Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025
Freiraumgestaltung Hafner Grünes Band in Konstanz, 1. Bauabschnitt
©TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg
Quartiersauftakt
3. Preis
Preisgeld: 14.000 EUR
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Leitidee des Entwurfs, einen zusammenhängenden Freiraum zu schaffen, der als sogenanntes „Buntes Band“ die Nutzungen des Quartiers mit dem ökologisch wirksamen Grünbereich des Hafners verknüpft, wird schlüssig aus dem städtebaulichen Rahmenplan sowie den vorgesehenen Nutzungen der Sockelzonen abgeleitet. Die intensiven Nutzungen werden folgerichtig den nördlich gelegenen öffentlichen Bereichen zugeordnet und im „Bunten Band“ vielfältig programmiert, während der Hafnerbach in einem grün-blauen Band aus extensiv genutzten Wiesenflächen mäandriert und damit den ökologischen Aspekten der Klimaanpassung und Biodiversität Rechnung trägt.
Beide mäandrierenden Freiraumtypologien verzahnen sich zunächst formal geschickt miteinander und lassen stellenweise hohe räumliche Aufenthaltsqualitäten erwarten. Besonders positiv hervorgehoben wird der Quartiersplatz im Westen, der einen gut proportionierten Auftakt in das Grüne Band und das Quartier bildet.
Kritisch angemerkt wird jedoch die insgesamt zu groß dimensionierten Platzflächen und der damit verbundene hohe Versiegelungsgrad. Das Preisgericht hinterfragt, ob eine derart intensive Bespielung der Außenräume im Quartier tatsächlich zu erwarten ist. Es fehlen nutzungsoffene, flexibel bespielbare Freiräume, die eine individuelle Aneignung ermöglichen würden.
Die starke bauliche Fassung der Plätze und Spiel- und Sportterrassen wird innerhalb des Preisgerichts kontrovers diskutiert. Diese räumlichen Ausbildungen stehen im Widerspruch zu den angestrebten fließenden Übergängen zwischen den intensiven und extensiven Nutzungsbereichen. Der eigenständige formale Ansatz der mäandrierenden Bänder ist grundsätzlich nachvollziehbar, wirkt in der entwurflichen Ausarbeitung jedoch zu formalisiert und artifiziell. Auch die vorgeschlagene Materialität des durchgefärbten Betons überzeugt in dieser Dimension und Ausdehnung nicht vollständig.
Die vorgesehenen Retentionsflächen sind grundsätzlich schlüssig dargestellt. Wünschenswert wäre jedoch eine nachvollziehbarere Darstellung der Abflusswege innerhalb des Wettbewerbsbereichs. Die unterirdischen Rigolenkörper sind ausreichend ausgewiesen, ihre starke Kleinteiligkeit lässt jedoch potenzielle Probleme bei Bauausführung und Wartung erwarten. Zudem erschwert die gewählte Anordnung der Baumstandorte die Zuwegbarkeit für Pflege und Betrieb. Aussagen zum Regenwassermanagement im Ideenbereich fehlen.
Von den vorhandenen Bestandsbäumen werden lediglich acht erhalten; insgesamt wird verhältnismäßig wenig Großgrün nachgepflanzt. Auch der hohe Anteil versiegelter Flächen steht den Zielen einer klimaresilienten und nachhaltigen Quartiersentwicklung entgegen.
Der durchgehende Grünstreifen entlang der Umwelttrasse wird positiv bewertet, ebenso die drei Fahrbahneinengungen, die das Queren der Fahrbahn für Fußgänger erleichtern. Auch die Multifunktionalität der Gehbereiche im Süden wird anerkannt, allerdings werden diese durch schmale Grünstreifen in ihrer Qualität geschwächt, da sie keine ausreichende Rücksicht auf die gewerblichen Erdgeschossnutzungen nehmen. Die Fahrbahnmarkierungen innerhalb der Umwelttrasse werden als entbehrlich angesehen. Kritisch diskutiert wird zudem die Lage der Bushaltestelle, die nicht am Mobility Hub, sondern weiter östlich positioniert ist.
Das Preisgericht erkennt im Entwurf „Buntes Band Hafner“ eine klar formulierte Leitidee, die jedoch in der weiteren Ausarbeitung nicht vollständig überzeugt. Der hohe Versiegelungsgrad, die stark formalisierte Gestaltung und die begrenzte ökologische Wirksamkeit schmälern die Qualität des Gesamtkonzepts. Trotz nachvollziehbarer Ansätze in der Freiraumorganisation gelingt es dem Entwurf nicht, die angestrebte Verbindung von intensiver Nutzung und ökologischer Wirksamkeit überzeugend umzusetzen.
©TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg
Bach
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