Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025
Erweiterungsneubau St. Josef-Grundschule in Greven
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Perspektive Schulhof
©bauquadrat Architekten und Ingenieure
Teilnahme
Erläuterungstext
LEITBILD
Eine flexible Nutzung, maximale Anpassungsfähigkeit, sowie das harmonische, respektvolle Einfügen in die bestehende Struktur beschreibt das Leitbild des Entwurfs und sorgt für ein zukunftsfähiges, langlebiges und nachhaltiges Gebäude.
STÄDTEBAULICHE IDEE
Als Erweiterung der St. Josef Grundschule entsteht ein zweigeschossiger Baukörper, der die bestehende städtebauliche Struktur fortschreibt und zu einem neuen Ganzen abrundet. Der Neubau definiert mit seiner Setzung und Ausrichtung einen geschützten Innenhof, der als attraktiver multifunktionaler Pausenhof mit angrenzenden Sportflächen fungiert. Durch die Positionierung des Gebäudes entstehen spannende und klar definierte Außenbereiche, die mit vielfältigen Funktionen belegt werden sollen.
ARCHITEKTONISCHES KONZEPT
Der Entwurf nimmt mit gezielten Öffnungen, Dachform und Fassadenmaterialität den “genius loci” (Geist des Ortes) der Bestandsbebauung auf und schafft so aus Neu und Alt ein “neues Ganzes”. Die bewusste räumliche Separierung von Mensa im EG und schulischer Nutzung im OG ermöglicht einen störungsfreien Schulalltag. Dem Schulhof zugewandt, öffnet sich die Fassade großzügig im Erdgeschoss und bildet mit dem Speisesaal die neue Anlaufstelle für alle Schüler. Eine dezente Fuge zwischen Neu- und Altbau schafft wohltuenden Abstand und verbindet dabei zugleich, durch die Aufnahme der gemeinsamen Vertikalerschliessung. Ein Oberlicht im Zentrum des Walmdaches ermöglicht durch zenitalen Lichteinfall tiefe Grundrisse und eine attraktive Lernlandschaft, was zu einem guten A/V-Verhältnis und somit einer energetisch sinnvollen und zukunftsorientierten Bauweise beiträgt.
MENSA
Das neue lebendige Herz im Erdgeschoss bildet der großzügige Speisesaal, der sich über die gesamte Westfassade zum Innenhof hin öffnet und die Grenzen zwischen Außen und Innen verschmelzen lässt. Dieser kann durch einen abtrennbaren Mehrzweckraum weitere Nutzungen bedienen und trägt zur Flexibilität des Entwurfs bei. Entlang des Hauptraums bildet eine Funktionsspange einen schützenden Rücken aus. Hier werden Ausgabe, Küche, Anlieferung sowie Sanitär- und Lagerräume geschickt platziert.
LERNLANDSCHAFT
Beim Betreten der Lernlandschaft werden die Schüler vom lichtdurchfluteten Begegnungsraum begrüßt, der einen angemessenen Platz für Ankommen, Spielen und individuelles Lernen bietet. Im Eingangsbereich befinden sich zudem die Räumlichkeiten für Lehrkräfte, Besprechung und Sanitärräume. Dem multifunktionalen Marktplatz können zwei Differenzierungsräume zugeschaltet werden, wodurch sich ein fließender Raum mit Ausblicken in alle Himmelsrichtungen ergibt. Jeweils in den Eckbereichen liegen die Klassenzimmer, welche direkt an die Differenzierungsräume angebunden sind, um Arbeiten in Gruppen und alternative Lernkonzepte zu ermöglichen. Über eine Außentreppe ist das OG außerdem direkt mit dem Pausenhof verbunden und schafft so kurze Wege.
KONSTRUKTION
Das Gebäude wird den wachsenden Anforderungen an CO2-Reduktion und Kreislauffähigkeit in höchstem Maße gerecht und setzt dabei auf nachhaltige und beständige Materialien (Holz und Ziegel), sowie auf Rückbau- und Rückführbarkeit. Für eine wirtschaftliche und bauzeitenoptimierte Umsetzung wird der Neubau in Holzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad umgesetzt. Die vertikalen Tragelemente sind in Holztafelbauweise konstruiert, die darauf abgelegten Träger bilden in Einheit mit Brettsperrholzplatten die horizontalen, aussteifenden Deckenelemente. Die vorgehängte, hinterlüftete Fassadenbekleidung besteht aus einem ortstypischen Verblendmauerwerk.
