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Offener Wettbewerb | 06/2025

Gesamtkonzept Paulskirche und Haus der Demokratie in Frankfurt am Main

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Preis

Preisgeld: 22.000 EUR

rethmeierschlaich architekten

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

SWSTUDIO

Architektur

Knüvener Architekturlandschaft

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Habermas Theorie des kommunikativen Handels beruht auf der Idee, dass gesellschaftliche Vernunft und Solidarität durch verständigungsorientierte Kommunikation entstehen. Eine demokratische Kultur basiert auf dialogischer Inklusion. Wir möchten mit unserem Vorschlag Kommunikationsorte schaffen, die zum Austausch, zum Diskurs und zur öffentlichen Diskussion einladen.

Auf dem neugestalteten Paulsplatz bieten unterschiedliche Orte Platz und Raum für diesen Austausch. Das intime Zwiegespräch, der Gruppenaustausch, das Tischgespräch mit Unbekannten und ein Speaker’s Corner.

Der Paulsplatz wird zum urbanen Biotop, bei dem Flora und Fauna sich Platz und Raum zurückerobern können. Der Platz bedarf kaum Pflege, sondern folgt den Gesetzen einer klimaresilienten, natürlichen Bepflanzung.

Eingebunden in die Stadtplätze von Rossmarkt und Römerberg, schafft es der Paulsplatz, Hitzeinseln durch die Entsiegelung und Bepflanzung entgegen zu wirken. Gleichzeitig bietet er bei Starkregen Retentionsflächen und reguliert darüber das Stadtklima.

Der offene und kommunikative Raum macht Demokratie erlebbar und integriert gleichzeitig ökologische und nachhaltige Prinzipien in die Gestaltung. Die Umnutzung und Transformation des Bestandes von Paulsplatz und Kämmerei wird gegenüber einem Neubau priorisiert und berücksichtigt so die klimatischen Herausforderungen unserer Zeit. Das „Haus der Demokratie“ selbst wird ein dynamischer und offener Bau sein, der die vorhandene Struktur der ehemaligen Stadtkämmerei respektiert und sie für die neue Nutzung adaptiert. Als neue Krone erhält das Dach der Kämmerei einen öffentlich zugänglichen und multifunktional nutzbaren Wintergarten.

So zielt der Entwurf für das „Haus der Demokratie“ darauf ab, einen neuen öffentlichen Ort rund um die Paulskirche zu schaffen, der sowohl die historische Bedeutung als auch die Herausforderungen der Zukunft berücksichtigt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit überzeugt durch einen intensiv bearbeiteten Grünraum – sowohl auf Stadtebene als Freiraum als auch mit einem zweigeschossigen Dachraum auf dem bestehenden Gebäude. Die Unterbringung des Hauses der Demokratie im Bestand ohne unterirdische Anlagen erscheint in dieser Arbeit mit dem Schwerpunkt auf einer klimaresilienten Stadt besonders sinnfällig und in der Haltung konsequent.

Das Versprechen einen Ort der Kommunikation und des Austauschs im Freien zu schaffen wird aus Sicht des Preisgerichts eingehalten, weil Maßnahmen gegen eine Überhitzung des Platzes berücksichtigt werden. So kann der Paulsplatz weiterhin ein beliebter Stadtraum bleiben, weil ein Mikroklima geschaffen wird, das zum Aufenthalt auch bei steigenden Temperaturen einlädt.

Eine Reihe an Elementen, die geeignet sind, um das Mikroklima am Paulsplatz zu verbessern werden in der Arbeit detailliert und aussagekräftig dargestellt und haben das Potential als Katalog sinnfälliger Maßnahmen über den Ideenwettbewerb hinaus in die Bearbeitung des Areals einzufließen.

Regenwassermanagement und Energiegewinnung werden spielerisch gestalterisch integriert. Der formale Umgang ist von angenehmer Leichtigkeit geprägt.

Orte für Kommunikation erscheinen niedrigschwellig nutzbar für alle Gruppen der Bevölkerung. Dadurch entsteht ein inklusiver und generationenübergreifender Ort mit Alleinstellungsmerkmal als besonders begrüntem Stadtplatz in Frankfurt.

Nutzungen wie der Schulgarten und die heterogene Gestaltung werden kontrovers diskutiert.

Diese Verbindung von sozialen Faktoren der Nachhaltigkeit mit ökologischen Entscheidungen in der Planung macht die Interpretation von einem demokratischen Stadtraum glaubwürdig. Die Arbeit bietet eine Antwort auf die Frage, wie Klimaschutz zu einem positiven Zukunftsbild mit sozialem Mehrwert und damit zu einem demokratisch getragenen Ziel werden kann.

Der Umfang der Entsiegelung unmittelbar vor der stark genutzten Gastronomie an der Neuen Kräme wird zwar in Frage gestellt, jedoch überzeugt das Konzept der landschaftsgestalterischen Gesamtmaßnahmen.

Die Grundrisseingriffe im Bestand erscheinen denkbar. Die Nutzung des Bestandsgebäudes zur Wahrung von Sichtachsen auf die Paulskirche erscheint angemessen.

Die Möglichkeit eines Zugangs von Norden und somit eine Belebung des Vorplatzes an der Berliner Straße wird gewürdigt. Die Treppenanlage vor der Fassade wird jedoch kontrovers diskutiert, aber insgesamt als Geste der Zugänglichkeit zur Kenntnis genommen.

Der zweigeschossige Dachraum wird vom Preisgericht besonders gewürdigt als Ort, der das Gebäude sichtbar zum öffentlichen Ort macht und das Unterbringen von großflächigen Nutzungen ermöglicht. Während die Prägnanz der grünen Geste auf dem Dach von der Denkmalpflege eher als Beeinträchtigung des Rathausensembles betrachtet wird, schafft sie doch aus Sicht des Preisgerichts auch den gewünschten markanten Ausdruck, der das Bestandsgebäude deutlich als öffentlichen Ort kennzeichnet.

Blaugrüne Infrastruktur als relevanter Faktor der Stadtgestaltung ist in diesem Beitrag besonders intensiv bearbeitet und gelungen gestalterisch inszeniert.
Lageplan

Lageplan

Schnitt durch das Haus der Demokratie (ehem. Stadtkämmerei)

Schnitt durch das Haus der Demokratie (ehem. Stadtkämmerei)

Schnitt durch die Paulskirche

Schnitt durch die Paulskirche

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Dachgeschoss

Dachgeschoss