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Einladungswettbewerb | 12/2017

Fassadengestaltung Deutsches Institut f├╝r Normung e.V. in Berlin

Fassadenansicht

Fassadenansicht

3. Preis

Preisgeld: 8.000 EUR

behet bondzio lin architekten

Architektur

Erl├Ąuterungstext

Fassadengestaltung Deutsches Institut f├╝r Normung e.V. Berlin


Erl├Ąuterungsbericht


a. Erl├Ąuterung und Begr├╝ndung des vorgeschlagenen Entwurfskonzeptes
Die vorgefundene Bestandssituation ist gepr├Ągt, durch unterschiedliche bauliche Zeitschichten und im Hinblick auf Bauk├Ârpervolumetrie, Entwurfssprache und Materialit├Ąt als heterogen zu bezeichnen. F├╝r die Entwicklung einer schl├╝ssigen Fassade ist aus unserer Sicht zun├Ąchst eine Beruhigung der baulichen Figur erforderlich. Hierf├╝r schlagen wir die im Weiteren aufgef├╝hrten gezielte Eingriffe in den Bestand vor:
1. Subtraktion
In einem ersten Schritt werden die vorhandenen Dachaufbauten und weitere aus der Bauk├Ârperflucht hervortretende Elemente zur├╝ckgebaut.
2. Addition
Daraufhin werden in Teilbereichen bauliche Erg├Ąnzungen vorgenommen. Hierzu z├Ąhlen v.a. die mehrere Geschosse umfassende Bauk├Ârpererg├Ąnzung am Haupteingang sowie das Schlie├čen der Bauk├Ârperflucht im Erdgeschoss durch eine bauliche Erg├Ąnzung im Bereich des Mitarbeiterrestaurants zur Burggrafenstra├če.
Durch die v.g. Ma├čnahmen wird die Pr├Ąsenz des Bauk├Ârpers besonders im Bereich des Haupteinganges gest├Ąrkt. Dieser tritt nun ├╝ber alle Geschosse aus der Bauk├Ârperflucht hervor und markiert so eindeutig den Zugang zum Geb├Ąude. Ferner gewinnt die Kubatur an Eindeutigkeit. Es findet eine klare Unterscheidung zwischen liegendem, stra├čenbegleitendem Bauk├Ârper (Flachbau) und stehendem Hochhaus statt. Auf dieser so geschaffenen Grundlage findet nun die Entwicklung einer schl├╝ssigen Fassade statt.
3. Umh├╝llung
Die Fassade tr├Ągt der gr├Â├čtenteils einheitlichen Nutzung der Grundrisse Rechnung und bildet diese nach Au├čen hin in Form einer klar gegliederten Struktur ab. Sonderbereiche wie z.B. der neu gestaltete Haupteingang oder der Dachgarten werden durch Differenzierungen innerhalb dieser Struktur zum Ausdruck gebracht.
Die Erscheinung der Fassade ist bestimmt durch geschosshohe Fassadenelemente als Metall-Glaskonstruktionen, die ihr einen technischen Charakter verleihen. Geschlossene L├╝ftungsklappen wechseln sich in einem einheitlichen Rhythmus mit Glasfl├Ąchen ab, wobei die Rahmen der Einzelelemente durch schmale Metall-Profile gebildet werden.
Vor- und R├╝ckspr├╝nge innerhalb der Fassade bilden ein Schattenspiel, welches neben den reflektierenden Glas- und Metallfl├Ąchen je nach Sonnenstand der Fassade einen differenzierten Ausdruck verleiht.

b. Beschreibung von Konstruktion und Materialien
Die Fassade wird konstruktiv im wesentlichen als Elementfassade ausgebildet. In Teilbereichen (Ausfachungen, Dachrandabschl├╝sse, Sockelzone) wird die Fassade mit einer vorgeh├Ąngten Metallkonstruktion verkleidet.
Die Fassadenelemente sind als thermisch getrennte Konstruktion ausgebildet. Zentrales Bauteil ist ein mittig geteiltes, Fensterelement, welches im Bereich von sonnenexponierten Bereichen als Verbundfenster mit integriertem Raffstore ausgebildet wird. Nach oben hin wird das Fenster von einem D├Ąmmpaneel angeschlossen. Seitlich an das Fenster angesetzt sind zwei opake L├╝ftungsklappen. Da die L├╝ftungsfunktion durch diese ├╝bernommen wird, ist eine L├╝ftung ├╝ber die Fenster im Regelfall nicht erforderlich. Im Fall der Verbundfenster kann zu Revisions- und Reinigungszwecken der innere Fensterfl├╝gel ge├Âffnet werden. Vorteil der v.b. Konstruktion ist die Tatsache, dass der au├čenliegende Sonnenschutz windunabh├Ąngig zum Einsatz kommen kann.
Die Fassade materialisiert sich als Metallkonstruktion aus eloxierten Aluminiumblechen (d=3mm) in einem Bronzeton. Im Bereich der Fenster kommt ÔÇô kontrastierend - ein hellgrauer Farbton (ebenfalls Eloxal) als Oberfl├Ąche f├╝r die Profile und Bleche zum Einsatz.

c. Angaben zum Reinigungs- und Wartungskonzept
Alle Fensterfl├Ąchen sind nach innen zu ├Âffnen. Dies erm├Âglicht - f├╝r Hochhaus und Flachbau gleicherma├čen - grunds├Ątzlich eine Reinigung und Wartung aus dem Geb├Ąudeinneren. F├╝r den Bereich des Hochhauses wird jedoch aufgrund der erh├Âhten Windeinwirkungen die Weiterverwendung der bestehenden Befahranlage vorgesehen. F├╝r ggf. erforderliche Umbauma├čnahmen an der v.g. Anlage werden pauschal 15.000ÔéČ in der Kostensch├Ątzung ber├╝cksichtigt.

