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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2018

Generalsanierung Gasteig in MĂŒnchen

ein 1. Preis

Preisgeld: 210.000 EUR

wulf architekten

Architektur

club L94

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BĂ©la Berec Architektur-Modellbau-Gestaltung

Modellbau

BRUTAL & Delikat I Visual Narrative

Visualisierung

ErlÀuterungstext

Der Gasteig heute

Etwas in die Jahre gekommen, aber vor allem schwer zu erfassen thront der Gasteig am Ufer der Isar - zerklĂŒftet gegliedert, im Ausdruck mal offen mit geschlossenen BĂ€ndern, mal tektonisch, unterbrochen von Treppenkernen und VorsprĂŒngen. Der Gasteig braucht vor allem eins: Klarheit.
Klarheit im Ausdruck, in der Erschließung, in der Nutzung und der Orientierung. Klarheit, die den Gasteig verstĂ€ndlich und damit bĂŒrgeroffen macht, Klarheit, die dem Gasteig neue IdentitĂ€t gibt.
Ausserdem muss der Bestand auch auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden, funktional und bautechnisch. Dies erfordert teilweise grundlegende Eingriffe.

Maßnahme

Mit einer einfachen aber effektiven architektonischen Maßnahme soll der Gasteig gedeutet, geordnet und ergĂ€nzt werden: Die Überlagerung der Fassade mit einer Reihung von TĂŒrmen verleiht dem Gasteig nicht nur neue IdentitĂ€t und Klarheit im Ausdruck und fasst das GebĂ€ude als eine Einheit zusammen, die TĂŒrme leisten auch funktionale Reparatur nach dem Prinzip der „dienenden“ und „bedienten“ RĂ€ume.

Den Bestand umdeuten

Als Elemente sind die TĂŒrme jedoch keine Fremdkörper, sondern verstehen sich als FortfĂŒhrung und ErgĂ€nzung der bestehenden TreppentĂŒrme in der Fassade. Geschlossene, bestehende Fassadenteile werden integriert in ein ganzheitliches Fassadenbild, die VertikalitĂ€t ĂŒberspielt unklare und schwer verstĂ€ndliche Ecken und VersprĂŒnge.
Der Ausdruck wird von einer gedrungenen Erscheinung in eine aufstrebende Kultur-Kathedrale umgedeutet, mit stÀdtebaulich weitreichender Ausstrahlung und hohem Identifikationswert.

Funktionale Reparatur

Die neuen TĂŒrme leisten neben der verĂ€nderten Wirkung im Ausdruck hauptsĂ€chlich funktionale ErgĂ€nzung fĂŒr Rettungswege, Technik und Tragwerk und beinhalten neue FluchttreppenhĂ€user, um Foyers und SĂ€le parallel und flexibel zu bespielen, neue zusĂ€tzliche Technikverteilung, und das neue Tragwerk der Aufstockung. Der ohnehin schon sehr kompakte und verdichtete Grundriss kann so entzerrt und neu geordnet werden, ohne zusĂ€tzliche EinschrĂ€nkungen der bautechnisch notwendigen Anpassungen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Gasteig ist eine Erfolgsgeschichte von Kultur-Instituten unterschiedlicher Körnung und inhaltlicher PrĂ€gung an einem Ort. Das Ziel, die Besucher der unterschiedlichen Einrichtungen noch stĂ€rker mit dem Angebot vertraut zu machen, wird in diesem Entwurf ĂŒber ein alle Bauteile ĂŒberspannendes Foyer neu gelöst. Man trifft sich in einem von Licht und LuftrĂ€umen gefluteten, mit Treppenanlagen durchzogenen Raum.
Da wird viel erreicht, fĂŒr das Gemeinsame, fĂŒr die einzelnen Institute.
Die schon heute starke Struktur der Stadtbibliothek wird als Lernlandschaft weiter ausformuliert, im Erdgeschoss von drei Seiten zugĂ€ngig, die Kulturvermittlung besuchernah an der richtigen Stelle. Die weiteren Raumsequenzen sind gut zoniert und mit abgrenzbaren Bereichen an den Außenfassaden. Nur im Untergeschoss fehlt der Nachweis einer Belichtung fĂŒr dort nachgewiesenen ArbeitsrĂ€ume.
Die RĂ€ume der Hochschule fĂŒr Musik und Theater liegen dagegen richtig positioniert an den neuen Innenhöfen und gut angebunden an den Foyerbereich. Der Bereich der Volkshochschule ist noch nicht optimal gelöst.
Das ist schon beachtlich, wie die Verfasser aus der baulichen Substanz mit anscheinend wenigen Justierungen eine richtig ĂŒberzeugende Antwort finden. Der Besucher der Einrichtung gewinnt Orientierung und der große, offen gestaltete Versammlungsraum fokussiert gleich im Zugangsbereich auf das Tagesaktuelle – informell, niederschwellig.

