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Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025

Freiraumgestaltung Hafner Grünes Band in Konstanz, 1. Bauabschnitt

Der Quartiersplatz

Der Quartiersplatz

Anerkennung

Preisgeld: 7.000 EUR

Glück Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Alyselsayed.org

Visualisierung

Erläuterungstext

Hafner Grünes Band Konstanz
Das Grüne Band wird zum „Grünen Boulevard“ des neuen Stadtteils Hafner.
Die vier linearen Bänder, Aktivitätsband, Gewässerband, Umweltspur und Nachbarschaftsmembran, bilden das zentrale grüne Band im neuen Stadtteil. Das Band durchspannt den Stadtteil und verbindet ihn zu einem Grünen Boulevard. Die Lineare Struktur das Bandes wird durch Stationen in unterschiedliche Sequenzen gegliedert, die sich auf die jeweiligen Inhalte und Charakteristika der nördlich und südlich angrenzenden Quartiere beziehen. So entsteht eine Abfolge differenzierter Orte innerhalb der Gesamtfigur, des übergeordneten linearen Bandes. Die Vernetzung in die Quartiere erfolgt über die Fugen der Stadtbausteine, die an das Hafner Band andocken und es teilweise durchdringen. Die angrenzenden Bausteine und deren Nutzungen stehen im direkten Dialog mit den Bandabschnitten und erzeugen so, einen aufeinander abgestimmten Austausch zwischen der angrenzenden Bebauung und der Entwicklung im öffentlichen Raum.
Der westliche Quartiersplatz korrespondiert mit dem dortigen Raum der Begegnung und schafft den Übergang zur bestehenden Bebauung im Westen. Ein Wasserspiel bildet hier eine Akzentuierung auf dem Platz und ist als Treffpunkt und zugleich visueller Anziehungspunkt identitätsstiftend für den Stadtteil. Eine Setzung aus eiszeitlichen Steinfindlingen nehmen den Bezug zur glazifluviatilen Landschaftsform des Hafners auf mit seinen fluvioglazialen Sedimenten. Feine Nebeldüsen bilden eine Nebelbank, die im Sommer über der Steinformation schwebt und hier eine lokale Reduzierung der Temperaturen an den sommerlichen Hitzetagen generiert und so die Aufenthaltsqualität im Freiraum erhöht. Zugleich entsteht ein hoher Spielwert für Kinder. Das Objekt bildet auch in der Winterzeit mit seinem skulpturalen Relief einen hohen visuellen Reiz, der zur Inwertsetzung des öffentlichen Raums beiträgt. Weitere Spielangebote ergänzen hier die Platznutzungen. Freie schirmförmige Bauminseln überstellen den Platz und generieren wohltuenden Schatten und bilden einen räumlichen Abschluss des Bandes im Westen.
Direkt anschließend sind die Gardening Flächen verortet, die als Treffpunkt im Quartier die Anziehungskraft des Aktivitätsband stärkt. Eine Pergola mit Sitzgelegenheiten und integriertem Geräteraum bietet Schatten und zugleich Begrünungspotential für gärtnerische Aktivitäten. Die angrenzende leicht abgesenkte Wiesenfläche ist oberflächlicher Retentionsraum und zugleich Spiel- und Liegefläche im Grünen Band. Die Querung der Wohnstraße ist im Sinne eines „Shared Space“ in das Band integriert, ohne tatsächlich das Grüne Band zu unterbrechen und keine Konflikte mit den Nutzungen zu erzeugen. Eine weitere Platzsequenz ist der mulicodierte Spiel- und Sportort. Er ist zugleich soberirdisches und unterirdisches Retentionsvolumen für das Regenwasser der Starkregenereignisse, die durch den Klimawandel verstärkt auftreten. Weitere Spielstationen stärken die Anziehungskraft im Band und schaffen eine vielfältige Nutzung für die unterschiedlichsten Bewohner des Stadtteils. Neben den Angeboten für Kinder aller Altersstufen sind ebenso Mehrgenerationen Fitnessgeräte im Konzept berücksichtigt. Naturnahe Stauden- und Gräserinseln bereichern den Freiraum und stärken die Biodiversität und somit die Resilienz des Ökosystems im Stadtteil.
Der Hafnerbach verläuft in einem möglichst offenen Gewässerprofil und begleitet das Aktivband und verzahnt sich mit diesem visuell und funktional, in dem an einigen ausgewählten Stellen, die Zugänglichkeit zum Bach geschaffen wird. Die Neigungen der Uferböschungen werden möglichst flach ausgebildet. Der leicht mäandrierenden Gewässerverlauf stärkt die Verbindung der beiden aneinanderlegenden Bänder und bilden so eine integrierte Einheit. Biotopstrukturen bereichern die faunistische und floristische Vielfalt mit artenreichen Lebensräumen und Rückzugsgebieten im gewässernahen Bereich. Ergänzt werden diese durch Baum- und Strauchpflanzungen im Bereich des Gewässerbandes zur Schattierung und Bildung artenreicher Strukturen. Begleitend zur Umweltspur bildet eine Baumreihe aus klimaresilienten Baumarten wie Tilia und Ostrya eine wichtige räumliche Struktur und trägt zugleich zur Entwicklung eines Fledermauskorridors und Habitats für Vögel bei. Die Umweltspur wird mit den beidseitig begleitenden Baumreihen teil des „Grünen Bandes“, das südlich bis an die angrenzende Bebauung anschließt. Das dortige Membranband bildet den Übergang und den Puffer zu den erdgeschossigen Nutzungen. Für die Eingänge sind jeweils kleine Vorplätzchen als Nachbarschaftstreffpunkte vorgesehen. Kleine Aufweitungen mit besonderen kleinen Bäumen, bilden hier individuelle Adressorte vor den jeweiligen Gebäudezugängen. Möblierungen laden zum Aufenthalt ein und sind soziale Kontaktpunkte zwischen den privaten und den öffentlichen Nutzungen und fördern so durch den Dialog den Zusammenhalt im Stadtquartier.
Insgesamt erhält der neue Stadtteil Hafner mit dem grünen Band ein starkes und verbindendes Rückgrat für eine nachhaltige resiliente und langfristige Stadtentwicklung. Im Stadtraum wird die Versiegelung reduziert, wo dies möglich ist. Das Regenwasser wird rückgehalten und abgeleitet in die Grünflächen und darin integrierte Retentionsräume. Es entsteht mit den Baumpflanzungen natürlicher „Grüner Schatten“ in der Stadt, der die Aufheizung reduziert und zugleich die Biodiversität in der Stadt erhöht, zusammen mit den naturnahen Pflanzflächen. Es entstehen zugleich Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum und soziale Nachbarschaften. Diese gesunde Basis stärkt die Kraft der Stadt und führt nicht zuletzt zu einer gesunden wirtschaftlichen Substanz. Außerdem fördert die Gestaltung die soziale Integration, durch einen lebendigen Dialog in der Stadtgesellschaft. Mit der Heimat Hafner und des neuen Stadtteils erhält Konstanz eine Wertschöpfung und nachhaltige Stärkung, in ihrer zukünftigen Entwicklung.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser:innen setzen die Idee des grünen Bands im Hafner konsequent um und erreichen damit eine durchgängige Verbindung von Ost nach West. Im Westen gelingt mit einem Platz ein guter und angemessener Auftakt des Freiraumbands, der mit einem Wasserspiel aus Nebeldüsen insbesondere an heißen Tagen atmosphärisch aufgeladen wird. Auch in der Bandmitte wird vor dem Mobilitätshub mit dem Nahversorger ein weiterer Platz angeboten, der mit dem Streetballfeld eine hybride Nutzung im Übergang zu den Spielflächen im Osten anbietet, jedoch auch als offene Platzfläche genutzt werden kann. Der Bezug zur nördlich angrenzenden Grundschule ist ablesbar und berücksichtigt. Die Gestaltung reagiert auf ganzer Länge trotz ihrer Linearität auf die angrenzenden Nutzungen im Norden.

