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Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025

Freiraumplanerische Entwicklung Sportpark und Bürgerpark Sickergrund in Kitzingen

Blick vom Loop in Richtung Spiel- und Sportbereich
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Blick vom Loop in Richtung Spiel- und Sportbereich

1. Preis

Preisgeld: 30.000 EUR

QUERFELDEINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB

Landschaftsarchitektur

LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie

Visualisierung

Erläuterungstext

Mit der Entwicklung des Bürgerparks Sickergrund erhält die Stadt Kitzingen die Chance einen bewegungsorientierten, naturnahen und zeitgemäßen Erholungsraum zu schaffen, der neue Räume für Nachbarschaft öffnet und zugleich die Anbindung an die Innenstadt sowie an das Mainufer stärkt. Der Entwurf versteht den Ort als einen vielfältigen Freiraum, der Bewegung, Erholung, ökologische Themen und hohe gestalterische Standards zusammenführt. Es entsteht ein lebendiger, klimaresilienter Park mit hoher Aufenthaltsqualität für alle Generationen.

Raumkonzeption
Mit Fingerspitzengefühl greift die Neugestaltung bestehende Elemente, wie die Sportflächen sowie die Neuplanung der Sporthalle auf und platziert Veränderungen und neue Setzungen unter Bewahrung der übergeordneten landschaftlichen Struktur mit einem verantwortungsvollen Mitteleinsatz bei größtmöglicher Wirkung für die Zukunft. Die Gestaltung bleibt dabei zurückhaltend, zugleich zeitgemäß fordernd und legt besonderen Wert auf ökologische, nachhaltige Themen und hohe gestalterische Standards. Unter dem Leitbild des Klimawandels entstehen drei charaktervolle, aufeinander abgestimmte Raumtypologien („blühend & offen“, „aktiv & bewegt“ sowie „ruhig & weit“), die eine ausbalancierte Verbindung aus flexibler Nutzbarkeit, ökologische Qualität und identitätsstiftender Gestaltung schaffen. Neue Zugänge wirken einladen und großzügig, leiten in den Park und verbinden ihn mit der Umgebung.

blühend & offen
So entwickelt sich der nördliche Bereich zu einer blühenden und offenen Landschaft. Ziel ist es, den naturnahen Charakter zu wahren und gestalterisch weiterzuentwickeln. Bestehende Streuobstgehölze werden in das neue Konzept integriert und mit extensiven Blühwiesen ergänzt. Angelagert an das vorhandene Wegenetz werden bestehende Schotterwege aufgenommen und aufgewertet. Einen besonderen Akzent setzt eine kleine Bastion am Hauptweg. Hier können Besuchende innehalten, sich orientieren und den Blick in die freie Landschaft genießen. Dieses bauliche Element erscheint als wiederkehrendes Motiv im Entwurf und verknüpft auf subtile Weise einzelne Parkräume zu einem gestalteten Ganzen, das über die Entwurfsgrenzen hinauswirkt.

