Nichtoffener Wettbewerb | 09/2024
Fünfter Erweiterungsbau Deutsche Nationalbibliothek Leipzig
©AV1 Architekten GmbH
2. Preis
Preisgeld: 20.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit positioniert sich städtebaulich als eigenständiger Abschluss im Südosten der deutschen Nationalbibliothek. Eine horizontale Staffelung der Grundrissfigur folgt selbstverständlich der Grundstücksverjüngung entlang der Curiestraße und generiert daraus eine sinnfällig proportionierte, ebenso gestaffelte Fassadenstruktur.
In Verlängerung dieser neuen Gebäudestruktur wird zur Philipp-Rosenthal-Straße ein Pocketpark vorgeschlagen. Dieser begrüßenswerte außenräumliche Mehrwert hat jedoch zur Folge, dass die erforderlichen Außenstellplätze für Kfz, entgegen der Auslobung, vor der Lesespange des Bestandsgebäudes arrangiert werden müssen. Die vorgegebenen Baufenster werden sowohl oberirdisch als auch im Zuge der unterirdischen Erweiterung eingehalten.
Das Raumprogramm wird effizient in gut strukturierte Grundrisse übersetzt. Die Zuordnung der Magazinflächen zu den Technikflächen ist gut organisiert. Die Anbindungen an den denkmalgeschützten Bestand werden grundsätzlich als plausibel eingestuft, wobei eine konkrete Aussage, wie der neue Übergang im 5. OG sich mit dem Bestand verbindet, zumindest in der Ansicht offen bleibt. Die Dominanz der Baukörperfigur zum Deutschen Platz wird kritisch diskutiert, da der Neubau in seiner Höhenentwicklung hier über der Firstlinie des angrenzenden Gründungsbaus liegt und somit dessen Giebel zum Teil verdeckt. Bei der Ansicht vom Deutschen Platz wird die großflächige Photovoltaikfassade in Bezug auf die angrenzenden historischen Fassaden des vorgeschlagenen Neubaus kontrovers diskutiert. Hier müsste es gelingen, den in den Plänen vorgeschlagen, warmen Farbton der PV-Elemente tatsächlich umzusetzen. Ob es dabei zu aufwendigen Sonderlösungen kommt, bleibt dabei offen. Die große Glasfassade zum Posthof wird aus Nutzersicht abgelehnt.
Die brandschutztechnischen und bauphysikalischen Anforderungen sind erfüllt, Aussagen zur Entrauchung werfen Fragen auf. Aufgrund der vergleichsweise großen Dachlandschaften wird eine überdurchschnittlich hohe Fläche für Dachbegrünung sowie für die auf dem Dach positionierte PV-Anlage generiert. Zusammen mit den PV-Elementen der Fassade kann die daraus gewonnene Energie bzw. deren Überschuss in die Umgebung eingespeist werden. Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit wird zudem der vergleichsweise hohe Anteil an Fassadenbegrünung positiv bewertet.
In Summe stellt die Arbeit einen schlüssigen und konsequenten Beitrag dar, der darüber hinaus tragfähige Antworten auf die Fragen der Nachhaltigkeit bereithält.
©AV1 Architekten GmbH
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