaus, aber auch ruhigere Bereiche zum Entspannen und Erholen vom Schulalltag. Die Sportanlagen für den Schulsport wurden nach Süden verlegt, um den Platz für den Schulhof möglichst effizient nutzen zu können. Aus demselben Grund wurde auch eine Streetballanlage im Westen verortet, die multifunktional sowohl für Fußball als auch für Basketball genutzt werden kann.

Entlang der Abgrenzung zum Kindergarten sind Staudenflächen verortet, um eine Abschirmung für beide Seiten zu generieren. Des Weiteren wurden zur Regewasserversickerung Retentionsmulden in der Wiesenfläche platziert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfassenden schlagen einen 2-geschossigen Anbau an der Ostfassade vor, der sich auf den jetzigen Parkplatz an der Steingartenstraße setzt. Ein weiterer 1-geschossiger Anbau wird auf den Vorplatz der ursprünglichen hinteren Eingangssituation vorgeschlagen. Unter einem Vorsprung des 2-geschossigen Erweiterungsbaus gelangt man zum Haupteingang und direkt in ein Foyer mit Treppenanlage. Die bessere Kenntlichmachung des Haupteingangs wird positiv bewertet, allerdings ist die Foyerbildung räumlich nicht gelungen. Die dadurch entstehende Flursituation ist unbefriedigend und trägt nicht zur Verbesserung der räumlichen Situation bei. Angebunden an das Foyer ist die Mensa mit Küche und Lager- sowie Sanitärbereiche sind ebenfalls im EG untergebracht. Die dezentrale Lage der Mensa ist ungünstig, eine multifunktionale Nutzung nicht möglich. Der Musikraum lässt sich ebenfalls nicht der Mensa zuschalten. Die Anlieferung ist funktional. Die separate Positionierung der Verwaltung wird positiv bewertet. Im OG sind der Musik- und Werkraum, ein Gruppenarbeitsraum, die Bibliothek und der PC-Raum verortet. Durch die Lage im 1. OG ist eine kombinierte Nutzung mit der Mensa/ Aula nicht möglich. Der dadurch erforderliche 2. Aufzug wird negativ bewertet, ebenso der nicht erkennbare 2. Bauliche Rettungsweg. Es fehlt das Lager für den Musikraum. Weiterhin ist ein Austritt ins Freie auf zwei Terrassenbereiche möglich. Diese sind allerdings in den Schulalltag wegen der aufwändigen Betreuungssituation praktisch nicht integrierbar. Der Lehrer- und Verwaltungsrat befindet sich in dem kleinen Erweiterungsanbau und wird durch zwei Flurbereiche mit dem Bestand verbunden. Er bildet mit dem Bestandsbau einen Innenhof aus, der als Außenklassenzimmer dient. Die Formensprache dieses Anbaus unterscheidet sich eklatant von der Architektur des Eingangsbaus und ist so nicht verständlich und wirkt deplatziert. Der Entwurf bietet eine großzügige Freiraumgestaltung mit differenzierten Bereichen für Spiel, Bewegung, Ruhe und Schulgartenaktivitäten. Durch die kompakte Gebäudestruktur bleibt ein großer Teil des Freiraums erhalten und wird vielfältig nutzbar gemacht. Im Eingangsbereich entfallen weite Teile der Kfz-Stellplätze zugunsten verbesserter Fahrradabstellmöglichkeiten und Aufenthaltsqualitäten. Die Pkw-Stellplätze werden auf die Rückseite der Sporthalle verlegt, was zu einer funktionalen Überlastung der Erschließung in diesem Bereich führt und kritisch zu bewerten ist. Ein Außenklassenzimmer ist im südlichen, mittleren Bereich in einem Atrium vorgesehen. Die Lage erscheint jedoch problematisch, da sie sich im Hauptdurchgangsbereich mit hoher Lauffrequenz befindet. Auch die dort vorgesehene Möblierung mit Tischen und Bänken wirkt in ihrer Positionierung nicht schlüssig. Das Streetball- und Fußballfeld ist im westlichen Randbereich platziert, unmittelbar angrenzend an die ruhige Wohnbebauung. Diese Anordnung wird aus lärm- und städtebaulicher Sicht kritisch gesehen und sollte überdacht werden. Die Erschließung des Geländes erfolgt weiterhin über die Steingartenstraße, ein zusätzlicher Zugang wird sinnvollerweise zwischen dem Parkplatz und der Kita-Fläche angeboten. Ein weiterer Standort für ein Außenklassenzimmer im Süden erscheint denkbar, ist jedoch aufgrund beengter Platzverhältnisse kaum umsetzbar. Auch die Laufbahn entlang der Südseite ist in ihrer Dimensionierung zu knapp bemessen. Insgesamt zeigt der Entwurf ein hohes freiraumplanerisches Potenzial, das sich aus der gelungenen Gebäudesetzung ergibt. Einzelne funktionale und räumliche Zuordnungen bedürfen jedoch einer Überarbeitung. Die Verfassenden schlagen einen Klinker-Massivbau mit Betonkern vor. Ein klassischer zweischaliger Mauerwerksaufbau mit relativ geringem Fensterflächenanteil wird entworfen. Die Massivität wird positiv im Hinblick auf die Speichermassen gesehen. Es werden Aufenthaltsbereich am und auf dem Gebäude vorgeschlagen. Durch den Anbau entstehen im Erdgeschoss dunkle Bereiche und Erschließungsflächen, die mit Tageslicht versorgt werden müssten. Im Text wird ein Sonnenschutz erwähnt, der in den Darstellungen leider nicht zu sehen ist und in der Überarbeitung ergänzt werden müsste. Die Fassadendämmung fällt etwas zu gering für den geplanten Energiestandard aus. Es müssten Aussagen zum Umgang mit Regenwasser ergänzt werden.
Grundriss EG

Grundriss EG

Grundriss OG

Grundriss OG

Ansichten

Ansichten

Schnitt

Schnitt