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Werkstattverfahren | 11/2025

Freiraumentwicklung BID Quartier Colonnaden in Hamburg

Blick in die Colonnaden

Blick in die Colonnaden

1. Preis

Preisgeld: 16.000 EUR

TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg

Landschaftsarchitektur

moka-studio GbR

Visualisierung

Erläuterungstext

Das durchgängige Raumgefüge
Der Entwurf verfolgt die Idee eines zusammenhängenden Raumgefüges, das sich in unterschiedlichen Sequenzen entfaltet und den Stadtraum klar strukturiert. Zentrale Leitlinie ist die Verbindung vom Jungfernstieg bis zur Esplanade – visuell wie auch fußläufig. Diese Achse wird durch einen durchgehenden Belagsteppich hervorgehoben, der den öffentlichen Raum als ein einheitliches Ganzes erlebbar macht.Die gastronomischen Nutzungen werden bewusst an die Seiten verlagert, um Großzügigkeit, Offenheit und klare Sichtachsen zu ermöglichen. Der Gustav-Mahler-Platz wird als neue grüne Mitte inszeniert – ein verkehrsfreier Stadtraum, der Begegnung, Ruhe und Aufenthaltsqualität vereint und sich als Herzstück des Quartiers etabliert.
Die historischen Arkaden erhalten durch einen neu interpretierten Plattenbelag eine zeitgemäße Aufwertung, die ihre identitätsstiftende Wirkung unterstreicht. In den angrenzenden Nebenstraßen sorgen stärkere Durchgrünung und offene, durchlässige Gestaltungen für Lebendigkeit und Verbindung ins Quartier. Ein neu entwickeltes, einheitliches Stadtmobiliar rahmt den Freiraum, bietet Orientierung und steigert die Aufenthaltsqualität. So entsteht ein stadträumliches Gefüge, das Tradition und Zukunft verbindet – offen, klar und einladend.
Der Stadtteppich
Ein durchgehender Pflasterteppich bildet die gestalterische Grundlage des Entwurfs und verleiht dem Gebiet einen klaren, ruhigen und zusammenhängenden Raumeindruck. Er schafft eine verbindende Fläche, die unterschiedliche Nutzungen integriert und zugleich
eine einheitliche Identität stiftet. Funktionale Anforderungen wie Fahrbahnen oder Ladezonen treten nicht störend hervor, sondern werden dezent durch eingewebte Pflasterbänder markiert und damit selbstverständlich in das Gesamtbild eingebunden. Besondere Aufmerksamkeit erfahren die Arkaden: Sie werden mit einem historischen Plattenbelag akzentuiert, der ihre Bedeutung als identitätsstiftender Raum unterstreicht und die Geschichte des Ortes in das heutige Erscheinungsbild überführt. So entsteht ein Belagssystem, das sowohl funktional klar als auch atmosphärisch reich ist und dem Stadtraum eine starke, prägende Basis verleiht. Der Entwurf ist bewusst offen und flexibel gestaltet und schafft damit einen Rahmen, der den Stadtraum im Rhythmus der Jahreszeiten lebendig hält. Offene Flächen bieten Platz für Märkte, Veranstaltungen und temporäre Nutzungen, während die Vegetation mit wechselnden Blühaspekten den jahreszeitlichen Wandel sichtbar macht und eine natürliche Dynamik in den Raum trägt.Die Arkaden bilden eine charakteristische Kulisse zum Flanieren und Bummeln, punktuell ergänzt durch gastronomische Angebote. Im Zentrum liegt ein großzügiger Mittelbereich, der freie Bewegungsräume für Fußgänger ermöglicht und gleichzeitig die notwendige Erschließung für Feuerwehr sowie Ver- und Entsorgung sicherstellt. Seitlich entfaltet sich ein Band mit unterschiedlichen Sequenzen für Aufenthalt und Gastronomie. Eine begleitende Vorzone stärkt den Übergang zwischen Architektur und Stadtraum und vervollständigt das Ensemble.
Die Säule als Leitmotiv
Die Arkaden sind nicht nur ein bedeutendes historisches Erbe, sondern auch ein prägendes Element im Raumgefüge der Colonnaden. Ihre charakteristischen Säulen werden neu interpretiert und bilden die Grundlage für eine zeitgemäße Möbelfamilie. Die Proportionen und feinen Versprünge der Säulen werden aufgegriffen und in einen großen Pflanztrog übersetzt, der dem Stadtraum eine neue Identität verleiht. Von diesem Ausgangspunkt entwickelt sich eine ganze Serie unterschiedlicher Pflanztröge in verschiedenen Größen – bepflanzt mit Stauden, Gräsern oder Sträuchern, die dem Raum
saisonale Vielfalt und Lebendigkeit geben. Ergänzt werden die Pflanztröge durch runde Sitzelemente aus einer Stahl-Holz- Kombination, die Leichtigkeit und Aufenthaltsqualität ausstrahlen. Fahrradbügel,Abfallbehälter sowie neue wie auch historisch inspirierte Leuchten greifen den gleichen RAL-Farbton auf und komplettieren die Möbelfamilie. So entsteht ein schlüssiges Ensemble, das historische Bezüge würdigt und zugleich ein modernes, einladendes Stadtbild formt.
Verkehre neu ordnen
Der Entwurf setzt auf eine bewusst verkehrsarme Gestaltung, die den Stadtraum für Fußgängerinnen und Fußgänger, Radfahrende sowie den Aufenthalt aufwertet. komfortable Abstellmöglichkeiten schaffen eine attraktive Infrastruktur für den nicht- motorisierten Verkehr. Fahrradfahren wird gefördert, während die Abstellmöglichkeiten konzentriert an den Eingängen des Quartiers vorgesehen sind, um den inneren Bereich frei von Stellplätzen zu halten und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. In der Theaterstraße, Büschstraße und Fehlandtstraße ist das Autofahren weiterhin möglich, jedoch wird der Verkehr klar strukturiert und beruhigt. Fünf gezielt platzierte Lieferzonen gewährleisten eine effiziente Belieferung des Quartiers, ohne den zentralen
Aufenthaltsbereich zu stören. Der Gustav-Mahler-Platz bleibt grundsätzlich verkehrsfrei, um eine hochwertigeAufenthaltsqualität zu gewährleisten. Nur in Ausnahmefällen, wie für Feuerwehr, Lieferverkehr oder besondere Veranstaltungen, kann der Platz temporär befahren werden – gesteuert über versenkbare Poller, die eine flexible und sichere Nutzung garantieren.
So entsteht ein Mobilitätskonzept, das Autofahren klar reguliert und den öffentlichen Raum als lebendigen, sicheren und gut nutzbaren Stadtraum erlebbar macht.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit besticht durch ihren wohlproportionierten Stadtraum, der durch eine einheitliche, subtile und äußerst präzise gestaltete Pflasterung geprägt wird. Die Gliederung der Oberfläche erfolgt über eine offene Entwässerungsrinne im Verhältnis 1:3, die sich bewusst von der Linearität der Colonnaden löst. Dadurch entsteht ein räumliches Gefüge, das dem Stadtraum eine wohltuende Offenheit und Selbstverständlichkeit verleiht. Dieser Ansatz zeigt ein feines Verständnis für die historische Struktur des Ortes und stärkt dessen Identität auf zeitgemäße Weise.
Umgang mit Material: Besonders positiv hervorgehoben wird der sorgfältige Umgang mit dem vorhandenen Materialbestand. Das historische Pflaster wird ausgebaut und im Sinne einer nachhaltigen Weiterverwendung innerhalb der Colonnaden wiedereingebaut. Diese Haltung verbindet gestalterische Qualität mit einem bewussten, nachhaltigen Umgang mit dem Bestand. In den übrigen Bereichen kommt groß- und mehrformatiges Betonsteinpflaster zum Einsatz, was sowohl den Belastungsanforderungen des Schwerlast- und Lieferverkehrs als auch der Wirtschaftlichkeit der Gesamtmaßnahme Rechnung trägt.