d. Angaben zu Schallschutz und L├╝ftungskonzept
Laut dem, der Auslobung beigef├╝gtem Schallschutzgutachten ist die Fensterausf├╝hrung ohne zus├Ątzliche schallschutztechnische Ma├čnahmen (z.B. Prallscheiben) umsetzbar. Nichts desto weniger wird durch den, f├╝r sonnenexponierte Fassadenbereiche vorgeschlagenen, Einsatz von Verbundfenstern ein verbesserter Schallschutz f├╝r Teilbereiche erzielt.
Eine nat├╝rliche L├╝ftung kann im Regelfall ├╝ber die Fassade erfolgen. Hierzu sind in den Fensterelementen opake L├╝ftungsklappen vorgesehen. Die L├╝ftungsklappen sind in jeder zweiten Achse angeordnet und erm├Âglichen somit flexible Trennwandstellungen, so dass unabh├Ąngig von der Lage der Trennwandstellung bei einem Zweiachsb├╝ro grunds├Ątzlich ein ├ľffnungsfl├╝gel vorhanden ist.


e. Angaben zum sommerlichen und winterlichen W├Ąrmeschutz
Grunds├Ątzlich wird die gesamte Geb├Ąudeh├╝lle gem├Ą├č den thermischen Anforderungen der aktuellen ENEV ausgebildet. Hierf├╝r ist ma├čgebend, dass sowohl Fenster (3-Schieben-Isolierverglasung), wie auch D├Ąmmschichtdicke (160mm) den normativen Vorgaben entsprechen.
F├╝r die Umsetzung des sommerlichen W├Ąrmeschutzes ist dar├╝ber hinaus die Einwirkung der Sonneneinstrahlung durch die Fenster zu unterbinden. Hierzu wird im Bereich der sonnenexponierten Fassaden ein Verbundfenster mit integriertem, windunabh├Ąngigem Sonnenschutz ausgebildet.

f. Aussagen zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Die elementierte Bauweise der Fassade mit vielen sich wiederholenden Objekten erm├Âglicht einen hohen Vorfabrikationsgrad. Dieser f├╝hrt, neben einer hohen Ma├čhaltigkeit der Elemente (Qualit├Ąt) v.a. auch zu einer zeitoptimierten Montage. Die v.g. Aspekte lassen eine wirtschaftliche und somit kostenoptimierte Produktion und Montage erwarten.
Als Material wird Recycling-Aluminium (mit Eloxal-Oberfl├Ąche) als ein langlebiger, da korrosionsbest├Ąndiger Werkstoff gew├Ąhlt

g. Angaben zu konstruktiven Ma├čnahmen und Fassadenlasten

Die Fassade ist als Aluminiumkonstruktion vorgesehen und somit tendenziell als ÔÇ×leichteÔÇť Fassade zu sehen. Eine Einhaltung der Gewichtsobergrenze von 150kg/qm f├╝r das Hochhaus bzw. 350kg/qm f├╝r den Flachbau ist nach ├╝berschl├Ągiger Ermittlung gegeben.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Entwurf besticht durch die Transformation des heterogenen Geb├Ąudeensembles zu einer integrierten Gesamtfigur. Die Geb├Ąudefigur entwickelt sich zu einer konsequenten und ausdrucksstarken Stadtfigur, die sich am DIN-Platz selbstverst├Ąndlich positioniert.

Die Klarheit des transformieren Geb├Ąudes wird einerseits durch die Vervollst├Ąndigung des Hochhauses und des Staffelgeschosses erreicht. Die durchgehende vertikale Fassadengliederung strukturiert konsequent die neue Geb├Ąudefigur. Differenziert erscheinen der Geb├Ąudesockel und auch die oberen Abschl├╝sse.

Die Pr├Ązision der Fassade mit den industriellen Elementen schafft eine Verbindung zum DIN und findet gleichzeitig den ├╝berzeugenden Anschluss zum denkmalgesch├╝tzten Nachbargeb├Ąude. Mit der architektonischen Haltung wird nachhaltig ein Beitrag geschaffen, der dem Geb├Ąude auch in der Zukunft Zeitlosigkeit verspricht.

Kritisch wird die Fenstergr├Â├če und Aufteilung gesehen, die hinsichtlich der Belichtung keine maximale Tagesbelichtung erreicht. Weniger ├╝berzeugend ist die Darstellung der Innenansicht, die zu wenig flexible Trennwandanschl├╝sse zeigt.

Mit der ├ťberh├Âhung des Foyers gelingt eine gro├čz├╝gige und angemessene Adresse.

Die Erweiterung im Bereich der Kantine wird als Raumangebot grunds├Ątzlich positiv gesehen, in der Ausformulierung ist dieses allerdings architektonisch noch zu schwach.

Insgesamt ├╝berzeugt die Arbeit mit der st├Ądtebaulichen und architektonischen Haltung und bietet eine sehr gute Grundlage f├╝r die Weiterentwicklung des Standortes, auch wenn es zu m├Âglichen Diskussionen ├╝ber die Farbgestaltung kommen kann.
Fassadenansicht Innenhof

Fassadenansicht Innenhof

Foyer

Foyer

B├╝ro

B├╝ro

Fassadenschnitt

Fassadenschnitt