aktiv & bewegt
Im Zentrum des Parks liegt der aktive Kern als Herzstück des Entwurfs. Unterschiedliche Spiel- und Sportangebote fügen sich in eine naturnahe Gestaltung ein, die bewusst auf ein ganzheitliches Bild setzt. Ein landschaftlich klar gefasster Loop verbindet die vielfältigen Bewegungsangebote, formuliert eine räumliche Kante und führt gleichzeitig zur sanierten Sporthalle. Funktionale Elemente, wie neue Stellplätze werden wie selbstverständlich in die Formsprache des Entwurfs eingebunden und durch Gehölzinseln mit informellen Bewegungsangeboten ergänzt. Auch der neu gestaltete Verkehrsübungsplatz wird in das räumliche Gefüge eingebettet, bietet zusätzliche Möglichkeiten für Spiel, Bewegung und Begegnung und ist Teil eines offenen, inklusiven Bewegungsraums. Landschaftlich eingebettete Sportfelder für Beachvolleyball, Basketball und weitere Angebote ergänzen das Programm. Ein großer naturnaher Spielplatz sowie der bestehende Pumptrack sind an das Loopsystem eingebunden. Kleine Brücken, Sitzstufen und Treppen verbessern die Erschließung, überwinden Geländesprünge und machen den Raum durchgängig erlebbar. Im Westen öffnet sich der Raum zu einer großzügigen Liegewiese mit lockerem Baumhain. Das dort fortgesetzte Baumpatenschaftsprojekt schafft gestalterische Struktur und lokale Identifikation. Eine modellierte Muldenlandschaft verstärkt den landschaftlichen Charakter und übernimmt zugleich Aufgaben im Regenwassermanagment. Besonderes Augenmerk liegt auf der Einbindung der beiden Bachläufe im Gebiet. Am Sickerbach wird auch bauliche Eingriffe weitgehend verzichtet. Lediglich kleine Stege und die begleitende Wegeführung machen das Gewässer erlebbar, ohne seine ökologische Funktion zu beeinträchtigen. Auch im Süden begleitet der Loop den Weidiggraben, der durch gezielte gestalterische Eingriffe aufgewertet wird. Trittsteine, kleine Brücken, Bastionen und eine Kneippstation mit Sitzmöglichkeiten schaffen entlang des Ufers besondere Aufenthaltsorte. Der Graben wird als landschaftliches Rückgrat erlebbar gemacht und verbindet Wasser, Bewegung und Erholung zu einem integrativen Teil des neuen Parks.

ruhig & weit
Im Süden öffnet sich der Park zu freier Feldflur. Für Besuchende entsteht ein weiter Blick in die offene Kulturlandschaft mit ihren typischen Strukturen aus Feldern, Rebgärten und sanften Hügeln. Die ruhige Atmosphäre wird durch eine zurückhaltende Gestaltung gestärkt, die den Übergang zur offenen Landschaft sanft schafft. Bestehende Feldwege werden qualifiziert, so dass sie zu einem schlüssigen Erschließungssystem verbunden werden. Die Wegeführung leitet zur bestehenden Tennisanlage, die neu geordnet und gestalterisch eingebunden wird. Gegenüber wird auch die Hundeschule an das Wegenetzt angeschlossen. Von hier aus führt der Weg weiter zu bestehenden Unterführung unter der Staatstraße und verbindet das Gebiet mit dem Mainufer. Dort entsteht ein neuer Ort am Wasser, der die Entwurfsprinzipien aufgreift und bewusst reduziert gestaltet ist. Eine gezielte Wegeführung und markante Bodenprints strukturieren den Ort, der gleichzeitig an den Mainradweg angeschlossen ist.

Ökologie und Vegetation
Der Entwurf setzt auf eine naturnahe Gestaltung, die ökologische Funktionen stärkt und atmosphärisch prägt. Bestehende Gehölzstrukturen und Streuobstgehölze werden erhalten und mit extensiven Wiesenflächen sowie kleinteiligen Vegetationsbildern ergänzt. Ziel ist es ein gemischtes, artenreiches Spektrum, das über das Jahr hinweg sowohl Blüte und Blattfärbung, aber auch Nahrung und Habitat für Insekten, Vögel und Kleintiere bietet. Der Pflegeaufwand soll dabei möglichst extensiv und klimaangepasst bleiben. Ein dezentrales Regenwassermanagement mit flachen Mulden unterstützt die Retention, trägt zur Kühlung des Mikroklimas bei und leistet einen aktiven Beitrag zur Klimaanpassung. Auch die Stellplatzflächen sind so konzipiert, dass sie bei Starkregenereignissen überschüssiges Wasser in angrenzende Retentionsbereiche ableiten und somit integraler Bestandteil eines nachhaltigen Entwässerungssystems sind.