Funktionalität: Im Bereich der Großen Theaterstraße und der Büschstraße sind im Entwurf Ladezonen vorgesehen, was die funktionale Leistungsfähigkeit des Gesamtkonzeptes unterstreicht.
Zonierung und Mobiliar: Die klare und durchgängige Zonierung von Bewegungsflächen und Gastro-Bereichen ist gut gelöst und verspricht eine flexible Nutzungsmöglichkeit. Die Homogenität des Oberflächenbelages in Kombination mit der Zonierung der Flächen ermöglicht eine intuitive Wegeführung und klare Sichtbeziehung zwischen Jungfernstieg und Stephansplatz. Die Pflanzgefäße – auch wenn die gestalterische Ausformulierung und deren Herleitung innerhalb der Jury sehr kritisch diskutiert wurden – ordnen sich spielerisch und räumlich unauffällig ein. Die vorgesehene Anzahl und Verteilung von Sitzgelegenheiten im Planungsbereich ist angemessen dosiert und bietet zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten ohne Konsumzwang.
Gustav-Mahler-Platz: Die bewusste Hervorhebung des Gustav-Mahler-Platzes zu den Nebenstraßen unterstreicht die Bedeutung und die zentrale Lage und Rolle des Platzes. Die vorgesehene Führung des Verkehrs durch Poller wird jedoch kritisch hinterfragt. Der Entwurf würdigt die bestehenden historischen Fassaden und erhält den freien Blick auf diese.
Insgesamt wird die Arbeit innerhalb der Jury sehr positiv diskutiert. Sie beeindruckt durch die überzeugende Verbindung von gestalterischer Klarheit, funktionaler Flexibilität, materialtechnischer Angemessenheit und nachhaltigem Ressourcenumgang. Der Entwurf formuliert eine zeitgemäße städtebauliche Antwort, die den besonderen Charakter der Colonnaden stärkt und zugleich ein robustes, zukunftsfähiges und elegant zurückhaltendes Leitbild für diesen bedeutenden Stadtraum schafft.
Gustav-Mahler-Platz

Gustav-Mahler-Platz

Masterplan

Masterplan

Entwurfsplan

Entwurfsplan

Schnittsequenz

Schnittsequenz