Die Unterteilung des Bands in Nord-Süd-Richtung hingegen ist für das Preisgericht in ihrer Kleinteiligkeit nicht verständlich und konterkariert die Großzügigkeit des durchgehenden grünen Bands. Die grünen Korridore, in unterschiedlicher Ausprägung vermitteln eine fast barocke Anmutung mit einem zu erwartenden Blickfang. Vermisst wird zudem die Verschmelzung der Uferlandschaft des Hafnerbachs mit den angrenzenden Grünräumen. Die Verdolung des Hafnerbachs über eine recht große Länge in der Mitte des Quartiers wird vom Preisgericht bedauert. Darüber hinaus verliert der Bach durch die vielen technischen Einbauten seinen natürlichen Ausdruck.

Die Umwelttrasse weist ebenfalls eine lineare Führung mit einer Verengung in der Mitte auf. Die alleeartige Bepflanzung verstärkt den Eindruck eines weiteren Korridors. Der veredelte Asphalt ist für die Busse gut nutzbar, die Pflasterung der Straße am Eingangsplatz wird im laufenden Betrieb schwierig eingeschätzt. Die direkte Verbindung vom Standort des Pflegeheims zur Bushaltestelle wird leider nicht auf kurzem Wege geführt. Darüber hinaus sind in den Plänen keine Angaben zur Barrierefreiheit zu entnehmen. Die Flächen vor den Häusern im Süden, die im Erdgeschoss eine gewerbliche Nutzung erhalten sollen, wirken eher einer Wohnnutzung zuträglich und sind mehr Barriere wie Verbindung.

Grundsätzlich bietet der Beitrag die Möglichkeit im Gartenbereich vor dem Pflegeheim eine größere unterirdische Rigole vorzuhalten. Gleichzeitig ist sie jedoch für den laufenden Betrieb durch die Pergola nur sehr eingeschränkt zugänglich. Die Anlage der oberirdischen Retentionsräume ist plausibel. Die Flächen sind jedoch nicht ausreichend dimensioniert. Die Abflussführung des Oberflächenwassers ist nicht nachvollziehbar dargestellt.

Eine Beschreibung des Beleuchtungskonzepts fehlt. Ansonsten sind alle Programmpunkte des Wettbewerbs umgesetzt.

Insgesamt handelt es sich bei dieser Arbeit um einen guten Beitrag zum Wettbewerb, der sich mit dem Thema des grünen Bands in besonderer Weise auseinandersetzt. Die Entscheidung, die Linearität in Nord-Süd-Richtung weiterzuführen, schwächt jedoch den konzeptionellen Ansatz, das grüne Band als Einheit zu interpretieren.
Die Nachbarschaftsgärten

Die Nachbarschaftsgärten

Lageplan

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