Fließend verbindet sich der Eingangsbereich mit dem Foyer vor dem großen Saal der Philharmonie. Die bauliche VerkĂŒrzung des Saals ist eine Maßnahme, die Verlagerung des BĂŒhnenbereiches nĂ€her in den Raum auch – dennoch reichen die hier angefĂŒhrten VerĂ€nderungen nicht aus, um nachhaltige rĂ€umliche Verbesserungen zu erzielen. Nachteilig sind die Raumbreite, die Proportion des Raumes, die Asymmetrie im Raum, die Stimmung im Auditorium – das Rendering liefert keine ĂŒberzeugende Lösung.
Potentiale fĂŒr eine gute Akustik in der Philharmonie sind erkennbar. Die Einfassung des Podiums, die Direktschallversorgung in den oberen RĂ€ngen und ausreichende Seitenreflexionen fĂŒr den mittleren Teil des Parketts erscheinen jedoch noch nicht ausgereift.

Im Foyer gibt es eine knappe Verbindung in das Untergeschoss, dem Straßenniveau – und von der Straße aus eröffnet sich, das zeigt eine Perspektive, ein Blick auf ein GebĂ€ude, das ĂŒber richtig große Verglasungen, eingewebte Loggien einen ganz eigenen, offenen Einblick in den Kulturbetrieb liefert. Aus einer reprĂ€sentativen Fassade ist – wieder mit scheinbar wenigen VerĂ€nderungen – ein GerĂŒst geworden, eine gliedernde Struktur aus MauerwerkstĂŒrmen. Das vertikale stadtbildprĂ€gende Motiv der heutigen Fassade wird zur Serie, die vertikalen tiefen Pfeiler sind Abgrenzung und Filter – eine entwurfliche Strategie, die das GebĂ€ude an dieser herausragenden Stadtposition je nach Blickrichtung in eine geschlossene Mauerwerksfassade verkĂŒrzt.
Das alles prĂ€gt schon heute den Gasteig - anders, statischer, staatstragender – also eine eigenwillige neue Interpretation.

Dieser neue Ausdruck, der in Zukunft das ganze Ensemble umspannen soll, fĂŒhrt zu kontroversen Diskussionen in der Jury. In Frage gestellt wird die Überzeichnung durch die zinnenartige Überhöhung, die gleichzeitig das Kulturell- Sakrale adressiert – also unverzichtbar. UnverstĂ€ndlich und hinterfragt wird von Teilen der Jury die Methode, in Mauerwerkspfeiler notwendige Erschließungen oder technische Installationen zu verlegen – eine Anleihe an eine gestrige Architekturauffassung, die baulich-strukturelle Bedingungen gestaltbestimmend einsetzte? Auch das ist Teil der architektonischen Haltung des bestehenden markanten KopfgebĂ€udes – also ein Querverweis auf das was ist und zudem Ă€ußerst effizient. Auf der Straßenebene werden Mauerwerksbögen zitiert. – Also, alles in allem zumutbar? Überzeichnet?
Vielleicht/vermutlich liegt in der aufgeladenen, eigenwillig-experimentellen Aussage die große StĂ€rke?

Im Innenraum könnte mit den kreisförmigen Möblierungselementen eine durchgĂ€ngige Formensprache entstehen, die in einen spannenden Kontrast zur rechtwinkeligen Struktur der Außenhaut tritt. Das Foyer ist bereits im Erdgeschoss mit Funktionen belebt.

Zweifelsohne von QualitĂ€t sind die großen Verglasungen zwischen den massiven Bauteilen, die dem Ensemble in allen Bereichen Licht, Ausblick, Einblick verschaffen.
Sicher ist, dass die Maßnahmen im Außenbereich die Anbindung an den Straßenraum gut und qualitĂ€tsvoll herstellen: eine weitgezogene Treppenanlage hinauf zum Celibidache-Forum. Die Treppenskulpturen mit integrierten Sitzmauern und BĂ€umen öffnen das Forum in großzĂŒgiger Weise zur Stadt. Es entsteht eine neue FreiraumqualitĂ€t, die mit dem Wasserspiel noch verstĂ€rkt wird. Als angenehme Geste wird der neue Eingangsplatz mit direktem Zugang zur Philharmonie von der Straße ‚Am Gasteig‘ empfunden. Die unterschnittenen Bereiche östlich, die die ZugĂ€nge zur Bibliothek unterstĂŒtzen, sind sorgfĂ€ltig ausgearbeitet.
Die Anlieferung ist nicht besser als heute und so nicht gelöst. Die Lkw- Zufahrt rĂŒckwĂ€rts ĂŒber eine Rampe in die Anlieferung erscheint schwierig.

Ein dichter, interessanter Entwurfsansatz, der eine hohe QualitĂ€t in den GebĂ€uden sichert, in den Instituten intern und in den gemeinsamen Bereichen. Im Umgang mit der HĂŒlle polarisiert die Arbeit. Sie hĂ€lt eine Kontroverse aufrecht, die das Ensemble seit vielen Jahren im StadtgefĂŒge an exponierter Lage auszeichnet.
Lageplan

Lageplan

1.OG

1.OG

Schnitt

Schnitt

Ansicht SĂŒd

Ansicht SĂŒd

Modell

Modell