Materialität
Verfolgtes Ziel ist eine größtmögliche Entsiegelung und ein ressourcenschonendes Bauen. Bestehende Strukturen werden, wo möglich, erhalten und in eine neue Gestaltung überführt, wie z.B. durch die Überarbeitung vorhandener Feldwege oder die Wiederverwendung von Erdmassen für die Modellierung im Gelände. Neue Beläge und Ausstattungen orientieren sich an den Prinzipien der Dauerhaftigkeit, Recyclingfähig und einfachen Pflege. Die Materialwahl folgt einer klaren, reduzierten Formsprache mit natürlichen, hellen Oberflächen, die den landschaftlichen Charakter des Parks unterstreichen. Punktuell eingesetzte Beläge, wie im Bereich der Spiel- und Sportflächen orientieren sich an funktionalen Anforderungen wie Fallschutz und Barrierefreiheit, ohne den gestalterische Gesamtheit zu unterbrechen. Mit zusätzlicher Ausstattung wird bewusst zurückhaltend und konzentriert umgegangen. Sitzmöglichkeiten werden vorzugsweise in bauliche Elemente wie Sitzkanten, Stufen oder Bastionen integriert, die zugleich als identitätsstiftende Gestaltelemente fungieren. Spiel- und Bewegungsangebote zeigen sich modern, robust und barrierearm und fügen sich selbstverständlich in das landschaftliche Gesamtbild ein.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Wettbewerbsbeitrag hat als prägendes Element einen markanten Rundweg. Der Loop umschließt den Sportpark und verbindet ihn mit den Wiesen an Sickersbach und Weidiggraben. Durch die Anordnung des Spazierwegs erfolgt direkt am Vorplatz der Sporthalle eine Aufgliederung in fußläufige Erschließung und Fahrverkehr zum Parkplatz und schafft sichere Bewegungsflächen. Durch die Materialität des Loops entsteht eine barrierefreie und gernerationenübergreifende Erschließung des Sickergrunds, die im Gremium durchweg begrüßt wird. Beide Bäche werden durch den Spazierweg erlebbar gemacht, schaffen aber den notwendigen Abstand für diese Naturräume. Die Höhenentwicklung der Ufergestaltung wird kritisch hinterfragt.

Die Anordnung der Funktionen von Verkehrsübungsplatz und neue Sporteinrichtungen sind sinnvoll und logisch und versprechen eine räumlich spannende Abfolge. Ansonsten ist die Gestaltung des Wettbewerbgebiets zurückhaltend und beschränkt sich auf Akzente an Wegkreuzungen und Zugängen. Dabei wird auch mit einfachen Mitteln wie Schmuckbäumen gearbeitet, die einen Wiedererkennungswert schaffen. Die Spielbereiche an den Wegkreuzen schaffen attraktive Ziele entlang des Loops. Das Baumpatenschaftensprojekt bietet Pflanzungen in die Wiesenflächen an,
zusätzliche Baumpflanzungen werden begrüßt. Konkret wurde diskutiert, dass zu wenig Bäume als Schattenspender gepflanzt werden. Die Ideenbereiche wurden zurückhaltend ausgearbeitet, erfüllen dennoch zweckmäßig die gestellten Aufgaben. Die grundsätzliche Verlagerung der Stellplätze wurde im Gremium in der Bandbreite von Kosten bis qualitativem Zugewinn kontrovers diskutiert. Die Arbeit zeigt hierfür einen erfreulichen Mittelweg auf.

Insgesamt wird mit dem deutlichen Gestaltungselement des Loops und der einfühlsamen Abfolge von intensiven Attraktionen und wohltuend extensiven Zwischenräumen ein überzeugender Entwurf für den Sickergrund erstellt, der eine schlüssige Lösung für die Aufgabenstellung liefert.
Blick vom Loop über den Weidiggraben mit Kneippanlage

Blick vom Loop über den Weidiggraben mit Kneippanlage

Einbindung in den Gesamtkontext

Einbindung in den Gesamtkontext

Lageplan M1:1000

Lageplan M1:1000

Funktions- und Nutzungskonzept

Funktions- und Nutzungskonzept

Pflanzung, Entwässerung undökologische Qualitäten

Pflanzung, Entwässerung undökologische Qualitäten

Umsetzungsschema Bauabschnitte

Umsetzungsschema Bauabschnitte

Detailsplan M1:200

Detailsplan M1:200

DetailsplanM1:200

DetailsplanM1:200

Schnitt M1:200

Schnitt M1:200

Schnitt M1:200

Schnitt M1:200