ENERGIEKONZEPT
Der Entwurf setzt auf “Low-Tech”, sprich Minimierung an Technikinstallation und maximale Ausnutzung passiver Lösungen. Durch die hervorragenden Dämmeigenschaften von Fassade und Dach in Passivhausqualität, sowie außenliegendem Sonnenschutz wird bereits der Wärme-/Kühlbedarf minimiert. In allen Räumen sind öffenbare Fensterelemente vorgesehen, wodurch ein bedarfsgerechtes Lüften ermöglicht wird. Die kompakte Grundrisstypologie begünstigt die Querlüftung, öffenbare Oberlichtfenster unterstützen mit dem “Kamineffekt” die rasche Abfuhr von warmer Luft und können zur Nachtauskühlung dienen. Zur Grünstromerzeugung durch PV-Elemente kann nahezu die gesamte Dachfläche herangezogen werden.
BRANDSCHUTZ
Das Gebäude wird in seinen tragenden und raumabschließenden Bauteilen feuerhemmend bzw. feuerbeständig errichtet. In Teilbereichen soll die tragende Holzkonstruktion sichtbar bleiben, hier werden die Bauteile entsprechend auf Abbrand dimensioniert. Im Erdgeschoss können alle Nutzenden direkt ins Freie flüchten. Das Obergeschoss wird über zwei gegenüberliegende bauliche Rettungswege (Treppenhaus und Außentreppe), welche im EG unmittelbar im Freien münden, vollumfänglich entfluchtet. Aufgrund der zwei entgegengesetzten Fluchtrichtungen und kurzen Rettungswege kann innerhalb der Lernlandschaft vls. auf notwendige Flure oder eine weitere Unterteilung verzichtet werden.
FREIRAUMKONZEPT
Um den Baumbestand tragen Versickerungsflächen zur nachhaltigen Entwicklung bei. Bei entsprechender Witterung bieten Tische im Freien Platz zum Essen.
Südlich des Bestandsgebäudes bietet die lineare Fläche parallel zur Straße “Im Deipen Brook" weiteren Raum für Ganztagsbetreuung bei frischer Luft mit grünen Klassenzimmern und betreuten Spielflächen (Nutzungsinlays). Die Ausgestaltung der Nutzungsinlays soll dabei partizipativ mit der Schule erfolgen. Die Wege um die Inlays führen direkt auf den neu geschaffenen „Dorfplatz“. Dieser ist ein weiterer wichtiger Bereich und dient und als Treffpunkt, der auch außerhalb der Schulzeit einen Aufenthaltsraum im Stadtgefüge bildet.
Gut verteilte Fahrrad- und Rollerstellplätze ermöglichen einen selbstständigen Schulweg aller Schüler. Der Pausenhof ist als zusammenhängende Fläche konzipiert, die durch gezielte Setzung von Bauminseln leicht zoniert wird. Auch der Bereich um den Hartplatz bleibt unbefestigt und wird mit einer robusten Ruderalvegetation ausgestaltet, was die Biodiversität fördert und Lebensräume für verschiedene Pflanzen und Tiere schafft. Diese unversiegelten Flächen sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern nutzen durch gezieltes Einleiten von Regenwasser in diese Flächen einen Beitrag zur Hitzeminderung.
Zwei Wegeverbindungen führen zu den kleinen Pocket Plätzen im Norden, die den Auftakt in das Schulareal klären, Fahrrad und Rollerstellplätze anbietet und die Möglichkeit zum Spielen oder Verweilen.
Insgesamt wird durch die ökologische Gestaltung und die multikodierte Nutzung des Geländes ein Raum geschaffen, der nicht nur den Bedürfnissen der Schüler gerecht wird, sondern auch einen positiven Beitrag zu ökologisch und sozial nachhaltigen Außenräumen leistet. Die Verbindung von Bildung, Spiel und Naturerfahrung fördert ein ganzheitliches Verständnis für ökologische Zusammenhänge und trägt zur nachhaltigen Entwicklung der Gemeinschaft bei.